Schambach, Pfarr- und Wallfahrtskirche Hl. Kreuz


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 425–436, geschrieben von Grimminger, Christina. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Das Patrozinium Hl. Kreuz ist seit 1391 nachweisbar. Die Priefer'sche Visitation von 1602 berichtet von einem kupfernen Kreuz auf dem Hochaltar. Dieses sei vor langer Zeit in einem Brunnen gefunden worden und bedürfe einer Renovierung, die es aber nicht annehme, wie die Dorfbewohner erzählten. Es handelt sich hierbei um das heute noch erhaltene romanische Kruzifix des barockzeitlichen Kreuzpartikelreliquiars. Die Wallfahrt kam um das Jahr 1721 in Gang und war auf die benachbarten Ortschaften begrenzt. Um 1724 wurde an der Stelle, an der der Legende nach das kupferne Kreuz gefunden worden war, eine kleine Kapelle, die Kapelle am Gnadenbrünnlein (südwestlich des Dorfes, nahe der Schambach), errichtet. - Unter den in der Wallfahrtskirche erhaltenen Votivtafeln trägt eine die Inschrift Ex Voto Anna Maria Köllin Mallerin in Kipfenberg 1751. Bei der Votantin – diese kniet in bürgerlicher Tracht vor einem Altar mit bemaltem Antependium in reicher Dekoration, darüber halten zwei Engel das Kreuzreliquiar von Schambach – handelt es sich um die zweite Ehefrau des Kipfenberger Malers Anton Köll, der Fresken in Unteremmendorf (siehe S. 441-43), Dörndorf (siehe S. 69–75) und Ochsenfeld (siehe S. 373–75) schuf.

Patrozinium: Hl. Kreuz

Zum Bauwerk: 1755/56 neuerrichtete Kirche. Die »Pau Rechnung über die von Grundt aus neu gebaute Kirche Chor Turm« (DAEI, Pfarrakten Schambach I,1) überliefert die Daten und die Namen der beteiligten Künstler. Der Eichstätter Hof- und Domkapitelsbaumeister Giovanni Domenico Barbieri, der die Baurechnung erstellte, wurde für »den Riss- und den Übertrag zu machen, nachzuschauen, Rittgelder und andere Bemühungen durch 2 Jahre« bezahlt. Erwähnung findet der Kirchenbau auch in seiner Autobiographie, 1755 schreibt er: »Ich baute die Kirche und den Turm von Schambach von Grund auf neu.« Der Maurermeister Michael Haberl von Kipfenberg war der örtliche Bauführer. Den Stuck fertigte der Eichstätter Bildhauer und Stuckator Johann Kaspar Aicher, die Fresken der Eichstätter Johann Michael Baader, der auch die Ölbilder der beiden neuen Seitenaltäre lieferte (links mit Signatur JMB[ligiert]aader pinx[it]/1757). Den Hochaltar schufen 1768 der Eichstätter Bildhauer Dominikus Loder und der Schreiner Martin Liebold aus Kipfenberg, das Altargemälde, die Verehrung des Hl. Kreuzes durch die Vier Erdteile darstellend, ist signiert W. Wunderer pinxit 1771 (Das Altarblatt war im Zuge der Innenrestaurierung 1901 durch ein Ölgemälde ersetzt und, nachdem die Baader'schen Fresken 1953 freigelegt worden waren, wieder an seinem angestammten Platz aufgehängt worden. Das Altarblatt von 1901 befindet sich heute an der Altarrückwand, es bildet Christus am Kreuz mit den Assistenzfiguren Johannes und Maria ab und trägt die Signatur Basilio Coletti 1902.)

