Annabrunn, Wallfahrtskapelle St. Anna
Wallfahrtskapelle, Pfarrei Flossing, Verwaltungsgemeinschaft Polling, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung war die Pfarrei Flossing dem Kollegiatstift in Mühldorf inkorporiert, Erzdiözese Salzburg. Ehem. Gericht Mörmoosen
Patrozinium: St. Anna
Zum Bauwerk: Neubau einer steinernen Kapelle an der Stelle einer hölzernen 1628/29 durch den Mühldorfer Ratsherrn und Handelsmann Wolfgang Schmid und seine Ehefrau Ursula. Grundsteinlegung 1628 durch den Archidiakon und Propst von Gars, Peter Mittmann, Weihe am Annafest (26.7.) 1629 durch Johann Christoph von Liechtenstein, Bischof von Chiemsee (Weiheinschrift an der S-Wand von 1629). Barockisierung der kleinen Kirche wohl in zeitlichem Zusammenhang mit den Umbaumaßnahmen in Polling, Oberneukirchen und Grünbach im Gericht Mörmosen um 1757/59. Kreilinger (S. 118) vermutet als Baumeister Franz Alois Mayr und schreibt diesem auch die Freskorahmen zu.
Kleiner Saalbau (8,00×4,50 m) zu zwei Jochen, gleichbreite Altarnische (1,50×4,50m), dreiseitig geschlossen. Turmvorbau im W, der im Erdgeschoß als Vorhalle ausgebildet ist, Sakristeianbau im S. Pilastergliederung. Belichtung durch Rechteckfenster mit geschwungenen Abschlüssen, zwei nördlich, eins südlich.
Nahe bei der Kirche befindet sich eine Quelle, der als heilkräftig geltende Annabrunnen.
Auftraggeber: Pfarrvikar von Flossing war Franz Ignaz Erber (1742-69), der in seiner Amtszeit auch in den Kirchen von Oberflossing, Oberneukirchen, Grünbach und Polling Barockisierungen durchführte.
Die Annahme liegt nahe, daß Joseph Schmid, der 1748 den Hochaltar renovieren ließ (Stifterinschrift an der W-Wand ... anno 1748 ist dieser Altar widerum von Herrn / Joseph Schmidt auch Bürger und Handelsmann mit seiner Hausfrau Maria / Katharina Schmidt geborne Perghofferin wider neu renovirt worden ...), auch die Ausmalung bezahlte. Vorgänger von Pfarrvikar Erber war Pfarrer Wolfgang Joseph Schmid († 1736), der ein Legat für Kirchenzier hinterließ (S. auch Oberflossing, Seelenkapelle, S. 203).
Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, um 1757/59. Es handelt sich um eine einfache ländliche Rokokomalerei. Mit einem der bekannten Freskanten im Bereich Mühldorf läßt sie sich nicht in Verbindung bringen. Aus historischen Gründen liegt die Autorschaft eines Mühldorfer Malers nahe. Paul Kurz der Jüngere kann als Freskomaler in St. Katharina in Mühldorf abgegrenzt werden, wo er sich als ein gewandterer Maler zeigt. Um 1750 war in der Pfarrei Flossing mehrfach der Neuöttinger Maler Johann Michael Lechner beschäftigt (siehe S. 347). Sein Malstil ist noch unbekannt.
Im Zusammenhang mit dem Baumeister Franz Alois Mayr ist auch ein Maler aus Trostberg vorstellbar. 1761 ließ sich Franz Joseph Soll dort nieder; möglicherweise war er auch schon vorher in der Gegend tätig. Goerge vermutet Soll schon 1754 als Fassmaler »Joseph« neben Johann Baptist Zimmermann in Margarethenberg, Lkr. Altötting (Dieter Goerge, Johann Nepomuk della Croce 1736–1819. Leben und Werk. Burghauser Geschichtsblätter 50, 1998, S. 312.) Solls frühe Werke zeigen teilweise ähnliche Staffagefiguren, die fast körperlos und ähnlich Strichmännchen gemalt sind. Auch unlogisch gestaltete Schauplätze und Architekturstaffagen finden sich hier noch. Die gemalte Rocailledekoration in Annabrunn ist der in Neufahrn (S. 186f.) durchaus ähnlich. Unter diesem Gesichtspunkt könnten die Fresken in Annabrunn als frühe Arbeiten Franz Joseph Solls zur Diskussion gestellt werden (s. S. 349).
Befund
Träger der Deckenmalerei: A-C Flachtonne mit Stichkappen, die sich fast im Scheitel treffen und die in halber Fensterhöhe auf dem Pilastergebälk ruhen
Rahmen: A-C geschwungenes Stuckprofil, ockerfarben mit gelber Innenleiste, 1-4 gemalte Rocaillemedaillons in karmin Technik: Fresko; A-C polychrom, 1-4 monochrom ocker NA O A TI"1
Maße: A Höhe 4,15 m; 1,30 x 2,60 m; B Höhe 4,15 m; 2,60 x 2,60 m; C Höhe 4,15 m; 1,30 x 2,60 m
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1870 (Mayer-Westermayer, S. 104) und 1947. Bei einer Restaurierung vor 1976 wurde das Wandfresko mit dem Annabrunnen freigelegt. Letzte Restaurierung 1982 durch Karl Holzner, Ampfing. Die Hintergründe wurden freigelegt und die Ornamente nachgebessert, ein Apostelkreuz wurde freigelegt und durch 11 weitere ergänzt. Die Fresken wurden gereinigt unter Belassung der Übermalungen von 1947. Ein Fresko an der O-Wand des Außenbaus ist signiert gem 1982 / K. Holzner.


