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Herrenchiemsee, Ehem. Augustiner-Chorherrenstift, ehem. Stiftskirche

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 1: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 191–199, geschrieben von Bauer-Wild, Anna und Sinkel, Kristin. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Heute profaniert; z.Z. der Ausmalung Klosterkirche des Augustiner-Chorherrenstifts Herrenchiemsee und Bischofskirche des Bistums Chiemsee. Die an der Kirche 1674 eingeführte Corpus-Christi-Bruderschaft wurde 1806 in die neue Pfarrkirche nach Breitbrunn transferiert.

Patrozinium: St. Sixtus und St. Sebastian

Zum Bauwerk: Weihe der ersten Benediktiner-Klosterkirche am 1.9.782 durch Bischof Virgil von Salzburg. Neubau nach der Errichtung des Augustiner-Chorherrenstifts um 1125/30. Die Weihe am 1.8.1131 durch Erzbischof Konrad I. von Salzburg bezieht sich vielleicht nur auf einen ersten Bauabschnitt. Die Fertigstellung der Kirche wird nach der Mitte des 12. Jh. angenommen. Es handelte sich um eine dreischiffige Basilika vom alpenländischen Typ, ohne Querhaus und wohl mit drei Apsiden (Bomhard, S. 21–25). Um die Mitte des 15. Jh. war die romanische Kirche baufällig. Es folgten Umbauten, Ausbauten und eine neue Altarausstattung. Neuweihe nach dem Abschluß aller Umbauarbeiten und einer Restaurierung nach Blitzschlag und Brand 1500 am 15.3.1513 (Bomhard, S. 25–30).

Ab 1673 Kauf von Baumaterial für den barocken Neubau. Spätestens im Herbst 1675 verpflichtete Propst Rupert Kögl den Palier Lorenzo Sciasca, der seit dem Sommer 1675 nach Plänen des Münchner Hofbaumeisters Kaspar Zucalli den Bau der Traunsteiner Stadtpfarrkirche führte. Entwürfe von Sciasca Ende 1675. »Mit Maister Lorenzen Sciascia ist eventualiter gedingt wordten, daß iezige Gebeu und Meuren durch: unnd soviel vonnethen abzubrechen, auch die Gewölber abzutragen, dan daß Neu Gebey von dem Fundament unnder daß Tach zufiehren, alles woll unnd sauber außzumachen, auch alle Gwelber unnd zwo Schneggenstigen zu machen, yberdaß daß ganze Gebey auß: unnd inwendig abzubuzen, alles der Visier gemeß, umb 2500 fl.«. Am 7.1.1676 Bitte um den Konsens zum Bau an den Fürstbischof von Chiemsee, Johann Franz Graf Preysing; Konsens am 7.3.1676. Nach Abbruch der alten Kirche Baubeginn im Sommer 1676, Fertigstellung 1678. Stuckierung von Chor und Langhauskapellen 1678/79 durch Francesco Brenni (BHStA, KL Herrenchiemsee 106/III: Archivrepertorium, Schublade 204, Lit. M). Von dieser Stuckierung ist noch die Dekoration des Chorbogens erhalten. Einheitliche Einrichtung mit Altären, Beichtstühlen und Kirchengestühl in Schwarz und Gold bis 1684 (Archivrepertorium, Lit. O; Bomhard, S. 37–44). Feierliche Weihe am 7.–9. 5. 1679 durch den Fürstbischof von Chiemsee, Johann Franz Graf Preysing.

Dekoration des Langhausgewölbes und der Emporendecken 1695/96 unter Propst Jacob Mayr (1691–1717): Stuckierung durch Giulio Zuccalli, genannt Christofori (Archivrepertorium, Lit. M). Neue Altarausstattung in der zweiten Hälfte des 18. Jh (ausführliche Baugeschichte s. Bomhard, Bd 3, S. 37–44).

Nach der Säkularisierung und der Neuorganisierung der Pfarreien wurde mit der Verlegung des Pfarrsitzes nach Breitbrunn die Stiftskirche in Herrenchiemsee entbehrlich. Versteigerung der Einrichtung 1807, Abbruch des Chores und Umwandlung des Langhauses in ein Bräuhaus durch Einziehen von Zwischenböden unter dem Inselbesitzer Aloys von Fleckinger 1819/20. Damals schlug man den Stuck in den Langhauskapellen (Francesco Brenni 1678) ab.

Die profanierten Überreste der ehem. Domkirche **befinden** sich im Norden des einstigen Klosterkomplexes. Es **stehen** noch das Langhaus mit drei Jochen und der im Westen anschließende Unterbau der ursprünglichen Zweiturmfassade mit der Vorhalle zwischen den Turmuntergeschossen.

LHs zu drei Jochen, mit tiefen Wandpfeilern und dazwischen liegenden Kapellen, über diesen Emporen. Der einstige Chorbogen ist vermauert. Belichtung ehemals in allen drei Jochen von N und S.

Jetzt ist der einstige Raum durch Einziehen von **Zwischenböden** und einen großen Schacht an der N-Seite des ersten LHs-Jochs verbaut. Der oberste Boden verläuft etwa in Höhe der früheren Kapitelle. Die Gewölbe im LHs und über den Emporen sind erhalten, allerdings desolat.

Auftraggeber: Die verlorenen Deckenbilder des Chors und der Langhauskapellen gab Auftraggeber Propst Rupert Kögl von Herrenchiemsee (1653-88) in Auftrag; sein Wappen befin**det** sich in der südlichen Chorbogenkartusche, während die **nördliche** das Stiftswappen zeigt.

