Tauberfeld, Filialkirche St. Martin
Filialkirche, Pfarrei und Gemeinde Buxheim, Diözese Eichstätt; z.Z. der Ausmalung Hochstift Eichstätt. Bis 1972 Reg. Bez. Mittelfranken
Patrozinium: St. Martin
Zum Bauwerk: Kleine, ursprünglich geostete Chorturm- anlage, auf die Zeit der ersten Kirchweihe durch den Eichstätter Bischof Otto 1182/89 zurückgehend. 1629 Neubau des LHs und Erhöhung des Turmes, Weihe am 23. 9. 1629, Seitenaltäre Mitte 17. Jh., Mitte des 18. Jh.s Freskenausstattung. 1767 Aufstellung eines neuen Hochaltars mit 1767 datiertem Altarblatt. 1947/48 wurde die Kirche durch einen achteckigen Anbau nach Westen verlängert und damit gewestet (Architekt Friedrich Haindl, München). Der Altbau bildet heute den rückwärtigen Teil der Kirche hinter dem neugebauten, wesentlich breiteren LHs, verfügt über eine eingebaute, tiefe Orgelempore im ehem. AR der Blasebalg.
Altbau bestehend aus einem kleinen, saalartigen LHs (11,80 x 8,60 m) zu zwei Fensterachsen sowie einem eingezogenen und ausgeschiedenen, gerade geschlossenen AR. Belichtung über segmentbogenförmige Fensteröffnungen.
Auftraggeber: Laut einem Schreiben vom 1. 4. 1767, in dem Generalheilingverwalter Otto Fux beim Geistlichen Rat in Eichstätt um einen Zuschuss für die Fassung des vor einigen Jahren gefertigten Hochaltars und der Kanzel sowie für die Anschaffung einiger Altarleuchter bittet, hat die Pfarrgemeinde...


meinde »auch beede Neben Altär und die Fresco Mahlerey an Tabulat allschon aus aigenen mitlen errichten lassen« (DAEI, Pfarrakten Buxheim VII,2a).
Amtierender Pfarrer von Buxheim war im angenommenen Zeitraum der Entstehung der Ausmalung Richard Anton Streng (1745–66).
Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Johann Michael Franz (* 1715 Dirlewang bei Mindelheim † 1793 Eichstätt) 1751/60
Das Deckenbild zeigt die unverwechselbaren Stilmerkmale des Eichstätter Hofmalers, eine duftige Rokokoszenerie mit muskulösen Figuren und changierenden Draperien. Die Ausmalung muss nach Reparaturen an der Kirche 1751 (Turmausbesserung und neues Chorgewölbe) und weit vor der Anschaffung des Choraltars 1767 gefertigt worden sein, denn dieser war ja, so das Schreiben vom 1. 4. 1767, »albereits vor einigen Jahren durch die Guetthätter von Schreiner und Bildhauer« hergestellt worden und davor eben bereits die beiden Seitenaltäre und die Freskomalerei (s. unter Auftraggeber). Die Bestimmung des Terminus ante quem mit 1760 richtet sich auch nach stilistischen Merkmalen. Das Fresko entspricht ungefähr der Stilstufe des Deckenbildes im Dominikanerkloster zu Eichstätt, das zwischen 1757 und 1760 entstanden ist (vgl. weitere Ausführungen dort S. 118f.).
Mader (KDB) vermutete als Schöpfer des Freskos den Eichstätter Maler Willibald Wunderer, da dieser das Hochaltarblatt mit »W. Wunderer pinx./1767« signierte (Die Mantelteilung des hl. Martin darstellend, Hintergrund später übermalt.)
Befund
Träger der Deckenmalerei: ehem. LHs Flachdecke mit umlaufender Hohlkehle
Rahmen: schmales, weißes Stuckprofil (modern)
Maße: A Höhe 5,60 m; 4,60 x 3,30 m
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1901, 1933/34, 1962/65 Innenrestaurierungen. 1992 Befunduntersuchung und Restaurierung durch Fa. Preis, Parsberg. Das Hauptbild wies mehrere große Längs- und Querrisse auf, Beeinträchtigungen durch frühere Überarbeitungen, die überwiegend eine Secco-Oberfläche aufwiesen. Die ursprünglich bis zum Bildrand reichende Malerei war abgesetzt durch ein gemaltes weißes, 2 cm breites Band und durch einen 5 mm breiten, dunkelroten Begleiter, womit eine optische Verbreiterung des Rahmens bezweckt worden war. Bei der Restaurierung ging es im wesentlichen um die Behebung von Rissbildungen und Konservierung schadhafter Putzstellen. Der Erhaltungszustand des Freskos ist relativ gut. Verschiedene Retuschen. Eine große unansehnliche Retusche im Gesicht des mittleren Bettlers.