Beschreibung und Ikonographie
Alle Gewölbeflächen außerhalb der Bildfelder sind mit violettroten Rocaille-Ornamenten ausgefüllt, die mit goldfarbenen Blütenranken und Puttoköpfchen durchwirkt sind. Das Programm beschäftigt sich mit der Kirchenpatronin Anna. A zeigt die Verheißung der Geburt Mariens, B die Geburt und C St. Anna als Patronin. Am Altar ist eine plastische Gruppe der Anna Selbdritt. Die vier Anna-Szenen (1-4) die B umgeben, bilden keine ikonographisch einheitliche Serie sondern sind ganz verschiedenen Charakters (biblisch, typologisch, emblematisch, lokalhistorisch). In drei Darstellungen wird auf die Lokalgeschichte und die Gnadenquelle von Annabrunn eingegangen (3, 4, W).
Links sitzt vor einem Torbau, der von zwei Sockelbauten mit bekrönenden Vasen flankiert wird, Anna im gelben Umhang und rosa Kleid, den Kopf mit einem blaugrauen Tuch bedeckt. Sie hat die Hände gefaltet und blickt zu einem Engel auf, der ihr in einem Medaillon ein Bild des Mädchens Maria zeigt. Rechts sitzt unter einem Baum, die Hirtenschippe in der Hand, Joachim bei seinen ruhenden Schafen. Auch er erblickt einen Engel, der von Licht umgeben auf ihn zuschwebt. In den Wolken erscheint die Dreifaltigkeit, begleitet von Engeln. Die Vorgeschichte der Mariengeburt erzählt die Legenda aurea (LA-Benz, S. 679): Joachim und Anna, die zwanzig Jahre kinderlos waren, zogen nach Jerusalem, um im Tempel zu opfern. Der Priester wies Joachim als Unfruchtbaren in aller Öffentlichkeit zurück, und aus Scham versteckte sich Joachim bei seinen Hirten. Dort erlebte er die Erscheinung eines Engels, der ihm eine Tochter verhieß. Derselbe Engel erschien auch Anna, die um den vermißten Joachim trauerte, und beide hieß er, an der Goldenen Pforte in Jerusalem aufeinander zu warten. Das

Tor ist Hinweis auf die Goldene Pforte und die Begegnung von Joachim und Anna, die mit dem Ereignis der Empfängnis Mariens gleichgesetzt wird.

pel um Fruchtbarkeit und wurde von dem Hohenpriester Eli zurechtgewiesen, weil sie den Eindruck einer Trunkenen machte. Sie gebar aber dann doch Samuel (1 Sam 1,9-18).
An der Außenwand des Chors befindet sich ebenfalls ein Fresko mit dem St.-Anna-Heilsbrunnen (1982).




Quellen und Literatur AEM, Pfarrakten Flossing V/1, Kapelle Annabrunn. BLfD, Akt Annabrunn, Kapelle.
KDB I OB (3), S. 2150. Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 102-04. Mittermaier, Joseph, 300 Jahre Wallfahrt Annabrunn, Festschrift 1929.
Hartmann, Adolf, Annabrunn, eine Gnadenstätte besonderer Art, in: Das Mühlrad 18, 1976, S. 48–52.
Historischer Atlas Bd 36, Mühldorf (Helmuth Stahleder), München 1976, S. 351.
Kreilinger, Kilian, Der bayerische Rokokobaumeister Franz Alois Mayr (= Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst 9), München 1976, S. 118.
C. B.