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Salmanskirchen, Filialkirche St. Johannes Evangelist und St. Johannes Baptist

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 8: Landkreis Mühldorf am Inn. Hirmer, München 2002, ISBN 978-3-7774-9430-2, S. 257–260, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filialkirche, Pfarrei und Gemeinde Ampfing, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Filiale der Pfarre Lohkirchen, Erzbistum Salzburg, Archidiakonat Gars. An der Kirche bestand ein Benefizium, 1397 gegründet. Bedeutende Reliquienschenkung um 1500, Schenkung einer Madonna aus Brüssel um 1515, beides von Degenhart Pfäffinger. Zu der Reliquien und zu dem Marienbild bestand eine Wallfahrt vor lokaler Bedeutung, auf dem Weg zwischen den Wallfahrtsorten Altötting und Dorfen. Salmanskirchen war Hofmark, bis 1519 im Besitz der Pfäffinger, 1710 von Ferdinand von Neuhaus auf Zangberg erworben. Gericht Neumarkt

Patrozinium: St. Johannes Evangelist und St. Johannes Baptist

Zum Bauwerk: Bau einer kleinen Kirche im 14. Jh. durch den Hofmarksherrn Andreas Pfäffinger; Abbruch 1501 und größerer Neubau unter Gentiflor Pfäffinger († 1503) und dessen Nachfolger Degenhart Pfäffinger († 1519); Weihe 1505 (Glasfenster aus der Erbauungszeit erhalten). Degenhart Pfäffinger war Kämmerer und Vertrauter Kurfürst Friedrichs des Weisen von Sachsen; mit ihm war er 1493 ins Heilige Land gereist und hatte von dort einen reichen Schatz an Reliquien mitgebracht. Diese wurden in Salmanskirchen in einem Altar aufbewahrt, den Pfäffinger 1515 gestiftet hatte (Heiltumsbuch im Heimatmuseum Mühldorf).

1713 Erweiterung der Kirche nach O um ein Joch, Neuwölbung und Neubau des Chors durch den Maurermeister Dominikus Glasl von Zangberg. Neuer Hochaltar (nicht erhalten), Neufassung und Neuaufstellung der Reliquien. 1726 Neubau einer Totenkapelle durch den Maurermeister Martin Pöllner von Kraiburg (Antependium mit Darstellung der Armen Seelen von Paul Kurz aus Mühldorf). 1733 Neubau des Kirchturms durch Maurermeister Silvester Mayerhofer aus Neumarkt (Vergolden des Turmknopfs von Johann Baptist Rabensteiner).

Saalbau (11,20×8,00m) zu drei Jochen, Gliederung durch Pilasterpfeiler auf hohen Sockeln, Empore im W. Leicht einge zogener AR (7,80×7,20m) zu zwei Jochen mit dreiseitigen Schluß, Oratorium auf der N-Seite, Gliederung durch Wand pfeiler, im Altarbereich abgefast. Belichtung jochweise durch hohe Rundbogenfenster mit Ausnahme des westlichen AR lochs.

Auftraggeber: Hofmarksherrin z. Z. der Ausmalung war Maria Josepha Gräfin von der Wahl, geb. von Neuhaus (1759–1807), die auf Schloß Zangberg lebte. Benefiziat war Bartholomäus Lechner (1742–74).

Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Jakob Fürstenbräu (*Höchstätt bei Dillingen, tätig in Neumark 1758/61, † 1761 nicht in Neumarkt) um 1760

Der Maler der Deckenbilder ist nicht nachgewiesen. Aus historischen und stilistischen Gründen bietet sich der Maler Jakob Fürstenbräu aus Neumarkt an. 1760 wurde er für gemalte Wandleuchter in der Filialkirche Lamprechten mit 8 fl. bezahlt. Diese auffallend fein gestalteten Apostelkreuze in einem Rocaillemedaillon, von Rosenranken eingefaßt, lassen sofort an die gemalte Deckenbemalung in Salmanskirchen denken. Sie machen im Vergleich zu den schwerfälligen einheimischen Dekorationen einen höfischen und kunstvollen Eindruck. Die goldfarbenen, faserigen, fast federartigen Schnörkel imitieren nicht Stuck, sondern sind mit vielen schwungvollen Pinselstrichen parallel aneinandergefügt und in der Art einer Brokattapete von farbigen Blumenranken und Rosensträußen durchflochten.

Die Spuren von figürlicher Malerei, die in Salmanskirchen bei der Freilegung der Deckendekoration gerettet werden konnten, deuten auf Johann Martin Seltenhorn aus Kraiburg. Es ist möglich, daß Fürstenbräu auch die Ausmalung in Salmanskirchen unvollendet hinterließ und diese von Seltenhorn fertiggestellt wurde, der in St. Erasmus und Gars ähnliche Rocaillemalereien, aber doch von robusterer Art, hinterlassen hat.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs Tonne mit Stichkappen, AR Tonne ohne Stichkappen; das Gewölbe sitzt auf den Pilastergesimsen auf und wird von den Fensterbögen ausgeschnitten Rahmen: Gemalte goldfarbene Stuckprofilrahmen mit Brokatmuster; die ornamentale Dekoration ist gemalt

