Bergheim, Pfarrkirche St. Mauritius


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 10: Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2365-4, S. 61–65, geschrieben von Volk-Knüttel, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche, Gemeinde Bergheim, Diözese Eichstätt. Das Patronatsrecht lag seit 1315 beim Zisterzienserkloster Kaisheim und ging 1803 an den Staat über. Kaisheim hatte als Inhaber des Jus patronatus die Baupflicht, Kloster Niederschönenfeld und das Jesuitenkolleg in Neuburg waren Kondezimatoren. Gericht Neuburg

Patrozinium: St. Mauritius

Zum Bauwerk: Die erste Kirche wurde zwischen 1182 und 1195 durch Bischof Otto von Eichstätt geweiht. Die heute bestehende, im Kern mittelalterliche Chorturmkirche ließen die Dezimatoren, die Klöster Kaisheim und Niederschönenfeld, zwischen 1741 und 1747 architektonisch so umgestalten, daß es fast einem Neubau gleichkam. Baumeister war der Stadtmaurermeister von Ingolstadt, Michael Anton Prunnthaler, die Zimmerarbeiten führte Hofzimmermeister Georg Egner von Neuburg aus. Am 7. 1. 1748 quittierte Prunnthaler eine Zahlung von 809 fl. 30 kr. und spezifizierte seine geleistete Arbeit: »Was ich endsgesetzter wegen Erpauung des würdtigen Gottshaus und Pfarrkürchen S. Stephani (irrtümlich für St. Mauritii) zue Perckhamb also den Thurn von Grund auf neu auferpaut, die Kürchen ain Seiten von Grund auf neu auf die andere Seiten Mauern darauf gemauert, sambt den Giebel die Sacristei auch von Grund auf neu, so dann alles in und auswendig neben jetzt (?) die Tachung mit Daschen neu eingedeckt und verfertiget, habe dan Ao 1741 einen schlechter Accord gemacht und bei 47 verfertiget, sage achthundert Gulden sambt 9 fl. 30 kr. Leykauff, welche Summa mir je bar und ohne Abgang bezalt worden...« (StA Augsburg, Kloster Kaisheim). 1749/50 stellte Prunnthaler an Abt Coelestin noch eine Nachforderung von 142 fl. 48 kr. mit der Begründung, nach Baubeginn 1741 seien die Arbeiten durch den Krieg (Osterreichischer Erbfolgekrieg) unterbrochen und das Gerüst und das Baumaterial entwendet worden (ebd., s. auch Niessner). Ausgeführt wurden die Arbeiten erst 1747 nach Abschluß des Krieges. Das in der Literatur genannte Datum 1744 für die Bauausführung ist nicht präzise und nur erschlossen aus einem Schreiben der Gemeinde Bergheim vom 20.5.1759 an den Bischof von Eichstätt, ihre Kirche sei vor 15 Jahren von »Grundt auf hergestellt« worden und sie bäten darum, sie einzuweihen (OAE, Pfarrakten 18, Bergheim, II, 1). Eine Ausstattung der Kirche scheint zunächst nicht erfolgt zu sein. Über dem Chorbogen befindet sich in einer Kartusche die Inschrift: DIVVS / MAVRITIVS / ECCLESIAE PATRONVS (= 1779), deren Datum sich wohl auf die Ausmalung bezieht. Erst am 28.9. 1783 wurde die Kirche konsekriert. 1961 Verlängerung des Schiffs nach W um eineinhalb Achsen (ca. 6 m). Dabei hat man die architektonische Gliederung außen und innen weiter geführt.

Der Kirchenraum

Saalkirche zu ehemals drei, jetzt vier Jochen, tiefe Empore in W, gleichmäßige Belichtung von N und S durch Segmentbogenfenster. Eingezogener AR mit glattem Schluß, auf der S-Seite ein Segmentbogenfenster. Im nördlichen Chorwinkel Sakristei.

Auftraggeber: Coelestin I. Mermos, Abt von Kloster Kaisheim (1739-71). Pfarrer von Bergheim z.Z. des Kirchenneubaus war Franz Anton Jacob (1742-50). Seine Nachfolger waren Johann Michael Mezger (1750-60), Cleophas Mitterhueber (1760-64), Joseph Anton Zaglmayr (1764-74) und Johann Albert Rhem (1774–84).

