Bergheim, Kapelle Mariä Himmelfahrt
Kapelle
Nebenkirche der Pfarrei Bergheim, z.Z. der Ausmalung Marienwallfahrtskapelle. Ziel der Wallfahrt war eine Kopie der Muttergottes von Altötting. Bereits an der Vorgängerkapelle bestand eine Bruderschaft mit dem Titel >Jesus, Maria, Joseph<, die auch als Allerseelenbruderschaft bezeichnet wurde und die 1693 durch Pfarrer Johann Georg Zellin (s. u.) eingeführt worden war (OAE, Pfarrakten 18, VIII). Die geistliche Leitung der Bruderschaft, die heute noch besteht, hat der jeweilige Pfarrer. Im Gegensatz zur Pfarrkirche unterstand die Kapelle nicht dem Kloster Kaisheim
Patrozinium: Mariä Himmelfahrt
Zum Bauwerk: Die Kapelle liegt neben der Pfarrkirche an der Südostecke des ummauerten Friedhofs und sitzt mit ihrer Südwand auf der Friedhofsmauer auf; sie wurde 1748/49 anstelle einer zusammengefallenen Kapelle errichtet, die bereits 1637 als »alt« bezeichnet worden war. 1702 hatte man eine Kopie der Muttergottes von Altötting erworben, die jährlich in der Corpus-Christi-Oktav in einer Prozession nach Altötting getragen wurde (bis 1779). Es entwickelte sich daraufhin in Bergheim selbst eine Wallfahrt zu der dortigen Marienstatue, die >Maria vom Herz« genannt wurde. Die Figur ist in dem 1721 errichteten Hochaltar in der Mitte in einer herzförmigen Nische aufgestellt, flankiert von Statuetten der hll. Willibald und Walburga, im Auszug bekrönt von einer Gruppe von Maria und Joseph mit dem Jesusknaben (Heiliger Wandel) im Strahlenkranz.
Auf die Allerseelenbruderschaft, deren Mitglieder für eine glückliche Sterbestunde und für die Erlösung der Verstorbenen aus dem Fegefeuer beteten, bezieht sich ein in eine Stuckkartusche eingelassenes Leinwandbild auf der inneren Eingangswand mit Jesus, Maria und Joseph in der Form des Heiligen Wandel, unterhalb links Puttenengel mit Rosenkranz, rechts große Engel, die Hostien in das Fegefeuer werfen.
Architekt der Kapelle von 1748/49 war Michael Anton Prunnthaler, Stadtbaumeister von Ingolstadt, der unmittelbar vorher die Pfarrkirche in Bergheim errichtet hatte. Am 21.1.1752 bestätigte Prunnthalers Witwe Maria Anna Ursula, daß ihr Mann den Bau der Kapelle geführt habe und dafür mit 162 fl 9 kr. entlohnt worden sei (OAE). In der von den beiden Heiligenpflegern (Kirchenpflegern) geführten Rechnung von 1748 bis 1751 sind die einzelnen Bau- und Ausstattungsarbeiter genannt; auch die Quittungen der beteiligten Handwerker sind zum Teil erhalten. Am 18. Februar 1751 quittierte der Neuburger Stuckator Matthias Abel, daß er »vor sambtliche zue den alhiesigen gotteshaus pro 1748 et 49 gemachte Stuckar und Malerarbeiten 82 fl. 20 kr. ... empfangen« habe (ebd.). Mit der Malerarbeit ist möglicherweise der Anstrich von Wand und Decke gemeint. Da in den Rechnungen kein Maler erwähnt wird, könnte man auch vermuten, daß Abel einen Freskanten stellte, der von ihm bezahlt wurde (Vgl. einen ähnlichen Vorgang bei dem Stuckator Jakob Egg, der für das Oratorium der Bürgerkongregation Maria de Victoria in Ingolstadt 1712 einen Vertrag abschloß, der die Arbeiten des von ihm entlohnten Freskanten Matthias Zink mit einschloß, s. Siegfried Hofmann, Werke des Stukkateurs Jakob Egg aus Eichstätt in Baar, Burgheim, Ingolstadt, Marxheim, Rohrbach und Treuchtlingen. Eine Vorstudie, in: Sammelbl. d. Hist. Ver eins Ingolstadt 94/95, 1985/86, S. 343-45).
