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München, ehem. Hofgartengalerie

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 3, Teil 2: Stadt und Landkreis München. Profanbauten. Hirmer, München 1989, ISBN 978-3-7991-6358-3, S. 348–351, geschrieben von Volk-Knüttel, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
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EHEMALIGE HOFGARTENGALERIE

Galeriegebäude an der N-Seite des Hofgartens und südlich der jetzigen Galeriestraße gelegen; Deckenbilder nicht erhalten

Zum Bauwerk: Unmittelbar nach seinem Regierungsantritt ließ Kurfürst Karl Theodor 1777-1783 längs der N-Seite des Hofgartens eine Gemäldegalerie errichten. Architekt und Bauleiter war Carl Albrecht von Lespilliez (*1723 †1796). Er benutzte einen Teil der den Garten umgebenden Arkadengänge, verbreiterte sie nach N zu und stockte sie um ein Geschoß auf. - Langgestreckter, mit einem Satteldach gedeckter Trakt von 43 Achsen, ca. 175 m lang, 9,5 m breit und 14,5 m hoch (BHStA I, HR I, 279/15, Prod. 19: 612 × 34 Schuh, 50 Schuh hoch), auf die Mittelachse des Hofgartens ausgerichtet. Zugang vom Garten her durch die Arkaden über zwei Treppenhäuser, die jeweils den vorletzten Raum im O und W bildeten. Die Galeriesäle im Obergeschoß nahmen die ganze Breite des Gebäudes ein und bestanden aus »6 geräumigen Zimmern und einem Saal in der Mitte, von einfacher Arbeit, weil hier nicht das Gebäude, sondern, was es enthält, die Hauptsache ausmacht« (Burgholzer, S. 254). Die Beleuchtung erfolgte durch sehr hoch, knapp unter der Decke sitzende, querovale Fenster an beiden Außenwänden, darunter blieb viel Wandfläche für die Hängung der Bilder.

Die 1783 eröffnete Galerie, die auch für die Allgemeinheit zugänglich war, sollte vor allem die im Schleißheimer Schloß aufbewahrten Gemälde des Hofes aufnehmen. Durch die spätere Überführung der Düsseldorfer, Mannheimer und Zweibrücker Sammlungen nach München und durch den Zuwachs in der Säkularisation erwies sich das Gebäude bald als zu klein. Nach verschiedenen Umbauprojekten plante man schließlich einen Neubau und legte 1826 den Grundstein für die Pinakothek. Seit 1844 diente die ehemalige Hofgartengalerie der Unterbringung der »Vereinig ten Sammlungen«, die vor allem ethnographische Objekte sowie Waffen und Elfenbeine enthielt. Im letzten Krieg wurde das Gebäude zerstört. Beim Wiederaufbau 1952 hat man das Obergeschoß in Wohnungen aufgeteilt (Literatur zum Sammlungsgebäude: Rittershausen 1787, S. 194ff. – Burgholzer, 1796, S. 253ff. – Hübner I, 2, 1803, S. 355; II, 1805, S. 441ff. – Reber S. 55. – Peter Böttger, Die Alte Pinakothek in München: Architektur, Ausstattung und museales Programm. München 1972, S. 55 f., 63 f. – Jutta Thinesse-Demel, Münchner Architektur zwischen Rokoko zu klassizistischem Formen- und Gedankengut unter besondere Berücksichtigung des Hofoberbaudirektors Carl Albrecht von Lespilliez. München 1980, S. 64, S. 176ff.).

Auftraggeber: Kurfürst Karl Theodor von Bayern (1777–1799)

Autor und Entstehungszeit: Andreas Seidel (Seidl) (* 1760 München † 1834 oder 1836 München), 1781/82

Westenrieder (Jahrbuch I, 1, S. 165) berichtet 1782, ein Jahr vor Eröffnung der Galerie, Seidel habe dort zwei allegorische Deckenbilder gemalt. Seidel vollendete auch die 41 gemalten Allegorien am Außenbau gegen den Hofgarten. Hiermit war 1781 zunächst der Maler Augustin Joseph Demmel (* 1724 München † 1789 München) beauftragt worden, der ursprünglich auch die Innenausstattung übernehmen sollte. An ihrer Ausführung waren noch weitere Künstler beteiligt. An der N-Fassade gegen die Stadtbefestigung zu malte Seidel zwanzig in Nischen stehende mythologische und allegorische Figuren. Die beiden Deckenbilder bildeten den Anlaß dafür, daß Seidel vom Kurfürsten einen Studienaufenthalt in Rom bewilligt bekam, von wo aus er nach vier Jahren im Oktober 1788 nach München zurückkehrte (Volk, S. 20, Anm. 64).

Verbleib: Die nur durch die Erwähnungen Westenrieders überlieferten Bilder sind nicht mehr vorhanden. Es ist nicht bekannt, in welcher Technik sie ausgeführt waren und wann sie verschwunden sind.