Technik: Fresko; A-C, C1-2 polychrom; 1-2 monochrom graugrun

Maße: A Höhe 8,60 m; 2,00 × 2,80

B Höhe 8,60 m; 4,40 x 3,00

C Höhe 8,40 m; 4,00 x 3,50

C1-, I,I0×2,20

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1869–76 fand aufgrund von Gewölbeschäden eine Restaurierung im neuromanischen Stil statt, bei der die barocke Ausmalung übermalt wurde. Auch die beiden barocken Kapellenanbauten wurden in diesem Zusammenhang entfernt. 1928/30 Restaurierung durch die Firma Keilhacker. 1964 wurde die Ausmalung des 19. Jh. entfernt und durch eine Raumtönung mit gemalter Jochgliederung ersetzt. Bei der letzten Restaurierung 1982/83 durch Karl Holzner, Ampfing, wurde eine reiche dekorative Rokokoausmalung an den Gewölben festgestellt, freigelegt, restauriert und ergänzt. Von den bildlichen Darstellungen wurden im LHs nur die Rahmen, im AR das Mittelbild C und Fragmente eines Nebenfreskos aufgefunden. Kirchenverwaltung und BLfD entschieden sich für eine Ergänzung der leeren Bildflächen mit Darstellungen, die der Altöttinger Maler Sebastian Brandstetter ausführte. Das AR-Fresko C wurde renoviert, die beiden Nebenfresken C1, wurden mit zwei Darstellungen »Anbetung der Hirten« und »Anbetung der Könige«, weil sich das Fragment eines Königs auf dem einen erhalten hatte, ergänzt (Signaturen in C1 19 WB 83, in C2 WB). Die Fresken A und B wurden neu erfunden, B unter Zuhilfenahme einer Vorlage aus dem Wallfahrtsbuch Templum Salomonis, die das barocke Gnadenbild zeigt (Signatur in B Wastl Brandstetter 83). Neugemalt wurden auch zwei Chronogramme, die dem Werk Templum Salomonis entnommen sind und die die Daten 1734 und 1735 ergeben: Am Chorbogen VIRGO DEI GENITRIX IN SALMONSKIRCHEN GRATIIS PLENA EXISTENS. Am Gewölbe über der Orgel ALLES ZU LOB IESV MARIAE UND GEGENWERTIGER h. RELIQVIEN.

C Glorie der hll. Johann Baptist und Johann Evangelist; C, Anbetung der Hirten (S. Brandstetter 1983), C, Anbetung der Könige

Bildabfolge der ergänzten Ausmalung

C GLORIE DER HLL. JOHANN BAPTIST UND JOHANN EVANGELIST Wolkenszenerie mit zahlreichen Figuren. Gottvater mit dem Zepter thront über der Weltkugel, über ihm schwebt die Geisttaube vor dem Dreifaltigkeitssymbol. Ein großer Engel trägt das Kreuz Christi, Christus selbst breitet die Arme aus, um die Kirchenpatrone im Himmel zu empfangen. Johannes der Täufer im Fellkleid kniet mit gebeugtem Haupt, den Kreuzstab in der Hand, das Lamm zu seinen Füßen. Ein Putto hält einen Kranz über ihn als Lohn des Martyriums. Johannes der Evangelist sitzt etwas tiefer auf Wolken, in der Linken den Giftbecher mit der Schlange, den er wie auf einer Wolke abgestellt hat. Links hält ein Engel die Schüssel mit dem Johannes-Haupt, ein zweiter das Schwert, beides Attribute des Täufers

C1 Anbetung der Hirten (Brandstetter 1983)

C. Anbetung der Könige (1983 ergänzt bis auf die erhaltene Figur des mittleren Königs).

Die Zuordnung der beiden Szenen zum Hauptbild ist thematisch nicht sinnvoll, bei der Königsfigur hat es sich ursprünglich wohl eher um König Herodes gehandelt, in einer Szene aus der Vita Johannes des Täufers; möglicherweise auch um König Salomon. Templum Salomonis oder Salomons-Kirchen war die barocke Bezeichnung der Kirche.

Quellen und Literatur

AEM, Pfarrakten Lohkirchen, Filiale Salmanskirchen. BLfD, Akt Salmanskirchen, Filialkirche St. Johannes.

Templum Salomonis ... oder Salomons-Kirchen Widerumben hergestellt in dem Gnadenbild der lieblichen Mutter und vornemben Reliquien der Heiligen Gottes ..., Freising 1735.

Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 568–72

KDB I OB (3), S. 2250–58.

Krausen, Edgar, Salmanskirchen im 18. Jahrhundert, in: Das Mühlrad 9, 1959, S. 19f.

Historischer Atlas Bd 36, Mühldorf (Helmuth Stahleder), München 1976, S. 183–85, 262

Liedke, Volker, Die Landshuter Maler- und Bildhauerwerkstätten von der Mitte des 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, in: Ars Bavarica 27/28, 1982, S. 31f. (dort die Eheschließung Jakob Fürstenbräus in Landshut als zweite Ehe des Bruders Joseph Fürstenbräu gedeutet)

Huber, Johann, Kirchenführer der Filialkirche Salmanskirchen, Pfarrei Ampfing (Typoskript) 1983.

o.V., Kirche erglänzt im herrlichen Kleid des Barocks, in: Mühldorfer Anzeiger vom 24. 12. 1983. Dehio 1990 S 1947f

С. В.