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Neumarkt St. Veit, ehem. Benediktinerkloster St. Veit, Gruftkapelle

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 8: Landkreis Mühldorf am Inn. Hirmer, München 2002, ISBN 978-3-7774-9430-2, S. 190–192, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

NEUMARKT-ST. VEIT

Ehem. Benediktinerkloster St. Veit heute Altenheim des St.-Vinzentius-Vereins Stadt Neumarkt-St. Veit, Pfarrverband Neumarkt-St. Veit, Erzdiözese München und Freising. Ehem. Erzbistum Salzburg Gericht Neumarkt

Gruftkapelle an der Josephskapelle Seelenkapelle S. 193

A Auferstehung

Zur Geschichte: Gründung in Elsenbach 1121 als Filialkloster von St. Peter in Salzburg, 1171 Verlegung des Klosters auf den Veitsberg. 1269 Verlegung von Markt und Zollstätte in Elsenbach nach dem unterhalb von St. Veit gelegenen Wolfsberg nunmehr > Neumarkt <. Klosterhofmark. Inkorporierte Pfarreien Waren Hörbering, Feichten, Elsenbach und Vilsbiburg. Unter Abt Bernhard Hinterhueber (1687-95) Neubau des Konventtrakts; unter Abt Marian Wieser ab 1695 Erneuerung von Kirche und Kloster mithilfe des Baumeisters Dominikus Glasl, und nach einem verheerenden Brand 1708, Wiederaufbau des Klosters. Selbstauflösung 1802.

Gruftkapelle bei der Josephskapelle

Zum Bauwerk: 1688/71 errichtete der Baumeister Domenico Cristoforo Zuccalli unter Abt Bernhard Hinterhueber (1687- 95) südöstlich der Klosterkirche das neue Dormitorium, in dem die 1617/20 durch den Weilheimer Baumeister Hans Guggemoos errichtete Annakapelle und die 1639 als Zwi schenglied erbauten Sakristeiräume aufgingen. Dieser sog. Zuccalli-Trakt grenzt südlich an den Chor der ehem. Klosterkirche und erstreckt sich nach O bis zur Gartenmauer. Statt der Anna-Kapelle wurde die rechteckige, zweischiffige Josephskapelle errichtet (heute profaniert). Der Zugang zu ihr befand sich ursprünglich auf der Nordseite vom Friedhof aus (vgl. Ansicht bei Wening, Tafel 118), heute ist sie von der Kirche bzw. vom Kreuzgang aus über die zwei Sakristeiräume zu erreichen. In ihrem Mitteljoch schließen nach N und S Kapellen an, unter Abt Marian Wieser erbaut, an der Nordseite die Gruftkapelle, auch Leidens- oder Kreuzkapelle genannt, wo sich der Abstieg in die Gruft befindet. Für Stilstufe des 1./2. Jahrzehnts des 18. Jh.

Quadratischer Raum (3,30×3,30m), gerade geschlossen, genordet. Fenster nach O und W. Umlaufendes Gesims. In den abgeschrägten Ecken der S-Seite Figurennischen.

A, Kreuzannagelung

Auftraggeber: Abt Marian Wieser von St. Veit (1695–1720), dessen Wappen sich am Eingang befindet. Inschrift auf einer Ziegelplatte im Raum unter der Gruftkapelle »Haec crypta et capellae superaedificatae in honorem Christi Mariano Wiser huius viti monasterii abbate XLV. contae et evstructae sunt anno Christi MDCCXV.«

Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Joseph Anton Haas (* um 1684 Schärding † 1742 Neumarkt) 1715. Das Datum 1715 ist an der Decke zwischen A und A5 stuckiert. In der fraglichen Zeit war in Neumarkt als Maler Joseph Anton Haas tätig, der 1707 Anna Maria Ferzman, Gerberswitwe aus Neumarkt, heiratete und sich dort niederließ. Für Joseph Anton Haas gesichert ist das Kuppelfresko in Wimpasing (s. S. 295), das Ähnlichkeiten mit den Malereien in St. Veit zeigt. Vergleichbar sind die helle Farbigkeit mit der Bevorzugung von Rotwerten und die etwas gestelzt gegebenen Posen.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Tonnengewölbe mit Stichkappen, nach S (zum Eingang) abgemuldet

Rahmen: Stuckprofil

Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 5,07 m; 1,30 x 1,00

A5 Höhe 5,07 m; 1,20 x 1,45

A1–1 0,90 x 0,60

A1–4 0,50 x 0,80

Wappen 0,90 x 1,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Im Zusammenhang mit der Ausschmückung der Josephskapelle 1912 nach Plänen Architekt Schotts, München, wurden 1913 auch die Fresken in der Gruftkapelle durch Max Vogt, München, restauriert (LRA). Reinigung 1995 durch Karl Holzner, Ampfing. Die Deckenbilder wirken original erhalten, das Rot ist stellenweise verdorben. Übermalungen sind sichtbar in WI Geißelung und in dem Wappen über dem Eingangsbogen.

Beschreibung und Ikonographie

A AUFERSTEHUNG Vor einem steilen Felsen steht Christus auf dem Sarkophag, eine weiße Draperie um die Hüften, von einem weiten Mantel umweht. Er zeigt seine Wundmale und hält das Fähnchen des Auferstandenen in der Rechten. Von oben dringen Wolken ein, in denen drei Puttenköpfchen zu sehen sind.

A1–7 PASSION-SZENEN Die fünf übrigen Bildfelder, ein dreipaßförmiges Deckenbild sowie zwei querovale und zwei hochformatige Wandbilder bringen einen kleinen Passionszyklus, der dem Schmerzhaften Rosenkranz entspricht. Abfolge chronologisch.

A1 ÖLBERG Jesus kniet am Ölberg, vor ihm erscheint in Wolken der Engel mit dem Leidenskelch. Im Vordergrund sind die drei Apostel schlafend zu sehen. Petrus hält das Schwert, mit dem er Malchus das Ohr abschlagen wird. Im Hintergrund kommen am Gartentor zwei Gestalten an, Judas und seine Verschwörer.

Stuckkartusche über dem Eingang zur Gruftkapelle

A1 GEISSELUNG Innenraum. Jesus steht an die Geißelsäule gebunden, zwei Schergen schlagen auf ihn ein.

A1 DORNENKRÖNUNG Jesus kniet am Boden, blutüberströmt, die Dornenkrone auf dem Haupt, den Mantel um die Schultern gelegt und das Schilfrohr in der Hand. Er ist umringt von Soldaten, Henkersknechten und einem Schriftgelehrten (?), die ihn verhöhnen.

A1 KREUZWEG Jesus ist unter dem Kreuz zusammengebrochen, ein Henkersknecht schlägt auf ihn ein. Veronika (?)

W To

kniet vor ihm, ein Gebundener (Simon von Cyrene?) wird herangestoßen.

A, KREUZANNAGELUNG Jesus liegt auf dem Kreuz am Boden, drei Henkersknechte nageln ihn an.

Über dem Eingang zur Gruftkapelle bereitet eine Stuckkartusche auf den Passionszyklus vor: Putten halten Passionswerkzeuge, in der Bekrönung Herz Jesu mit IHS (ligiert) und Herz Mariens MARIA (ligiert).