Nach seiner Wahl stand Rupert Kögl zunächst vor der Notwendigkeit, nicht nur in Herrenchiemsee, sondern auch in den inkorporierten Pfarreien viele baufällige und verkommene Wirtschaftsgebäude erneuern lassen zu müssen. Erst nach 1670 begann er an den Neubau der Stiftskirche zu denken, **weil** die mittelalterliche Stiftskirche »ganz fünster unnd unformblich erbaut« sei. Er wollte, daß sie »mehrers Liecht und ein herrlicheres Ansechen bekhumen mechte«. Für den Neubau der Kirche mußte er den Nordflügel des mittelalterlichen Kreuzgangtrakts abbrechen lassen, um Kirchenfenster nach Süden zu ermöglichen, »zu des Gottshauses mehrern Zierde Liecht und Benemmung der Feuchtigkheiten«. Nach vieler Schwierigkeiten vor allem finanzieller Art konnte **Propst** Rupert Kögl am 30.10.1678 in der neuerbauten Kirche der ersten Gottesdienst feiern und die 1674 von ihm gegründete Corpus-Christi-Bruderschaft (Bruderschaft der Immerwährenden Anbetung des Allerheiligsten Sakraments = Perpetuae Adorationis SS: Sacramenti) in die neu erbaute Stiftskirche einführen.

Auftraggeber: für die noch erhaltenen Deckenbilder im Langhaus und über den Langhausemporen war Propst Jacob **Mayr** von Herrenchiemsee (1691–1717; s.S. 189f.); dessen Wappenbild, der fünfstrahlige Stern, befindet sich mehrfach **innerhalb** der Stuckdekoration des Langhauses.

Autor und Entstehungszeit:

Ausmalung 1678/79 (nicht erhalten) Joseph Eder (* um 1645 Innsbruck †Neubeuern 1712) und Jacob Carnutsch (* um 1650/55 Ort unbekannt † 1716 Prien)

B Augustinus zwischen dem Blut Christi und der Milch Mariens

Ausmalung 1695/96 Joseph Eder. Signaturen: in A2 Joseph Eder f:/ 1695; in B JEF / 1695; in B2 I. E. F./ 1695; in C J. E. F./ 1695; in C1 I. E. F./ 1695.

Ausmalung 1678/79. Darüber gibt lediglich ein Archivrepertorium von Herrenchiemsee aus dem späten 18. Jh. Aufschluß, das die damals im Stiftsarchiv vorhandenen Bauakten ausführlich aufzählt (BHStA I, KL Herrenchiemsee 106/III). Für eine Reihe von Malerarbeiten zwischen 1678 und 1682 und nach 1695, darunter die Ausmalung der Stiftskirche, werden die Maler Joseph Eder und Jacob Carnutsch genannt: »Von anno 1678 bis 1682, und 1695. Mit dem Prienischen Mahler Jacob

Karnutsch, und dem Frauenkiemseeischen Mahler Joseph Eder errichtete Spaltzetl wegen Ausmahlung der hiesiger Domkirche, Verfertigung des Kohraltar Blatts, der auf Leinwand gemahlten Bilder in der nämlichen Kirche auch weger den dermal im Schlafhaus aufgehangenen Portraits der tit. Hh Hh: Prälaten, und andere Mahlereyen...« (Schublade 204, Lit. P). Der jeweilige Anteil der beiden Maler an den Arbeiten geht aus den Angaben nicht hervor.

In der ersten Ausstattungsphase 1678/79 wurden der Chor und sechs Seitenkapellen im Langhaus stuckiert (s.o.) und ausgemalt. Im Oktober 1678 war der Chor fertiggestellt, die Gerüste standen aber noch in den Kapellen, deren Dekoration sich bis ins Jahr 1679 hingezogen haben wird. Von dieser Ausstattungsphase ist nur noch die Chorbogendekoration erhalten: der Stuck Brennis mit vier großen Engeln und drei Kartuschen sowie in den beiden seitlichen Kartuschen die gemalten Wappen von Rupert Kögl und dem Stift Herrenchiemsee. Stuck und Deckenbilder im Chor gingen beim Abbruch verloren. In den Langhauskapellen wurde der Stuck 1819/20 abgeschlagen, die Deckenbilder aber nur übertüncht, sodaß unter der Tünche zumindest noch Reste erhalten sind. Die Teilabrechnungen (»Spaltzetl«) der Maler Eder und Carnutsch aus dieser ersten Ausstattungsphase gingen bis ins Jahr 1682. In dieser Zeit entstanden noch das Hochaltarblatt (Altar vollendet 1684) und weitere Bilder für die Kirche, die sämtlich verloren sind. Die Fassarbeiten wurden von Hanns Schmidt aus Trautersdorf bei Prien ausgeführt (Archivrepertorium, Schublade 204, Lit. O).

Ausmalung 1695/96. Die Dekoration der zweiten Ausstattungsphase konzentrierte sich auf das Langhaus, die Decken über den sechs Langhausemporen, die Vorhalle und wahrscheinlich die Decken unter und über der Westempore. Am 9.6. 1697 legte Propst Jacob Mayr gegenüber dem Generalvikar Dr. Reichard Sapp in Salzburg Rechenschaft über die Dekoration ab: »Das Langhaus in der Thumkürchen, Portal und 6 Geng ober den Capellen ausmahlen vnd mit Stockhator Arbeit ziehren lassen, auch für andere Zuegehör 1916fl. 26 x.« (nach Bomhard, Anm. 226, in: KAS, I d 52, Visitation 1697). Mit dem »Portal« ist wohl das Wappenbild in der Vorhalle gemeint.