Saalartiges LHs (14,90 × 9,90 m) zu vier Fensterachsen mit eingezogenem und ausgeschiedenem, dreiseitig geschlossenen AR (7,50 × 4,40 m). Belichtung im LHs über hohe, segmentbogenförmig geschlossene Fenster, im AR über zwei ebenso geformte Fenster in der Südwand, während die Nordwand, an die der Turm angebaut ist, über ein Oratorium verfügt. Die Stuckdekoration besteht aus Laub- und Bandlwerkformen, die mit Muscheln und Akanthusblättern und im AR zusätzlich mit Rocaillen besetzt sind. Die Stuckkanzel ist ebenso mit Freskogemälden geschmückt wie auch die Brüstung der Orgelempore.

Auftraggeber: Der Böhmfelder Pfarrer und einzelne Mitglieder der Pfarrei.

Matthias Jakob Dallmayr ließ als Pfarrer von Böhmfeld (1742-69) die Wallfahrtskirche Schambach und den Pfarrhof in Böhmfeld bauen. Er führte mehrere Prozesse, u. a. gegen das Kloster St. Walburg in Eichstätt wegen Zehentzins und gegen die Gemeinde Böhmfeld wegen Holz (St. Walburg unterlag ihm, der Prozess kostete das Kloster 6978 Gulden). Im Pfarrhaus Böhmfeld hat sich ein Ölgemälde erhalten, das Dallmayr als Brustfigur, gekleidet in Wams und vornehmen Rock, das Bäffchen herausschauend und einen Pileolus auf dem Kopf tragend, zeigt; auf dem Tisch steht ein Kruzifixus mit integrierter Uhr, davor liegen drei Bündel mit Prozessakten, die Beschriftungen verweisen auf die Instanzen Eichstätt, Mainz und Rom, rechts im Hintergrund ein Wappen. In der Pfarrkirche befindet sich ein Gemälde mit der Ansicht Böhmfelds und dem Patron der Pfarrei, dem hl. Bonifatius, sowie den beiden Bistumspatronen Willibald und Walburga im Himmel; die aufgemalte Kartusche mit der Inschrift M. I. D./1760 verweist auf Dallmayr als Stifter des Gemäldes (vgl. die Abb. S. 179, 186 in: Franz Federl, Im Steinacker Gottes. Aufzeichnungen des Böhmfelder Pfarrers Franz Federl, hg. v.d. Gemeinde Böhmfeld, Kipfenberg 1991). Dallmayr, der 1769 in Böhmfeld starb, fungierte nicht nur als Auftraggeber des Neubaus der Wallfahrtskirche in Schambach, er finanzierte Fresko A. Dies überliefert das 1724 angelegte Mirakelbuch (DAEI, Pfarrarchiv Schambach Mag2): »Daß Mittere und grosse Stuck in gemäh Creuz erfindtung hat Pfarrer Dallmayr zahlt und machen lassen, so gekostet 35 [Gulden]«.

Unter den »Guthäter und Guthäterinen zum allhiesig neugebauten Gotts: haus und dem heil: Creuz«, wie es im Anhang des Mirakelbuches heißt, sind namentlich erwähnt »Jungfrau

A Auffindung des Heiligen Kreuzes durch Kaiserin Helena, 1–4 Alttestamentliche Szenen, a–b Sinnbilder zur Erlösung

Anna Maria Hundtsdorfferin von Attenzell« und »Antoni heindtl Miller in Gungolding«, wobei Letzterer sich inschriftlich als Stifter einer Nebenszene im Langhaus (2) zu erkennen gibt. Aufgrund der Inschrift in Fresko 3 steht mit Johann Rieger aus Kipfenberg ein weiterer Stifter einer Nebenszene im LHs fest.

