Marienstein, Priorat des Augustinerinnenklosters Marienstein
Stadt Eichstätt, Klosterhof 3; z. Z. der Ausmalung Priorat des Augustinerinnenklosters Marienstein.
Zur Geschichte: Kloster und Kirche der 1460 gegründeten Frauengemeinschaft nahe dem kurz zuvor reformierten Augustiner-Chorherrenstift Rebdorf wurden 1470 grundstein gelegt. Das 1632/33 im Dreißigjährigen Krieg beschädigte und geplünderte Kloster wurde ab 1635 notdürftig repariert und gründlich 1669 unter Fürstbischof Marquard II. Schenk von Castell (1636–85) und Priorin Agnes Sartor (1657–92) wieder aufgebaut. Den baulichen Zustand zur damaligen Zeit über liefert ein Kupferstich. Das weitläufige, von Mauern abge grenzte Klosterareal erstreckt sich östlich eines Straßenver laufs, der mit Wirtschaftsgebäuden und einer Toranlage bebaut ist. Das Zentrum bilden der spätgotische Kirchenbau und der an die Nordseite angebaute, vierflügelige Konventbau um einen Innenhof. Der Prioratstrakt erstreckt sich nach Norden versetzt als westliche Verlängerung von Kirche und angebau tem Konventflügel. – Nach der Säkularisation wurden ab 1807 einzelne Klostergebäude an Privatleute verkauft, der restliche Teil des Klosters wurde nach Auflösung des Konvents 1839 privat ersteigert. Infolge schlechten Baubzustands wurden das Klostergeviert und der Kirchenchor abgerissen; die Kirche ging in den Besitz des Dorfes Marienstein. In der Folgezeit wechselten die Besitzer, hinsichtlich des Prioratstrakts sind die Abtrennung eines Gebäudeteils und Veränderungen der Raumstrukturen zu bemerken. 2000 gelangte der östliche Teil des Prioratstrakts an neue Besitzer; im Zuge der umfassenden Generalsanierung wurden die bauzeitliche Innenstruktur im Obergeschoss, und zwar im Zimmer nächst der Kirche, wiederhergestellt und dabei das Deckengemälde entdeckt.
Zum Bauwerk: Untersuchungen im Zuge der Generalsanierung haben ergeben, dass das Priorat ab 1471 erbaut und 1633 nach dem Brand des Vorjahrs wieder aufgebaut wurde, und zwar unter Erhalt des gotischen Mauerwerks; die Räume wurden jedoch überformt und mit Bohlen-Balken-Decken neu ausgestattet. Einzeln erhaltene Türstöcke, Türblätter, Spiralbeschläge wie auch ein Tafelparkettboden verweisen auf eine Innenrenovierung der Zeit des Frühbarocks um 1715/25; möglicherweise zeitgleich ist das Deckenbild samt Putzdecke entstanden.
Der Prioratstrakt ist ein spätgotisch geprägter, zweigeschossiger Satteldachbau mit Eingangstür an der Südseite und einem Kastenerker im Südosteck des Obergeschosses. Auch die kleinteilige Innenstruktur ist spätgotisch geprägt. Das Deckengemälde findet sich im nach Südosten liegenden Raum über unsymmetrischem Grundriss; dieser ist teils mit Tafelparkettboden (4,60 x 4,30 m) ausgestattet, die südliche Erkerachse ist davon ausgespart, hier erlaubt ein Fenster den Blick in die Kirche; Belichtung über vier rechteckige Fensteröffnungen in der Südseite.
Auftraggeber: Kein Hinweis, weder Wappen noch Inschrift an der Decke oder der Malerei. Amtierende Priorinnen im vermuteten Zeitraum waren Florentina Cöfler (1699–1717), Colestina Staudacher (1717–23) und Aquilina Schytz v. Pfeil stadt (1723–42). Letztere scheidet wohl als Auftraggeberin aus. In der Filialkirche Mariä Heimsuchung zu Großnotters dorf, wohin die barocke Inneneinrichtung der Klosterkirche kam, hat sich ein Ölgemälde erhalten, das die Priorin als Halb figur vor einem Tisch stehend zeigt, ein geöffnetes Buch und einen Rosenkranz haltend, die andere Hand vor der Brust so wie ihrem Wappen. Auf dem Tisch steht die Holzfigur des Gnadenbilds der Altöttinger Madonna. Als Auftraggeberin des Maria-Hilf-Bildes im Priorat hätte sie sich wohl auch mit diesem Gnadenbild porträtieren lassen.
Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Matthias Zink (* 1665 Donaumünster † 1738 Eichstätt) um 1715/25.
