Haag an der Amper, Pfarrkirche St. Laurentius


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 6: Stadt und Landkreis Freising. Hirmer, München 1998, ISBN 978-3-7774-7590-5, S. 231–241, geschrieben von Bauer-Wild, Anna und Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche (seit 1902), Gemeinde Haag an der Amper, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Filialkirche der großen Pfarrei Zolling, die dem Domkapitel in Freising inkorporiert war. Die Seelsorge in Haag oblag dem jeweiligen Kooperator. Die Maria Trost- und Gürtelbruderschaft der hl. Monika wurde 1723 eingerichtet. Haag war Hofmark, seit 1632 im Besitz der Grafen Lodron. An der Schloßkapelle bestand ein Benefizium, auf das die Hofmarksherren das Patronatsrecht hatten. Gericht Moosburg

Patrozinium: St. Laurentius

Zum Bauwerk: Das Mauerwerk des AR ist im Kern mittelalterlich. Das Baudatum der heutigen Kirche ist nicht bekannt. Im Dreißigjährigen Krieg erlitt die Kirche bei vier Schweden durchzügen große Schäden, wurde offenbar aber nicht vollig zerstört. Am 1. 3. 1690 brannte die Kirche. Sie war bis Anfang August wieder soweit repariert (»wüderumb erpauet, und eingericht«), daß ›super ara mobili‹ Messe gelesen werden konnte. 1690 und 1692 wurden für den Wiederaufbau 2216 fl. von den Kirchen der Gerichte Moosburg und Erding aufgenommen. Möglicherweise wurde damals das LHs neu gebaut und gewölbt. Neue Orgel 1727. Schmidt nennt die Kirche 1739 »inter rurales valde amoena et decora«. 1764 wurde die zweistöckige Sakristei neu erbaut und das Oratorium eingerichtet. In zeitlichem Zusammenhang damit stand die Stuckierung und Freskierung der Kirche, die von der Hofmarksherrschaft bezahlt wurde. Stukkator war Franz Xaver Feichtmayr d. J. aus München, mit dem der Freskant Thomas Christian Wink auch in Starnberg 1765 (CBD, Bd 1, S. 347-51) und in Schwindkirchen 1790 (Lkr. Erding) zusammenarbeitete. 1775/76 wurden zwei neue Seitenaltäre aus Gipsmarmor um 227 fl. gemacht. Bei einem Brand 1779 brannte die Kirche aus: »Montag den 14ten Juni 1779 fuhr ein zintender Donnerschlag durch den Thurm, auch in die Kirche, und verwüstete alles, was man in den obigen Jahren zur Ehre Gottes beygeschafft und verschönert hat, denn es gerieth die Kirche, Sakristey und der Thurm, die Orgel und alle inwendige Einrichtung in die Asche, die Glocken zerschmolzen und die Uhr verbrannte, so daß ein Schaden von 9 bis 10 000 Gulden erlitten worden« (Kirchenrechnung 1784, nach Heilmaier). Für den Wiederaufbau wurden 1779 471 fl., im folgenden Jahr 1071 fl. ausgegeben. Pfarrer Lengger schreibt, beim Brand sei die Kirche jämmerlich beschädigt worden. Paramente und Sanctissimum habe man retten können. Der Turm sei völlig ausgebrannt und ruiniert. »Der Thurn mues abgetragen, und auf die Kirchen ein neuer Dachstuehl gesezet werden.« Notdürftige Wiederherstellung der Kirche noch im gleichen Sommer. Schon am 1. August 1779 schrieb der Pfarrer: »Das ... ausgebrante Filial Gottshaus Haag ist nunmehro wiederum so weith hergestellet, das darinnen Divina: weil ohnedem die mensae altarium allerdings unverlezt geblieben: decentissime könten gehalten werden« (AEM). S. auch Inschrift in Fresko A: Diße Kirchen ist nach der Ao: 1779 / Erlittenen Brunst Neu hergestelt worden. Hieronymus Graf Lodron stiftete einen großen Teil der Wiederherstellung der Kirche (im Ganzen über 2000 fl.: Glocken 732 fl., Uhr 250 fl., Stuck 140 fl., Baumaterial und weitere 875 fl.). Die Kirche konnte aus eigenen Mitteln nur 47 fl. aufbringen (s. Widmann 1987, S. 240). Aus den Brandberichten kann man entnehmen, daß das Gewölbe nicht eingestürzt war. Der schöne, teilweise frei in den Raum schwingende Rokokostuck von Franz Xaver Feichtmayr d.J. war beim Brand nur beschädigt worden und wurde von Feichtmayr um 140 fl. repariert: Die späten Rokokoformen in Haag lassen sich in Feichtmayrs Werk in den sechziger Jahren gut einordnen, zeigen aber keinerlei Ähnlichkeit mit Dekorationen um 1780 (vgl. etwa den Chor in Bettbrunn, Lkr. Eichstätt, 1781; Abb. in Lexikon der Wessobrunner, S. 93). Neuausmalung durch Wink 1783. Im gleichen Jahr Neuweihe: Gedenktafel innen an der S-Wand neben dem heutigen Eingang. Vor 1923 hatte die Kirche eine Doppelempore. 1923/24 Verlängerung des LHs um 6,10 m nach W und Turmbau durch Maximilian Niedermeier, Ingenieur aus Schwabmünchen, unter Pfarrer Josef Mini (Gedenktafel an der N-Wand unter der Empore).