Darstellung

Westenrieder bezeichnet 1783 die Arbeiten Seidels näher (Jahrbuch I, 2, S. 174) » Von demselben sind ... in den Sälen der Galerie 8 Basreliefs, und dabey zwei allegorische Bilder und zwey Mittelstücke, und zwar auf einen die churfürstliche Wappe (sic!), auf dem andern die Kunst und Tapfer keit, dann weiter zween Blafond zu sehen, auf deren ersterm die Maler kunst, wie sie gekrönt wird, auf dem andern eben diese Malerkunst, wie die Vernunft sie leitet, vorgestellt wird«.

Die beiden Deckenbilder waren möglicherweise in den beiden Treppenhäusern angebracht (Hauttmann, in: Thieme-Becker)

Quellen und Literatur

BHStA I, HR I, 279/15

Westenrieder, Lorenz von, Jahrbuch der Menschengeschichte in Bayern, I, 1, München 1782, S. 169; I, 2, 1783, S. 170ff.

Lipowsky-Künstlerlexikon 1810, II, S. 104f. (Andreas Seidl)

Hauttmann-Kunstleben, S. 176

Thieme-Becker, Bd 9, 1913, S. 58 (Max Hauttmann s. v. Demmel, Augustin).

Volk, Peter, Der ehemalige Hofbibliotheksaal von 1783/84 in München. Ein Beitrag zur Geschichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, in: Sitzungsberichte der Bayer. Akademie der Wissenschaften, phil.hist. Klasse, H 9, München 1974, S. 20, Anm. 64. B.V.-K.

Ouellen und Literatur zur Residenz

Verzeichnet ist die herangezogene Literatur zur Residenz, sofern sie nicht in der Gesamtbibliographie (S. 14-16) enthalten ist. Nicht aufgelöste Abkürzungen s. dort.

Um den Überblick über die Residenzberichte und -inventare zu erleichtern, sind bei Texten aus der Zeit vor 1800 jeweils Autor und Erscheinungsjahr oder – soweit es abweicht – das Entstehungsjahr ausgeworfen. Bei Editionen von Quellen werden das mutmaßliche Entstehungsjahr des Textes und dessen Autor, nicht der Herausgeber, genannt. Literatur zu einzelnen Raumgruppen und Räumen ist jeweils dort zitiert. Auf Quellen zur Restaurierung wird nur im Text verwiesen.

Pistorini 1644 = Baldassare Pistorini, Descrittione compendiosa del palagio sede de'Serenissimi di Baviera, situato nella elettorale città di Monaco ..., München 1644, BSB, Cod. ital. 409. Übersetzung von Erika Weinberger, 1926, ungedr., Bibliothek BSV.

Inventar 1748 = Inventaire des Tableaux de la Galerie et du beau appartement dans la Residence de Munic, Ms. BHStA I, HR I, 22/61/2 (Grüne Galerie und Prunktreppenhaus).

Beschreibung 1767 = Beschreibung der Gemälden in der Churfürstlichen Residenz zu München. Anno 1767. Ms. BSV.

Faßmann 1770 = Benedikt Faßmann, Catalogus der Gemälden in der Residenz zu München pro Anno 1770, Ms. BSV.

Revidiertes Faßmann-Inventar, um 1800 = Bemerkungen, welche ... hinsichtlich ... der ... Gemälde im Gegenhalt des hierüber Anno 1770 verfaßten Catalogs gemacht worden, BHStA III, GHA, Handschriften Nr. 60.

Beil, Toni, Residenz München. Wiederaufbau 1945–1980 Ms. BSV, München 1980.

Hainhofer 1603-07 = Otto Hartig, Unbekannte Reisen des jungen Hainhofer nach München und Stuttgart 1603-1607, in: Der Sammler, Unterhaltungs- und Literaturbeilage der München-Augsburger Abendzeitung 93, 1924, Nr. 118, S. 2.

Hainhofer 1611-13 = Die Reisen des Augsburger Philipp Hainhofer nach Eichstätt, München und Regensburg in den Jahren 1611, 1612 und 1613, hg. und erläutert von Dr. Christian Haeutle, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg, Augsburg 1881, 8. Jg, S. 1-310.

Beschreibung 1661 = Karl Trautmann, Aus alten Reisetagebüchern, in: Jahrbuch für Münchener Geschichte 2, 1888, S. 480-83.

Adlzreiter 1662 = Johann Adlzreiter (Jean Vervaux S. J.) Annales Boicae Gentis, Pars III, München 1662.

Monconys 1666 = Balthasar de Monconys, Journal de voyages Bd 2 Lyon 1666, S. 240-57.

Pallavicino 1667 = I trionfi dell'architettura nella sontuosa Residenza di Monaco. Descritti e rappresentati all'Altza Serenissima di Ferdinando Maria ... dal Marchese Ranuccio Pallavicino München 1667

Patin 1667/76 = Charles Patin, Relations historiques e curieuses de voyage, en Allemagne. Angleterre, Hollande Bohème, Suisse etc., Amsterdam 1695, S. 79-90 (Zustand der Residenz zwischen 1667 und 1676).