Autor und Entstehungszeit: Johann Michael Baader (* 1729 Eichstätt † 1792 Paris) 1755/56

Die Fresken sind unsigniert, erweisen sich jedoch aufgrund der überlieferten Rechnungsunterlagen als Werk Baaders. Laut dem mit 19. 12. 1756 datierten »Verzeichnis was ich endt Gesözter in der Schambacher Kirche an Stuccador Arbeith sambt einen Gehilfen gemacht habe« des Stuckators Johann Kaspar Aicher (DAEI, Pfarrakten Schambach I,1) wurde 1755 der AR und 1756 das LHs stuckiert. Baader dürfte also 1755 die Chordecke freskiert haben. Am 1.8.1756 schloss Baader den Accord über die Fresken im LHs, für die er am 23.1.1757 bezahlt wurde. Baader arbeitete 49 Tage lang an den Fresken und erhielt insgesamt 105 Gulden. Außerdem ist der Baurechung unter Extra-Ausgaben zu entnehmen, dass man ihm für die 49 Arbeitstage 12 Gulden und 15 Kreuzer Kostgeld ausgezahlt hat. Ferner ist unter den zahlreichen Schriftstücken, die sich mit der Abwicklung der Bezahlung des Kirchenbaues beschäftigen, ein von Baader am 10.5.1759 unterzeichnetes »Mahlers Conto« über die 105 Gulden erhalten.

DAEI, Pfarrakten Schambach I,1, hierin Accord über die Langhaus-Fresken vom 1.8.1756 mit Bestätigung der Bezahlung vom 23.1.1757: »Daß ich Endts Gesetzter mit Herrn Jo: Michael Baader die Schambachische Kirchen oder Langhaus pro achtzig Gulden in fresco zu mahlen accordiret und ihme unter heutiges Dato über vorhin gegebene halbe Cärlin 50f. sage fünfzig Gulden bezahlet habe, mithin noch 23 f. schultig verbleibe, bezeuget mein und seine Handschrifft. Schambach den 1. Aug. 1756 GDBarbieri M und gar empfangen haben bezeiget meine Bet und Handschrift Eichstät den 23. Jener A 1757. Johann Michael Baader Pictor«. Ebd., Empfangsbestätigung »Mahlers zetl. Nr. 41« vom 23.1.1757: »Pau Rechnung über die von Grundt aus neu gebaute Kirch Chor Turm und Sacristey in Schambach pro Annis 1755 et 1756... 41 dem Mahler H. Jo: Michael Baader aus Eichstätt für obgemelte Stuck in fresco zu mahlen 105 [Gulden]... Extra Ausgaben... für des Mahlers Kost in alles 49. Täg des Tags 15 Kr. 12 [Gulden] 15 [Kreuzer]«; Pfarrakten Schambach I,2: »Mahlers Conto. Daß endts Gesetzter von der Schambacher Kürchen solcher auszumahlen an Accordirten verdiengt 105 fl. An Gelt an Nebens auch bey 7. oder 8 Wochen lang die Kost Trunckh und Ligenstatt gehabt, bescheine crafft dessen. Eichstätt d. 10ten May 1759 Jo:

Die Fresken sind das erste Werk dieser Gattung, das Johann Michael Baader schuf. Sie sind größtenteils tafelbildmäßig angelegte Kompositionen mit einigen perspektivischen Kunstgriffen. Die den Gesetzen der Parallelperspektive folgenden, steil ansteigenden und nach hinten abfallenden Zonen und die Anlage der Akteure vermitteln den Eindruck, als handle es sich um über dem Kirchengebäude angesiedelte Szenerien. In Berching, der zweiten Freskoarbeit Baaders, zeigt sich dieser jedoch vom Illusionismus Cosmas Damian Asams beeinflusst. Zudem verwendete Baader Motive aus dem 1734/35 geschaffenen Fresko im Oratorium der Akademischen Marianischen Kongregation in Ingolstadt (künftig: CBD Bd 14).

