Rattenkirchen, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 8: Landkreis Mühldorf am Inn. Hirmer, München 2002, ISBN 978-3-7774-9430-2, S. 232–247, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

RATTENKIRCHEN

Pfarrkirche (Pfarrverband Ampfing), Verwaltungsgemeinschaft Heldenstein, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Erzdiözese Salzburg, Archidiakonat Gars. An der Kirche bestand eine Isidor-Bruderschaft. Gericht Neumarkt

Patrozinium: Mariä Himmelfahrt

Zum Bauwerk: 1721/22 beantragte Pfarrer Hyacinth Ignaz Maximilian Altherr (1712-27) einen Kirchenneubau anstelle der baufälligen alten Kirche und reichte Pläne von Maurermeister Silvester Mayerhofer aus Neumarkt ein (AEM). Der Bau wurde vom Kurf. Geistl. Rat gekürzt ratifiziert, die geplante Stuckierung gestrichen und die Gemeinde zum Beitrag eigener Mittel aufgefordert (BHStA, Landshuter Abgabe 1993 Nr. 860/861). Die Pläne (AEM) wurden in leicht veränderter Form - vier statt drei LHs-Jochen, sechseckiger anstelle eines quadratischen Kapellenanbaus - ausgeführt. Grundsteinlegung 1725, 1727 konnte Messe auf einem tragbaren Altar gelesen werden. 1728 wurde der Neubau über 5030 fl abgerechnet (StAL, Kirchenrechnungen). Zimmermeister dürfte der ständig mit Mayerhofer zusammenarbeitende Hans Heisleigner aus Niederbergkirchen gewesen sein.

Neuer Choraltar 1739 (nicht erhalten; Bildhauer Joseph Pösin aus Neumarkt, Fassung und Altarblatt Johann Baptist Rabensteiner, Figuren Joseph Dietrich aus Kraiburg). Hinter dem Choraltar wurde ein Fenster ausgebrochen. Seitenaltäre und Kanzel wohl aus den 40er Jahren; sie sind als Frühwerk des vorübergehend in der Hofmark Adlstein ansässigen Bildhauers Johann Georg Kapfer anzusehen. Erste Innendekoration des Chors vor 1740 (s.u.). Obere Empore als Orgelempore 1762 von dem Neumarkter Baumeister Johann Georg Hechel. Innendekoration des LHs 1765 mit Stuck von Johann Philipp Wagner aus Kraiburg.

Weihe 20.8.1775. Neuer Choraltar 1790 von den Brüdern Johann Philipp und Johann Michael Wagner. Neudekorierung des Chors 1794. Datum der Fertigstellung 1800 an der nördlichen AR-Wand.

Der Überschlag des Stuckators Wagner vom 22.1.1765 ist erhalter (AEM):

»Stockadorer Überschlag. Was in das Lobw. U. L. Frauen Pfarrgottshaus Rättenkirchen in dasselbige Langhaus von inwendig heraus zu staffieren mit ein ganz neuer Art und Fason mit vill ... Muschlwerch von Stockadorarbeith von Unkosten ergehen werden ...

Erstlich das Langhaus mit meiner Stockadorarbeith auszustaffieren nach dem beygelegten Riß und noch miesamber weillen man die Schwierigkeiten in dem Riß nit genugsamb anzeigen kann, und in der Arbeith erst genugsamb hergestelt wird.

 

Anders alle Notwendigkeiten was ich zu meiner Stockador arbeith nothwendig habe nemblich das Eisen, Gips, Draht, unterschidlicher Zug und Gätter, Schmidlohn for das Eisen zu schmidten allerhand Nögl auch allerhandt Farben, Leim und Pembsl, die sich unter der Arbeith besser zeigen werden sambd mich und meine Leuth mit Kost und Lohn versehen auch alles schaffen sollte. So ist mein bilicher Verdienst vor alles ohne Abbruch recht künstlich herzustellen auf das Genauiste 410 fl.

Drittens was von Gottshaus mir noch beygeschafft muß werden ohne der obgemelten Summa ein beständiger Handlanger, Sand, Kalch, und die nothwendigen Fuehren, welche ich nötig habe. Sollen mir aber alles beygeschafft werden, daß ich gar nichts zu bestreitten hätte auch kein Kost und Drunckh vor mich und meine Gesellen, und dennoch nach dem Riß und wie schon oben gemeldt auf das beste soll gemacht werden, so ist mein Lohn auf das rechtigste 260 fl. Johann Philipp Wagner, Bildhauer und Stockadorer in Crayburg.«

Genehmigung der Bezahlung der Stuckierung aus den Kirchenmitteln, weil die Ausmalung gestiftet und die Mittel zur Stuckierung vorhanden waren, im April 1765 durch den Kurf. Geistl. Rat (Entwurfszeichnung J. P. Wagners, s. S. 237).