Die Deckengemälde des Langhausgewölbes sind 1695 datiert, die Bilder über den seitlichen Emporen trugen nach KDB die Jahreszahl 1696 (heute zerstört). Die Arbeit zog sich also über zwei Sommer hin. Fünfmal hat Eder signiert, auf Jacob Carnutsch weist nichts hin. Eder war während dieser Ausmalungsphase schon in Neubeuern ansässig (ab 1689); aus dieser Zeit ist keine Zusammenarbeit mit Jacob Carnutsch mehr bekannt.

Der äußerst schlechte Zustand der Deckenbilder erschwert eine Beurteilung, doch ist immerhin erkennbar, daß die erhaltenen Langhausfresken keines der für Carnutsch typischen Stilmerkmale aufweisen. Die Ausmalung des LHs und der Emporen kann als Eders alleiniges Werk gelten.

Joseph Eder stammte aus Innsbruck, sein Geburtsjahr wird von Bomhard um 1645/50 angesetzt. Es ist anzunehmen, daß er seine Ausbildung in Innsbruck erhielt, doch läßt sich kein überzeugender stilistischer Zusammenhang zwischen Eder und einem der Innsbrucker Meister herstellen. Nur ein einziges Mal zeigt Eder Anklänge an das Dekorationssystem Egid Schors: bei der Ausmalung der Seekapelle in Herrenchiemsee im Jahr 1700.

Eder ist in den Jahren 1678/79 erstmals faßbar durch den Eintrag im Herrenchiemseer Archivrepertorium (s.o.). Da er für einen bedeutenden Bau, die Herrenchiemseer Dom- und Stiftskirche verpflichtet wurde, muß er damals schon Ansehen als Maler genossen haben. Am 1.1.1679 hat ihm Propst Rupert Kögl einen Wappenbrief ausgestellt. Im Frühsommer 1679 waren Eder und Carnutsch in Herrenchiemsee in eine Schlägerei mit Klosterknechten verwickelt (Bomhard, S. 321, Anm. 215). Bei seiner Heirat am 17.2.1681 in Herrenchiemsee wird Eder »arte pictoria percelebris« genannt. Spätestens damals wurde er in Frauenchiemsee ansässig, wo er bis 1684 nachweisbar ist. In dieser Zeit der intensiver Zusammenarbeit mit Jacob Carnutsch entstanden zwei bedeutende Deckenbild-Zyklen: in der Schloßkapelle Hohenaschau 1681 (S. 272-74) und im Nonnenchor von Altenhohenau 1684/85 (S. 39f. Zur Händescheidung Eder/Carnutsch s. dort). 1689 wurde Eder Bürger und Maler in Neubeuern. 1695/96 freskierte er wieder in der Stiftskirche Herrenchiemsee. Für Oktober 1697 ist seine Anwesenheit in Herrenchiemsee belegt: Er hatte in einem Streit mit Klosterknechten ebenso wie schon 1679 den Degen gezogen, und der Propst seit 1691 Jacob Mayr - mußte persönlich mit einem Ochsenziemer den Raufhandel beenden (Bomhard, Bd 3, Anm. 232). Joseph Eder starb am 2.3.1712 in Neubeuern.

232). Joseph Eder starb am 2.3.1712. Nach der ersten Ausmalungsphase der Stiftskirche 1678/79 schufen Eder und Carnutsch das Hochaltarblatt und die »auf Leinwand gemahlten Bilder« der Stiftskirche, »eine Reihe großer, sowohl an den Seitenwänden des Chors wie offenbar auch an den Rückwänden der Seitenkapellen befindlicher Tafelbilder, die zum Teil in Stuckrahmen eingefaßt wurden« (Bomhard Bd 3, S. 43). Im Archivrepertorium ist Eder zusammen mit Carnutsch außerdem als Autor der etwa fünfzig Porträts umfassenden Prälaten- und Chorherrengalerie von Herrenchiemsee genannt, von der nur wenige Bilder erhalten sind und die Bomhard überzeugend um 1696/97 datiert (Bomhard Bd 3, S. 80 und Anm. 365–67). Im Jahr 1700 malte Joseph Eder auf Herrenchiemsee die Seekapelle aus (S. 244–46).

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs Tonne mit Stichkappen, durch Gurte in drei Joche geteilt; Emporen Quertonnen Rahmen: Stuckprofil

Technik: Fresko-Secco-Mischtechnik; polychrom

3, Augustinus wäscht Christus als Pilger die Füße

Maße: Die ursprüngliche Höhe ist wegen der Zwischen decken nicht zu messen A 4,20 × 3,00 m B 2,80 × 3,65 m C 4,20 × 3,00 m

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Bilder sind in sehr schlechtem Zustand, ein großer Teil von ihnen ruinös bzw. ganz zerstört. A, B und C haben klaffende Scheitelrisse und Löcher im Putz; im Bereich der kreuzförmigen Abstützungen ist die Farbschicht zerstört. Wie bei den Hauptbildern sind bei den LHs-Nebenbildern A1-2 und B1-2 die Darstellungen aber noch gut erkennbar. Die Bilder zeigen Risse, Abriebe und Abblätterungen. C1 ist durch einen schachtähnlichen Einbau völlig verloren. C2 ist durch eine ausgebesserte, grob überputzte Stelle zur Hälfte zerstört: hier ist das Bild nur am oberen und rechten Rand erhalten. Die Deckenbilder über den nördlichen LHs-Emporen sind bis auf ED2, von dem noch Spuren sichtbar sind, völlig zerstört, davon sind bei ED13-15 durch den Schachteinbau auch die Bildfelder verloren. Die südlichen Emporenbilder sind zum Teil noch soweit erhalten, daß die Szenen zu erkennen sind

Beschreibung und Ikonographie

Die Fresken des Langhausgewölbes und der Emporen zeigen einen Augustinus-Zyklus. Dabei gehören im Langhaus jeweils die Mittelszene und die beiden Seitenszenen eines Jochs thematisch zusammen. Die einzelnen Joche sind durch breite Gurte getrennt, auf denen jeweils in drei Feldern Inschriften zu den angrenzenden Deckenbildern zu lesen sind. Das östliche Langhausjoch behandelt in drei Bildern Bekehrung, Taufe und Priesterweihe des hl. Augustinus, das mittlere Joch drei Visions-Szenen und das westliche Tod und Glorie des hl. Augustinus. Zählung von O nach W.

