Ampfing, Friedhofskapelle Schmerzhafte Mutter Gottes
Friedhofskapelle, Pfarrei und Gemeinde Ampfing, Erzdiozese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Erzbistun Salzburg. Die Pfarrei Ampfing war dem Augustiner-Chorherrnstift Au inkorporiert. Salzburgisches Propstgerich Mühldorf. Gericht Neumarkt
Patrozinium: Schmerzhafte Muttergottes
Zum Bauwerk: 1738/41 Neubau der Kapelle an der Stelle der alten Seelenkapelle auf dem Friedhof südwestlich der Pfarrkirche. Ratifizierung durch den Geistlichen Rat am 14.6.1738 Abrechnung 1740 (StAL, Kirchenrechnung 1740: Am 14. Jun 1738 ist consentiert worden, daß das neben dem Gottshaus stehende uralte Kirchl nebst angehengten Totenkerker, worinnen die Bildnus Mariae bereits über 600 Jahr verehrt wurde nach mitgehenten 2 Visiern und Überschlägen wieder aufgericht und vergrößert [werde], sohin dan hierüber angezaigte Uncosten Exclus. des Stuckators 358 fl. 54x., inclus 495 fl. 2 x.<). Baumeister war Marx Weidinger aus Kraiburg Zimmermeister Joseph Schröck aus Weilkirchen. Gegen Ende des Umbaus wurden einige zusätzliche Fenster ausgebrochen Am 24.11.1739 wurde auch die Stuckierung bewilligt, für die »Benedict Zöcht, Bürger und Stuccadorer zu Statt am Hof« 115 fl. ausgezahlt wurden. Es handelt sich um Benedikt Zöp aus Wessobrunn, 1730/40 ansässig in Stadtamhof bei Regens burg, 1731 Heirat in Friedburg, OÖ (vgl. Au am Inn, S. 33) der viel für den Erzbischof von Salzburg tätig war. In seinen Stuck entwickeln sich aus zartem Band- und Gitterwerk Blütenranken und Füllhörner, die teilweise vollplastisch das Gewölbe umspielen.
Inschrift am Chorbogen FILIO / ET / MATRI / D D D [= Data Donata Dedicata] / MDCCXXXVII.
Kleiner niedriger Saalbau (6,30×4,50m) zu drei Jochen, gesüdet. Gleichbreiter einjochiger AR (3,75×4,60 m), dreiseitig geschlossen. Pilastergliederung. Belichtung je Joch durch bis an die Stichkappenbögen reichende, geschwungene Fenster. Vorraum mit Eingang.


Auftraggeber: Der Propst von Au, Joachim Böhein (1715–48) wurde ab 1728 wegen schlechter Führung des Stift von Administratoren vertreten, z.B. 1737 vom späteren Propst Patritius Zwick, der auch mit der Ausstattung de Pietà-Kapelle in Au in Zusammenhang gebracht wird (s. S. 33) Auftraggeber beim Kapellenbau war der Pfarrvikar in Amp fing, P. Johann Pachmayr (* 1697, Profeß 1713, Priester 1722 seit 1737 in Ampfing, †28.3.1743). Die Inschrift auf seinen Epitaph an der westlichen Kapellenwand nennt ihn als der dem die Erweiterung und Ausschmückung der Kapelle zu ver danken ist: In Medio Huius Sacelli, Quod / Erexit, Exornavi et Vnice / Adamavit Requiescit Adm / R: R: Ac Claris. D. Ioannes PaChMayr / CanonICVs RegVLarIs / In AV, sel annIs In / HoC LoCo VICarIVs/obiit 24 Martij / Requiesca in Pace (= 1743).
Nach den Kirchenrechnungen wurden aus den Baugeldern für Altarfassung und Freskierung 85 fl. aufgewendet, was vermuten läßt, daß ein Teil der wirklichen Summe durch Guttäter aufgebracht wurde. Die Pfarrgemeinde brachte 130 fl. auf.

Autor und Entstehungszeit: Johann Baptist Rabensteiner (* um 1700 † 1753 Neumarkt) 1739/40.
In der Kirchenrechnung wird Rabensteiner für Fresken und Altarfassung bezahlt: »Johann Baptist Rabensteiner, umb dieser den Altar in erwehnts Kirchlein gefaßt und ansonsten dasselbe in Fresko ausgemahlen guett getan die gdst ratifizierte 85 fl.«. Außer den Deckenbildern in der Seelenkapelle hat sich von ihm die Ausmalung der Pietà-Kapelle in der Klosterkirche Au (S. 45, 47) erhalten. Allen Gemälden gemeinsam ist der fast klassische Figurentypus mit griechischem Profil und einer auf die Oberlippe heruntergezogenen Nase, die gleichmäßig geformten, schlaffen Hände und die steifen, bewegungslosen Kompositionen.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHS und AR Spitztonne mit Stichkappen
Rahmen: Geschwungenes Stuckprofil
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 3,60 m; 3,20 x 2,00 B Höhe 3,60 m; 1,60 x 1,30
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Im Zusammenhang mit einer umfangreichen Baureparation an der Pfarrkirche, die 1769 unter der Leitung des Landshuter Hofmaurermeisters Felix Hirschstötter von Maurermeister Hechel aus Neumarkt durchgeführt wurde, ist auch die Seelenkapelle restauriert worden: »auch die gestuckadorte Capeln sollte ausgeweißt und im Anwurf verbessert werden« (BHStA, Kirchenzierde Neumarkt). Im Zuge der Säkularisation 1803/07 sollte die Kapelle abgebrochen werden; die Gemeinde erwarb sie und machte in späteren Kriegsjahren ein Magazin daraus. Nach dem Frieden von 1815 wurde sie restauriert (AEM, Schwab). Weitere Restaurierung 1858. 1911 wurden die Deckenstuckaturen von einer braunen Bemalung befreit. Bei der letzten Innenrestaurierung 1987/89 durch Karl Holzner, Ampfing, wurde die originale Fassung an den Stuckaturen freigelegt. Die Deckenbilder mußten nur leicht gereinigt werden. Gekittete Risse, restaurierte Wasserschäden; Übermalungen in den Konturierungen sichtbar. Das Herzmedaillon über dem Eingang zur Vorhalle ist weitgehend rekonstruiert (BLfD).