Langhaus (14,60 x 11,00 m) zu vier Jochen, eingezogener AR (10,20 x 8,10 m) zweijochig, halbrund geschlossen. Im westlichen Joch des ARs schließt nördlich die Isidorkapelle an, südlich an entsprechender Stelle die Sakristei mit darüberliegendem Oratorium. Gliederung durch flache Wandpfeiler mit vorgelegten Doppelpilastern im LHs, im AR mit einfacher Pilastern. Gleichmäßige Belichtung im LHs durch geschwungene Barockfenster, im AR durch zwei Fenster nach O und eines nach N. Die Isidorkapelle (3,80 × 3,65 m) ist ein quadratischer Bau, durch abgeschrägte Ecken oktogonal geprägt. Belichtung von O und W. Doppelempore im W.

Auftraggeber: Chronogramme am Chorbogen PROPRIO AERE ERECTA FVIT HONORI ATQUE DECORI BEATAE VIRGINIS ASSVMPTAE (aus eigenen Mitteln zur Ehre der in den Himmel aufgefahrenen Jungfrau erbaut = 1727) / ET BENEFICENTIA MILLPACHERI PAROCHI PICTVRIS ISTIS ORNATA EST ECCLESIA (und durch die Großzügigkeit Pfarrer Mühlbachers mit Bildern ausgeziert = 1765) / CVMVLATA PLASTICE AERE ECCLESIAE ET PLEBIS PAROCHIALIS (mit den Mitteln der Kirche und der Pfarrgemeinde üppig ausstuckiert = 1765) / AVE MARIA! Auf seinem Epitaph im Durchgang zur Isidorkapelle wird Pfarrer Franz Joseph Mühlbacher (1727-45) als Förderer der Ausstattung und der Isidor-Verehrung gewürdigt: »... dilexit et promovit Decorem Domus Dei cultumque S. Isidori B. V. M. «. Er hinterließ ein Legat über 400 fl. für die Ausmalung des Langhauses, weshalb er im mittleren Chronogramm am Chorbogen als deren Stifter genannt ist. Er war wohl auch der Auftraggeber der ersten Chor-Ausmalung.

Unter Pfarrer Franz de Paula Hochenleutner († 16.9.1768) kamen Stuck und Fresken des LHs zur Ausführung, er verfaßte auch das ikonographische Programm (s. Beschreibung und Ikonographie). Pfarrer z. Z. der zweiten Ausmalung des Chors war Maximilian Joseph von Klessing (1790–1812).

Ein Epitaph an der Ostwand der Isidorkapelle würdigt Pfarrer Hyacinth Ignaz Maximilian Altherr (1712-27) als den, der den neuen Kürchbau durch seinen Fleiß und Eifer zu Ende gebracht hat.

Autor und Entstehungszeit:

Ausmalung um 1739 (Isidorkapelle, Chorfresken nicht erhalten). Autor unbekannt

Eine erste Ausmalung des Chors wird in einer »Anzaig« über die Ausmalung des LHs 1765 erwähnt: »... das Langhaus in Fresko auszeziehren und auszemahlen, damit selbes in ain: und anderem mit dem schon ausgemahlenen Chor accordiere und yberaines komme«. Das Datum ante quem ist der Tod Pfarrer Mühlbachers 1745, der ein Legat für die Ausmalung des LHs hinterließ. Man kann aber davon ausgehen, daß mit der Aufrichtung des Choraltars 1739 auch die Ausmalung fertiggestellt wurde. Die Vermutung liegt nahe, daß unter seiner Amtszeit mit der Ausmalung des Chors begonnen worden und es dem Pfarrer ein persönliches Anliegen war, daß die Ausmalung der Kirche vollendet werde.

K Die kürzlich freigelegte Dekorationsmalerei im Gewölbe der Isidorkapelle ist als Relikt der ersten Ausmalung anzusehen. Die Band- und Gitterwerkornamentik entspricht der Stilstufe von 1739. In Frage kommen die drei in dieser Zeit im Gericht Neumarkt tätigen Maler: Joseph Anton Haas, tätig 1720/42, Johann Baptist Rabensteiner, tätig 1733/53, und Franz Anton Fux, tätig 1724/66. Für Rattenkirchen tätig waren sowohl Johann Baptist Rabensteiner, der 1739 für Gemälde und Fassung des Choraltars nachgewiesen ist, als auch Franz Anton Fux, dem das Altarblatt und ein in der Kapelle aufgehängter Isidorzyklus in Öl auf Leinwand zugeschrieben werden kann.

Zu Franz Anton Fux und Joseph Anton Haas s. S. 346, zu Johann Baptist Rabensteiner S. 348

Ausmalung 1765 (Langhaus) Balthasar Mang, Bürger und Maler aus Buchbach (* 1720 Arget bei München † 1804 Buchbach; s. S.347 f.). Signatur im Pfingstfresko R8 Balthasar Mang / pinxit 1765.

»Balthasar Mang, bürgerlicher Maler zu Buchbach, welcher das Langhaus in Fresko ausgemahlen und all Nothwendiges hierzu beygeschafft, des Scheins bezahlt die accordierten 300 fl. weillen aber H. Pfarrer lt. seiner Rechnung hiervon No. 217 den 1 fl. 4x. mehrer Ausgab als eingenommen, welche die Gutthätter bezahlen, also nur zu berechnen 298 fl 56 x.« (StAL, Kirchenrechnungen).

