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Hohenaschau, ehem. Burg der Grafen Preysing-Hohenaschau, Eckzimmer

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 1: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 291–293, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Eckzimmer, sogenanntes Musikzimmer

(Raum Nr. 28) an der SO-Ecke des Schlosses

Zum Bauwerk: Das Eckzimmer bestand schon vor dem barocken Umbau, war zunächst Bibliothek, später Apotheke. Beim Umbau 1672/75 wurde es mit einer neuen Decke versehen und diente in der Folgezeit als Gastzimmer (zur Einrichtung gehörte ein großes Himmelbett). An das Eckzimmer schloß nach Westen, im östlichen Flügel des Südtraktes gelegen, das sog. »Lange Zimmer« an (1905/08 in einem neuen Treppenhaus verbaut), das gleichzeitig mit dem Eckzimmer beim Umbau ab 1672 umgestaltet wurde. Beim Schloßumbau

1–9 Musizierende Frauen: 1 an der Orgel
7 Musizierende Frau mit gebogenem Blasinstrument

1905/08 wurde im Eckzimmer wegen des Einbaus eines im Nordwesten verlaufenden Gangs die Nordwest-Ecke abgetrennt und die alte Tür in die Schrägung versetzt.

Das Eckzimmer bildet das Gelenk zwischen dem im Bogen an die Nordseite verlaufenden Nordtrakt und dem Südtrakt. Unregelmäßiger, ursprünglich rechteckiger Raum, ein Fenster nach Ost und eines nach Süd.

Auftraggeber: Graf Maximilian Johann Franz (Max II.) von Preysing-Hohenaschau.

Autor und Entstehungszeit: Der Autor ist unbekannt. Die Bilder entstanden um 1677.

2 Musizierende Frau mit Posaune

1677 lieferte Ruprecht Schweindl, Maler in Altenmarkt, fünfzehn Bilder (Tafeln) um 45 fl., von denen Bomhard (S. 364) vermutet, sie seien für das ehem. ›Lange Zimmer« bestimmt gewesen (die Bilder sind heute verschollen). Eine Autorschaft Schweindls an den Bildern des anschließenden Eckzimmers hält Bomhard aus stilistischen Gründen für möglich. Die beiden zusammenhängenden Zimmer sind aller Wahrscheinlichkeit nach gleichzeitig ausgestattet worden, sodaß man auch bei den Bildern des Eckzimmers eine Entstehungzeit um 1677 annehmen kann.

Ruprecht Schweindl war Maler in Altenmarkt, 1683 faßte er den Hochaltar in Frasdorf. Er malte die Deckenbilder in der Sakristei von Baumburg (CBD Bd 11, S. 42).

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flache Holzdecke mit Leistenfelderung

Rahmen: Profilierte Holzleisten Technik: Öl auf Holz; polychrom Maße: Höhe der Decke 3,55 m;

1,00 × 1,00 2-5 0,95 × 0,95 6-9 Ø 1,05

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen sind nicht bekannt. Die Bilder zeigen in großen Partien Vergrauungen und Verschmutzungen, außerdem klaffende Risse und mechanische Beschädigungen.

9 Musizierende Frau mit Knickhalslaute

Beschreibung und Ikonographie

Um ein übereckgestelltes quadratisches Bildfeld sind in den Ecken vier runde, an den Seitenmitten vier quadratische angeordnet, sodaß die Bilder zusammen einen quadratischen Deckenspiegel ergeben. Alle Darstellungen sind sowohl von der Größe her als auch kompositionell und ikonographisch gleichgewichtig. Alle Darstellungen haben die Musik zum Thema und zeigen jeweils eine weibliche Figur mit einem Putto als Assistenzfigur an einem Instrument. Ansicht sämtlicher Bilder nach W.

I Frau in brauner Draperie an der Orgel. Ein Putto hält ihr ein Notenblatt und schlägt mit einem Stab den Takt.

HOHENASCHAU

Eine Frau in rotem Gewand mit antikischen Stiefeln, eine Perlenkette um den Hals, spielt die Posaune. Sie befindet sich in einem Zimmer mit Kamin und darüberhängendem Landschaftsbild. Ein Putto hält ihr die Noten. Am Boden liegen ein Blasinstrument und eine Trommel. In einem Raum mit Säulensockel, an den eine Laute gelehnt ist, sitzt an einem Tisch mit geöffnetem Notenbuch eine junge Frau in antikisierender grünroter Gewandung und spielt auf einem gebogenen Blasinstrument. Ein großer Putto bei ihr hält eine Kniegeige. Eine große Bogenöffnung, von einer Balustrade abgeschlossen, auf der ein Orangenessender Affe sitzt, führt ins Freie, wo bizarre Gebäude zu sehen sind. Rechts lehnt an einem Sockel eine Kniegeige. An einer Fensteröffnung, durch die eine Landschaft mit Tempeln zu sehen ist, sitzt unter einer dunkelgrünen Draperie eine singende Frau in braunrotem Gewand mit roten Perlen um den Hals und im Haar. Ein Putto mit kleiner, kräftig roter Draperie hält ihr die Noten. In einem Zimmer mit Landschaftsausblick sitzt eine dunkelgrün gewandete Dame mit blondem Lockenhaar an einem Vorspiel. An einer Balustrade, unter einer grünen Draperie, sitzt eine dunkelgrün gewandete Frau und spielt die Knickhalslaute. Zu ihren Füßen sieht man weitere Saiteninstrumente. Ein Putto hinter der Balustrade, die den Raum gegen einen gewölbten Gang hin abschließt, spielt Violine. Auf einem braunrot gedeckten Tisch mit aufgeschlagenen Buch spielt die Geige. Der Putto vor ihr hält ein altertümliches Saiteninstrument. Auf dem Boden liegt ein weiteres Instrument.