Der originelle, qualitätvolle Stuck in Weiß und Gelb auf grünem und rosa Grund besteht aus Rahmungen mit kräftigen Profilen, sowie Akanthus- und Bandwerkelementen, floralen Motiven, darunter Blumensträußen in Vasen, aus Putten und paarig angeordneten Engelsköpfchen. Besonders reich gestaltet ist die Chorwand mit einem zweigeschossigen ge-
Ag Flucht nach Ägypten schwungenen Aufsatz, darunter Mariensymbole, flankiert von gerafften Stuckvorhängen.
Die Dekoration weist große Ähnlichkeit auf mit dem ebenfalls von Abel ausgeführten Stuck der Kirche von Sinning, 1742 (s. S. 280). Auch das Verhältnis von Bemalung zu Stuckierung ist ähnlich wie dort, ebenso sind die in beiden Kirchen über den stuckierten Apostelkreuzen angebrachten Tondi mit Flachreliefs der Köpfe der Zwölf Apostel gut vergleichbar. Einfacher Saal zu drei Achsen, Belichtung von N und S durch je zwei lyraförmige Fenster in segmentbogigen Nischen, die mittlere dritte Achse ist nicht durchfenstert; eingezogene Wand zum AR mit gedrücktem Chorbogen; dreiseitig geschlossener, wesentlich niedrigerer AR, der ohne Einziehung an das Schiff anschließt, belichtet durch zwei seitliche Fenster.
Auftraggeber: Die Allerseelenbruderschaft unter der Leitung des Bergheimer Pfarrers Franz Anton Jacob (1742-50). Die Rechnungsführung erfolgte durch die Heiligenpfleger Johann Puecher und Johann Ockermiller, Bauern in Bergheim, die mit ihrem Besitz bis zur Bezahlung der Gesamtsumme von 495 fl. hafteten. Die finanziellen Mittel bestanden zum größten Teil aus einem Legat von 329 fl. 30 kr., das der Vorgänger Jacobs, Pfarrer Johann Georg Zellin, hinterlassen hatte. Zellin starb 1742 im Alter von 83 Jahren. Er war 50 Jahre Pfarrer in Bergheim und liegt auch in der Kapelle begraben.
Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, 1748/49. Die Freskierung ist gleichzeitig mit der Erbauung und Stukkierung der Kapelle 1748/49 entstanden. Die Ausmalung ist von bescheidener Qualität (zur Erhaltung s. u.).
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs Flachtonne über breiter, zur Wand überleitender Hohlkehle; AR Flachdecke über Hohlkehle
Rahmen: A geschweifter Stuckprofilrahmen, dessen Gelenkstellen Akanthus entwächst; A1–8, Aa–d, Ba–b, W1–5 kräftige Stuckkartuschen
Technik: Fresko, A, A1–8 polychrom; Aa–d, Ba–b, W1–5 camaieu braun, Ae–h camaieu blau
Maße: A Höhe 5,61 m; 3,60×2,99
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Fresken sind in ihrer Bildanlage barock, jedoch stark übergangen. Auf einem Foto mit Blick zum Chor (StA Augsburg), das vor 1909 aufgenommenen worden ist, sind die Darstellungen W1–3 nicht zu sehen. Demnach sind sie also erst nach diesem Zeitpunkt freigelegt oder neu gemalt worden. Die alttestamentlichen Szenen Ba–b im AR scheinen völlig neu zu sein.