Der Überschlag Balthasar Mangs für die Ausmalung des LH: ist erhalten (AEM):

»Uberschlag zu dem Lobwürdtigen U.L. Frauen Pfarrgottshaus zu Rät tenkirchen wegen Außmahlung der Fresco des Langhauses, wie beyge schaffte Zeichnung und mit Farben ausgeduschte Visiere anzeigen; Alerstlich auf die große Feldung so 29 Schuch in der Lenge und 18 Schuch is der Breidte gemahlen wird die Crönung Mariä anebst den Viguren so nebenherumb aufgezeichnet, noch in diese Veldung hinten gegen der Orgl wird gemahlen Christus der Herr mit Pfeillen in der Hand, die Mutte Gottes, der Heil. Franciscus und Dominicus. Item 8 kleine Feldungen, au jeder Seiten 4, nemblich die Schmerzhafte und Glorreiche Geheimnussen die da zu sehen auf Bappier. Ober der Orgl wirdt gemahlen die Heil. Ceci lia wie auch noch etliche kleine Schildt alwo Emplema darin gemacht wer den, dan auch die 2. Porkirchen mit Frescogemähl zu zieren.

Wann ich also die Cost und alles anderes beischaffen muß, wie auch die Arbeith mit absonderlichem Fleiß zu verfertigen 300 fl. wohl verdiene ... act. Buchbach den 24. Februarius 1765 Balthasar Mang Bürger und Mahler alda.«

 
Der Kirchenraum nach Westen

Ausmalung 1794 (Chor) Franz Xaver Hornöck (* 1752 Schönau † 1822 Salzburg)

Die Chorausmalung wurde 1790 durch Blitzeinschlag in den Chor zerstört und zunächst durch Franz Xaver Hornöck für 15 fl. renoviert. Im Zusammenhang mit dem 1790 von den Brüdern Wagner geschaffenen neuen Choraltar wurde 1794 der Chor mit klassizistischem Stuck ausgeziert und von Franz Xaver Hornöck neu freskiert, 1794 für 150 fl. abgerechnet. Pfarrer Klessing schrieb, Hornöck habe »den Plafond seiner Pfarrkirche mit dem Bild Mariä Verkündigung zu seiner und des sämtlichen Publicums Zufriedenheit geschmückt« (BHStA I, GL 2989; BHStA Landshuter Abgabe 1993 Nr. 860/ 861). Die Wandbilder W1-3 gehören der Rahmenform nach zur klassizistischen Ausstattung; die Mariendarstellungen sind jedoch neubarock. – Hornöck freskierte 1793 auch in der zu Stift Au gehörigen, in der Törring/Jettenbachschen Hofmark Aschau gelegenen Kirche Mariä Himmelfahrt in Aschau (nicht erhalten, s. S. 346).

Entwurfszeichnungen

zu A Himmelfahrt Mariens, Feder in Aquarell koloriert 45 × 29 cm, AEM, Plansammlung.

zu EB1-3 (nicht erhalten) 6 Isidorszenen, je 2 auf einem Blatt in der Mitte bekrönt vom hl. Isidor auf Wolken (s. unter Programm Hochenleutners), Pinsel, farbig aquarelliert, je 18×32 cm. AEM, Konvolut Balthasar Mang. Am Fuß Schriftband mit Bezeichnung 1.2.3.4.5.6., darunter mit Zahlen am 57. Blat, 48, 60, 62, 63, 81. Die Nummern 1-6 beziehen sich vermutlich auf die vorgestellte Reihenfolge, die höherer Nummern auf eine schriftliche Quelle mit Wunderheilunger des hl. Isidor, aus der der betreffende Text in das Schriftband übertragen werden sollte.

Nachzeichnung nach R, Dornenkrönung, datiert 1786. Bleistift graubraun laviert, 15 x 10 cm. Der Hund rechts im Fresko ist durch einen vierten Folterknecht ersetzt. AEM, Konvolut Mang (keine Abbildung).

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs und AR Tonne mit Stichkappen, K Kreuzgewölbe

Rahmen: A, B, K Stuckprofil; alle Nebenfresken Rocaillekartuschen

Technik: A, AI-II, AI-4, I-4, Aa-d, RI-8, WI-II und K Fresko; B, WI-3, EBI-3 Secco (?). Alle Fresken polychrom bis auf AI-II und

 

EB2-3, die monochrom braunrot, A1-4, die monochrom ocker und Aa-d, die monochrom gelb sind.