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs und AR je Flachdecke mit Hohlkehle, am unteren Abschluss Profilgesims

Rahmen: A, B kräftige, passig geschweifte Stuckprofilrahmen; a, b zarte Stuckprofilrahmen; 1–4 ebenso, in den Achsen in C-Bögen endend; c-f, EB1-3 ebenso, mit Rocaillen und Muschelgebilden in den Achsen

Technik: Fresko; A, B, 1–4, EB1-3, Kanzel polychrom, a-f monochrom ocker

Maße: A Höhe 7,70 m; 6,60 × 4,60 Höhe 7,70 m; 4,00 × 2,90 Höhe 7,70 m; 3,30 × 2,25

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Eine erste Restaurierung der Kirche ist für 1818 bezeugt (Inschrift am inneren

 
A Auffindung des Heiligen Kreuzes durch Kaiserin Helena (Johann Michael Baader 1755/56)
 
 

Chorbogen Renoviert/MR [ligiert]/1818/GZ), doch dürfte diese die Deckengemälde nicht betroffen haben. Eine in der Literatur mehrfach genannte Restaurierung von 1890 ist in den Quellen nicht dokumentiert. Möglich, dass man damals erste Uberlegungen anstellte, die dann 1901 umgesetzt wurden. Vom 6. 1. 1901 datiert ein Kostenvoranschlag des in Münche ansässigen Malers Basilio Coletti über »mehrere neue Plafono gemälde,... Im Schiffe der Kirche: I. Ein großes figureiche Gemälde, darstellend: Die Erscheinung des Kreuzes an Himel am jüngsten Tage« (Größe der Bildfläche ca. 28 qm). 2000 Mark. II. Um dieses Gemälde gruppieren sich 4 Ovalbilder, darstellend Szenen aus dem alten Testamente (Größe eines jeden Bildes ca. 4 qm)... 500 Mark. Im Chor: III. Eine Dar stellung »Auffindung des hl. Kreuzes durch die hl. Helena« (Größe ca. 16 qm)... 1000 Mark. Totalsumme 3500 Mark... Sämtliche Plafondgemälde werden in Tempera oder Casein ausgeführt, welches erst bei näherer Besichtigung bestimm werden kann, weil feuchte Stellen vorhanden sind. Für gediegene und künstlerische Ausführung ebenso für solide Dauerhaftigkeit haftet der Unterzeichnete, dessen ausgeführte Arbeiten seit Jahren unbeanstandet worden sind. München, 6. Januar 1901. Basilio Coletti« (DAEI, Pfarrarchiv Scham bach). In dem Genehmigungsschreiben der Königlichen Regierung von Mittelfranken an das Bischöfliche Ordinaria vom 3.2.1901 sind die Szenen der vier Ovalbilder genannt und zwar »Moses (Schlange), Moses/Wasser aus dem Felsen David und Goliath, Opfer Abrahams«. Zudem urteilt man »Sämtliche Gemälde in Tempera oder Casein von Basilio C sind in Farbe und Komposition und charakteristisch in Zeichnung« (DAEI, Pfarrakten Schambach I,2). Diesen Angaber zufolge wurden 1901, mit Ausnahme der Emblembilder im Chor (c-f) und der beiden im Langhaus (a-b), die Deckengemälde Baaders übermalt. Dieser Zustand ist noch in den KDB 1928 dokumentiert, hier S. 316 »Von den Baaderschen Bildern sind nur vier gelbe Grisaillemedaillons im Chor und zwei im Langhaus erhalten. Sie haben allegorischen Inhalts« mit Abb. der Innenansicht, auf der die Coletti-Darstellung der Auffindung des Kreuzes durch Kaiserin Helena im Chor gut sichtbar ist. 1953 wurden Überlegungen und Verhandlungen über die Freilegung der barocken Deckengemälde geführt. Nach anfänglichen Versuchen, ob »unter den modernen Übermalungen der Fresken durch Coletti die alten Baaderschen Fresken noch zu erhalten sind, dass dieselben freigelegt werden können« (DAEI, Pfarrarchiv Schambach), wurde der Auftrag an Kirchenmaler Leopold Seefried, Spalt, übertragen. Dieser bemerkt 1954 in seiner Endrechnung an das BLfD: »Wie Sie sich erinnern, waren an der Stuckdecke rosa, grau, gelbe und grüne Farben zu sehen, jedoch die Aufteilung der Stuckaturen verliefen sehr ungünstig. Ich habe nun den ganzen Hintergrund in lasiertem kühlerem Rose gewählt, in dem ja die Bilder sehr harmonisch wirken. Die Deckenbilder waren ein schwieriges Kapitel. Ich mußte mit vielen Lasuren arbeiten, damit das ganze nicht zu angestrichen wirkt.« In seinem Bittschreiben um finanziellen Zuschuss an das BLfD meint der Schambacher Pfarrer Heindl, dass sich »die Aufdeckung der Baaderschen Fresken gelohnt hat«. Im Zuge der letzten Gesamtrestaurierung des Kircheninnenraums wurden 1991 die Deckengemälde gereinigt und konserviert. Insgesamt gesehen sind die Fresken, die in Komposition und Bildanlage größtenteils den Baader’schen Schöpfungen folgen, in ihrer Substanz als nicht mehr original anzusehen. Die unter den 1953 abgenommenen Übermalungen Colettis von 1901 in Erscheinung getretenen Malereireste mussten stark übergangen werden. So ist einer Übersichtsskizze, die die Firma Wiedl im Zuge einer Befunduntersuchung 1991 erstellte, zu entnehmen, dass eine der wenigen Originalmalereien Baaders die Stelle um den Baum in der Kreuzauffindung ist. In ihrer Malsubstanz unangetastet blieben die Grisaillemalereien und die Emporenbilder.

