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Holzhausen bei Buchloe, Pfarrkirche St. Johann Baptist und Johann Evangelist

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 102–104, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

HOLZHAUSEN bei Buchloe

Pfarrkirche, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Klosterhofmark Steingaden. Holzhausen war der Sommersitz der Steingadener Äbte

Patrozinium: Johann Baptist und Johann Evangelist

Zum Bauwerk: Chor im Kern spätgotisch, LHs 1739 umgebaut, dabei auch Neuausstattung des Chores. Einfacher Saalbau, eingezogener AR mit 3/8-Schluß. Der nach O gerichtete AR ist aus der Längsachse leicht nach S verschoben; im W Empore

Auftraggeber: Abt Hyazinth Gassner (1727-45) von Steingaden (Klosterwappen mit der Jahreszahl 1739 am Chorbogen)

Autor und Entstehungszeit: Signatur am östlichen Rand von A: Johann Georgius Lederer, Augustanus Pinxit 1739 (Johann Georg Lederer aus Augsburg, Lebensdaten unbekannt)

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke mit Hohlkehle, AR verschliffenes gotisches Gewölbe mit Stichkappen

Rahmen: A, B, A1-4, B1-2 Stuckprofile T 1 1 F 1 1 1

Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 7,80 m: 7,50 × 5,00

B Höhe 7,50 m: 3,70 × 2,50

Erhaltungszustand: Die Fresken wurden 1968 aufgenommen und vermessen. Alle Fresken sind inzwischen völlig zerstört: Bei der 1969 in Angriff genommenen Restaurierung der baufälligen Kirche stürzte das Gewölbe ein.

Beschreibung

A SKAPULIER- UND REGELSPENDE AN DEN HL. NORBERT Das längsformatige Bildfeld wird ganz von einem Heiligenhimmel eingenommen. Der Aufbau des Bildes ist durch eine senkrechte Achse bestimmt; diese wird nicht im Sinne der Deckenmalerei illusionistisch als Höhenachse gestaltet.

Im westlichen Bildabschnitt erstrahlt das Auge Gottes im Dreieck in einer Engelsgloriole über der Madonna auf der Mondsichel.

Die Titelheiligen der Kirche, Johann Baptist und Johann Evangelist, flankieren die Mutter Gottes. Maria hält ein weißes Skapulier und weist mit der Rechten nach unten auf das geöffnete Regelbuch des hl. Augustinus, welches ein Putto zu ihren Füßen hält. Der hl. Kirchenlehrer – mit dem flammenden Herzen vor der Brust – deutet auf die Worte des Buches: ECCE / HABES / REGULAM. Vor Augustinus kniet, die Hände ehrerbietig an die Brust geschlagen, der hl. Norbert im weißen Ordenshabit. Engel und Putti tragen die Würdezeichen der beiden Heiligen. Ein Putto streut aus einem Weidenkorb Blumen auf das Kloster Steingaden. Dieses ist in seiner bergigen Umgebung miniaturhaft klein, in Vogelperspektive wiedergegeben, hinter die östliche Bildrampe gesetzt.

Die Figuren, in zwei Dreiergruppen untereinandergeordnet, bestimmen die Darstellung.

Das Bild ist in hellen, wenig ausdrucksvollen Farben gehalten; die Grau- (Übergänge zu Weiß und Ocker) und Blautöne sind bestimmend.

B Der Name Jesu

B DER NAME JESU Das IHS mit dem Kreuz erstrahlt als Himmelszeichen vor der Gloriensonne, verehrt von den Engeln (Putti). Unterhalb der Glorie ist der Erzengel Michael im Triumph über den vom Blitzstrahl getroffenen, stürzenden Luzifer, den Widersacher des Menschensohnes Jesus, wiedergegeben. Der Schild mit dem Namen des Erzengels QUIS / UT / DEUS und das Flammenschwert bezeichnen den Streiter Gottes. Luzifer wird durch sinnbildliche Zeichen, Pfauenfedern (= Superbia) und Schlange (= Häresie) gekennzeichnet. Zu seiten dieser Gruppe sind zwei Stufenpodeste wiedergegeben, dar-

Der Bildaufbau berücksichtigt nicht die verschiedenen räumlichen Bedingungen der Figurengruppen, sondern setzt diese in einem Kreuzschema in der Fläche nebeneinander. Als eine Konzession an die Deckenbildperspektive ist die in Stuck übergehende stürzende Figur Luzifers anzusehen. Dieser ist ikonologisch unangemessen über dem Hochaltar dargestellt.