Maße: A Höhe 11,00 m; 9,60 × 5,60

B Höhe 10,90 m: 4,20 x 3,20

R1-8 1,80 x 1,40

W1-2 ca. 1,50 x 1,50

N1-2 0,60 x 1,40

EU 2,50×2,60

EB1 0,80×2,20

EB2-3 0,80×2,10

K Höhe 6,50m; Ø 1,00m, Dekorationsmalerei 3,80 × 3,65

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1855/56 fand eine Renovierung im nazarenischen Stil statt, bei der die drei Altarbilder und der Kreuzweg durch neue Bilder des Schraudolphschülers Franz Xaver Zimmer aus München ersetzt wurden. Die Deckenfresken renovierte Heinrich Dagn, der Werkstattnachfolger Balthasar Mangs in Buchbach, für 1200 fl. Eine weitere Restaurierung erfolgte ab 1902 unter der Leitung Josef Elsners, München. Die »Freskobilder, welche zum Teil sehr gelitten haben«, wurden den Kunstmalern Lessig & Ranzinger für 3000 Mark übertragen bzw. von Lessig ausgeführt (AEM). Nach dem Gutachten des Generalkonservatoriums waren die Fassungen sowohl im LHs wie im Chor weitgehend original erhalten. Das zu dunkel getönte Violett der Lambrequins in den Stichkappen und des stuckierten Vorhangs über dem Chorbogen sollte »nach dem an der Decke ersichtlichen älteren, viel helleren graueren Violett abgeändert werden. Die Ausmalung der Seitenkapelle müßte im Stil Louis XVI. erfolgen und ist mündlich mit Elsner schon besprochen« (LRA, BLfD). 1946 (Datum an der Innenseite des Chorbogens) Restaurierung durch Kirchenmaler Ludwig Keilhacker und Kunstmaler Hermann Maillinger. Im betreffenden Gutachten des BLfD (Voraus) von 1936 heißt es: »Die ornamentale Deckenbemalung in der Seitenkapelle ist nur einer Reinigung und Ausbesserung zu unterziehen. Bei dem barocken Kapellenaltar kann die Vergoldung nur noch teilweise erhalten werden«. Später wurde die dekorative Ausmalung der Isidorkapelle übertüncht, ebenso die Vergoldungen früherer Fassungen. Letzte Restaurierung 1999/2000 durch Christian Bauer, Tabing, und Karl Holzner, Ampfing. Die klassizistische Fassung des Raums - die Langhausdekoration betreffend also die Zweitfassung in Rosatönen - wurde konserviert. Die mit

 

Kalksinterwasser übergangene Ölvergoldung von 1856 auf Stuck und Rahmung wurde ersetzt durch Pudergold auf Poli mentbasis. In der Isidorkapelle wurde eine barocke Dekorationsmalerei freigelegt; von der 1902 geplanten Ausmalung in Louis-XVI.-Stil fand sich keine Spur; offenbar war der Plar Elsners nicht ausgeführt worden. Vom Medaillon im Scheitel (K) wurde unter Retuschen die barocke Substanz konserviert. Die Fresken Balthasar Mangs im Langhaus sind gut erhalten. Die Malerei erscheint weitgehend original, die Farben sind frisch und leuchtend. R5 (Kreuzigung) ist ca. 1950 von Hermann Maillinger in der oberen Hälfte erneuert. Überarbeitungen in schraffierender Manier – stark sichtbar im Chorfresko – wurden wieder entfernt. Die Wandbilder im Chor W1-1 sind neubarocke Ölmalereien von Lessig in den klassizistischen Bildfeldern. Inwieweit sie sich auf Darstellungen Hornöcks beziehen, ist nicht zu sagen; unter der Malschicht fanden sich Spuren älterer Malerei. Auch an der Emporenbrüstung (EB1-3) zeigten sich unter den neubarocken Darstellungen von Ranzinger und Lessig Reste barocker Malerei (freundliche Mitteilung Karl Holzner, Ampfing, und Christian Bauer, Tabing). Von 1902 ist die Darstellung an der Unterseite der Empore

 

Beschreibung und Ikonographie

Langhausfresken von Balthasar Mang 1765

Das Gewölbe wird beherrscht von dem sich über alle vier Joche spannenden Hauptfresko, das begleitet wird von einem mittleren Paar und drei Doppelpaaren von Nebenfresken in Stichkappen und Zwickeln. Kleine Putten mit Schriftbändern stellen den inhaltlichen Bezug zwischen Haupt- und Begleitfresken her. Der äußerst verschwenderische Stuck beginnt an der Decke mit flachen Rocaillen und steigert sich bis zum Gesims hinab zu freihängenden vollplastischen Formen. Die Lunetten zwischen den geschwungenen Fensterlaibungen und den halbkreisförmigen Jochbögen sind überschnitten von Stuckbildern mit den Geheimnissen des Rosenkranzes (R1-8). In die Fensterbekrönungen schwingen Bänder mit Lambrequins, seitlich darüber sind Vorhänge drapiert. Am Ansatz der Stichkappen sitzen Stuckfiguren der Apostel. Die Chorbogenlaibung ist mit einer stuckierten Vorhangdraperie ausgekleidet, verziert mit Kordeln und Palmwedeln und von Engeln gerafft. Die Stuckierung von Rattenkirchen ist das umfangreichste Werk Johann Philipp Wagners, dem Bildhauer und Stuckator dieses Gebietes, von dem in fast jeder Kirche noch Altäre und Figuren zu sehen sind.