Eder bemüht sich - vor allem in den Architekturen der Bildschauplätze – mit Untersicht und Verkürzungen um illusionistische Effekte, hält die untersichtige Darstellung im Bereich der Figuren und Figurengruppen aber meist nicht durch.

Seine Bildschauplätze baut er gern in Form von Säulenhallen und stattet diese mit Sockeln aus, auf denen Ziervasen mit Blattwerk oder Blumen stehen. Seine Figurenkompositionen sind (offenbar dann, wenn Gesamtvorlagen fehlen) eher unbe- holfen; doch bringt er immer wieder geglückte Einzelfiguren ein, bei denen er sich auf (venezianische) Vorbilder stützt, wie etwa den Knaben an der Säule rechts in Fresko A1 (vgl. damit die Mädchenfigur dicht daneben, die offenbar auf keine Vorlage zurückgeht).

Interessant sind sowohl die liturgischen Details, bei denen Eder große Kenntnis der Zeremonien zeigt, als auch Einzelheiten in der Einrichtung der Räume, etwa der Zelle in Fresko B2, die Einblick geben in die Klosterwelt des späten 17. Jh.

A PRIESTERWEIHE DES HL. AUGUSTINUS (Possidius, Vita Augustini 3,3) Hochrechteckiges Bildfeld mit abgeschrägten Ecken. Ansicht nach O. Zwei Stufen führen ins Bild ein: Bildschauplatz ist eine halbrund in den Hintergrund ausschwingende, offene Säulenhalle. An der Balustrade, die sie nach oben abschließt, sind Zuschauer sowie eine blumengefüllte Ziervase zu sehen und am rechten Bildrand eine große rote Draperie.

Auf den Stufen sind zahlreiche Geistliche versammelt. Augustinus kniet vor Valerius, Bischof von Hippo, der ihm den Kelch reicht. Hinter Valerius sind, wie auch auf der rechten Bildseite hinter einem weißgedeckten Tisch, Kleriker zu sehen. Das Bild stellt den Moment der Priesterweihe dar, in dem der neuzuweihende Priester, schon in den priesterlichen Gewändern und nach der Salbung der Hände, kniend aus der Hand des weihenden Bischofs, der zu diesem Zeitpunkt der Priesterweihe die Mitra trägt, die Meßgeräte (Kelch mit Wasser und Wein und Patene mit Brot) entgegennimmt.

Inschrift am Gurtbogen: ECCLES(IAM) AEDIFICARE ...RIS.

A1 BEKEHRUNG DES HL. AUGUSTINUS/TOLLE LEGE (Confessiones 8,12) Ansicht nach S. Das Bild zeigt den Garten des Alypius: rechts sieht man zwei Säulen einer Gartenhalle, davor einen Sockel, auf dem pflanzengefüllte Ziervasen stehen. Ein Brunnen mit halbrundem Giebel und Muschelnische läßt Wasser aus einem Maskaron in ein Becken fließen. Ringsum stehen hohe Bäume. In der Bildmitte sitzt Augustinus, in blauem Wams und reichem, karminroten Mantel auf einem kleinen Erdhügelchen unter einem Baum. Er hat ein geöffnetes Buch auf den Knien und blickt mit ausgebreiteten Armen zum Himmel, wo in Wolken ein Engel erscheint, der ein Schriftband hält: TOLLE LEGE.

Die Bekehrung des hl. Augustinus im Jahr 386, eines der beliebtesten und meist dargestellten Themen der Augustinus-Ikonographie, ist in seinen Confessiones überliefert: Danach hörte er, im Garten des Freundes Alypius unter einem Feigenbaum sitzend, ein Kind singen »Tolle, lege«; er schlug das Buch mit den Apostelbriefen auf und fand die Stelle Röm 13,13 f.: »Wie am Tag laßt uns ehrbar wandeln, nicht in Schmausereien und Trinkgelagen, nicht in Wollust und Ausschweifungen, nicht in Streitereien und Eifersüchten. Zieht vielmehr den Herrn Jesus Christus an und pflegt das Fleisch nicht so, daß es lüstern wird«; eine Stelle, die der letzte Anstoß zu seiner Bekehrung wurde. Inschrift am benachbarten Gurtbogen: APERTO CODICE APOSTOLICO.

A2 TAUFE DES HL. AUGUSTINUS (Confessiones 9,6) Ansicht nach N. In einer offenen Säulenhalle mit grüner Draperie links sind zahlreiche Geistliche versammelt. Links steht Bischof Ambrosius mit Mitra und Stab. Ein Diakon hält ihm ein geöffnetes Buch. Augustinus kniet tief über das Taufbecken gebeugt und empfängt die Taufe aus der Hand des hl. Ambrosius. Rechts verfolgen Zuschauer aus dem Volk die heilige Handlung.

Augustinus wurde in Mailand zusammen mit seinem Freund Alypius und seinem unehelichen Sohn Adeodatus getauft. Zugehörige Inschrift am Gurtbogen: ACCEPTA BAPTISMI GRATIA.