Innenansicht

Kirche und Friedhof liegen erhöht; an der Ostseite stehen zu Füßen der Anhöhe zwei kleine Bruderschaftshäuser. Der Konsens aus Freising zum Bau des ersten wurde auf Betreiben des gräflichen Verwalters am 4. 12. 1737 gegeben, das Haus 1738 erbaut. Das Baudatum des zweiten Hauses ist unbekannt. 1762 wurde die Stiege mit der Balustradenbrüstung zwischen den beiden Häusern errichtet, die sie zu einer symmetrischen Anlage zusammenfaßt.

Saal zu fünf Jochen, die drei östlichen barock, die zwei neuen westlichen über drei Stufen erhöht mit darüberliegender Orgelempore; Belichtung im LHs in den alten Jochen durch drei Fenster von S. Leicht eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß; über dem Sakristeianbau an der N-Seite Oratorium für den Hofmarksherrn. Die beiden seitlich flankierenden Fenster, das westliche im LHs, das östliche im Chor, sind Blindfenster und mit großen blauen Stuckvorhängen mit goldenen Fransen drapiert. Belichtung im AR durch zwei Fenster im S und zwei in den Schlußschrägen. Pilastergliederung mit jonischen Kapitellen und Girlanden.

Auftraggeber:

Erste Ausmalung 1764/65

Wahrscheinlich Joseph Anton Graf zu Lodron (* 17. 5. 1705 †15. 7. 1775, Hofmarksherr ab 1729), kurfürstlicher geheimer Rat und Generalfeldmarschall-Lieutenant. Er war Präfekt der Bruderschaft. Pfarrvikar von Zolling und damit Präses der Bruderschaft war Bartholomäus Hofstetter (1757-74).

Zweite Ausmalung 1783

Hieronymus Maria Graf von Lodron (* 30. 9. 1728 † 20. 3. 1789, Hofmarksherr seit 1775), ältester Sohn des Vorigen. Er war bis 1777 Polizeiminister und bis zu seinem Tod Revisionspräsident. Das Lodronsche Wappen – ein silberner Löwe auf rotem Grund – ist am Chorbogen angebracht; flankiert wird es von den Wappen Fraunhofen und Lerchenfeld-Brennberg, die auf die beiden Ehefrauen des Auftraggebers hinweisen, Johanna Franziska Xaveria Freiin von Fraunhofen († 1757; links), und Anna Maria, Gräfin von Lerchenfeld-Brennberg (Heirat 1758; rechts). Die Wappen weisen einzelne stuckierte Motive auf. Das Hofmarkschloß Haag ist in Fresko A dargestellt. Pfarrer in Zolling und Präses der Bruderschaft war Johann Paul Lengger (1774-1804). Die Porträts in A lassen vermuten, daß sich an der Finanzierung der Ausmalung auch andere Mitglieder der Maria Trost- und Gürtel-Bruderschaft beteiligt haben.

