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München, Altes Residenztheater

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 3, Teil 2: Stadt und Landkreis München. Profanbauten. Hirmer, München 1989, ISBN 978-3-7991-6358-3, S. 346–347, geschrieben von Baur, Eva-Gesine. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Theaterbau im SO des damaligen Residenzkomplexes, ursprünglich nur von der Residenz aus über die sogenannte Schwarze-Saal-Treppe zugänglich; 1944 zerstört, an anderer Stelle wiedereingebaut (sog. Cuvilliéstheater); Deckenbilder nicht erhalten

Zum Bauwerk: 1750 nach dem Residenzbrand Baubeginn des »Neuer Opera Hauß«, Sommer 1751 Grundsteinlegung; Architekt François Cuvilliés d. A. unter Mitarbeit von François Cuvilliés d. J. und Carl von Lespilliez. Richtfest am 25. September 1752; Fortsetzung der Bauarbeiter unter Oberaufsicht des Kabinettsekretärs Joseph Ignaz von Erdt, der am 9. Februar 1753 zum Baukommissär eingesetzt wurde. Bei der Eröffnung am 12. Oktober 1753 war die Innenausstattung nicht vollendet; am 5. Mai 1755 Verfügung des Kurfürsten zur Einstellung der Bauarbeiten; im Laufe des 18. Jh. noch kleinere Veränderungen. Am 3. Februar 1795 wurde das Theater durch Kurfürst Karl Theodor der Öffentlichkeit übergeben.

1943/44 Auslagerung der Schnitzteile, am 18. 3. 1944 Zerstörung 1956-58 Wiedereinbau des Zuschauerhauses in den ehem. Apothekenstock der Residenz.

Eine Ausstattung mit Deckenbildern ist für den Zuschauerraum, die Kurfürsten-Loge, den Empfangssalon hinter der Kurfürstenloge und für die zwei Kabinette hinter den Proszeniumslogen überliefert (Rekonstruktion nach Verschaffelt-Plan, S. 28, und nach dem Cuvilliés-Plan, S. 27)

Auftraggeber: Kurfürst Max III. Joseph (1745–1777)

Zuschauerraum

Raum auf hufeisenförmigem Grundriß, umgeben von einer viergeschossigen Logenarchitektur mit Parterrelogen, erstem, zweiten und drittem Rang, im O durch Orchestergraben und Bühne begrenzt

Autor und Entstehungszeit: Nach Faßmann Johann Baptist Zimmermann (* 1680 Gaispoint/Wessobrunn † 1768 München) und Johann Georg Winter (* 1707 Groningen † 1768 oder 1770 München); Winter gehörte zu Zimmermanns Mitarbeiterstab. Das Deckenbild war bei der Eröffnung in Oktober 1753 vermutlich fertiggestellt, da in dem Eröffnungsgedicht »Phoenix nostri temporis« (vgl. Malyoth, S. 8ff.) von dem Bildinhalt die Rede ist

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachdecke (zerstört)

Technik: Fresko, polychrom

Verbleib: Das Deckenbild wurde bei der Restaurierung 1801 übermalt, die Decke zur Aufhängung eines Leuchters durchbrochen (Dekret Max IV. Joseph, BHStA I, HR II, 155, fol. 872).

Darstellung

MINERVA UND MERKUR Von dem zerstörten Fresko sind keine Abbildungen bekannt; die einzige Nachricht über das Bildthema ist in dem Eröffnungsgedicht »Phoenix nostri temporis« erhalten (vgl. Malyoth, S.8ff.). Dort heißt es »Hier sieht man wie Mercur sich in die Lüften schwinge, / dort wie der Pallas Hand sperrt auf ihr Götterhaus«.