B AUGUSTINUS ZWISCHEN DEM BLUT CHRISTI UND DER MILCH MARIENS Querovales Bildfeld, Ansicht nach O. Durch das Bild geht ein breiter Scheitelriß: in diesem Bereich ist der Verputz abgefallen und das Mauerwerk sichtbar. Die Darstellung ist deshalb nur mehr schwer zu erkennen. Die mystische Szene, die den hl. Augustinus zwischen Christus am Kreuz und Maria zeigt, kann in den Augustinus-Viten nicht belegt werden. Sie fehlt in süddeutschen Augustinus-Zyklen selten. Der seit 1570 zu dieser Darstellung gehörige Vers (s. CBD, Bd 2, S. 622) steht zur Hälfte auf dem zugehörigen Gurtbogen und zur Hälfte auf einem Schriftband, das in zwei Teilen vom Mund des Heiligen ausgeht und bis zum Kreuz reicht: POSITVS IN MEDIO QVO ME VERTAM / NESCIO (Gurtbogen) HINC PASCOR A VVLNERE / HINC LACTOR AB VBERE (Schriftband). Bildschauplatz ist ein nur mehr schwer lesbarer hallenartiger Innenraum mit einem altarähnlichen Tisch in der Mitte und zwei aufragenden Säulen rechts, die Ausblick ins Freie geben: die beiden Säulen und die zugehörige Sockelzone ist in deutlicher Verkürzung und Untersicht gegeben. Der Raum wird weiter charakterisiert durch einen Tisch links, auf dem ein Buch, Pedum und Mitra zu sehen sind. Darüber hängt ein Bild und eine Uhr(!). Am Altar, in der Bildmitte unten, kniet der Heilige mit ausgebreiteten Armen und zum Himmel gerichteten Blick (die Figur ist zur Hälfte zerstört). In den Raum sind Wolken eingedrungen, auf denen Maria erscheint, von Putten begleitet. Sie weist Augustinus ihre Brust. Neben ihr ist das Kreuz Christi zu sehen und dahinter, kaum noch erkennbar, Christus selbst, der dem Heiligen seine Seitenwunde zeigt.

Die Darstellung weicht von den im 18. Jh. üblichen ab, in denen Augustinus auch räumlich zwischen Christus und Maria dargestellt ist, während hier Christus und Maria gemeinsam auf den Heiligen zu agieren.

B1 AUGUSTINUS UND DAS KIND AM MEER Ansicht nach N. Das Bild zeigt das schmale Ufer vor einer weiten Meeresfläche. Links schließt eine aufragende Galeone das Bild ab, rechts ein Baum. Seitlich unter dem Baum ist Augustinus dargestellt, in Chorherrenkleidung, den Bischofstab in der Hand. Vor ihm sitzt ein Kind am Ufer und blickt auf den Heiligen. Die legendäre Vision des Heiligen (AASS, Augusti Tom. VI, S. 357 f., 707 f.) ist ein Lieblingsthema der Augustinus-Ikonographie im 17. und besonders im 18. Jh.: Augustinus wandelte einst am Meeresufer, tief versunken in Gedanken über das Geheimnis der Dreifaltigkeit. Da sah er ein Kind am Ufer, das mit einem Löffelchen versuchte, das Meer in eine kleine Grube im Sand zu schöpfen. Auf seine Frage erklärte es dem Heiligen, es sei ebenso unmöglich, das Geheimnis der Dreifaltigkeit zu ergründen, wie das Meer mit einem Löffelchen auszuschöpfen.

Inschrift am Gurtbogen (fast zerstört): ... / ET FATIGATVS.

B2 AUGUSTINUS WÄSCHT CHRISTUS ALS PILGER DIE FÜSSE Ansicht nach S. Das Bild stellt eine Studierstube dar, das Zimmer des Augustinus, zu dem von rechts aus der Tiefe eine steile Treppe hinaufführt. Christus, als Pilger gekleidet, sitzt auf einer steinernen Bank, die ornamentiert ist und in einer Kartusche Eders Signatur zeigt. Vor Christus, dessen Haupt von hellen Strahlen umgeben ist, kniet Augustinus im Chorhemd und wäscht ihm die Füße.

Das Zimmer ist reizvoll ausgestattet: ein Bild hängt an der Wand, auf einem Regal sind Bücher zu sehen. Daneben liegt ein Totenkopf als Memento Mori. An der Wand sind Andachtsbildchen und ein Kupferstich mit der Darstellung des hl. Petrus befestigt. An einem Nagel hängt eine Geißel. Tintenfaß und Feder, ein Brief und ein Pack Manuskripte sind auf dem Tisch zu sehen, an dem ein Kruzifix steht. Ein Bild daneben stellt die Gottesmutter dar. Eder folgt in diesem Bild einem Stich von Schelte a Bolswert, Iconographia magni patris Aurelii Augustini, Paris 1624 (Abb. bei Courcelle 1972, Tafel XXXII - LVII, Stich 7, Tafel XXXVIII). Er übernahm von Bolswerts Darstellung die Form der Zelle, die Anordnung der Personen im Raum, die steile Treppe rechts in die Tiefe, die Geißel an eben derselben Stelle, den Totenkopf auf den liegenden Büchern, den Tisch links mit dem aufgeschlagenen Buch, dem Kreuz, dem Tintenfaß und der Sanduhr (die übrigen 27 Stiche der Augustinus-Serie von Bolswert dienten bei den

HERRENCHIEMSEE

Die erhaltenen Fresken in Herrenchiemsee nicht als Vorbild). Inschrift am Gurtbogen HOSPITEM DVM SVSCIPIT / CHRVM (Christum) LAVAT.