Die Maria Trost- und Gürtelbruderschaft in Haag

Autor und Entstehungszeit:

Erste Ausmalung 1764/65

Christian Thomas Wink (* 1738 Eichstätt † 1797 München). Ein Artikel in der Augsburger Kunstzeitung 1770 berichtet über den damals 32jährigen Wink: »Zwischen seinen Beschäftigungen übte er sich auch im Malen auf frischen Kalch. Die Pfarrkirche zu Starnberg, die Pfarrkirche der Graflodronischen Hofmark im Haag; die Graf August Törringsche Schloßkapelle zu Neuberghausen ... « (S. 229). Das Datum 1764 dieser ersten Ausmalung stammt aus dem Nachruf auf Wink im Münchner Intelligenzblatt 1797 (Sp. 229): »Anno 1764 mahlte er die Kirche zu Starenberg, Vorstellung des heil. Joseph. In eben diesem Jahre den Chor in der Pfarrkirche zu Haag. Die Marter des heil. Lorenz. 1765 eben dieser Gegenstand in der Graf Törringschen Schloßkapelle zu Neuberghausen ... « Daß Wink schon vor der heute existierenden Ausmalung in Haag freskiert hat, beweist die Nachricht von 1770. Ob die Jahreszahl 1764 stimmt, ist fraglich. Die Ausmalung der Pfarrkirche in Starnberg, nach dem Münchner Intelligenzblatt im gleichen Jahr wie die in Haag entstanden, ist 1765 datiert. Man kann deshalb wohl das Jahr 1765 als Entstehungsdatum der ersten Wink-Ausmalung in Haag betrachten. - Ob Wink damals nur den Chor der Kirche (s. Intelligenzblatt) oder auch das Langhaus ausgemalt hat, ist nicht mehr zu klären.

Zweite Ausmalung 1783

Christian Thomas Wink (* 1738 Eichstätt † 1797 München). Signatur an der W-Seite von A Christianus / Wink Pictor Aulicus / Monachij. 1783. Die Quittung Winks ist erhalten (Dombibliothek Freising): »Daß von Tit. Seiner Hochgräflichen Excelenz mir zu Endt Underschribnen, vor Außmahlung des alhißigen Pfarrgotteshauß under heuntigen Dato dreyhundertfünfzig Gulden, richtig und baar bezahlt worden. Wird kraft diß bescheint. Id est 350 f. Haag den 28. Octob. 1783. Christian Wink Churfrtl. Pfalzbayrischer Hoffmaler.« Von Wink ist auch das signierte und 1789 datierte Hochaltarblatt Laurentius verteilt die Kirchensc Armen«.

Ob Wink 1783 an der Decke noch vorhandene beschädigte Bildreste übernahm und damit die Fresken von 1765 nur reparierte oder ob sie soweit zerstört waren, daß sie neu gemalt werden mußten, ist nicht bekannt. Ein Vergleich der Ausmalungen von 1765 in Starnberg und 1766 in Raisting (s. CBD, Bd 1, S. 347-51 bzw. 472-74) mit den Fresken von Königsdorf 1785 (CBD, Bd 2, S. 203-08) spricht eher für eine zeitliche Nähe der Haager Fresken zu Königsdorf und damit für eine Neufassung 1783. Die Bezahlung von 350 fl. und die Formulierung der Quittung sind weitere Argumente für eine Neufreskierung 1783. Wahrscheinlich ist die Übernahme der Themen, möglich die von Entwürfen aus der ersten Ausmalungszeit.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, A1-4) Tonne mit Stichkappen, AR (B, B1-2) Tonne mit Stichkappen, im O abgemuldet