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, 1779. Das Datum ist durch das Chronogramm im Chorscheitel gegeben. Die 1939 freigelegten Fresken sind so stark übergangen, daß eine Zuschreibung nicht möglich ist

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A,B,C) und AR (D) Flachdecke, in gewölbte Hohlkehle übergehend. Rahmen: Stuckprofilrahmen auf sonst schmuckloser Decke. Technik: Fresko; A-D, 1-6 polychrom; a-c camaieu braun. Maße: A, C Höhe 7,06 m; 2,70×2,20

 

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Nach den Daten in einer Kartusche im AR wurde die Kirche 1866, 1907, 1939, 1962 und 1983 innen renoviert. Die Instandsetzung von 1906/07 lag bei den Firmen Vogel und Glaubacker, Regensburg. Anläßlich einer Restaurierung von 1939 durch die Kirchenmalerfirma Hans Wegele, Buchloe, wurden unter neueren, mit Ölfarbe gemalten Deckenbildern die barocken Fresken entdeckt, freigelegt und durch Kunstmaler Johannes Baumann, München, konserviert. Im AR lagen die Fresken unter einer vierfachen Übermalung. Hier konnte bei der Freilegung die Darstellung der Dreifaltigkeit nicht erhalten werden; sie wurde von Baumann durch eine neue ersetzt (D). Die Fresken des LHs waren zweifach übermalt, mit Kaseinfarben und mit Ölfarben (wohl von 1866 bzw. 1907); sie wurden ebenfalls freigelegt und ausgebessert. Die Darstellung B mit dem Martyrium des hl. Mauritius und seiner Gefährten kann am besten den Eindruck der ursprünglichen Malerei vermitteln, alle andern Fresken sind stark von Baumann und seinen Mitarbeitern übergangen. Die Symbole in den Kartuschen (1-6) wurden von Hans Wegele renoviert. Sie scheinen auf alter Grundlage weitgehend neu gemalt zu sein. Nach der Verlängerung des LHs nach W wurde die gesamte Kirche einer Innenrenovierung unterzogen. Die Deckenbilder wiesen Schäden durch mangelhafte Belüftung auf. Für ihre Behandlung sah ein Gutachten des BLfD vom 16.4.1962 vor: »Die Deckenbilder, die stark verschmutzt sind, werden zunächst trocken, falls dies nicht genügt, mit destilliertem Wasser oder Regenwasser gereinigt«. Das Reinigen und Einstimmen der Schadstellen führte daraufhin die Fa. Georg Löhnert, Ingolstadt, aus. 1976 wurde das Dach des Kirchturms neu eingedeckt und 1983 erneut eine Innenrenovierung durchgeführt, bei der die Deckenbilder nur gereinigt wurden. Die Arbeiten lagen bei der Fa. Bernd Holderried, Pfaffenhofen, die 1990/91 auch eine Fassadensanierung durchführte. Außenrenovierungen sind für 1935 und 1949 bezeugt.

 
B Martyrium des hl. Mauritius

Beschreibung und Ikonographie

Die Deckenbilder des LHs zeigen in einsichtigen Darstellungen Szenen aus dem Leben des hl. Mauritius und seiner Gefährten (LA-Benz, S. 727-732). Unter Kaiser Maximian führte Mauritius eine Abteilung Soldaten, die Thebäische Legion, aus der ägyptischen Landschaft Thebais durch Italien über die Alpen nach Octodurum (heute Martigny) ins Rhonetal. Als sie dort zur Christenverfolgung und zum Götzendienst aufgefordert wurden, verweigerten sie den Befehl, denn sie waren selbst Christen. Zunächst konnten sie nach Agaunum (St. Maurice d’Agaune, Wallis) fliehen. Dort weigerten sie sich wiederum, den Befehl auszuführen und beharrten, bestärkt von ihrem Anführer Mauritius, im christlichen Glauben. Sie wurden mehrmals dezimiert und schließlich alle getötet.