Das Programm der Ausmalung von Pfarrer Franz de Paula Hochenleutner lautet (AEM):

»Anzaig welchergestalten in dem würdigen Unser Liebfrauen Pfarrgottshaus Rätenkhürchen das Langhaus in Fresko auszeziehren und auszemahlen, damit selbes in ain: und ander mit dem schon ausgemahlenen Characcordiere und vhersins komme nemblichen

In dem ersten Teil des Langhauses solle die Crönung der allerselligisten Mutter Gottes und Jungfrauen Maria nach dem Formular des anliegenten Kupferstichs (Stich von Klauber ist beigelegt) soviel thunlich verfertiget: dann in dem anderen Tail des bemelten Langhauses der erzürnete mit 3 Pfeillen die sündige Welt zu bestrafen wollente Welt Haylandt, und wie die allerseelligiste Jungfrau Maria hiermit innezuhalten bittet, auch zugleich auf den unterhalb knienten Heiligen Franciscum Seraphicum, und Heiligen Dominicum deutet gemahlen und entworfen werden.

0 Oberhalb denen 8 im Langhaus vorhandtenen Kürchen Fenstern sollen die noch übrige Geheimnisse folgentergestalten eingethailt werden und zwar

Auf der Epistlseithen (S) ober dem ersten Fenster der am Öhlberg Bluet schwizende Haylandt, oberhalb dem zwayten Fenster die Gaißlung Christi, und oberhalb des driten die Crönung Christi, dann ober dem vierten Fenster die Creuztragung

Auf der andern: od Evangelii Seithen (N) oberhalb des lesten Fensters die Creuzigung Christi ober dem vorlesten die Auferstehung: und ober der driten die Himmelfahrt Christi, lestlich oberhalb den vierten die Sendtung des Heiligen Geistes«.

Die Chronogramme am Chorbogen (s. unter Bauwerk) nennt Hochenleutner als bereits vorhanden. Ebenfalls bereits vorhanden waren damals die Fresken 1–4, AI–II, AI–4 und WI–7:

»Ferners seyndt die 4 Kirchenlehrer in die 4 Füllungen ober denen Fen stergesimbseren von dem Mahler aufgetragen worden

nit minder auf die 2 mitteren Gesimbser cant: 4. V: 8 die ober denen Bergen berueffene Seel veni coronaberis ex parte Evangelij. dan ex 3.Reg: cap 2.V.19 Salomon auf dem Thron sizend, und der rechten Seithen dessen Muetter. quod sedit ad dexteram eius ex parte Epistolae.

Uberdas obenher an die Hauptfüllung 4 Symbola deren erste zwey auf die Crönung Mariae alludieren alß eine Lilien unter den Dörnerern mit dem Text Cant: 2 V:2 sic amica mea inter filias adae. Dan

ein Bluemengarten mit der erhobenen Sonen Blumen prov: 31. V: 29 In Supergressa es universas.

Die letzteren 2 auf die Forbitt Mariae in dem lesteren Stuck alludierent ex parte Evangelii ein Pharus dan in Mer irrentes Schiff mit dem Text Exod 15. V.13 Dux in misericordia,

ex parte epistolae ein Irrgarten mit einen ab der aus einer Wohlken gehenten Hand abhangenten Faden oder Schnurr mit dem Text: Prov: 8 V. 35 qui me invenerit inveniet vitam.

Zudem rückwärts neben der Orgl ex parte epistolae der Prophet David mit der Harfen und Text Laudate Dominum omnes gentes psl. 116, ex parte Evangelij Cäcilia mit der Orgl und Text: Fiat cor meum immaculatum Psl 118 v: 80 et ex brev:

An dem Brustblad der Orgl der Visier gemäß unterschiedliche musikalische Instrumente mit aufgeschlagenem Text: ambros: Te Deum laudamus. te Dominum.«

Zum Schluß nennt der Pfarrer ein noch fehlendes Fresko: »In der herunteren Porkürchen sollen noch aufgemahlen werden einige Wunderthaten des Heil. Bauersman Isidori zu dessen Ehren eine Bruderschafft eingeführt ist. Franciscus de Paula Hochenleuthner Pfarrer.«

A MARIA ALS HIMMELSKÖNIGIN Die Darstellung ist zweiansichtig; es dominiert die Hauptansicht nach O mit der Krönung Mariens, in der Ansicht nach W ist Maria als Fürbitterin dargestellt. Abgesehen von einem schmalen Erdstreifen am Westrand wölbt sich über die gesamte Länge des Bildfelds blauer Himmel, angefüllt mit rosagelblichen Wolken. Jede Figur sitzt klar abgegrenzt ohne rechten kompositionellen Zusammenhang auf einer eigenen Wolke, was durch die kräftigen bunten Farben der Gewänder noch hervorgehoben wird. Nur in den Gloriolen um die göttlichen Figuren zeigt sich ein Bestreben, Gruppen zusammenzufassen. Die Kupferstichvorlage Klaubers, in der die Figuren Maria im Glorienschein kreisförmig umgeben, ließ sich in ihrer kompositorischen Dichte nicht auf das weite Bildfeld übertragen.

