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Lippertshofen, Filialkirche St. Georg und St. Leonhard

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 343–347, geschrieben von Grimminger, Christina. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filialkirche, Markt Gaimersheim, Pfarrei Hitzhofen, Diözese Eichstätt. Vor 1480 wurde die Kirche zeitgleich mit ihrer Instandsetzung von der einstigen Mutterpfarrei Eitensheim abgetrennt und Pfarrkirche. Die Priefer’sche Visitation von 1601 berichtet, dass Lippertshofen Ziel einer Wallfahrt zum hl. Leonhard war und dass »eine große Menge verrostete Eisen, das aus der Erde gegraben wurde, Zeugnis gab«. Hier- von hat sich, wohl aufgrund von Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg nichts erhalten. Nachweislich im 18. Jh. trat neben Leonhard der hl. Wendelin, wie ein im Kirchenraum überkommenes und mit 1736 datiertes Gemälde des Lippertshofener Leinwebers Thomas Seibler dokumentiert.

Patrozinium: St. Georg und St. Leonhard

Zum Bauwerk: Neubau aus dem Jahre 1771 nach Plänen des Eichstätter Baumeisters Domenico Salle. Die Kirche ist, wie es für das ehem. Hochstiftsgebiet typisch ist, als Chorturmkirche errichtet. Im Inneren präsentiert sie sich als eine am Übergang vom Rokoko zum Klassizismus stehende Dorfkirche mit Deckengemälden ohne Stuckdekoration.

Kleines, langgezogenes LHs in Form eines Saales (15,20×8 m zu drei Fensterachsen, korbbogenförmiger Chorbogen, eingezogener und ausgeschiedener AR (5,80×5,80m) mit segmentbogenförmigem Schluss. Belichtung über segmentbogenförmige Öffnungen im LHs, im AR neben zwei Fenstern in der Nord- und Südwand zusätzlich ein Ochsenauge in der Mittelachse hinter dem Hochaltar. Im Westen Orgelempore auf zwei Stützen und auskragendem Mittelteil, gerade, verputzte Brüstung. Kirchenraum ohne architektonische Gliederung, lediglich Profilleisten am Chorbogen und an der Hohlkehle der Flachdecke als Begrenzung.

Der Kirchenraum

Auftraggeber: Der Hitzhofener Pfarrer Josef Birkl (1767-93), der starb 1793 in Hitzhofen.

Bei den Bezeichnungen IG. und L. V. in Fresko C könnte es sich um Monogramme von Stifternamen handeln, doch konnten sie nicht entschlüsselt werden. In den Schriftstücken der Pfarrakten taucht ein Jan Georg Köppl auf, der zum Bau der Kirche ein Legat gegeben hat. Möglicherweise verweist IG auf seine Vornamen.

Autor und Entstehungszeit: Franz Joseph Eberl (* unbekannt † spätestens 1793) 1772. Signatur in C (Fra)nz Ioseph Eberl/(Mal)er in Gaimersheim/1772.

Leben und Werk des Gaimersheimer Malers lagen bislang im Dunkeln und auch Felix Mader konnte 1928 die Bezeichnung des Freskos weder als Maler- noch Stifternamen einordnen. Die Auswertung von Kirchenbüchern erbrachte einige Eckdaten (siehe Künstlerverzeichnis). Bei den Deckengemälden Eberls handelt es sich um einfache, tafelbildmäßig konzipierte Kompositionen, in denen architektonische Versatzstücke und Figuren, die zumeist weder Untersicht noch Verkürzungen aufzeigen, wie »zusammengestückelt« erscheinen. Eberles künstlerisches Unvermögen zeigt sich zudem in seinem dilettantischen Bildraumgefüge und den oftmals unstimmigen Proportionen. Die Hauptakteure sind meist gut angelegt, was auf die Verwendung von Stichvorlagen oder auf Kopieren nach {ZITAT|NNN} Werken verweist. Architekturdetails und Personencharakterisierung scheinen am Werk des Ingolstädter Malers Johann Evangelist Hölzl orientiert.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs, AR Flachdecke über Hohlkehle

Rahmen: A–D, EB1-3 Stuckprofil

Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 6,30 m; 3,20 × 3,20 B Höhe 6,30 m; 3,20 × 3,20 C Höhe 6,30 m; 3,20 × 3,20 D Höhe 5,70 m; 2,70 × 2,70

B Hl. Georg (Franz Joseph Eberl 1772)

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Über Renovierungen konnten keine schriftlichen Belege aufgefunden werden (Akt im BLfD ab 1954). Ein im Pfarrarchiv Hitzhofen überliefertes Schriftstück vom 8. 12. 1888 des Maurermeisters Anton Schiebel in Gaimersheim bezüglich Bauschäden in der Filialkirche Lippertshofen erwähnt zwar einen Riss an der Decke, geht jedoch nicht auf die Gemälde ein. Auch im Rahmen der Innenrenovierung 1977, bei der der Kirchenmaler Goldbrunner von Gaimersheim die Raumschale neu tünchte, ist von keiner Maßnahme an den Deckengemälden die Rede. Irgendwann allerdings müssen Überarbeitungen stattgefunden haben. Während die Fresken B und C teilweise Übermalungen (B geringfügig, links von Georg eine große, braune Stelle, im Leonhardsbild die Figur des Gefangenen und der Frau sowie die Putten links oben) sowie verkittete und übermalte Risse aufweisen, ist das Chorfresko völlig übermalt. Die Bilder der Emporenbrüstung sind auf rauem Putz gearbeitet und weisen Tupfen an der Oberfläche auf, die möglicherweise im Zuge der Austünchung des Kirchenraumes aus Unachtsamkeit entstanden sind.