 

Beschreibung und Ikonographie

 
 
4 Abraham opfert Isaak

Beschreibung und Ikonographie

A AUFFINDUNG DES HEILIGEN KREUZES DURCH KAISERIN HELENA Das einansichtige Deckengemälde ist wie ein Tafelgemälde konzipiert. Einziges perspektivisches Stilmittel ist der nach hinten abfallende Horizont. Thema ist die in der Legenda Aurea überlieferte Auffindung des Kreuzes Christi durch Kaiserin Helena. Die zum Christentum bekehrte Mutter Kaiser Konstantins war 320 nach Jerusalem gereist, um das Kreuz Christi zu suchen. Die Legende berichtet, dass ein Jude ihr den Ort Golgotha zeigte, wo zwischenzeitlich ein Venustempel stand. Nachdem dieser zerstört worden war, wurden drei Kreuze gefunden. Das Fresko schildert den Moment der Auffindung, in dem unter den drei ausgegrabenen Kreuzen das Kreuz Christi erkannt wird. Ein Erdstreifen im Vordergrund leitet die figurenreiche Landschaftsszenerie ein. Hier liegen Reste architektonischer Versatzstücke, darunter ein Kapitell, die auf die Zerstörung des heidnischen Tempels anspielen. Im Bildmittelpunkt steht Kaiserin Helena im fürstlichen Gewand, mit Fürstenhut auf dem Kopf und Zepter in der linken Hand. Neben ihr steht Makarios, der Bischof von Jerusalem, ausgezeichnet durch Pluviale, Mitra und Bischofsstab. Während am rechten Bildrand Männer die beiden Kreuze der Schächer halten, legen auf der linken Bildseite ein römischer Soldat und ein orientalisch gekleideter Mann das Kreuz Christi einer Frau auf. Diese ist als Kranke charakterisiert und hält sich wie schlaftrunken an dem Kreuz fest. Durch die Berührung des Kreuzes Christi wird sie gesund, so jedenfalls ist die Gestik der hinter ihr stehenden Männer und Frauen zu deuten. Auch Helena und Makarios verfolgen die Heilung der Frau aufmerksam. Der Blick Helenas verweist auf die Quelle der Gnade, nämlich Christus im Himmel, der allerdings nicht - wie üblich - dargestellt ist. Unter den anwesenden Personen ist ein Mann rechts von Makarios ausgezeichnet: Er hält in Händen den aufgefundenen Kreuztitulus mit der Inschrift INRI. Die Szenerie wird auf der linken Bildseite von einem mit Bäumen bewachsenen Hang hinterfangen. Ganz links steht eine schräg ins Bild gestellte Wand. Ein Mann auf einer Leiter macht sich daran, die obenauf stehende Skulptur zu zerstören.