Minerva (Pallas Athene) war hier wohl als Beschützerin der Künste zu verstehen, ihr Götterhaus als Allegorie der Bühne, die sich dem Auge des Zuschauers öffnet, Merkur agierte wahrscheinlich als Mittler zwischen allegorischer Darstellung und Bühnenwirklichkeit. Entwerfer des Programms war wahrscheinlich der Baukommissär Joseph Ignaz von Erdt

Kurfürstenloge

Im W des Zuschauerhauses, in der Mittelachse der Eingangsseite, über dem sogenannten Entrée du Parterre gelegen, den ersten und zweiten Rang übergreifend; Zugang über den zwischen Kurfürstenloge und Empfangssalon verlaufenden Korridor

Autor und Entstehungszeit: Ambrosius Hörmannstorffer 1753 (BHStA I HR I 984 Nr 994 fol 9-19)

7 - 1, - 3 - - 7 Aus einem Bittgesuch Hörmannstorffers (Geburtsdatum und -ort unbekannt † 1781 München) an Kurfürst Karl Theodor vom 30. August 1780 (HR I, 284, Nr. 224) geht hervor, daß er sieben Jahre, von 1745 bis 1752 für den Kurfürsten Clemens August von Köln in Bonn und Düsseldorf an verschiedenen Theatern und Lustschlössern gearbeitet hatte, dann in Mannheim tätig war und von dort durch Cuvilliés zur Mitarbeit am Residenztheater nach München berufen wurde. 1758 bewarb er sich um die Stelle des soeben verstorbenen Pascalin Moretti (loc. cit., HR I, 284, Nr. 224), scheint sie jedoch nicht erhalten zu haben, da empfohlen wurde, Pascalis' Gehalt auf Straub und Desmarées aufzuteilen. In einem Brief vom 5. Januar 1760 (loc. cit. HR I, 284, Nr. 225) gab er an, unter Cuvilliés und Faßmann im Rittersaal der Residenz gemalt zu haben; 1761-1764 war er Inspektor der Nymphenburger Porzellanmanufaktur. Im Sommer 1762 hatte er im südlichen Residenzgarten (s. S. 130) die Direktion über die Ausmalung des sogenannten Grotta Saals und zweier Nebenkabinette (Brief vom April 1763, loc. cit. HR I 284, Nr. 225), wobei Decke, Seitenwände und Türen ausgestaltet worden seien. 1775 reichte er eine Bitte um Pension ein (loc. cit., HR I 284, Nr. 224, fol. 9-12), wofür er eine Liste seiner Arbeiten für den Münchner Hof aufstellte. Neben den Ausstattungen für das Alte Residenztheater, wo er auch als Faßmaler und Marmorierer tätig war, führt er folgende Deckenbilder (-ausmalungen) an: den Speisesaal im Gartenschloß von Herzog Clemens August († 1761) vor dem Neuhauser Tor (1768 verkauft), die Bibliothek in der Herzog-Max-Residenz, den Speisesaal, das Billardzimmer und das Grüne Kabinett in Schloß Ismaning (wo er Malerei-Inspektor war). In einer weiteren Aufzählung seiner Münchner Arbeiten (BHStA I, HR I, 284, Nr. 225, fol. 9 v u. f.) nennt er folgende Plafonds: zwei Salons und Hauskapelle im Stadtpalais des Grafen Törring (Residenzstr. 2), Speisesaal im Stadtpalais des Grafen von der Wahl (Residenzstr. 6), Speisesaal im Stadtpalais des Grafen Minucci (Salvatorstr. 18 u. 19), Tafelzimmer im Stadtpalais des Baron von Erdt (Kardinal-Faulhaberstr. 8); außerhalb Münchens stattete er Kapelle und Kabinett von Schloß Neukollberg (Graf Perusa) mit Deckenbildern aus und arbeitete an der Ausmalung in Schloß Neuberghausen der Grafen Törring-Jettenbach (s.S. 581) mit.

Von Hörmannstorffers Werk ist nichts erhalten. Aus seinen eigener Angaben kann man jedoch schließen, daß er keine figürlichen Deckenbilder, sondern ornamentale Dekorationen malte »Gartten Prospect Kündln, und ornamenten, dan Bluemb und früchtwerch, auch Vergoltung« (loc. cit. HR I, 284, Nr. 225), oder »auszierungen, ornament blumen, vögl, dergleichen inseckten« (loc. cit., HR I, 78, Nr. 96). Man hat sich darunter vermutlich eine Art Spalierwerk vorzustellen, wie es damals Mode war.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachdecke mit Stuckhohlkehle Verbleib: vermutlich bei der Restaurierung 1801 übermalt

Darstellung

Über den Bildgegenstand ist nichts bekannt; es dürfte sich um eine der oben beschriebenen ornamentalen Dekorationen gehandelt haben.

