Riedbach, Filialkirche St. Rupert
RIEDBACH
Filialkirche, Pfarrei Reichertsheim (Pfarrverband Kirchdorf bei Haag), Gemeinde Reichertsheim, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung war die Pfarrei Reichertsheim dem Kloster Au inkorporiert, Erzbistum Salzburg, Archidiakonat Gars. Salzburgisches Vogtgericht Mühldorf, Gericht Neumarkt.
Patrozinium: St. Rupert
Zum Bauwerk: Von der spätmittelalterlichen Kirche sind noch Teile des Mauerwerks in LHs und Chor erhalten. Neuer Turm und Baureparaturen 1716. Seitenaltar 1718 von Johann Caspar Baldauf, Kunstschreiner in Au, Fassung und Altarblatt von Johann Franz Hueber, Maler in Gars. 1725 wurde der AR nach O durch den Anbau einer Rotunde, ähnlich der in der Klosterkirche Au am Inn, erweitert. Neuer Seitenaltar (Baldauf/Hueber). 1767 brach der Baumeister Johann Georg Hechel aus Neumarkt drei Fenster im LHs und zwei im Chor aus und machte eine neue Decke im AR, die stuckiert und freskiert wurde. Die Stuckdekoration um Fresko A und auf den Fenstern kann Johann Philipp Wagner zugeschrieben werden. Chronogramm am Chorbogen PERPETVA / LAVS SIT RIEDBACH OMNI / POTENTI DEO AC /SANCTO RVPERTO (1768) Flachgedeckter Saalbau zu vier (Höhe 4,52 m; 12,50 x 5,80 Jochen; AR (8,65 × 4,55 m) zu zwei Jochen mit breiterem, fast dreiviertelrunden Schluß. Pilastergliederung. Belichtung im Altarraum durch ein Fenster von Norden, zwei von Süden und dreien in der Rotunde. Die Deckenbilder befinden sich im Altarraum.
Auftraggeber: Propst Joachim Böheim (1715-37) und Propst Franz III. Berchtold (1761-85) von Au. Pfarrvikare waren vor 1725 P. Joseph Permaneder, 1725/41 P. Gelasius Spägl und 1763–68 P. Albert Penner.
Autor und Entstehungszeit: Fresko A Zuweisung an Benedikt Aiglstorffer (* um 1722 Wartenberg † 1771 Gars) 1768. Fresko B Zuweisung an Johann Franz Hueber (* um 1685 Ort unbekannt † 1749 Gars) 1725.
Die beiden Deckenbilder im AR sind in den Quellen nicht erwähnt; sie sind zwei Ausstattungsphasen zuzuordnen. Das Fresko über dem Hochaltar (B) ist sicher im Zusammenhang mit dem Choranbau 1725 entstanden. Als Maler kommt in Frage der in diesem Zeitraum in der Pfarrei Reichertsheim ausschließlich beschäftigte Johann Franz Hueber aus Gars. Er malte u.a. die Altarblätter zu Chor- und Seitenaltären sowie zum Sieben-Zufluchten-Altar, schuf die Altarfassungen und die Kanzelfassung (Kanzel Baldauf). Als Maler von Deckenbildern war er nicht geübt. Die für ihn in Betracht kommenden Deckenbilder in der Bibliothek von Gars (S. 116f.) und in der Pfarrkirche von Wang (S. 284f.) sind wie auch das Riedbacher Fresko in schlechtem Zustand. Eine Ähnlichkeit läßt sich mit dem von ihm in der Kirche noch erhaltenen Sieben-Zufluchten-Altarbild feststellen.
Das westliche Fresko im Altarraum dürfte 1768 entstanden sein (Chronogramm am Chorbogen), gleichzeitig mit dem hübschen Rocaillestuck, mit dem der zweijochige Raum ausgestattet ist. Die bescheidene und für die Zeit veraltete anmutende Malerei weist auf den Nachfolger Hubers in Gars, den Maler Johann Benedikt Aiglstorffer, tätig 1749/71. Einige Gemälde in den Gängen von Kloster Gars weisen alle der etwas bizarren, verzeichneten Stil auf, der auch im Deckenfresko auffällt. Bezeichnende Merkmale sind die Figuren mit verrenkten Hüften, schmale Gesichter mit sehr langen, spitzen Nasen, langfingrige Hände und Putten mit großem Schädel.
Befund
Träger der Deckenmalerei: A Stichkappentonne, B Halbkuppel
Rahmen: A Stuckprofil aus vier Rahmensegmenten, die seitlichen bilden C-Bögen, die von Rocaillekartuschen überlappen, B Stuckprofil in der Form eines seitlich halbrund ausschwingenden Rechtecks
Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 4,80 m; 2,00 x 2,85 B Höhe 4,80 m; 2,00 x 2,70
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Im 19. Jh. wurden beide Bilder übertüncht. Gutachten Ritz 1955 (BLfD): »Di
hübsche Rokokodecke, die stark verschmiert ist, muß sorgfältig freigelegt und die Originaltönung erhalten werden. Möglicherweise können in den Feldern Deckenbilder aufgedeckt werden«. 1959 war die Restaurierung und Freilegung der Deckenbilder durch Ludwig Keilhacker abgeschlossen, waren Seitenaltäre und Kanzel entfernt. Bei der Außenrenovierung 1983/84 wurde der Zustand von 1768 wiederhergestellt: als Vorlage diente die Darstellung der Kirche in Fresko A.
Beide Fresken wirken stark überarbeitet, wobei Fresko B sicher schon bei Entstehung des zweiten Freskos 1768 übergangen wurde; die Freilegung und Restaurierung brachte eine weitere Angleichung beider Deckengemälde. Die Punzierung der Freilegung ist sichtbar, die Konturen sind nachgezogen. Im Ganzen ist vom originalen Bestand wenig übrig.
Beschreibung und Ikonographie
A PATRON ST. RUPERT Ansicht nach O. Auf einer Wolke kniet der hl. Rupert in Pontifikalkleidung, begleitet von drei Putten, die seine Attribute, die Bischofsinsignien und das Salzfaß, halten. Der Kirchenpatron weist auf die Kirche von Riedbach, die zu seinen Füßen auf einer Anhöhe steht, und empfiehlt sie Christus, der über ihm in den Wolken erscheint, das Kreuz in der Linken und mit der Rechten nach oben zum Himmel weisend.
B ENGEL VEREHREN DAS ALLERHEILIGSTE Symmetrisch angelegte Wolkenszenerie, in deren Mitte eine Monstranz mit dem Allerheiligsten auf der Weltkugel erscheint. Sie ist umgeben von winzigen Puttenköpfchen, kleinen Putten, von denen zwei die Monstranz halten, und seitlich von zwei großen anbetenden Engeln mit Weihrauchfaß.
Quellen und Literatur
StAL, Pfleggericht Neumarkt, K 1-K 83 Kirchenrechnungen 1700-1800. BLfD, Akt Riedbach, Kirche St. Rupert. KDB I OB (3), S. 2029. Historischer Atlas Bd 36, Mühldorf (Helmuth Stahleder), München 1976, S. 244. Denkmäler in Bayern, Bd 12, 1986, S. 450. Dehio 1990, S. 1020 f.