Chapuzeau 1673 = Samuel Chapuzeau, Relation de l'esta present de la Maison electorale et de la cour de Bavière Paris 1673.

Beauveau 1674 = Henri de Beauveau, Memoires ... pour servir à l'Histoire de Charles IV, Köln 1688, S. 424-34 (Residenzbrand 1674).

Schmid 1685 = Johannes Schmid, Triumphierendes Wunder-Gebäw der Churfürstlichen Residentz zu München München 1685 (veränderte und erweiterte deutsche Bearbeitung von Pallavicino 1667).

Misson 1687 = Herrn Missons Reisen aus Holland durch Deutschland in Italien, Leipzig 1701, S. 100-20 (Zustand der Residenz 1687).

Wening 1701, S. 1–8

Kalmbach 1719 = Christoph Kalmbach, Triumphierendes Wunder-Gebäw der Chur-Fürstlichen Residentz zu München, München 1719 (veränderte und erweiterte Auflage von Schmid 1685).

Pöllnitz 1719 = Lettres et memoires du Baron de Pöllnitz contenant des observations qu'il a faites dans ses voyages, et le caractère des personnes qui composent les principales cours de l'Europe, Bd 5, Amsterdam 1737, S. 10-14 (Besuch in München 1719).

Disel 1718/22 = Matthias Disel, Erlustierende Augen- Weyde ..., Augsburg o. J.

Bianconi 1763 = Lodovico Bianconi, Lettere al Marchese Filippo Herculani ... sopra alcune particolarità della Baviere ed altri paesi della Germania, Lucca 1763, S. 12 f.

Rotenstein 1781 = Herrn Gottfried Edlen von Rotenstein Reise nach Bayern im Jahre 1781. 1. Abschnitt: Reise von Wien nach München und Beschreibung der merkwürdigsten öffentlichen Gebäude dieser Stadt, in: Johann Bernoulli's Archiv zur neueren Geschichte, Geographie Natur- und Menschenkenntnis, 2. Teil, Leipzig 1785. S. 185-232.

Beschreibung 1782 = Karl Trauttmann, Aus alten Reiseta gebüchern, in: Jahrbuch für Münchener Geschichte 2 1888, S. 480-83.

Westenrieder 1782, S. 51-62

Nicolai 1781, Bd. 6, S. 516-28, 703

Rittershausen 1787.

Weizenfeld 1787 = Johann Nepomuk von Weizenfeld, Die Bildergalerie zu München, München 1787.

Burgholzer 1796, S. 66–82, 253–56.

Hübner I, 1, 1803, S. 146–83; I, 2, 1803, S. 354 f.; II, 1805, S. 406, 441-45.

Münchens Merkwürdigkeiten o. V. Ein Taschenbuch für jeden Fremden und Kunstfreunde. München 1811, S. 4-18.

Reber, S. 41-46, 245-57.

Claretta, Gaudenzio, Adelaida di Savoia e i suoi tempi Turin 1877.

Haeutle, Christian, Die Wittelsbacher als Herzoge, Kurfürsten und Könige von Bayern, Augsburg 1880.

Seidel, Georg Friedrich, Die Königliche Residenz in München, Leipzig 1880.

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Das Antiquarium der Münchner Residenz, Katalog der Skulpturen, bearb. von Ellen Weski und Heike Frosien-Leinz, mit Beiträgen von Gerhard Hojer, Wolf-Dieter Grimm, Josef Riederer/Joachim Hoeffs, Ulrich Schießl, Lorenz Seelig, Horst Stierhof. Hg. von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen und dem Deutschen Archäologischen Institut in Berlin, München 1987, 2 Bde.

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Seelig, Lorenz, Literaturbericht zum Antiquarium der Münchner Residenz, ebd. S. 23–32.

SCHLOSSANLAGE NYMPHENBURG

Ehemalige Sommerresidenz der bayerischen Kurfürsten und Könige bestehend aus dem Hauptschloß mit inneren und äußeren Pavillon den flankierenden Hofgevierten sowie der Gartenanlage mit den Parkburgen Pagodenburg, Badenburg, Magdalenenklause und Amalienburg, jetzt unter der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Öffentlich zugänglich sind die Museumsräume sowie die Parkburgen

Baugeschichtlicher Überblick S. 354

Hauptschloß Großer oder Steinerner Saal S. 355 Ausmalung 1675/79, nicht erhalten S. 355 Ausmalung 1701/02, nicht erhalten S. 356 Ausmalung 1755/57 S. 361 Die kurfürstlichen Appartements S. 379 Schloßkapelle S. 397

Parkburgen Pagodenburg S. 401 Badenburg S. 410 Magdalenenklause S. 417 Amalienburg S. 421

Verlorene Deckenmalereien S. 424 Drei ehemalige Kabinette im Hauptschloß S. 424 Ehemaliges Kaffeezimmer im Orangeriegebäude S. 424 Klosterkirche der Chorfrauen von Notre Dame, zerstört, S. 425

Quellen und Literatur S. 425