 
 
 
Balthasar Mang, Der hl. Isidor als Patron, drei Entwurfszeichnungen zu geplanten Fresken an der unteren Emporenbrüstung
 
Johann Philipp Wagner, Entwurfszeichnung zur Stuckierung des Langhauses
 

Zentrale Szene ist die Krönung Mariens. Sie erscheint in Typus der Immaculata mit Mondsichel, Lilie und Sternenkranz und ist umringt von sieben Gestalten, deren jede ihr eine Krone darreicht. Sie sind die Vertreter der Gruppen, als derer Königin Maria in der Lauretanischen Litanei genannt ist. Die

 

Reihe beginnt mit dem Engel zu Füßen Mariens (Regina Angelorum), es folgt links Joachim mit den Tauben als Vertreter der Patriarchen (Regina Patriarcharum), gegenüber König David mit der Harfe als Vertreter der Propheten (Regina Prophetarum), über Joachim Petrus mit den Schlüsseln als Vertreter der Apostel (Regina Apostolorum), diesem gegenüber der Erzmartyrer Stephanus mit den Steinen (Regina Martyrum) über Petrus der Kirchenlehrer Ambrosius mit dem Bienenkorb für die Bekenner (Regina Confessorum) und zuletzt ihm gegenüber Agnes mit dem Lamm für die Jungfrauen (Regina Virginum). (Mang hat Klaubers Vorlage etwas abgewandelt

 
 
A Maria als Himmelskönigi
 
R. Kreuzigung
 

Für die Patriarchen ist dort Abraham mit Isaak zu sehen, für die Bekenner Joachim. Unten halten zwei Putten den Kranz mit den weißen, roten und goldenen Rosen, Symbol für der Freudenreichen, Schmerzhaften und Glorreichen Rosenkranz Anspielung auf Maria als Rosenkranzkönigin.

In der Gegenansicht ist auf einem seichten Wiesenstreifen die Weltkugel dargestellt, und auf ihr die Kirche von Rattenkirchen. Zwei Heilige knien fürbittend davor: Franz von Assisi in der Franziskanerkutte, ein Kreuz in der Hand, und Dominikus in der Tracht der Dominikaner, einen Rosenkranz in der Hand, zu seinen Füßen der Hund mit der Fackel im Maul. Darüber erscheint Christus als »der erzürnte mit dr

die sündige Welt zu bestrafen wollende Weltheiland«. Er will die drei Laster der Menschen strafen: Hochmut, Geiz und Unzucht. Maria, schräg unterhalb von Christus auf Wolken dargestellt, wirft sich ihrem Sohn zu Füßen und bittet für die Welt um der beiden Heiligen willen, die diese Laster durch Demut, Armut und Keuschheit so vollkommen überwanden. Christus verschont die Welt um der beiden Heiligen und ihrer Tugenden willen. Dieses Bildthema kommt öfter vor, auch in der Deckenmalerei (Velden, OB Schw., Matthäus Günther 1732; Altenhohenau, LKr. Rosenheim, Joseph Anton Schütz 1769). Etwas seitlich von Franziskus kniet vor einem Getreidefeld Isidor, der Bruderschaftspatron, mit Rosenkranz und Sense. Auch er bittet für die, die sich ihm anvertraut haben.

 
Gewölbeausschnitt im Langhaus Nordostseite mit den Fresken R, Himmelfahrt und R, Pfingsten, 1 Hieronymus, A, Lilie und A, Haus

AI-II ALLUSIONEN AUF DIE MARIENKRÖNUNG Seitlich vom Hauptfresko zeigen die Kartuschen die Braut des Hohenliedes und die Mutter des Königs Salomon, die beide als typologische Vorbilder Mariens gelten.

AI VENI CORONABERIS. Cant 4.V.8 Drei Felsen, auf dem mittleren steht ein junges Mädchen mit langem offenen Haar, die Hände gefaltet. Es blickt zum Himmel, wo eine Hand aus Wolken die Krone darreicht. Am Fuß des Felsens kauern in einer Höhle zwei Löwen und ein Leopard. Die Darstellung bezieht sich auf das Hohelied: »Komm vom Libanon, meine Braut, komm, laß dich krönen! Steig herab vom ... Aufenthaltsorte der Löwen, von den Bergen der Leonarden!« Die

Braut des Hohenliedes (die laut Programm »ober denen Bergen berueffene Seel«) wird mit Maria gleichgesetzt. Das Zitat aus dem Hohenlied ist auch Unterschrift der Klauber-Vorlage für das Mittelfresko.

AII QUAE SEDIT AD DEXTERAM EIUS. 3 Reg: Cap. 2 V.19 Doppelthron unter einem Baldachin, unter dem Salomon und seine Mutter sitzen. Die Stufen des Throns werden von Löwen flankiert. Nach der Thronbesteigung Salomons kam seine Mutter Bathseba mit einer Bitte zu ihm, »da erhob sich der König, ... verneigte sich vor ihr und setzte sich dann auf seinen Thron; für die Königinmutter aber stellte man einen Sessel hin, und sie nahm zu seiner Rechten Platz« (3 Reg 2,19).