Empfangssalon des Kurfürsten

Hinter der Kurfürstenloge im W des Zuschauerhauses, über der sogenannten Salle du Gardes gelegen. Rechteckiger Raumgrundriß, in der Höhe wie die Kurfürstenloge über ersten und zweiten Rang reichend Zugang über den zwischen Kurfürstenloge und Empfangssalon verlaufenden Korridor

Autor und Entstehungszeit: Johann Martin Heigl (* Konstanz † München) und Ambrosius Hörmannstorffer, 1754

Die Autorschaft Heigls (Faßmann, S. 460) ist mit der archivalischer Nennung Johann Baptist Zimmermanns (BHStA I, HR I, 458, Nr. 21, fol 49) vereinbar, da er zu dessen Mitarbeiterstab gehörte. Hörmannstorffer führt in seiner Werkliste (loc. cit. HR I 284, Nr. 224, fol. 9-12) »das Salet hinter der Hauptloge, den Plavon und alle Seitenwände« an; seine Arbei dürfte sich auf ein ornamentales Dekorationssystem beschränkt haber (s.o.), während Heigl vermutlich eine figürliche Darstellung an der Decke angefertigt hat (loc. cit. HR I, 458, Nr. 21, fol. 49).

Verbleib: vermutlich bei der Restaurierung 1801 übermalt

Darstellung

Über Form und Inhalt der Darstellung ist nichts bekannt.

Zwei Kabinette

Hinter den oberen Proszeniumslogen, im O des Zuschauerhauses, im S ozw. N vor dem Bühnentor gelegen. Rechteckiger Raum, in der Höhe wie die Logen über ersten und zweiten Rang reichend; die analogen Räume im Erdgeschoß, hinter den Parterre-Proszeniumslogen, ermöglichten den Zugang vom Korridor (S) bzw. der Salle des peintres (N) zur Treppe in den ı. Stock, dort Zugang zu den Kabinetten. Daß diese mit Deckenbildern ausgestattet waren, entsprach der Bedeutung der Proszeniumslogen, die nach der Kurfürstenloge für die ranghöchsten Besücher vorgesehen varen.

Autor und Entstehungszeit: Ambrosius Hörmannstorffer 1754

Hörmannstorffer stattete die Proszeniumslogen – »Die zwey Hauptloger aufn Theatro« – sowie »Die zwey Cabineten hinter denen Logen, der Plavon und Seitenwände« aus (BHStA I, HR I, 284, Nr. 224, fol. 9–12)

Verbleib: vermutlich bei der Restaurierung 1801 übermalt

Darstellung

Bei der Ausgestaltung der Kabinette dürfte es sich um ein ornamentale Dekorationssystem in der oben beschriebenen Art gehandelt haben Bezüglich der zwei Hauptlogen ist von Deckenbildern direkt nicht die Rede.

Quellen und Literatur

BHStA III, GHA, Korr. Akte 1713, p. VI, 7 (1753; Residenztheater unter Dach).

BHStA I, HR I, 458 Nr. 21 (1754); 284 Nr. 224 (1758ff.); 284 Nr. 225 (1760ff.); 78, Nr. 96 (1768ff.).

BHStA I, HR II, 155, fol. 872 (Dekret Max III. Joseph zur Restaurierung 1801).

Faßmann 1770, S. 460

Trautmann, Karl, Der kurfürstliche Hofbaumeister Franz Cuvilliés d. Ä und sein Schaffen in Altbayern, in: Monatsschrift des Historischen Vereins Oberbayern IV/6 und 7, München 1895.

Malyoth, Ludwig, Beiträge zur Münchener Theatergeschichte, in: Theaterzeitung der Staatlichen Bühnen Münchens, München 1920/21.

Zenger, Max, Geschichte der Münchener Oper, München 1923.

Festschrift 200 Jahre Residenztheater, München 1951.

Festschrift der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München 1958.

Brunner, Herbert, Das Alte Residenztheater, in: Bayerland, Sonderausgabe Residenz München, 1960, S. 19ff.

Brunner, Herbert, Altes Residenztheater in München, München 1979.

Braunfels 1986, S. 129–36.