Die Szene selbst schildert eine weitere (legendäre) Erscheinung, die dem hl. Augustinus widerfuhr: er wusch einem armen Pilger die Füße, worauf sich ihm dieser als Christus zu erkennen gab (AASS, Augusti Tom. VI, S. 358, 711; Jordan vor Sachsen, Liber Vitasfratrum II,5; N. Crusenius, Monasticor Augustinianum I,7, S. 20).

C TRIUMPH DES KIRCHENLEHRERS AUGUSTINUS ÜBER DIE HÄRESIE Großes Loch im Gewölbe an der W-Seite des Bildes, kleines Loch im Scheitel. Farbsubstanz im Bereich einer ehem. kreuzförmigen Abstützung zerstört. Das Bild zeigt den Heiligen auf Wolken vor einem blaugrauen Himmelsgrund. Er trägt über der Albe einen weiten weißen, rot gefütterten Rauchmantel und ein goldenes Kreuz an einer Kette auf der Brust. Sein Haupt ist von einem Heiligenschein umgeben; die Arme hat er weit geöffnet und den Blick zum Himmel gerichtet. Soweit man erkennen kann, fährt er auf einem Wagen, der von den Evangelistensymbolen gezogen wird: der Engel rechts hält Zügel, vor ihm sieht man Stier, Löwe und Adler. Das Flammenrad des Wagens geht über eine nackte Gestalt, die wohl eine Personifikation der Häresie ist, denn die Evangelistensymbole, die den Wagen des Heiligen ziehen, weisen darauf hin, daß seine Lehren auf dem einzig wahren Fundament des Evangeliums stehen.

ED6 Traum der Mutter Monika

Das Zentrum des himmlischen Bereichs ist durch den Gewölbeausbruch zerstört. Zu erkennen sind noch Engel ringsum, die Kränze und Wappen halten. Inschrift am Gurtbogen (fast zerstört) DOMVM MOR...AN.../ ACCEN...CO...

Die Wappen sind rosa monochrom. Sie zeigen als Bilder von rechts nach links: Helm, Phönix (?), auffliegenden Schwan (?) und Brustbild (kaum noch zu erkennen; s. dazu Bomhard S. 326, Anm. 305).

C1 Durch Einbau eines Schachts verlorener

C2 TOD DES HL. AUGUSTINUS Ansicht nach S. Von dem durch eine grob überputzte Ausbesserung an der rechten Bildseite zur Hälfte zerstörten Bild ist nur mehr zu erkennen: Drei Geistliche mit Kerze und Gebetbuch stehen am Fußende eines Bettes; links, am Bildrand, ist auf Stufen ein kleiner Altar aufgebaut, auf dem ein Kruzifix steht. Am rechten Bildrand sieht man oben eine weiße Draperie, davor den Baldachin des Bettes und unter dem Baldachin den Kopf eines Geistlichen, der am Bett steht. Auf der Bettdecke liegt ein Rosenkranz. Die linke obere Bildecke ist erhalten: hier sieht man eine goldfarbene Himmelsöffnung mit Puttenköpfchen, aus der ein Gnadenstrahl auf den (nicht erhaltenen) Sterbenden fällt. Inschrift am Gurtbogen zerstört.

Die Nachbarschaft zur Gloriendarstellung in Fresko C läßt als sicher erscheinen, daß in diesem Bild der Tod des hl. Augustinus dargestellt ist (Possidius, Vita Augustini 31, 10-29). Er starb im Jahre 430 während der Belagerung Hippos durch die Vandalen.

Fresken über den Emporen im Langhaus

An den Quertonnen der drei nördlichen und drei südlichen Langhausemporen befanden sich jeweils drei Bilder, ein Hauptbild und zwei ihm zugeordnete Nebenbilder. Die Hauptbilder sind (bzw. waren) im östlichen Joch queroval, im mittleren querrechteckig mit abgeschrägten Ecken und im westlichen querrechteckig. Die Nebenbilder sind (bzw. waren) rechteckig. Vor allem die Bilder an den nördlichen Emporendecken sind soweit zerstört, daß von den Darstellungen kaum mehr etwas zu erkennen ist. Auch die zerstörten Bilder werden im Folgenden der Ordnung halber aufgeführt. Zählung der Emporen paarweise von O nach W.

ED1 Malerei soweit zerstört, daß der Sinn des Bildes nicht mehr erkennbar ist. Ein Bischof steht vor einem offenen Sarg oder Grab.

ED2 Malerei völlig zerstört

ED3 Malerei völlig zerstört

ED4 Malerei soweit zerstört, daß der Sinn des Bildes nicht mehr erkennbar ist. Links steht ein Geistlicher in Chorkleidung, mit rotem Gewand und Schulterkragen. Er hält in der Rechten einen Stab (oberer Abschluß zerstört); seine Kopfbe- deckung ist nicht mehr zu erkennen. In der Linken hält er ein Blatt Papier. Hinter ihm steht ein Kardinal, im Hintergrund ein Geistlicher mit Birett. Auf der rechten Bildseite, der Gruppe der Geistlichen gegenüber, steht eine Gruppe von Bewaffneten, die aber soweit zerstört ist, daß die Handlung nicht mehr erkannt und einer Szene aus dem Leben des Heiligen zugeordnet werden kann.

ED6 Bischofsweihe des hl. Augustinus

ED, TRAUM DER MUTTER MONIKA (Confessiones III, 11) In einem weiten überwölbten Raum sitzt rechts auf einem Armstuhl Monika, die Mutter des hl. Augustinus, das Haupt von einem Schleier bedeckt, in geneigter, tief trauernder Haltung, mit geschlossenen Augen. Vor ihr steht ein weiß gekleideter Engel und spricht zu ihr.