 
 
D Dreifaltigkeit (Johannes Baumann, 1939
 

A DER HL. MAURITIUS UND SEINE GEFÄHRTEN IN DEN ALPEN Hinter einer abgetreppten Architektur, die als Repoussoir dient, sieht man in einer von einem Flüßchen durchzogenen Gebirgslandschaft eine Gruppe von römischen Kriegern. Sie wird angeführt von Mauritius, der durch einen Heiligenschein und eine große rote Lanzenfahne gekennzeichnet ist. Vom Himmel fällt ein Lichtstrahl auf sie herab.

B MARTYRIUM DES HL. MAURITIUS UND SEINER GEFÄHRTEN Die Darstellung, die aus relativ kleinen Figuren besteht, wird links gerahmt von einem Grabmonument (?) und einem Baum, rechts von dem Zelt Maximians. Der Kaiser steht am Eingang und beobachtet das Geschehen, das sich in einer weitläufigen Landschaft abspielt. Der hl. Mauritius in römischer Soldatentracht ist an einen Pfahl gefesselt, ebenso wie zwei seiner Gefährten aus der Thebäischen Legion, die bereits teilweise entkleidet sind. Ein weiterer Legionär kniet im Vordergrund und erwartet den Streich des Henkers, der, vom Rücken gesehen, neben ihm steht und mit einem großen Schwert zum Schlag ausholt. Aus dem Hintergrund eilt ein heidnischer Priester herbei, der gestikulierend die Arme ausbreitet und auf die Götterstatue einer sitzenden Diana im Hintergrund weist. Im Himmel sieht man zwei kleine Engel, die Kranz und Palme für die Märtyrer bereithalten.

C DER HL. MAURITIUS ALS PATRON VON BERGHEIM Rechts kniet der Heilige auf Wolken, einen Lorbeerkranz im Haar und in der Linken die Märtyrerpalme. Er wendet sich einem Lichtschein aus den Wolken entgegen und weist mit der rechten Hand hinab auf den kleinen Ort Bergheim. Umgeben von wenigen Häusern sieht man links die Pfarrkirche, davor die Marienkapelle und rechts das Pfarrhaus.

 
 
 
6 Weinstock mit Adler

schen Legion, die bereits teilweise entkleidet sind. Ein weiterer Legionär kniet im Vordergrund und erwartet den Streich des Henkers, der, vom Rücken gesehen, neben ihm steht und mit einem großen Schwert zum Schlag ausholt. Aus dem Hintergrund eilt ein heidnischer Priester herbei, der gestikulierend die Arme ausbreitet und auf die Götterstatue einer sitzenden Diana im Hintergrund weist. Im Himmel sieht man zwei kleine Engel, die Kranz und Palme für die Märtyrer bereithalten.

C DER HL. MAURITIUS ALS PATRON VON BERGHEIM Rechts kniet der Heilige auf Wolken, einen Lorbeerkranz im Haar und in der Linken die Märtyrerpalme. Er wendet sich einem Lichtschein aus den Wolken entgegen und weist mit der rechten Hand hinab auf den kleinen Ort Bergheim. Umgeben von wenigen Häusern sieht man links die Pfarrkirche, davor die Marienkapelle und rechts das Pfarrhaus.

 
4 Weinstock und Lamm Gottes

Quellen und Literatur

BLfD, Registratur, Akten Bergheim, Pfarrkirche St. Mauritius.

OAE, Pfarrakten 18 (Bergheim): I, 1 Baulichkeit; II, 1 Kirchengegenstände.

StA Augsburg, Kloster Kaisheim Akten Nr. 49: Bergheim, Bau der Kirche und des Kirchturms, 1650–1750.

StA Augsburg, BA Augsburg, Nr. 3864 a: Bergheim, Restaurierungen 1855–1940.

Buchner, Franz Xaver, Archivinventare der katholischen Pfarrreien in der Diözese Eichstätt, München/Leipzig 1918, S. 78 f.

-, Das Bistum Eichstätt, Bd 1, Eichstätt 1937, S. 96–99.

St. Willibaldsbote, Nr. 51, 17. Dezember 1939.

Horn/Meyer, 1958, S. 400–403 (ohne Kenntnis der 1939 freigelegten Fresken).

Denkmäler in Bayern, Oberbayern, München 1986, S. 480.

Niessner, Rudolf, Chronik der Gemeinde Bergheim. Geschichte der Ortschaften Bergheim, Unterstall und Attenfeld, Neuburg an der Donau 1989, S. 191–202.

B. V-K

 
c Kirche