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Rebdorf, Ehem. Augustiner-Chorherrenstift, Festsaal

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 422–424, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Baugeschichte: Der Festsaal befindet sich im Klostertrakt der ehem. Prälatur, deren Entstehungszeit nicht exakt zu bestimmen ist. Aufgrund unterschiedlicher Mitteilungen in zeitgenössischen Quellen kann der Bau in die Amtszeiten zweier Priore gesetzt werden. Felix Mader meint in den KDB von 1924, basierend auf Strauss S. 306, dass die Prälatur unter Prior Erhard Räm (1712–32) »die heutige Fassade und Inneneinteilung« erhalten hat. Dagegen wird in der »Leichred« auf Prior Johann Baptist Mayr (1732–57) diesem die Ausgestaltung des Prälaturbaues, »Abbteyliche Wohnung« genannt, zugesprochen. Für Räms Bauherrnschaft spricht sein Wappen, das sich über der Eingangstür des den Prälaturtrakt im Osten einnehmenden Quertrakts befindet; diese stellte laut einem mit 1892 datierten Plan »Grundriß des Klosters zur Zeit der Aufhebung«, abgebildet in SHVE 29, 1914, Taf. III, die bauzeitliche Erschließung des Prälaturtrakts dar. Jedenfalls stellt das Jahr 1735, in dem das Fresko im Festsaal entstand, den Terminus ante quem für die Entstehung des heutigen Erscheinungsbildes dieses Barockbaus dar, in dem Räumlichkeiten des Vorgängerbaues, darunter der »Gotische Saal«, überkommen sind. Die Forschung weist den an der Hoffassade mit Frührokoko-Stuck ausgestatteten Bau dem Werk des damaligen Eichstätter Hofbildhauers Matthias Seybold zu, dem auch – basierend auf einer zeitgenössischen Notiz – die Barockisierung der Rebdorfer Klosterkirche zugewiesen wird. Man vermutet, dass der fürstbischöfliche Hofbaudirektor Gabriel de Gabrieli, der 1717–19 den die Rebdorfer Klosteranlage prägenden Konventflügel, einen entlang der Altmühl sich erstreckenden, zweigeschossigen Mansardwalmdachbau, errichtete, zu beschäftigt war und daher Seybold, ab 1747 fürstbischöflicher Hofinspektor, nicht nur mit dem Umbau der Kirche, sondern auch mit dem Bau der Prälatur betraut wurde. Gestützt wird diese These durch den stilistischen Vergleich von Gabrieli-Konventsflügel und Seybold-Prälatur.

Der Bau ist südlich des Südflügels des Kreuzgangs angefügt, stellt also eine Verbreiterung dieses Flügels dar. Äußerlich präsentiert sich die Prälatur als zweigeschossiger, Mansardwalmdachbau zu elf Fensterachsen mit einem ausbuchtenden, drei Fensterachsen breiten Mittelrisalit mit Giebelaufsatz. Die Wandgliederung besteht im Erdgeschoss aus Putzbändern. Im Obergeschoss imitieren mit Stuck gefüllte, geschweifte Felder im Sockelbereich eine Balkonbrüstung, die rechteckigen, mit Putzbändern gefassten Fensteröffnungen bekrönen aufgeputzte Giebelsegmente, ansonsten sind die Flächen wie auch der Giebelaufsatz mit Stuck in Stilformen der Régencezeit geschmückt. Fünf der elf Fensterachsen zeigen Wappen auf, die sich jedoch nicht auf den Bauherrn beziehen, sondern geschichtliche Eckpunkte Rebdorfs illustrieren: Das Wappen in der ersten Fensterachse von Westen bezieht sich auf den Eichstätter Bischof Johann von Eych als den Reformator des Konvents von 1458, das Reichswappen in der Mittelachse des Festsaaltrakts auf Friedrich Barbarossa als den kaiserlichen Stifter des Klosters der Zeit um 1156, das Wappen rechts daneben, das sich nochmals in der 11. Fensterachse im Osten befindet, auf den bischöflichen Stifter von Rebdorf, Bischof Konrad I. von Morsbach (vgl. die Ausführungen zur Geschichte des Klosters S. 391).

