Neumarkt St. Veit, ehem. Benediktinerkloster St. Veit, Seelenkapelle


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 8: Landkreis Mühldorf am Inn. Hirmer, München 2002, ISBN 978-3-7774-9430-2, S. 193–194, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Zum Bauwerk: An die Gruftkapelle schließt nach N die Seelenkapelle an, die heute nur noch vom Friedhof aus zugänglich ist. Sie entstand 1715 gemeinsam mit der Gruftkapelle. Heute ist sie als Kriegergedächtniskapelle eingerichtet.

Etwa quadratischer kreuzgewölbter Raum (3,40×3,26 m). Beleuchtung durch ein breites Fenster von N, Zugang von W geostet.

Auftraggeber: Abt Marian Wieser von St. Veit (1695-1720).

Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Joseph Anton Haas (* um 1684 Schärding † 1742 Neumarkt) 1715 (s. oben).

Befund

Träger der Deckenmalerei: Verschliffenes Kreuzgewölbe Rahmen: Stuckprofil

Technik: Fresko; B, B1-2, W monochrom karmin, B3-4 monochrom ocker

Maße: Höhe 4,25 m; B, B1-4, W je ca. 0,70 × 0,70 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Deckenbilder wurden 1995 durch Karl Holzner, Ampfing, gereinigt. Übermalungen, der Zustand ist nicht so original wie der der Gruftkapelle.

Beschreibung und Ikonographie

Die Darstellungen befinden sich in einem zentralen Mittelmedaillon sowie in den vier Stichkappen, alle mit Inschriften. Während im Mittelmedaillon darauf hingewiesen wird, daß der Mensch durch sein Handeln selbst entscheidet, welches Los ihn nach dem Tod erwartet, wird in den vier Nebenbildern das Schicksal nach dem Tod gezeigt, nicht in der üblichen Zusammenstellung der Vier letzten Dinge: Tod, Gericht, Himmel und Hölle, sondern etwas abgewandelt.

B EWIGKEIT Schlange, die sich in den Schwanz beißt, durchkreuzt von Palmzweig und Flammenschwert. O Ewigkeit / Todt oder Leben / dir selbst kanst geben.

B. VIER LETZTE DINGE

B. GERICHT Christus thront im Himmel auf dem Regenbogen als Weltenrichter. Maria kniet unter ihm als Fürbitterin, auf Wolken Scharen von ganz kleinen Seligen. Die Seele steht als mit einem Tuch bekleideter Mensch auf einer kleinen Wolke, die Hände bittend erhoben. Gib Rechenschafft

B2 FEGFEUER Arme Seele, mit Ketten gebunden, in den Flammen des Fegfeuers. Sie hält die Hände gefaltet. In der Inschrift Hinweis darauf, daß für die Sünden gebüßt werden muß, bis alle Schuld getilgt ist. Biß auf den letzten Haller.

B, HIMMEL Seele, die verklärt nach oben blickt. O Gott mein ewige Freudt.

 
B Ewigkeit
 
A2 Geißelung

B. HÖLLE Verzweifelte Seele im Höllenfeuer, von Schlangen gemartert. O Höll mein ewiges Leydt.

W Gemalte Kartusche an der Wand über dem Eingang: Der Tod sitzt auf einer Mauerbank, in ein Leichentuch gehüllt, auf die Sense gestützt, und hält eine Sanduhr in der Hand Der Todt ist gwiß / die Todtesstundt ungwiß.

In Oberbergkirchen und in Schönberg befinden sich auch Seelenkapellen mit ähnlichen Darstellungen, die aber so übermalt sind, daß sie nicht mehr als barock bezeichnet werden können.

 
B, Hölle
 

Quellen und Literatur

StAM, LRA 52106: Restaurierung der Gruftkapelle 1913. AEM, Pfarrmatrikel Neumarkt-St. Veit.

KDB I OB (3), S. 2261 (Klosterplan), S. 2273 f. Hartig, Michael, Die oberbayerischen Stifte, Bd 1, München 1935, S. 64-68

Hubensteiner, Benno, Die Heimat und ihre Geschichte: Neumarkt, in: Das Mühlrad 6, 1956, S. 18.38.

 
 

-, Silvester Mayerhofer, der Maurermeister von Neumarkt, in: Das Mühlrad 7, 1957, S. 47–50.

Markmiller, Fritz, Barockmaler in Niederbayern, Die Meister der Städte, Märkte und Hofmarken, Regensburg 1982, S. 262 f. Lechner, Gregor Martin, Neumarkt St. Veit (KKF Nr. 948), 21989.

Dehio 1990, S. 873.

CB

OBERFLOSSING

Pfarrkirche Seelenkapelle S. 203