EB. Petrus und Paulu

Beschreibung und Ikonographie

Drei gleich große Bildfelder im LHs an der sonst schmucklosen Decke, wie Tafelbilder angelegt, ohne Untersichten.

A HL. WENDELIN Das Gemälde zeigt den im 18. Jh. so beliebten Volksheiligen Wendelin als Hirten inmitten von Schafen, Ziegen und Kühen. Im Bildhintergrund der Landschaftsszenerie ist ein Architekturprospekt erkennbar. Da im Himmel darüber zwei Putten einen Abtsstab tragen, dürfte hiermit die Abtei von Tholey gemeint sein, deren Abt Wendelin war. In der linken Ecke ist im Himmel die Dreifaltigkeit abgebildet, von der aus ein Gnadenstrahl auf Wendelin ausgeht. Diesem wendet sich der Heilige entgegen.

B HL. GEORG Das Deckengemälde stellt den Kirchenpatron von Lippertshofen dar, den hl. Georg als Ritter zu Pferde, der mit seiner Lanze den Drachen bezwingt. In den oberen Bildecken Engel und Putten.

C HL. LEONHARD Der Patron der Lippertshofener Wallfahrt, der hl. Leonhard, gekleidet im Benediktinerhabit und mit dem Abtskreuz auf der Brust, steht als Ganzfigur vor einem die rechte Bildhälfte einnehmenden Architekturprospekt. Rechts neben ihm kniet auf einem Kissen ein Putto, der den Stab des Abtes hält. Leonhard wendet sich dem vor ihm mit Ketten gefesselten Mann und der daneben knienden Frau und deren Kleinkind zu. Die linke Bildhälfte nimmt ein Ausblick in eine Landschaft ein, in der Vieh weidet. Die Darstellung illustriert Leonhards Patronat der Gefangenen, der Frauen in Kindsnöten und der Tiere. In der Bildecke links oben erscheint neben zwei Putten das Dreifaltigkeitssymbol, von dem aus ein Gnadenstrahl auf Leonhard fällt.

EB. Erasmus

D KRÖNUNG MARIENS (komplett übermalt)

EB1-3 HEILIGENSZENEN Drei querrechteckige Bildfelder an der Emporenbrüstung

EB1 HL. ERASMUS Die linke Bildhälfte zeigt den hl. Erasmus als Bischof vor einer Säule, er deutet auf die Darstellung in der rechten Bildhälfte, wo sein eigenes Martyrium dargestellt ist. Mit Hilfe einer Winde werden ihm die Gedärme herausgerissen. Darstellung des in der Gegend eher selten abgebildeten Heiligen.

EB2 HLL. PETRUS UND PAULUS In einer Landschaftsszenerie stehen Petrus mit Schlüsseln und Paulus mit Schwert, wobei Petrus auf den in der Bildmitte auf einem Felsen stehenden Kirchenbau deutet. Die Szene verweist auf das Christuswort Mt 16,18: »Auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.«

EB3 HL. FLORIAN Das Bildfeld zeigt ein brennendes Haus, das der hl. Florian, dargestellt als römischer Soldat, mit Wasser aus seinem Schaff rettet.

Quellen und Literatur

DAEI, Kirchenbücher Gaimersheim und Wolferstadt; Pfarrakten Hitzhofen I,2b: Baulichkeit an der Filialkirche; Buchner Eichstätter Bistumsgeistliche.

EB. Florian

Pfarrarchiv Hitzhofen, Akten Filialkirche betr. BLfD, Akt Lippertshofen, Filialkirche. Kunstinventar Diözese Eichstätt, Lippertshofen, bearbeitet von Emanuel Braun, 1985.

KDB V MF (2), S. 201–04

Buchner, Franz Xaver, Bistum Eichstätt, in: Christian Schreiber (Hg.), Wallfahrten durchs deutsche Land. Eine Pilgerfahrt zu Deutschlands heiligen Stätten, Berlin 1928, S.72-101, hier S. 91f.

Buchner Bistum Eichstätt 1937, S. 355-60 (Pfarrei Gaimersheim).

Neuhofer, Theodor, Beiträge zur Kunstgeschichte des Landkreises Eichstätt, in: SHVE 60, 1962/64, S. 43-53, hier: S. 52f. Staudacher, Andreas und Theodor Straub, Chronik des Marktes Gaimersheim, Gaimersheim 1984, S. 282. DI'OD O

Dehio OB 1990, S. 603; 2006, S. 657.

C. G