Der Festsaal befindet sich im Mittelrisalit des Prälaturbaus, die Erschließung erfolgte bauzeitlich über das Eingangsportal an der Westfassade des Quertrakts im Osten mit dem Wappen Prior Räms, an das sich gleich im Anschluss an einen Vorplatz eine zweiläufige Treppe in der Südost-Ecke des Kreuzgangs anschloss. Einen weiteren Weg musste man über das repräsentative Stiegenhaus mit der dreiläufigen Treppe in der Südwest-Ecke des Kreuzgangs auf sich nehmen.

Kleiner rechteckiger Saal (13,00 × 8,80 m), ursprünglich nur drei Fensterachsen breit (8,80 × 8,80 m), wie sich aus einem mit 1892 datierten Plan »Grundriß des Klosters zur Zeit der Auf hebung«, abgebildet in SHVE 29, 1914, Taf. III, und dem Restaurierungsbericht von 1964 erschließt. Dem Plan zufolge wurde der »Saal« von je einem »Zimmer« flankiert, zu denen je eine Verbindungstür führte, der »Saal« selbst wurde ursprünglich durch eine Tür in der Mittelachse vom südlichen Kreuzgangsflügel aus erschlossen. Die heute bestehende Erweiterung des »Saals« um das westliche »Zimmer« kann zeitlich nicht bestimmt werden. In dem Restaurierungsbericht ist die Rede, dass die Stuckierung in dem erweiterten Raumteil nur teilweise erhalten war. Der Festsaal ist heute ohne Wandgliederung, was auf Beeinträchtigungen zur Zeit der Nutzung des Klosters als Arbeitshaus, von 1945–49 zusätzlich als Flüchtlingslager, zurückzuführen ist. Das Erscheinungsbild ist neuzeitlich geprägt, als bauzeitlich ist nur die Decke einzuordnen. Das Hauptbild sowie die vier Emblemfelder umrahmen Stuckaturen im Stil des Laub- und Bandlwerks, möglicherweise ein Werk des Eichstätter Stukkators Franz Xaver Horneis.

Auftraggeber: Prior Johann Baptist Mayr (s. S. 393), von dem die »Leichred« berichtet, dass er »die Abbteyliche Wohnung« also die Prälatur, »... in sein Zierde von fundament gesetzet« Das Wort »fundament« ist allerdings nicht ganz richtig, denn die Prälatur entstand aus dem Umbau des bereits bestehenden Nordflügels des Kreuzgangs.

A Augustiner-Chorherren als Licht der Welt, a-c Embleme (Matthias Zink 1735)

Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Matthias Zink (* 1665 Donaumünster † 1738 Eichstätt) 1735. Chronogramm Vt ILLVCeat IIs qVIInDoMo/tVa sVnt/ex eVangelio (= 1735) Als Urheber des Freskos, für das bislang kein Künstler vorgeschlagen wurde, ist der Eichstätter Maler Matthias Zink anzusehen. Die Zuschreibung beruht auf der stilistischen Übereinstimmung mit illusionistischen Architekturmalereien der von Zink im Jahre 1725 datierten und signierten Freskodekoration der Stadtpfarrkirche Hl. Geist in Neuburg a.D. (siehe CBD, Bd 10, S. 161–81, vor allem die Fresken A3, 5). Auch die Figu-

Elemente und die Freude an detaillierten Innenraumeinrichtungen sind identisch. Der Architekturaufbau des Rebdorfer Festsaalfreskos ist für Zinks Schaffen wie auch für die Freskomalerei Eichstätts ungewöhnlich. Zink dürfte eine graphische Vorlage verwandt haben.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachdecke

Rahmen: Profilierter Stuckrahmen in passig geschweifter Form

Technik: Fresko; A polychrom, a-f monochrom

Maße: A Höhe 4,35 m; 4,25 × 3,30

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Übermalungen des Hauptfreskos sind nicht bekannt, im Zuge der Umnutzung des ehemaligen Arbeitshauses zu einem Internat der Herz- Jesu-Missionare wurden die Reinigung und Sicherung der Deckenbilder durchgeführt und die originale Farbgebung wiederhergestellt.