Beschreibung und Ikonographie
Die niedrige Flachtonne ist bis zu den Kapitellen herunter netzartig mit gelbgetönter Stuckdekoration auf rosafarbenem Grund überzogen, durchsetzt mit türkisfarbenen Gitterkartuschen. Die zwei Bildfelder A und B sind von dickwulstigen gelben Rahmen, in der Mitte weiß abgesetzt, umschlossen und in den Achsen von Stuckornamenten übergriffen. Die Hintergrundfarbe in beiden Fresken ist blau bis türkis.
A URLAUBNAHME JESU Auf einer Terrasse begegnen sich Jesus und Maria. Maria, in Rot und Blau gekleidet, kniet auf einer sandsteinfarbenen Treppe vor einer Art Steinaltar, auf dem ein flacher Korb mit Getreide liegt. Das Schwert durchbohrt ihre Brust, während sie in schmerzlicher Bewegung, die Hände vor der Brust gekreuzt, auf ihren Sohn blickt. Jesus steht ihr gegenüber. Er sieht in einer Vision das Kreuz in einem gezackten Nimbus und grüßt es mit einer Gebärde der Demut. Zu seinen Füßen sieht man ein aufgeschlagenes Buch mit der Inschrift (original?) JESUS NIMMT ABSCHIED VON SEINER LIEBEN MUTTER. Den Hintergrund bildet die
Ansicht der Stadt Jerusalem, hinter der der Berg Golgotha mit den zwei Kreuzen der Schächer aufragt.
Die Darstellung bezieht sich auf das Patrozinium der Kapelle (auf dem Altar steht eine Pietà-Gruppe, eine ähnliche wie in Au am Inn). Die Szene vom Abschied Jesu, auch Urlaub Jesu genannt, kommt in den Evangelien nicht vor; sie entwickelte sich im Mittelalter aus den Passionsspielen und wurde seit dem 16. Jh. in Holzschnitten und Andachtsbildchen populär. (RDK Bd 1, S. 102-05, s.v. Abschied Christi von Maria, LCI Bd 1, Sp. 35-37, s.v. Abschied Jesu von Maria, Marienlexikon Bd 1, S. 20f.).
B CHRISTI TOD ALS ÜBERWINDUNG DES TODES/FIDES-ECCLESIA Eine weißgekleidete junge Frau kniet vor einem Weinspalier, an dem die reifen roten Trauben hängen. Die üppigste Traube, auf die die helle Sonne scheint, ist von einem Nimbus erleuchtet und wird von der Frau gepflückt, die gleichzeitig ein Kreuz an die Brust drückt, um das ein Inschriftband gewunden ist (Inschrift bis auf Spuren verschwunden). Am Boden liegt ein Totenkopf, durch dessen Auge sich eine Schlange windet. Die Inschrift auf einem Schriftband am Fuß der Darstellung ist ebenfalls zerstört. Die Traube, die gekeltert wird, ist Symbol für Christi Opfertod; die weißgekleidete Frau kann man wegen des Kreuzes als Ecclesia identifizieren. Totenkopf und Schlange erinnern an Tod und Teufel, die durch den Opfertod Christi überwunden
Zwei Stuckkartuschen über den Eingangstüren der Kapelle bzw. der Vorhalle beziehen sich auf die gleiche Thematik. Die Kartusche über der Kapellentür mit der Inschrift Buech des Lebens zeigt ein aufgeschlagenes Buch, beidseitig beschrieben In welchen / Sind die Diener / Jesu und Mariä. Die Kartusche in der Vorhalle zeigt zwei flammende Herzen mit Kreuz, das eine als Herz Mariens mit Lilien, das andere als Herz Jesu durch die Dornenkrone bezeichnet, mit der Inschrift COR UNUM (rekonstruiert, BLfD).
Quellen und Literatur
StAL, Pfleggericht Neumarkt, K 1-K 83 Kirchenrechnungen 1700-1793.
StAL, Kurbaiern Geistl. Rat, Kirchen- und Stiftungsrechnungen, Gericht Neumarkt (dezimierte Kirchenrechnungen).
BHStA, Landshuter Abgabe 1993, Nr. 824-825: Kirchenzierde Neumarkt 1751–1807. AEM, Pfarrakten Ampfing, 113 000 101: Reihenfolge der Pfarrer und Hilfpriester zu Ampfing Ms. von Pfarrer Conrad
BLfD, Akt Ampfing, Friedhofskapelle
Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 84–87. KDBIOB(2) S 2150
Historischer Atlas Bd 36, Mühldorf (Helmuth Stahleder), München 1976, S. 316.
// / Dehio 1990, S. 42.
Brenninger, Georg, Die Kirchen der Pfarrei Ampfing. Ampfing 1994.