 

1-4 ALTTESTAMENTLICHE SZENEN ALS ANTETY- PEN Das Hauptgemälde im Langhaus wird von vier Ovalmedaillons umgeben. Sie bilden Szenen aus dem AT ab, die antetypische Vorbilder für Christi Tod am Kreuz sind.

1 DAVID TÖTET GOLIATH (1 Sam 17,49) Die Szenerie konzentriert sich auf die Hauptpersonen David und den Rie-

 

1 GOLIATH UND DAVID (1. Sam 17,49-51) Inmitten eines Zeltlagers steht Goliath, der auf Seiten der Philister gegen das Volk Israel kämpfte. Goliath, eine goldene Rüstung tragend, wurde von David mit einem Stein an der Stirn verletzt und ist zu Boden gefallen. David ist als Hirte gekennzeichnet, wobei er die Hirtentasche um die Schulter trägt, den Stab jedoch zur Seite gelegt hat. Er hält in seinen erhobenen Händen das riesige Schwert des Gegners und holt zum Schlag aus, der den Kopf Goliaths abtrennen wird. Den Hintergrund nimmt ein Zeltlager ein.

2 QUELLWUNDER DES MOSES (Num 20,11) Inmitten einer Felsenszenerie, dem Felsen am Horeb, steht der bärtige Moses. Statt der beiden Hörner auf der Stirn ist er durch zwei Strahlen am Kopf gekennzeichnet. Moses schlägt mit seinem Stab gegen den Felsen, aus dem Wasser hervorkommt. Während der hinter Moses stehende Älteste Israels aus Ehrfurcht vor dem Wunder die Hände in die Höhe schlägt, labt sich das Volk Israel, das hier in zeitgenössischer Tracht dargestellt ist, an dem sich zu einem Bach formierenden Felswasser. Stifterinschrift: Antoni Heindtl/Miller in Gungolding.

3 MOSES ERRICHTET DIE EHERNE SCHLANGE (Num 21,9) Auf der Spitze einer Erhöhung inmitten des Zeltlagers der Israeliten steht das von Moses auf Geheiß Gottes errichtete Kreuz mit der eisernen Schlange.

 
 
 
3 Kreuzaufrichtung, c-f Sinnbilder zum Leiden Jesu
 
f Herz Jesu strahlt auf Herz
 
EB Sündenfall und Gericht: EB. Adam und Eva

tes errichtete Zeichen, ein Stabkreuz mit einer kupferner Schlange. Moses als bärtiger Mann mit zwei Strahlen am Kopfdeutet mit seinem Stab darauf. Am Fuße des Hügels lagern und knien Personen, die von Giftschlangen, die von einer roten Wolke am Himmel herabkommen, bedroht werden. Die Geste Moses bedeutet, dass das Leben derjenigen, die zur Ehernen Schlange aufblicken, geschützt bleibt. Stifterinschrift: Johann Rigler./ Bürger in Küpfenberg.