Die acht Medaillons um das Mittelbild wiesen nach Untersuchungen der Fa. Preis keine Überreste von Malereien auf; auf älteren Photographien von 1907 und 1951 sind Malereien sichtbar (laut Auskunft des Mesners im NW Willibald, im SW Sebastian), nach den KDB 1928 bereits »übermalt«, die dann nochmals 1965 übertüncht wurden. Sie wurden 1993 von Stefano Cafaggi mit Darstellungen der Sieben Werke der Barmherzigkeit neu gemalt, dazu ein Hauptbild mit einer Darstellung der hll. Georg, Katharina und Willibald in einem neuen Bildfeld im Westen.
Im ehem. Chor fand sich in ovaler Umrahmung ein Auge Gottes mit Strahlenschein; 1907 war an dieser Stelle ein Lamm Gottes auf dem Buch mit Sieben Siegeln. Vermutlich wurden 1933 die Bildthemen geändert. D 01
Das Oktogon von 1947 besitzt eine Kassettendecke, deren Felder mit floralen Darstellungen geschmückt und teilweise beschriftet sind. Signatur im Schrägfeld im SO: RAAB 58/Firma Schmer (Kirchenmaler Raab, Eichstätt).
Beschreibung und Ikonographie
Die Freskenausstattung im Altbau bestand ursprünglich aus dem mittigen Hauptgemälde, umgeben von vier bassgeigenförmigen Bildfeldern in den Ecken und vier mandelförmigen Medaillons in den Mittelachsen, auch das ovale Bildfeld im AR dürfte barock bemalt gewesen sein. Auf historischen Fotos (Pfarrarchiv Buxheim) sind Umrahmungen um die Eckmedaillons zu sehen; diese eher gemalt als stuckiert. Ob eine barocke Stuckdekoration nachträglich abgeschlagen wurde, ließ sich nicht ermitteln. Die mandelförmigen Bildfelder gehen auf das 19. Jh. zurück. Während die kleineren Bildfelder mehrfach überarbeitet wurden, blieb das Hauptbild relativ erhalten.

TAUBERFELD
fach übermalt wurden, ist das Mittelbild als einziges der Freskenausstattung original erhalten, jedoch seit dem Einbau der neuen Orgel 2001 teilweise verdeckt.
HL. MARTIN ALS PATRON VON TAUBERFELD Himmelsszenerie mit einer schmalen irdischen Rampe am östlichen Bildrand. Die Darstellung ist geostet. Der hl. Martin in bischöflicher Gewandung wird von drei Engeln zum Himmel getragen, die seine Attribute Mitra und Pedum halten. Ein vierter Engel präsentiert den Teil des roten Mantels, den der Heilige dem Bettler geschenkt hat. In Wolken thronen Christus mit dem Kreuz und Gott Vater mit der Weltkugel, über ihnen fliegt die Geisttaube. Links im Dunst erkennt man eine Gruppe musizierender Engel, in dem hellen Himmelsstreifen hauchzart in Weiß- und Gelbwerten ausgeführt
Die terrestrische Szene am östlichen Bildrand zeigt vier Menschen, die den hl. Martin als Patron der Bettler und der Armen verehren. Aus dem Bild auf den Betrachter blickt ein nackter Bettler in der Mitte. Er kauert bei einer alten ausgetretenen und zerbrochenen Steinstufe, die weggeworfen in der Landschaft liegt. Um seinen Kopf trägt er ein weißes Tuch drapiert, dazu über die Schulter gelegt einen violetten Mantel. Er hält mit seiner rechten Hand einen Krückstock, der linke Arm ist hoch erhoben. Rechts neben ihm sitzt ein greiser Bettler mit Krücke und bandagiertem Bein, den linken Arm zum Himmel gereckt. Hinter ihm ragt eine kunstvoll gearbeitete, steinerne Brüstung auf. Links steht unter einem Baum ein gebauchter Steinsarkophag auf einem zweistufigen Unterbau. Eine einfach gekleidete Frau blickt aus dem Bild zum Betrachter und hält ihr auf einem Steinblock sitzendes Kind an der Windel. Das Kind hat den Blick zum Himmel gerichtet und weist auf den geöffneten Sargdeckel. Im Hintergrund sieht man den Ort Tauberfeld liegen, die Kirche, ein paar Gebäude und den ansteigenden Weg ins Dorf.
Quellen und Literatur
DAEI, Pfarrakten Buxheim VII,2a: Baulichkeit an der Filialkirche zu Tauberfeld; Buchner Eichstätter Bistumsgeistliche. BLfD, Akt Tauberfeld, Filialkirche St. Martin
KDB V MF (2), S. 329 f. Buchner Bistum Eichstätt 1937, S. 131-35 (Pfarrei Buxheim). C.G./F.I.