Trotz des übergangenen und freigelegten Erhaltungszustandes zeigt sich, vor allem in den Engelfiguren, die stilistische Zugehörigkeit zum Werk des Eichstätter Malers Matthias Zink, dem zu dieser Zeit vielbeschäftigten Ölmaler und Freskanten. Zeitnah ist das Ölgemälde in Petersbuch am linken Seitenaltar mit dem Maria-Hilf-Bild über Passau, das Zink zuzuweisen ist (Das dortige Hochaltargemälde ist signiert M: Zinckh pinxit).
Zudem verweist die Verwendung der beiden Bildmotive »Lilium inter spinas« und »Cetrus castitatis« auf Zink, die dieser bereits in Altendorf 1709/10 verwendete (S. 22). In Marienstein kombinierte er sie mit zwei Marienemblemen aus Joseph Zollers »Conceptus chronographicus de concepta sacra dei para«, das 1712 in Augsburg erschien und damit einen terminus post quem für die Entstehung des Mariensteiner Deckengemäldes darstellt. Das Emblem »Clarior inde« verwendete Zink 1722 in Hitzhofen (S. 284).
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flachdecke Rahmen: Stuckprofil Technik: Secco; Hauptbild polychrom, a-d monochrom ocker Maße: A Höhe 2,80 m; 2,00 x 1,50 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Decke wurde nach 1836 übertüncht, im Raum eine Zwischenmauer eingezogen, die das Hauptgemälde am unteren Bildrand streifte. Im Zuge der Generalsanierung 2000–05 wurde eine vier Meter dicke Kalkschicht entfernt.

Beschreibung und Ikonographie
ENGEL TRAGEN EIN MARIA-HILF-GNABENBILD GEN HIMMEL Blickrichtung nach West. Das hochrechteckige Bildfeld zeigt eine Himmelsszenerie mit einem mittig platzierten, goldumrahmten Gemälde mit der Darstellung des Gnadenbildes Maria-Hilf vor dunklem Hintergrund. Vier Engel halten das Bild, ein geflügelter Puttenkopf und die Taube des Heiligen Geistes als Lichterscheinung begleiten das Gemälde am unteren und oberen Bildrand.
Auch wenn hier ein Hinweis auf Kloster Marienstein fehlt, entspricht die Darstellung der klösterlichen Gepflogenheit, den Konvent einem Gnadenbild anzuempfehlen (vgl. Beyharting, wo die Pröpste Johannes und Ildephons ihr Kloster der Gnadenmutter von Tuntenhausen empfehlen, s. CBD Bd 12/1, S. 115 Abb.)
Das Gemälde schmücken in den vier Achsen Gebilde aus Akanthusranken und Muscheln, stilistisch in die Zeit 1715/25 passend.
a-d MARIENEMBLEME in vier runden Medaillons um das Hauptbild, die Ansicht ist auf das Mittelbild bezogen (Zählung beginnend links oben entgegen dem Uhrzeigersinn). Die beiden Embleme a und b sind bildliche Zitate aus Joseph Zollers »Conceptus chronographicus de concept para«, Augsburg 1712, die in der Beschreibung von b zitierten Sätze stammen aus dem Exzerpt mit deutschen Übersetzungen »Mira satis ac sine omni peccato Mariae sanctissima conceptio«, Augsburg 1712, S. 20.
a clarior inde Auf einem Tisch vor einem Architekturprospekt steht ein Spiegel, in dem sich die am Himmel stehende Sonne spiegelt. Vgl. die Ausführungen unter Hitzhofen Bb, S. 286.
b candita sember (sic!) An einem Strand liegt eine Muschel mit Perle, von der Sonne bestrahlt. »Maria/Ein wahrhaftes schoenes / Perlein / So gleich Anfangs in der Schalen / eine Schnee=weisse Farb / erworben. / Von Anbegin / Schnee=weiß ich bin.«
c cetrus Castitatis Zeder inmitten einer baumbestückten Landschaft. Vgl. Altendorf c, S. 22.
d lilium inter spinas Lilie inmitten eines Dornengestrüpps Vgl. Altendorf b, S. 22.
Quellen und Literatur
DAEI, B161: Geschichten des Frauenklosters
BLfD, Akt Marienstein, Klosterhof 3, darin Karin Berg, Stadt Eichstätt: Marienstein, Klosterhof 3, ehem. Priorat. Kunsthistorische Grundlagenermittlung und Archivrecherchen zur Bau- und Veränderungsgeschichte nach der Säkularisation 2000.
KDB V MF (1), S. 408–17. Buchner Bistum Eichstätt 1937, S. 238–40. Denkmaltopographie Eichstätt, S. 188–90. Dehio OB 1990, S. 620; 2006, S. 676. Pfättisch, Stefan, Das Priorat hat uns gefunden, in: Das Jura 1aus 12, 2006/2007, S. 27–33.
C.G.