4 ABRAHAM OPFERT ISAAK (Gen 22,1ff.) Die Landschaftsszenerie zeigt auf einem Brandopferaltar Isaak sitzend, lediglich mit einem Tuch bekleidet, die Augen mit einer Binde verschlossen. Daneben steht Abraham im Gewand des Patriarchen. Während er mit seiner rechten Hand den Kopf des Sohnes hält, hat er die Linke, in der er ein Schwert führt, erhoben. Der am Himmel schwebende Engel hält Abraham von der Tötung des Sohnes ab und verweist auf das Gestrüpp am rechten Bildrand, in dem sich ein Widder verfangen hat; ihn solle er anstelle seines Sohnes Gott opfern.

a-b SINNBILDER ZUR ERLÖSUNG Zwei emblemähnliche Darstellungen im Vierpass zu Seiten des Hauptfreskos im LHs zeigen Szenen aus der Geschichte Noes.

a ARCHE NOE (Gen 8,11) Im aufgewühlten Meer fährt die Arche Noe, am Himmel fliegt die von Noe ausgeschickte Taube mit dem zurückgebrachten Olivenzweig. Dies zeigt das Ende der Sintflut an.

b DANKOPFER NOES Inmitten einer Landschaft steht ein Brandopferaltar mit einem Lamm, darüber spannt sich ein Regenbogen. Es handelt sich um Noes Dankopfer nach der Sintflut. Der Regenbogen ist Zeichen des Friedens und der Versöhnung Gottes mit den Menschen.

B KREUZAUFRICHTUNG Die einansichtige Darstellung schildert den Moment der Kreuzaufrichtung vor Christi Tod. Mehrere Schergen sind dabei, das Kreuz mit dem darauf festgenagelten Gottessohn aufzustellen. So zieht u.a. ein als Rückenfigur gestalteter Soldat an einem Seil, während ein weiterer Soldat mit einer Stange das Kreuz in die Höhe schiebt. Ferner sieht man einen Mann, der eine Leiter an das Kreuz lehnt. Dem Geschehen wohnen Johannes Evangelist und Maria bei; sie stehen nah beieinander auf der rechten Bildseite. Vom linken Bildrand ist ein Orientale zu Pferde angeschnitten.

c-f SINNBILDER ZUM LEIDEN JESU Vier ovalförmige Embleme um das Hauptfresko im AR beschäftigen sich mit dem Leiden Jesu und seinem Triumph über das Leiden.

c Landschaftsdarstellung, bestehend aus Bergen, einem Flusstal und einer mittelalterlichen Stadtansicht sowie einem einsam stehenden Baum. In der Mittelachse des Bildes befinden sich auf der Wiese im Vordergrund eine Dornenkrone, im Himmel ein Kranz aus Rosen.

d Inmitten einer Himmelsszenerie ist ein Stufenpodest zu sehen, auf dem Geißeln, ein Dornengestrüpp und ein Schwert liegen. Auf der obersten Stufe steht ein Thronsessel, hinterfangen von einem Strahlenkranz.

e Berg mit einem in der Mittelachse verlaufenden und mit Kreuzen beflasterten Weg. Knapp oberhalb des Gipfels zeigt sich das Auge Gottes im Strahlenkranz.

f Berg- und Flusslandschaft mit Ansicht der Willibaldsburg, dem Wahrzeichen der Residenzstadt des Hochstifts Eichstätt, zu dem Schambach gehörte. Im Vordergrund liegt ein Herz. Es sonnt sich in Gnadenstrahlen, die von einem am Himmel in einer Strahlengloriole sich zeigenden, dornenumkränzten Herzen ausgehen.

EB1-3 SÜNDENFALL UND GERICHT An der Brüstung der Orgelempore finden sich drei Fresken in länglichem Format (von links nach rechts):

EB1 ADAM UND EVA Inmitten der Paradieseslandschaft steht der Baum der Erkenntnis. Eva hat einen Apfel gepflückt und reicht ihn Adam.

EB2 ERZENGEL MICHAEL Michael steht in der Tracht eines römischen Soldaten auf Wolken. Er hält in seiner linken Hand sein Attribut, das Flammenschwert, in der Rechten das Kreuz Christi. Von dem Kreuz gehen Gnadenstrahlen aus, die den auferstandenen Seligen auf der linken Bildseite gelten. Das Flammenschwert richtet sich gegen die Verdammten auf der rechten Seite, die von einem Teufel in den Teufelsschlund getrieben werden.