Aus Trauer über die Sünden ihres Sohnes war Monika schon bereit, mit ihm zu brechen. Da erschien ihr im Traum ein herrlicher Jüngling und tröstete sie, indem er ihr sagte, wo sie einst sein werde, werde auch ihr Sohn sein. Monika war durch diese Weißagung getröstet und betete weiterhin für das Seelenheil des Sohnes; dessen Bekehrung erfolgte neun Jahre später. In diesem Bild ist das Interieur mit großer Sorgfalt und Liebe zum Detail gemalt: Ein Bild hängt an der Wand, darunter ein Weihwasserkessel. Neben Monika steht auf dem Boden ein Korb mit einer Näharbeit, hinter ihr auf einem Bord Bücher.

ED6 BISCHOFSWEIHE DES HL. AUGUSTINUS (Possidius, Vita Augustini 8) Links sitzt ein hoher Geistlicher, den die Tiara als Papst ausweist (das Bild ist links besonders stark beschädigt). Im Halbkreis stehen vor dem päpstlichen Thron zwei Kardinäle mit doppelten Kreuzstäben und ein Bischof mit Mitra und Pedum. Vor dem Papst kniet mit über der Brust gekreuzten Händen und tief geneigtem Haupt ein Geistlicher, der die Albe trägt. Der Papst hält die Rechte segnend über das Haupt des Knienden: »Pontifex vero ponet manum super caput eius et dicit unam orationem in modum collectae ... « (Martimort, Handbuch der Liturgiewissenschaft, Freiburg 1965, Bd II, S. 28; die Szene ist nicht mehr eindeutig zu erkennen; es könnte sich bei dieser Geste auch um die Überreichung des Evangelienbuches handeln, eine der Zere-

Bischof Valerius von Hippo weihte 395/97 Augustinus zum Bischof; nach seinem Tod wurde Augustinus Bischof von Hippo

ED, Malerei völlig zerstört

ED8 Malerei völlig zerstört

ED9 Malerei völlig zerstört

ED10 IVO VON HELORY (auf dem Bild nicht mehr zu erkennen). Inschrift in der Stuckkartusche darüber S./ IVO. ED11 AUGUSTINUS ALS WOHLTÄTER DER ARMEN Die Szenerie, eine offene Säulenhalle mit seitlich eingeschobenen Architekturkulissen, ist in starker Untersicht dargestellt, so dass die Figuren, die in der Halle stehen, vom unteren Bildrand zur Hälfte überschnitten sind. Augustinus steht auf einem Podest rechts an einem Tisch, auf dem goldene Gefäße zu sehen sind. Er trägt Rochett und Mozzetta, auf dem Haupt eine anliegende Kappe. Er teilt Geld aus einem Beutel an die Menschen, die sich zu seinen Füßen in der Halle drängen und ihn zum Teil mit ausgestreckten Armen anflehen. ED12 THOMAS VON AQUIN Rechts ist ein Altar zu sehen; auf ihm stehen Kerzen und ein Kruzifixus, darüber hängt ein Madonnenbild. Vor dem Altar kniet ein Priester in langem weißen Gewand (kaum mehr zu erkennen). Zwei Männer beugen sich von hinten über ihn. Inschrift in der Stuckkartusche darüber S./ THOMAS. Die Inschrift über ED10, die als Gegenstand der Darstellung den hl. Ivo nennt, lässt schließen, dass hier in ED12 Thomas von Aquin dargestellt ist, denn der hl. Ivo kommt als Vertreter der Rechtswissenschaft meist in Zyklen der Vertreter der Vier Fakultäten vor, zu denen Thomas von Aquin als Vertreter der Theologie gehört. Vermutlich waren in ED11 und ED9 die Vertreter der beiden anderen Fakultäten dargestellt, die hl. Katharina von Alexandrien (Philosophie) und der hl. Kosmas (Medizin).

ED13 durch Schachteinbau Bildfeld nicht erhalten ED14 durch Schachteinbau Bildfeld nicht erhalten ED15 durch Schachteinbau Bildfeld nicht erhalten

ED16 In einer weiten Landschaft liegt ein enthaupteter Heiliger (sein Haupt ist von einem Heiligenschein umgeben). Ein Mann, der ihn offenbar aufgefunden hat, bemüht sich um ihn. Aus dem Hintergrund kommen weitere Männer. Im Vordergrund liegen links Mitra und Pedum (? Diese Bildpartie ist weitgehend zerstört).

ED17 GLORIE DES HL. AUGUSTINUS Augustinus, in Pontifikalkleidung, das goldene Kreuz auf der Brust, kniet mit weitgebreiteten Armen in Wolken. Über ihm erscheint in der Himmelsöffnung das strahlenumgebene Dreifaltigkeitssymbol. Links sieht man auf den Wolken einen Engel mit der Mitra des Heiligen, rechts einen Engel mit dem Pedum. Die Darstellung gehört inhaltlich zu den Themen des LHs-Westjochs (C C2): Tod des hl. Augustinus und sein Triumph als Kirchenlehrer. Hier ist der Heilige in der Anschauung der Dreifaltigkeit gezeigt, deren Geheimnis zu seinen Lebzeiten Gegenstand seiner intensiven Forschungen und Lehren war.

ED18 Kopf eines bärtigen Mannes vor Landschaft

Über dem Chorbogen ist in einer Kartusche zu lesen HAEC EST DOMUS DEI IN QUA INVOCABITUR NOMEN EIUS, die gleiche Inschrift wie im Dom von Salzburg, auf den sich die Domkirche des Salzburger Suffraganbistums Chiemsee damit ausdrücklich bezieht.