Rahmen: A geschwungener weißer Stuckprofilrahmen, innen mit Goldleiste, zum Teil von Stuck-Rocaillen und zarten herabhängenden Stuckrosengirlanden überspielt; B geschwungener und von einer Girlande umwundener weißer Stuckprofilrahmen mit Goldleiste, zum Teil überspielt von Rocaillen A1-4 und B1-2 Stuckrocaille-Kartuschen in Gold und Weiß zum Teil freiplastisch in den Raum ausgreifend

Technik: Fresko; A, B polychrom, A1-4 monochrom ocker B1-2 monochrom grau auf Goldbrokatgrund

Maße: A Höhe 7,80 m; 8,40 × 5,40

B Höhe 7,70 m: 6,00 × 5,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Anläßlich der bevorstehenden Erhebung zur Pfarrkirche fand 1900 eine umfassende Innenrestaurierung der Kirche in Haag statt, in der »seit Menschengedenken keinerlei Reparationarbeiten mehr vorgenommen worden«. Der Zustand war so, daß er »das Auge eines Laien beleidigt, und ein religiöses Gemüth mit Trauer und Wehmuth erfüllen mußte.« Durch Rietzlers Kunstanstalt in München wurde der Stuck repariert, ergänzt und teilweise vergoldet; die Raumschale elfenbeinfarben gefaßt und die Altäre restauriert. Das gut erhaltene LHs-Fresko wurde von Anton Ranzinger gereinigt und »in schönster Frische wieder hergestellt«. Das Chorfresko wies »sehr verdorbene Partien auf, teils durch frühere schlechte Renovirung teils durch eingedrungene Nässe. Doch sind große Teile des selben noch ganz gut erhalten, und ist der Zusammenhang ar den verdorbenen Stellen noch sehr wohl festzustellen, so daß die Notwendigkeit einer Neuherstellung des Gemäldes nicht besteht, sondern nur eine sachgemässe Renovirung und Ergänzung nötig ist.« Das Deckenbild wurde von Ranzinger zunächst nur gesichert und an den Fehlstellen eingefärbt. Die Restaurierung und Ergänzung des Chorfreskos führte 1902 der Kunstmaler Joseph Albrecht, München, aus (StAM, LRA 83409; s. auch BLfD, Akten Haag an der Amper, Gutachter vom 4. 12. 1900).

Bei einer Restaurierung 1953/54 durch Ludwig Keilhacker, Taufkirchen an der Vils, wurden die originalen Fassungen von Stuck und Wänden freigelegt und die Inschriften in den Fresken ausgebessert. Bei der letzten Innenrestaurierung 1980/81 durch Kirchenmaler Wilhelm Böck, Langenbach, wurde aufgrund von Untersuchungen die ursprüngliche Raumtönung wiederhergestellt, der Stuck ausgebessert und neu vergoldet. Das Hauptfresko A war in gutem Zustand und wurde gereinigt. Bei Fresko B wurde die lose Putzschicht mit Mörtel hinterspritzt und gefestigt. Risse wurden bei beiden Fresken geschlossen und retuschiert.

 
Ausschnitt aus Fresko A mit Porträts der weltlichen und geistlichen Herrn

Das Fresko A ist weitgehend original, sein Erhaltungszustand gut; einige gekittete Risse. Die Quadratur ist relativ gut zu erkennen. Fresko B ist durch großflächige Ergänzungen der Fehlstellen (1902) stark beeinträchtigt. Die Teile, die noch von Wink stammen, sind: die Gruppe von Gottvater und Christus; der große Engel, der den Rost des hl. Laurentius hält. Von Joseph Albrecht sind der große Engel mit dem Kreuz und der hl. Laurentius.