1909 wurde der Stuck durch den Bildhauer Jakob Helmer, Regensburg, restauriert; die Fa. Karl Glaubacker, ebenfalls Regensburg, tünchte die gesamte Kapelle und renovierte den Hochaltar. In der Folgezeit waren Stuck und Fresken immer wieder durch Feuchtigkeit bedroht, sowohl durch eingedrungenes Regenwasser und Flugschnee als auch infolge von Durchfeuchtung der Mauern. 1941 fiel im Chor 1 1/2 Quadratmeter des Deckenstucks ab. Ein Gutachten des BLfD vom 22.6.1954 stellte stärkere bauliche Mängel fest, die vor einer Restaurierung zu beseitigen seien (Durchfeuchtung der Umfassungen, Absinken des Chors, Risse). Eine bereits damals geplante Restaurierung wurde erst 1957 durch die Kirchenmalerfirma Georg Löhnert, Ingolstadt, durchgeführt, die auch die Fresken reinigte und ausbesserte. 1971 wurde erneut eine Außeninstandsetzung notwendig, um 1979/80 folgte eine Innenrenovierung, wohl durch die Fa. Pfaller, Ingolstadt. 1982 wurde die Westfassade instandgesetzt, 1992 hat man den Außenanstrich dem der neu renovierten Pfarrkirche angeglichen. Eine erneute Restaurierung ist dringend erforderlich, da Teile des Putzes und Deckenstucks im AR locker sind und abzufallen drohen
Beschreibung und Ikonographie
Die Freskierung besteht aus einem Marienzyklus und aus Mariensymbolen, die Anrufungen Mariens nach der Lauretanischen Litanei wiedergeben. Die polychrom ausgeführten szenischen Darstellungen im LHs überziehen sowohl die Decke als auch die Hohlkehle, ebenso weisen Decke, Hohlkehle und Wand monochrome symbolische Darstellungen auf. Die durch zahlreiche Restaurierungen beeinträchtigten Deckenbilder zeigen in ihren Kompositionen die Schwäche des Freskanten bei der Wiedergabe der Perspektive. Vor allen im Hauptfresko A, Himmelfahrt Mariä, und in A3 Flucht nach Ägypten, sind die Szenen seitlich zu den Bildrändern in dilettantischer Weise so hochgezogen, daß sie nach innen kippen.
A, A1-8 MARIENZYKLUS an der Decke des LHs und in der Hohlkehle. A, Blickrichtung nach O, A8 Blickrichtung nach W.
Aa-h, W1-5 ANRUFUNGEN DER LAURETANISCHEN LITANEI Kleine Bilder in der Hohlkehle, an der Decke über den Seitenaltären, an der Chorwand und an den Langhauswänden zeigen Anrufungen Mariens aus der Lauretanischen Litanei, sämtlich mit Inschriften.
In der Hohlkehle:
BERGHEIM
Ba-b ALTTESTAMENTLICHE SZENEN Beide Bilder oberhalb des Bruderschaftsaltars spielen auf die Hilfe an, die die Bruderschaft dem Sterbenden gewährt, nämlich die Rettung vor der ewigen Verdammnis. Daniel ist ebenso dem sicheren Untergang geweiht wie die Ertrinkenden bei der Sintflut. Er wird durch himmlische Hilfe errettet wie Noe mit den Seinen.
B. MANE DILVGVLO DANIELIS 6.C. Daniel in der Löwengrube. Daniel sitzt links in einer Höhle, neben ihm der Löwe. Rechts sieht man einen riesigen Löwenkopf mit Menschen in seinem aufgerissenen Rachen.
Bb REFVGIVM PECATORVM. Arche Noe. Die Arche schwimmt auf dem Wasser, umgeben von Ertrinkenden.
Quellen und Literatur
BLfD, Registratur, Akten Bergheim, Marienkapelle. OAE, Pfarrakten 18, Bergheim: II, 2 Kirchengegenstände; III Allerseelenbruderschaft; VIII Pfarrbeschreibung. StA Augsburg, BA Neuburg, Nr. 3864 e: Restaurierung der Kapelle in Bergheim 1909.
Buchner, Franz Xaver, Archivinventare der katholischen Pfarreien in der Diözese Eichstätt, München/Leipzig 1918, S. 79. -, Das Bistum Eichstätt. Bd 1, Eichstätt 1937, S. 97–98.
Niessner, Rudolf, Chronik der Gemeinde Bergheim. Gerichte der Ortschaften Bergheim, Unterstall und Attenfeld. Neuburg an der Donau 1989, S. 191–202.
B. V.-K