Das Deckenbild der Vorhalle ist verloren, doch haben wir von der Darstellung eine schriftliche Nachricht. Propst Jacob Mayr berichtete am 25.5.1702 an den Bischof von Chiemsee, Sigmund II. Carl Graf Castel-Barco, er habe dort Wappen anbringen lassen, »als Thassilonis des Stüffters, Eberhardi grossen Guetthätters, Joannis Francisci, der sye geweichet, Ruperti praepositi, der sye erbauet, und meiner, der ich das Langhauß unnd obere 6 Capellen mit Gibs und Farben habe ausziehren und zu jedens Wappen seine Verrichtung mit volgenten Underschrüfften beisezen lassen: Thaßilo fundavit: Eberhardus dotavit: Joannes Franciscus consecravit: Rupertus aedificavit: Jacobus exornavit« (Bomhard, S. 67).

Literatur zu Augustinus:

Lancilottus, Cornelius, S. Aurelii Augustini ... Vita, Antwerpen 1616.

Jordan von Sachsen, Liber Vitasfratrum II,5

Crusenius, Nikolaus, Monasticon Augustinianum I,7, S. 20. Hieber, Gelasius, Das Leben des Kirchenlehrers Aurelius Augustinus, München 1720.

O. V., Inhalt Augustinianischer Heiligkeit, oder Kurtze Lebens=Beschreibung Deren Heiligen, Aus dem Hochlöblichen und Weltberühmten Orden Deren Regulirten Chor=Herrn Des Heiligen Vatters Augustin, Linz 1727.

Possidius, Sancti Augustini Vita scripta a Possidio Episcopo hg. Herbert T. Weiskotten, Princeton 1919.

Acta Sanctorum, Augusti Tomus VI, S. 213-460.

Augustinus, Aurelius, Confessiones - Bekenntnisse, lateinisch und deutsch. Eingeleitet, übersetzt und erläutert von Joseph Bernhart, München 21960.

Aurenhammer Bd 1, S. 260–70.

Courcelle, Jeanne et Pierre, Iconographie de la conversion de Saint Augustin, in: Pierre Courcelle, Les Confessions de Saint Augustin dans la Tradition littéraire, Paris, Études Augustiniennes, 1963, S. 677, Nr. 41, Abb. 41.

Courcelle, Jeanne et Pierre, Iconographie de Saint Augustin. Les Cycles du XVIe et du XVIIe Siècle, Paris, Études Augustiniennes, 1972.

Courcelle, Jeanne et Pierre, Iconographie de Saint Augustin. Les fresques du XVIIIe siècle, I. L'Allemagne, Paris Études Augustiniennes, 1980, S. 11-15: Les fresques de Herrenchiemsee.

ED17 Glorie des hl. Augustinus
ED16 Märtyrer

HERRENCHIEMSEE

Quellen und Literatur

BHStA, KL Herrenchiemsee, 106/III, Archivrepertorium, 3 Bde.

AEM, Nachlaß Peter von Bomhard Nr. 121: Auszüge aus dem Konsistorialarchiv Salzburg, Akten Kloster Herrenchiemsee: Bauakt Klosterbau 1643-48; Kirchenbau 1674-76; I d 42: Bau des Kuchelstocks 1700/01, Streit zwischen Propst und dem Bischof von Chiemsee; I d 55: Acta, licentia celebrandi super portatilibus in dem neu erbauten SS: Sixti et Sebastiani Gotshauß und Thumbkirchen zu Chiemsee 1678; Acta, gebethen: und verwilligte Licentiam Celebrandi in der neu-erweitherten Capellen am Chiemseer See 1697; I d 60: Akt Klosterbau 1726/27 und Altöttingerkapelle 1735. BLfD, Akten Herrenchiemsee.

KDB I OB (2), S. 1792-95.

Sachsen, Johann Georg Herzog zu, Ein Augustinus-Zyklus in Herrenchiemsee, in: Die christliche Kunst 17, 1920/21, S. 155-60

Bomhard, Bd 3, S. 1-72, 307-26, 260-71

Heim, Manfred, Bischof und Archidiakon. Geistliche Kompetenzen im Bistum Chiemsee (1215-1817), St. Ottilien 1962

Bomhard, Peter von, Kloster Herrenchiemsee, in: Jahrbuch für altbayerische Kirchengeschichte 24, 1966, S. 11–28. Courcelle, Jeanne et Pierre, Iconographie de Saint Augustin. Les cycles du XVIIIe siécle, I. L'Allemagne, Paris, Études Augustiniennes, 1980, S. 11–15: Les fresques de Herrenchiemsee.

Schricker, Elisabeth, Joseph Eder und Jacob Carnutsch. Ein Beitrag zur Barockmalerei im Chiemgau, ungedr. Mag. München 1988, S. 34–39, 77–83.

Dehio 1990, S. 417-19.

Naimer, Erwin, Das Bistum Chiemsee in der Neuzeit (= Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Stadt und des Landkreises Rosenheim Bd XI), Rosenheim 1990.

Zumpt, Hugo, Graubündner Baumeister und Stukkateure im Chiemgau und in Salzburg, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für den Chiemgau 1992. Giulio und Pietro Zuccalli S. 53–56. Herrenchiemsee S. 55.

Simon, Heike, Die Dom- und Stiftskirche von Herrenchiemsee: der Barockbau. Ein Beitrag zur Architektur und Dekoration (= Schriften aus dem Institut für Kunstgeschichte der Universität München Bd 59), München 1992.

Zeitenwende – Säkularisation Herrenchiemsee 1802/03, Ausstellungskatalag, Prien 2003 (mit Abb.). A. B