Beschreibung und Ikonographie

A DIE MARIA TROST- UND GÜRTELBRUDER- SCHAFT IN HAAG Das Hauptfresko erstreckt sich über die drei Joche des barocken LHs. Es ist zweiansichtig, wobei die Hauptansicht nach Osten dominiert; in der Gegenansicht ist nur eine Engelsgruppe dargestellt. Wink führt über eine Substruktion aus Quaderwerk ins Bild ein. Hier liegt links ein Kranker, betreut von einer Frau, beide haben die Augen zum Himmel erhoben. Rechts weist eine Mutter ihr betendes Kind auf die himmlische Erscheinung hin. Über der Substruktion erhebt sich auf der linken Bildseite eine dunkle Stufenrampe, rechts eine helle Brüstung; beide sind fast bis zur Bildmitte an den Seitenrändern hochgezogen. Im Bereich der Architekturen sind mit Verkürzung und Untersichten illusionistische Effekte erzielt. Die über der Brüstung aufragende prächtige Säulen- und Bogenarchitektur verliert sich in den mächtigen Wolken, die vom Himmel bis tief in die irdische Szenerie eindringen. Die Handlungsbühne besteht nicht eigentlich aus einem logisch konstruierten Raum, sondern aus einem Konglomerat vieler architektonischer Motive, Stufen, Brüstung, Rampe, Podeste, deren Übergänge von den Figuren verstellt sind.

Die vier Bittflehenden im Vordergrund sowie die drei links auf der Stufenrampe und ein junges Bauernpaar im Hintergrund links sind allgemeine Figurentypen. Alle übrigen Personen haben individuelle Züge, mit ihnen sind historische Personen gemeint. Im Zentrum der irdischen Szene steht der Pfarrer, der Präses der Bruderschaft. Er ist in Chorkleidung und hält einen Bruderschaftsstab in Händen. Die Figur des Pfarrers vermittelt zwischen irdischem und himmlischem Bereich: direkt über ihm schwebt eine Engelsgruppe. Ein Putto überreicht ihm das Abzeichen der Maria Trost- und Gürtelbruderschaft: einen schwarzen Gürtel mit beinerner Schnalle. Als geistlicher Führer der Bruderschaft ist der Pfarrer auch als Vermittler ihrer Gnadenzeichen gezeigt. Ein großer Engel schüttet aus einem Füllhorn Gürtel, Rosenkranz und Andachtsbildchen. Weiter oben auf der großen Wolkenbank reicht ein großer Engel eine Bittschrift der Bruderschaft Versöhne / Empfehle / Fürstelle / Sie / deinem Sohn zu Maria mit dem Jesuskind empor, die vor einer lichten Wolkengloriole erscheint. Vor Maria knien Augustinus und seine Mutter Monika. Augustinus ist im Rauchmantel dargestellt; ein Engel hinter ihm hält Mitra, Stab und das brennende Herz. Die hl. Monika trägt den Habit der Augustiner-Eremitinnen mit dem weiß eingefaßten schwarzen Schleier; ein Putto zu ihren Füßen hält ein Buch. Das Jesuskind reicht Monika einen schwarzledernen Gürtel, den sie an ihre Lippen hält.

Oberhalb der Wolkenglorie um die Gottesmutter zeigt die W-Ansicht des Freskos zwei Engel in gelben und roten Gewändern mit einer Ansicht des Schlosses Haag. Die Bildunterschrift Diese Kirchen ist nach der Ao: 1779 / Erlittener Brunst Neu hergestellt worden bezieht sich auf den Kirchenbrand und im Zusammenhang mit der Schloßansicht auf den Geldgeber zum Kirchenneubau, Hieronymus Maria Graf Lodron.

Auf den Stufen und hinter der rechten Brüstung sind Mitglieder der Bruderschaft versammelt. Diese historischen Personen sind durch Kleidung und individuelle Physiognomien deutlich von den gängigen Typen der Bittflehenden unterschieden. Neben dem Pfarrer sind zwei Männer mit blauen Kutten und weiß eingefaßten Kragen dargestellt sowie ein Herr mit Dreispitz unter dem Arm. In der Mitte kniet ein Herr in höfischem, mit Goldborten besetzten Gewand und weißgepuderter Perücke. Hinter der Brüstung rechts sind drei vornehme Herren zu sehen, davon einer sehr jung, ein einfach gekleideter Mann und ganz rechts ein Bauernpaar.

