Prem, Pfarrkirche St. Michael
Pfarrkirche, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung dem Prämonstratenserchorherrenstift Steingaden inkorporiert, Herrschaft Steingaden
Patrozinium: St. Michael, z. Z. der Ausmalung Unsere Liebe Frau
Zum Bauwerk: Die ursprünglich gotische Anlage wurde 1754–56 umgebaut und ausgestattet. - Dreiachsiger Saalbau und eingezogener AR mit 3/8-Schluß; im W Empore
Auftraggeber: Abt Marian Mayr von Steingaden (1745–72) Kloster- und Abtswappen am Chorbogen. Der amtierende Pfarrvikar war Pater Friedrich Kurz
Autor und Entstehungszeit: Nach den Kirchenrechnungen des Pfarrarchivs erhielt 1756 Bernhard Ramis für »fresco Malen« der Kirche in Langhaus und Chor 308 fl. (Hofmann 1951). Bernhard Ramis, Maler in Kaufbeuren, später in Steingaden und Bernbeuren, starb 1764 in Auerbergdorf.
Befund
Träger der Deckenmalerei: A Flachtonne mit Stichkappen, B Stichkappentonne nach O abgemuldet
Rahmen: A und B imitierter Stuckprofilrahmen, A1–8, B1–4 gemalte Rocaillekartuschen
Technik: A Fresko, B Öl; A, B polychrom, A1–8 Grisaillen auf Ockergrund, B1–4 monochrom braun auf Karmingrund Maße: A Höhe 7,30 m; 6,10 × 4,60
B Höhe 8,10 m; 2,90 × 2,70
Erhaltungszustand und Restaurierungen: In der Kirche wurden 1819, 1840, 1898, 1921, im AR 1949 und im LHs 1955 Restaurierungen durchgeführt. Anläßlich der Renovierung von 1898 wurden die Fresken in Leimfarbe übermalt und durch Umrahmungen ergänzt. A wurde 1955 durch J. Lang von einer noch früheren Ölübermalung aus der Mitte des 19. Jh. (1840?) befreit; die originale Freskosubstanz ist einigermaßen erhalten. B trägt die völlig dekkende Ölübermalung. Es ist fraglich, inwieweit die Komposition in B noch aus dem 18. Jh. stammt (keine Abbildung). A1–8 und B1–4 sind in ihrer originalen Substanz schwer beeinträchtigt: Die Farbgebung ist grundlegend verändert; A1–8 waren ehemals monochrom grau-blau, B1–4 monochrom karmin-rosa. Die Ornamentformen sowie die ikonographisch unkorrekt wiedergegebenen Figuren der Kartuschen wirken neobarock (keine Abbildungen). Beim Orgeleinbau vor 1898 wurde der westliche Teil des LHs-Gewölbes mit vier Kartuschen entfernt und durch eine Flachdecke ersetzt. Dem Apostelzyklus im LHs fehlen daher die Darstellungen von vier Aposteln.
Beschreibung und Ikonographie
A KRÖNUNG MARIENS Das annähernd längsovale Fresko zeigt eine reine Himmels- und Wolkenszenerie. Die streng symmetrische Komposition ist konzentrisch um die Gestalt Mariens als deren formaler und inhaltlicher Mittelpunkt angeordnet. Maria kniet in demütiger Haltung auf der von der Mondsichel umklammerten Weltkugel und wird von Engeln in einen Hermelinmantel – Zeichen ihrer Königswürde – eingehüllt. Weitere Engel und Putti auf Wolken umringen sie, Tugendsymbole, einen Kranz von Rosen und eine Lilie haltend. Ihr zu Häupten schwebt die Hl. Dreifaltigkeit, formal in ein Dreieck einbeschrieben, das durch den Dreiecknimbus, der die Geistestaube umgibt, sinnvoll unterstrichen wird. Gottvater und Christus – in Haltung und Gewanddraperie von geradezu spiegelbildlicher Symmetrie – halten die sternenumringte Krone über Maria. Maria, Krone und Geistestaube bilden das helle Zentrum des Freskos.
Verkürzung und Untersichten sind sparsam gehandhabt, doch ist die Darstellung in drei räumliche Schichten gegliedert, durch welche Höhenillusion angestrebt wird: durch die am westlichen und östlichen Bildrand repoussoirhaft in die Himmelsszenerie einführende Dunkelzone in Form von zwei Wolkenkissen, auf denen ein weihrauchfaßschwingender und zwei posaunenblasende Engel (Inschrift: Ave / Regina / Caelorum) sitzen. Zwischen der östlichen Repoussoirzone und der flächig aufgegliederten Darstellung der Marienkrönung erblickt man musizierende Engel, die in ganz kleinem Maßstab und farblich mit den Wolkenformationen verschmelzend wiedergegeben und dadurch illusionistisch in eine weitere Ferne gerückt sind als der Mittelgrund.
Durch die schwebenden Bewegungen der Figuren, die weitausgebreiteten Flügel der Engel, die aufgebauschten Gewänder, besonders aber durch die Gesamthelligkeit des Freskos wird eine luftige »himmlische« Atmosphäre erreicht. Auf gelblich-rosa Grundton sind zarte gelb-grüne, rosa-gelbe, hellblaue und zartrosa Farben gesetzt.
B ST. MICHAEL In der Mitte des querovalen Freskos steht im Harnisch der Erzengel unter dem Dreifaltigkeitssymbol, begleitet von zwei anbetenden Engeln. Auf dem Schild die Inschrift: Quis / ut / Deus!, auf dem von Putti gehaltenen Schriftband: Michael et angelis ejus. Apoc. (= Apoc 12,7). (Keine Abbildung)
A1–8 APOSTEL A1 Petrus, A2 Paulus, A3 Andreas, A4 Jakobus Major, A5 Thomas, A6 Johannes, A7 Jakobus Minor, A8 Philippus (keine Abbildungen)
B1–4 KIRCHENVÄTER B1 Gregor, B2 Ambrosius, B3 Hieronymus, B4 Augustinus (keine Abbildungen)
Quellen und Literatur
Braun-Augsburg, Bd 1, S. 33.
Hofmann, Sigfrid, Kurze Beiträge zur Geschichte des Landkreises Schongau: Prem, in: Lech- und Ammerrain 2, Februar 1951, S. 3.
–, Der Landkreis Schongau, München 1959, S. 78.
Fried, Pankraz und Sebastian Hiereth, Die Landgerichte Landsberg und Schongau (Historischer Atlas von Bayern Bd 22/23), München 1971, S. 249.