 
Gewölbeausschnitt im Langhaus Südwestseite mit den Fresken AII Quae sedit, R. Dornenkrönung, 4 Gregor, A. Irrgarter

A1-4 MARIANISCHE SINNBILDER Vier kleine Kartuschen sind paarweise auf die beiden Darstellungen im Hauptbild bezogen, das östliche Paar auf Maria als die Auserwählte unter den Frauen, das westliche auf Maria als Mittlerin. In den Schriftbändern mit den erläuternden Bibelzitaten sind die Quellenangaben nur noch in Spuren sichtbar.

A1 SIC AMICA MEA INTER FILIAS ADAE (Cant 2,2) Lilie unter Dornen.

A2 TU SUPERGRESSA ES UNIVERSAS (Prov 31,29) Hohe Sonnenblume in der Mitte eines Blumengartens.

A3 DUX FUISTI IN MISERICORDIA (Exod 15,13) Dem Leuchtturm nähert sich ein Schiff in Seenot.

A4 QUI ME INVENERIT INVENIET VITAM (Prov 8,35) Irrgarten, in dem ein Mensch kniet; eine Hand aus Wolken läßt eine Schnur herab, an der er wieder herausfinden kann. Das Labyrinth steht hier für die Versuchungen und Gefahren der Welt, in die der Mensch verstrickt ist. Ein Beispiel für Maria als Retterin aus dem Labyrinth nennt Picinelli (Lib. XVI, Nr. 95, s. v. labyrinthus).

Aa-d ANRUFUNGEN AUS DER LAURETANISCHEN LITANEI In den vier Ecken der Langhausdecke ergänzen vier marianische Symbole das Programm (im schriftlichen Konzept nicht erwähnt).

Aa Domus aurea (Goldenes Haus)

Ab Turris eburnea (Elfenbeinerner Turm)

Ac Arca foederis (Arche des Bundes)

Ad Rosa mystica (Geheimnisvolle Rose)

1–4 VIER KIRCHENVÄTER In den Zwickeln, über den stuckierten Apostelfiguren sind auf Wolkengrund die Kirchenväter wiedergegeben.

1 HIERONYMUS in Kardinalskleidung, der Posaune aus dem Himmel lauschend; neben ihm der Löwe und ein Putto mit Kardinalshut und zweifachem Kreuzstab.

 
 
 
B, Der 12jährige Jesus im Tempel

nach SW (R1-4) und von NW nach NO (R5-8) sind der Schmerzhafte und der Glorreiche Rosenkranz dargestellt.

SCHMERZHAFTER ROSENKRANZ

R1 »Der für uns Blut geschwitzt hat« – Ölberg. Der Engel mit Kreuz und Leidenskelch erscheint vor Christus.

R2 »Der für uns gegeißelt worden ist« – Geißelung. Drei Henkersknechte schlagen auf Christus an der Geißelsäule ein.

R3 »Der für uns mit Dornen gekrönt worden ist« – Dornenkrönung. Christus im Mantel, das Schilfrohr in der Hand. Zwei Schergen drücken ihm die Dornenkrone aufs Haupt, einer verspottet ihn.

R4 »Der für uns das schwere Kreuz getragen hat« – Kreuztragung. Zwei Schergen führen Christus, der unter dem Kreuz zusammenbricht.

R5 »Der für uns gekreuzigt worden ist« – Kreuzigung. Maria, Johannes und Magdalena unter dem Gekreuzigten (stark erneuert).

GLORREICHER ROSENKRANZ

 
 
B Verkündigung
 

R6 »Der von den Toten auferstanden ist« – Auferstehung. Christus fährt aus dem Grab auf. Im Vordergrund die stürzenden Wächter.

R7 »Der in den Himmel aufgefahren ist« – Himmelfahrt. Christus verschwindet in den Wolken, die Apostel blicken ihm nach.

R8 »Der uns den Heiligen Geist gesandt hat« (Signatur: Baltasar Mang / pinxit 1765.) – Pfingsten. Der Hl. Geist in Gestalt von Feuerzungen kommt auf Maria und die Apostel hernieder.

 
 
Emporenbrüstungsbilder von 1902: EB, Geburt Christi, EB, Opfer Melchisedechs, EB, Opfer Abrahams

Das vierte und das fünfte Geheimnis des Glorreichen Rosenkranzes »Der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenomme hat« und »Der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat« sind im Hochaltarbild bzw. im Langhausfresko dargestellt.

WI-II PATRONE DER KIRCHENMUSIK In zwei Wandkartuschen rechts und links der Orgel an der Orgelwand sind die beiden Patrone der Kirchenmusik mit ihren Instrumenten auf Wolken dargestellt. Die in der Malervorlage beigefügten Inschriften »Laudate Dominum omnes gentes, Ps 116« und »Fiat cor meum immaculatum, Ps 118 V 80 et ex brev« fehlen.

WI DAVID König David schlägt die Harfe. WII CACILIA Die Heilige sitzt an der Orgel.