Das Fresko zeigt erste Merkmale der klassizistischen Spätzeit Winks. Die Figuren sind in kaum veränderten Größenmaßstäben überwiegend frontal und verräumlichende Über schneidungen vermeidend dargestellt. Winks früherer barocker Schwung und plastische Modellierungen sind z. T. erstarrten Posen und einer klaren Umrißzeichnung gewichen. Die Bildfläche wird betont, illusionistische Effekte treten zurück.

Das Kolorit baut auf gebrochenen Tönen auf, so daß der Gesamteindruck eher unbunt ist. Das Ocker und Grau der breite Teile des Bildes einnehmenden Architektur- und Wolken-Szenerie beleben, hauptsächlich achsenbetont, wenig Akzente von Graublau in Gewändern, Rostrot und satten Gelb.

Die zahlreichen historischen Figuren mitsamt dem Pfarrer sind insofern schwer zu deuten, als nicht feststeht, in welche Zeit die Szene spielt. Es könnte sich um die Einführung der Bruderschaft 1723 handeln, ebenso aber um eine Darstellung der Bruderschaft von 1783 (daß im heute existierenden Bild die Bruderschaft im Jahr 1765 dargestellt ist, ist unwahrscheinlich. Selbst wenn das auf dem Deckenbild von 1765 der Fall gewesen wäre, hätte man es bei der Neufreskierung 1783 auf die neue Situation hin korrigiert). Jeweils wären die Personen entsprechend anders zu deuten. Nach der Kombination der Personen ist am wahrscheinlichsten die Darstellung der Bruderschafts-Einführung 1723 (vielleicht das Thema des Deckenbildes 1765), ergänzt und modifiziert durch historische Figuren der Zeit um 1783.

Die Maria Trost- und Gürtelbruderschaft der hl. Monika wurde 1723 in Haag durch den Hofmarksherrn Graf Guidobald Albert Joseph von Lodron (* 1660 † 1729, Herr in Haag 1687-1729) eingeführt. Diese Bruderschaft (Confraternitas Cincturatorum, et Cincturatarum S. Patris Augustini, et S. Matris Monicae sub invocatione Beatissimae Mariae Virginis de consolatione) entstand 1575 in Bologna und wurde als Erzbruderschaft den Augustiner-Eremiten aggregiert, die sie weiterhin förderten und betreuten. Bruderschaftsaltar in g

 
 
2 Gregor Augustinus
 
 
A1-4 Kirchenväter
 

Haag war der südliche Seitenaltar, auf dem eine alte Kopie des Bruderschaftsbildes Maria vom Trost steht (der Augustiner-Eremitenheilige Nikolaus von Tolentino ist im Aufsatzbild des linken Seitenaltares dargestellt). Außer dem Hofmarksherrn machte sich der damalige Hofmarksverwalter, Johann Peter Kern, um die Bruderschaft verdient, ebenso wie der Kooperator von Zolling, Augustin Mändl (1718–32), dem die Seelsorge in Haag oblag, ein eifriger Fürsprecher der Bruderschaft war.

Präfekt der Bruderschaft war nach den Statuten (AEM) der jeweilige Hofmarksherr, ihr Präses der jeweilige Pfarrvikar von Zolling. Noch im Jahr der Gründung, im Juni 1723, forderte die Hofmarksherrschaft als Beichtvater und Betreuer der Bruderschafts-Seelsorge den Augustiner-Eremiten P. Johann Georg Mändl (verwandt mit Augustin Mändl?) an; er sollte in Haag wohnen. Daraus entwickelte sich das Schloßbenefizium, gegründet 1725, konfirmiert 1730 (erster Schloßbenefiziat war seit 1728 Fabian Sebastian Laubmaier).