Farblich ist das Bild etwas dunkler gehalten, die Ockertöne sind bildbestimmend.

In A1–4 und B1–2 sind Heilige und Selige des Prämonstratenserordens dargestellt.

Ikonographie

In der ehemals dem Kloster Steingaden inkorporierten Kirche ist Darstellung A dem Ordensstifter St. Norbert gewidmet; die legendären Visionen der Skapulier- und Regelspende (vgl. Vita Norberti, aufgezeichnet bei Alfons Zák, Der heilige Norbert, Wien 1930, S. 43 u. 48) sind als zeitlose Himmelsszene dargestellt und zugleich auf das bayerische Prämonstratenserkloster Steingaden bezogen. Maria sind die Patrone der Kirche hinzugesellt. In B wird die Verehrung des Namens Jesu in dem bekannten antithetischen Schema (Triumph und Sturz) wiedergegeben. Die Wahl dieses Themas ist durch die seit 1606 in Holzhausen eingeführte Bruderschaft zum heiligsten Namen Jesu begründet. Psalmenvers und Darbietung der flammenden Herzen (Weihe an den Namen Jesu) deuten den Sinn dieser Bruderschaft an. Die Steingadener Prämonstratenser sind als Betreuer der Holzhausener Pfarrgemeinde einbezogen.

A1 ABT GILBERT VON NEUFFONTAINES Der hl. Abt – ein Putto hält seinen Stab – legt einem lahmen Kind die Hand zur Heilung auf. Ein weiterer Lahmer und eine Frau treten von der Seite hinzu. Helm und Schwert zu Füßen des Heiligen bezeichnen diesen als Kreuzfahrer unter König Ludwig VII. von Frankreich. (Abt Gilbert pflegte die Kranken, vor allem Kinder, und vollbrachte Wunderheilungen.)

A4 Abt Friedrich von Meißen

A2 GOTTFRIED VON KAPPENBERG Dem im Gebet knienden hl. Prämonstratenser erscheint ein Engel mit einem Kreuz und einer Krone. Gottfried hat der weltlichen Herrschaft (Krone, Zepter und Reichsapfel auf einem Kissen am Boden) entsagt, durch Christus (Kreuz) wird ihm die Krone des Himmels zuteil (Graf Gottfried wandelte die Schlösser Kappenberg, Ilbenstadt und Valar in Prämonstratenserklöster um).

A3 ABT SIARDUS VON MARIENGARTEN Der hl. Abt teilt Brot an die Armen aus. (Abt Siardus, verehrt wegen seiner Werke der Barmherzigkeit, war Nachfolger von Abt Friedrich.)

A4 ABT FRIEDRICH VON MARIENGARTEN Der sel. Abt steht in einem von Zypressen umgebenen Garten mit Blumenparterres und Springbrunnen. Ein Putto reicht ihm eine weiße Blume, ein weiterer hält ein Kirchenmodell und den Abtstab. Friedrich ist der Gründer des Klosters (Kirchenmodell). Der Garten alludiert den hortus conclusus, den Mariengarten, und damit die Klostergründung des Marienverehrers Friedrich.

B1 ADRIAN, MARTYRER VON GORKUM Der hl. Seelsorger des Prämonstratenserordens trägt den Meßkelch mit der Hostie und die Martyrerpalme. Ein Strick um seinen Hals bezeichnet seinen Martertod. (1572 wurden zwei Prämonstratenser, Adrian und Jacob Lacops, zusammen mit anderen Geistlichen von Calvinisten erhängt.)

B2 MYSTIKER HERMANN JOSEPH Maria, die Himmelskönigin, steckt dem sel. Prämonstratenserchorherrn einen Ring an den Finger. Die Szene der mystischen Vermählung beruht auf einer Vision des Chorherrn von Steinfeld.

B2 Hermann Joseph

Die gleichen Heiligen und Seligen (LThK1, Bd 8, Sp. 427 ff.) sind inschriftlich bezeichnet in Schäftlarn (OB, LKr. München) von J. B. Zimmermann und in Steingaden (s. LKr. Weilheim-Schongau, siehe dort Literatur) von J. G. Bergmüller wiedergegeben.

Quellen und Literatur

Braun-Augsburg, Bd 1, S. 169 f. KDB I OB (1), S. 530. Steichele-Schröder, Bd 8, S. 248–50.

Müller-Hahl, Bernhard (Hg.), Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966, S. 500.

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