Chorfresken von Franz Xaver Hornöck 1790

B, B1-3 (und EB1) FREUDENREICHER ROSENKRANZ Die Fresken im Chor sind durch die neubarocke Renovierung beeinträchtigt. Daß sich bei den zahlreichen Hinweisen auf den Rosenkranz im LHs und dem Fehlen des Freudenreichen Rosenkranzes im LHs die Bilder im Chor aber schon bei der ersten Ausmalung um 1739 auf den Freudenreichen Rosenkranz bezogen haben, kann vorausgesetzt werden. Das dritte Geheimnis des Freudenreichen Rosenkranzes »Den du, Jungfrau, geboren hast« ist heute mit der Geburt Christi an der Emporenbrüstung im LHs dargestellt. Wo es sich ursprünglich befand, ist nicht zu rekonstruieren.

B VERKÜNDIGUNG »Den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast«. Erstes Geheimnis des Freudenreichen Rosenkranzes. In einer weiträumig angelegten Wolkenlandschaft sind nur die nötigsten Requisiten angegeben: Ganz am linken Bildrand kniet Maria an einem grün verhängten Pult, hinterfangen von einem weinroten Vorhang. Von der gegenüberliegenden Ecke schwebt der Verkündigungsengel auf sie zu, über ihm die Geisttaube. Links oben und rechts unten Putten mit einem Kranz aus weißen, gelben und roten Rosen, dem Symbol des Rosenkranzes.

Neubarocke bzw. neubarock übermalte Bilder:

B1 HEIMSÜCHUNG »Den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast«.

B2 DARBRINGUNG IM TEMPEL »Den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast«.

B3 DER ZWÖLFJÄHRIGE JESUS IM TEMPEL »Der du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast«.

EB1-3 Abweichend vom schriftlichen Bildprogramm ist heute die untere Emporenbrüstung mit neubarocken Darstellungen Ranzingers und Lessigs bemalt:

EB1 Geburt Christi (Mitte)

EB2 Opfer des Melchisedech (S)

EB3 Opfer Abrahams (N)

EU Auge Gottes mit Putten in Wolken, Medaillon an der Emporenunterseite (keine Abbildung)

Isidorkapelle

K ISIDOR VON MADRID Die Isidorkapelle nördlich des Chors zeigt ein Kreuzgewölbe mit breiten Gurten, die vier Zwickel einschließen. Zur Ausmalung gehört der Gurtbogen über dem Eingang vom Chor. Auf rosa Grund sind in Gelb und Ocker Felder und Ranken mit grünen Füllungen gemalt. In den Zwickeln Bandwerkkartuschen, die eine goldene Vase mit Rosen auf einer Lambrequindraperie einrahmen. Im Scheitelmedaillon ist auf Wolken der hl. Isidor dargestellt, ein Putto hält den Hirtenstab.

Zur Ausstattung der Kapelle gehörte ein Altar, von dem nur das Altarbild erhalten ist, und ein Ölgemäldezyklus mit sechs Szenen aus dem Leben des hl. Isidor, die die Wände der Kapelle schmücken.

Filialkirche Wald

Die z. Z. der Ausmalung in die Pfarrei Rattenkirchen gehörige Filialkirche Wald, ein Neubau um 1700/02, der Dominikus Glasl zuzuschreiben ist, zeigt in den Gewölbezwickeln neubarockisierende Embleme, die jedoch Neuschöpfungen Elsners von 1912 sind (LRA).

Quellen und Literatur

BHStA, Landshuter Abgabe 1993, Nr. 860-866: Zum Kirchenbau 1722/28.

StAL, Pfleggericht Neumarkt, Kirchenrechnungen 1729. StAM, LRA 51973: Restaurierung 1901; 51978: Restaurierung der Filialkirche in Wald; 51979: Restaurierung 1936/46.

AEM, Pfarrakten Rattenkirchen: Bauten 1722–28, 1766–68. AEM, Plansammlung: Seitenansichten und Grundrisse des alten und des geplanten Baus.

BLfD, Akt Rattenkirchen, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.

Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 167–69. KDB I OB (3), S. 2248

Historischer Atlas Bd 36, Mühldorf (Helmuth Stahleder), München 1976, S. 242.

Spagl, Hans Rudolf, Die Malerfamilie Mang (1720 – um 1810) in: Markmiller 1982, S. 116–24, Werkliste S. 229.

Krausen, Edgar, Franz Xaver Hornöck (1752–1822), in: Markmiller 1982, S. 125–34, Werkliste S. 263.

Dehio 1990, S. 1006 f.

Bauer, Hermann und Wolf Christian von der Mülbe, Barocke Deckenmalerei, München 2000, S. 9.

Bauer, Christian, Karl Holzner, Alexander Heisig, Mariä Himmelfahrt in Rattenkirchen, in: Renovavit. Festschrift für Domkapitular Prälat Georg Schneider, Lindenberg 2001, S. 287–97.

 
 
 
B1 Heimsuchung und Gewölbe der Isidor-Kapelle mit freigelegter Dekorationsmalerei