Geht man von der Situation um 1723 aus und deutet das Bild als Darstellung der feierlichen Einführung der Bruderschaft im Mai 1723, dann wäre in der zentralen Pfarrergestalt Martin Reiser dargestellt, Pfarrvikar von Zolling (1713–46) und damit Präses der Bruderschaft. Martin Reiser war allerdings ein Gegner der Bruderschaft und überließ alle ihre Gottesdienste seinem damaligen Kooperator, Augustin Mändl (1718–32), von dem nach Reisers Angaben auch die Initiative zur Bruderschaftsgründung ausgegangen war.

Der Herr mit Dreispitz wäre der Hofmarksverwalter Johann Peter Kern, der am 1. 2. 1723 als Verwalter der Bruderschaft bzw. als Bruderschaftssekretär bestellt wurde. In den beiden Geistlichen (?) in den blauen Gewändern mit weißen Einfassungen könnte man den Kooperator Augustin Mändl und den Augustiner-Eremiten P. Johann Georg Mändl sehen. Der auf den Stufen kniende Herr wäre in diesem Fall als Gründer und Präfekt der Bruderschaft, Guidobald Albert Graf Lodron zu deuten.

 
B Glorie des hl. Laurentius

Zeigt das Deckenbild die Bruderschaft im Jahr 1783, dann ist in der Gestalt des Pfarrvikars Johannes Paul Lengger zu sehen, Pfarrer von Zolling (1774–1804) und Präses der Bruderschaft. In den beiden Männern mit den blauen Kutten könnten der Kooperator und der Schloßbenefiziat Martin Lidl (1776–84) dargestellt sein, in dem Herrn mit dem Dreispitz der damalige Hofmarksverwalter Ignaz von Holzschuher. Der vornehme Herr, der auf den Stufen kniet, wäre der Hofmarksherr Hieronymus Maria, Graf von Lodron, Auftraggeber der Freskierung (* 1728 † 1789, Herr in Haag ab 1775). Vielleicht kann man in zwei der vornehmen Herrn hinter der Brüstung dessen Söhne sehen, Maximilian von Lodron (* 1. 4. 1757) aus erster Ehe und Joseph (* ca. 1775) aus zweiter Ehe.

Die übrigen historischen Gestalten könnten jeweils die Assistenten des Präfekts bzw. die Consultores der Bruderschaft sein.

A1-4 VIER KIRCHENVÄTER Die Bildfelder der vier Stuckkartuschen an den Gewölbezwickeln des LHs zeigen in monochrom ockerfarbener Malerei die Vier Kirchenväter in Ganzfigur, auf Wolken thronend.

A1 AMBROSIUS in bischöflicher Kleidung, schreibend am Pult, mit dem Bienenkorb.

A2 GREGOR DER GROSSE ist mit dem dreifachen Kreuzstab und schreibend dargestellt. An seinem Ohr sieht man die Taube des Hl. Geistes als Zeichen der Inspiration.

 
B. Spes und Caritas

A3 HIERONYMUS im Büßergewand, mit Totenkopf, Kardinalshut und Löwen; er lauscht einer Trompete, die über ihm in hellen Himmelsstrahlen erscheint.

A4 AUGUSTINUS im Bischofsgewand vor einem Pult voller Bücher, das flammende Herz in der Rechten; er blickt zum Dreifaltigkeitssymbol empor.

B GLORIE DES HL. LAURENTIUS Reine Wolkenszenerie, Ansicht nach O. – Über seinem von Engel und Putten getragenen Leidensattribut, dem Rost, kniet der hl. Laurentius anbetend auf einer Wolke und blickt empor zur Dreifaltigkeit. Vor einer lichten Glorie thront Christus neben Gottvater: beide sind an die Weltkugel zwischen ihnen gelehnt. Über ihnen schwebt die Taube des Hl. Geistes. Original von Wink sind (s. Erhaltungszustand) nur der große Engel mit dem Rost und die Gruppe von Gottvater und Christus. Diese Gruppe zeigt große Verwandtschaft mit den Dreifaltigkeitsdarstellungen in Thannkirchen (1777; CBD, Bd 2, S. 256–60) und St. Leonhard bei Dietramszell (1769, ebd., S. 234–38):

Christus wird durch die dunklere und etwas in den Vordergrund gerückte Gestalt Gottvaters distanziert und ins hellste Licht gerückt.