EB3 VERTREIBUNG Inmitten einer Landschaftsdarstellung vertreibt ein Engel mit einem Flammenschwert Adam.

 
 
Kanzel mit Vier Evangelisten, Christus am Ölberg und Ecce Homo
 
EB, Vertreibung

und Eva aus dem Paradies. Adam hat die Hand aus Scham vors Gesicht geschlagen. Hinter den beiden fliegt ein Skelett, die Personifikation des Todes.

Kanze

ZWEI PASSIONSSZENEN An der Brüstung des Aufgangs befinden sich zwei Passionsszenen, Christus am Ölberg und Ecce homo.

VIER EVANGELISTEN An der Brüstung des Corpus sind die Brustbilder der Vier Evangelisten aufgemalt: Matthäus mit Buch und Engel mit erhobenem Zeigefinger, Johannes mit Buch und Feder und Adler mit Tintenfass im Schnabel, Lukas schreibt in ein Buch, links Stierkopf, Markus mit Schriftrolle und Löwe.

An der Rückwand befindet sich eine Darstellung des Guten Hirten, an der Unterseite des Schalldeckels eine Geisttaube mit sieben Flammenzungen.

Quellen und Literatur

DAEI, Pfarrakten Schambach I,1: Baulichkeit an der Pfarrkirche; Pfarrarchiv Schambach, mehrere Akten, u. a. Mag2: Mirakelsbuch von 1724; Buchner Eichstätter Bistumsgeistliche. BLfD, Akt Schambach, Wallfahrtskirche Hl. Kreuz. Kunstinventar Diözese Eichstätt, Schambach, bearbeitet von Christina Grimminger, 1995.

KDB VMF (2), S. 312-20.

Buchner, Franz Xaver, Bistum Eichstätt, in: Christian Schreiber (Hg.), Wallfahrten durchs deutsche Land. Eine Pilgerfahrt zu Deutschlands heiligen Stätten, Berlin 1928, S. 72-101, hier: S. 96.

Buchner Bistum Eichstätt 1938, S. 481–86.

Neuhofer, Theodor, Beiträge zur Kunstgeschichte des Hochstifts Eichstätt, in: SHVE 61, 1965/66, S. 9–92, hier: S. 35f. Kemp, S. 289.

Flachenecker, Helmut, Vom alltäglichen Leiden in einer bäuerlich geprägten Region. Die Heilig-Kreuz-Wallfahrt nach Schambach im 18. Jahrhundert, in: Alexandra Kohlberger (Hg.), Kulturgeschichten. Festschrift für Walter Pötzl zum 60. Geburtstag (= 26. Jahresbericht 1997/1998/1999 des Heimatvereins für den Landkreis Augsburg e.V.), Gersthofen 1999, Bd 1, S. 437–57.

Grimminger, Christina, Werkverzeichnis Johann Michael Baaders (1729–1792), in: Klaus Walter Littger (Hg.), Jephthas Tochter. Eine alttestamentliche Geschichte in Eichstätt (= Schriften der Universitätsbibliothek Eichstätt 57, zugl. Kat. Universitätsbibliothek Eichstätt-Ingolstadt 26. 11. 2003–16. 01 2004), Wiesbaden 2003, S. 77-112, hier: S. 77-81.

-, Leben und Werk von Johann Michael Baader (1729–1792) in: Ebd., S. 17–35.

Margadant, Silvio und Emanuel Braun (Hg.), Giovanni Domenico Barbieri (1704–1764). Ein Graubündner als Hofmaurermeister des Fürstbischofs von Eichstätt. Autobiographie und Ausgabenjournal, Regensburg 2004, S. 133.

Dehio OB 1990, S. 1070; 2006, S. 1164

Grimminger, Christina, Wallfahrt Heilig Kreuz Schambach Kipfenberg, Amberg 2007.

C. G.

TAUBERFELD