Beschreibung und Ikonographie

A AUGUSTINER-CHORHERREN ALS LICHT DER WELT Das hochformatige, passförmig geschweifte Deckenbild eröffnet einen Ausblick in einen sakralen, aus verschiedenen Bereichen bestehenden Innenraum. Den architektonischen Schauplatz leitet ein Vorraum ein, der auf rundem Grundriss errichtet ist und im Aufriss aus mit Pilastern besetzten Pfeilern besteht. Hierauf sitzen gestelzte Bögen, die eine ausgeschnittene, mit einer Brüstung versehene Kuppelschale tragen, über der sich eine Architekturkulisse in Art einer Kirchenfassade erhebt. In dem Raum, der vorne mit einer Balustrade in Form eines Speisegitters und zwischen den Pfeilern mit schmiedeeisernen Gittern abgetrennt ist, befindet sich ein mit einem Tuch bedeckter Tisch, auf dem ein Leuchter mit einer brennenden Kerze steht. In dem mit Stuck verzierten Kuppelbereich ist genau darüber eine Kartusche mit einem Chronogramm (siehe unter Autor und Entstehungszeit) angebracht. Hinter der mittleren Bogenstellung schließt ein kreuzgewölbter Chorraum an, der im Chorschluss einen barocken Altar mit einer Statue der Immaculata Conceptio und beidseitig ein mit Augustiner-Chorherren besetztes Chorgestühl aufweist. Hinter den seitlichen Bogenstellungen dagegen blickt man in zellenartige Räume unter einer durchfensterten Wand, in denen einzelne Chorherren zu sehen sind.

Das Fresko ist eine speziell auf die Regel der Augustiner-Chorherren abgestimmte Illustration eines der Bergpredigt Jesu entnommenen Passus, in dem Christus die Menschen als Salz der Erde und Licht der Welt beschreibt: »Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel« (Mt 5,14-16). Hierauf verweist auch die Inschrift des Chronogramms, die allerdings kein wörtliches Zitat, sondern eben nur als »nach dem Evangelium« zu verstehen ist. Indem die Augustiner-Chorherren den Schwerpunkten ihrer Ordensregel, dem Gebet und der Wissenschaft, nachgehen, werden sie zum Licht, das allen im Haus leuchtet. So zeigt der Freskant die Chorherren schreibend und musizierend, in der Meditation und lesend (in den Zellen der seitlichen Bogenstellungen) sowie im Chorgebet.

a-c EMBLEME

Quellen und Literatur

BLfD. Akt Rebdorf, Kloster

Dorfen, Eucharius von, Leich-, Lob- und Trost-Red des den 5. May gottselig in Herrn entschlaffenen Prälaten Joannis Baptistae..., Eichstätt 1757, S. 9.

Strauss, Andreas, Historisch-topografisch-diplomatische Nachrichten von dem Kollegiatstift... zu Rebdorf bei Eichstätt, bei Hirsching, Friedrich Karl G., Denkwürdigkeiten für Länder- und Völkerkunde, Leipzig 1792, S. 272–324. KDB VMF (1), S. 442

Gebeßler, August und Hans Fredrich, Das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift in Rebdorf bei Eichstätt (Bayern), seine Geschichte und Instandsetzung, in: 23. Jahresbericht des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege 1964, S. 47–64; hier: S. 43.

Neuhofer, Theodor, Kloster Rebdorf (= GKF Nr. 51), München-Zürich 1967, Abb. S. 28, 29. Kemp S 282f

Höcherl, Josef, Kloster Rebdorf. Von der Gründung bis zur Gegenwart, Rebdorf 1996, S. 28, Abb. Festsaal mit Ansicht Decke S. 101.

Grimminger, Christina, Kloster- und Pfarrkirche St. Johannes der Täufer Rebdorf Eichstätt (KKF Nr. 834), Regensburg 72003, S. 22 Abb. Detail der Stuckdecke in der Erweiterung des Festsaals.

Dehio OB 1990, S. 1008; 2006, S. 1097 (Festsaal nicht erwähnt).

SCHAMBACH

Pfarr- und Wallfahrtskirche, Markt Kipfenberg, Diözese Eichstätt; z. Z. der Ausmalung Hochstift Eichstätt; damals war Schambach eine Filiale der Pfarrei Böhmfeld, seit 1793 ist sie eigene Pfarrei. Bis 1972 Reg.Bez. Mittelfranken.