Das Kolorit ist unbunt. Es dominieren die Farben Ocker bis Gelb, die sich sowohl im Goldbrokatmantel des Kirchenpatrons als auch im stumpfen Gelbgrün vom Mantel Gottvaters findet. Wenige schwache Farbakzente, sämtlich mit leichten Weißbeimischungen, bringen Blau, Lindgrün und Grau-Lila in den Gewändern.

B1-2 PUTTEN MIT ATTRIBUTEN DER GÖTTLICHEN TUGENDEN Stuck-Kartuschen an den Gewölbezwickeln des AR zeigen vor gemaltem Goldbrokatgrund auf Wolken Putten, die Attribute der göttlichen Tugenden halten.

B1 FIDES Zwei Putten, einer von ihnen betend, der andere hält Kelch und Hostie.

B2 SPES UND CARITAS Zwei Putten, einer hält den Anker, der zweite das flammende Herz.

 
 

Quellen und Literatur

BHStA I, GL 2505 (Bruderschaft); 2519; 2520. StAM, LRA 83409 (Restaurierung 1900/02).

AEM, Pfarrakten Zolling: Pfarrbeschreibung; Filiale Haag 1636–1865; Monica-Bruderschaft 1722–1851.

AEM, Kunsttopographie, Dekanat Moosburg, Pfarrei Haag an der Amper (Georg Brenninger).

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 126 f.

[Johann Caspar Lippert], Malerey (Christian Wink), in: Kunstzeitung der Kayserlichen Akademie zu Augsburg 1, 1770, 29. Stück, S. 227–32.

[Johann Caspar Lippert], Zum Andenken des churfürstl. Hofmahlers Christian Wink, in: Münchner Intelligenzblatt 2, 1797, 15. Stück (8. 4.), Sp. 226–32.

Grassinger, Joseph, Die Bruderschaft U.L. Frau Maria vom Troste und die damit vereinigte Gürtelbruderschaft der Heiligen Augustin und Monika, Aibling 1855 (Exemplar im AEM, Pfarrakten Au bei Aibling, Bausachen).

Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 27 f. KDB I OB (1), S. 402

Feulner, Adolf, Christian Wink, München 1912, S. 36 f. Heilmaier, Ludwig, Die Gürtelbruderschaft zu Haag an der Amper, in: Frigisinga 2, 1925, S. 447 f.

Heilmaier, Ludwig, Beiträge zur Geschichte der Pfarrkirche Haag an der Amper, in: Frigisinga 5, 1928, S. 249 f.

Historischer Atlas I, Bd 1, 1950 (Sebastian Hiereth), S. 37. Dehio-Gall OB, S. 87 f.

Clementschitsch, Heide, Thomas Christian Wink, ungedr. Diss. Wien 1968, S. 18 und 127–29.

o. V., Die Kirche St. Laurentius in Haag an der Amper wurde renoviert, in: Münchner Katholische Kirchenzeitung, 9./16. 8. 1981.

Widmann, Adolf, Pfarrkirche St. Laurentius in Haag an der Amper, eine ländliche Kirche mit »höfischem Charakter«, in: Amperland 18, 1982, S. 313 f.

Widmann, Adolf, Haag, Heimat im Ampertal, Freising 1987. Huber, Alois, Pfarrei St. Laurentius Haag an der Amper in Geschichte und Gegenwart. Hg. anläßlich des 200jährigen Kirchenjubiläums 1789-1989, Haag an der Amper 1989 (unter Auswertung des Pfarrarchivs).

Dehio 1990, S. 391.

A.B./C.E