Zum Inhalt springen

Hörgertshausen, Pfarrkirche St. Jakobus der Ältere

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 6: Stadt und Landkreis Freising. Hirmer, München 1998, ISBN 978-3-7774-7590-5, S. 242–260, geschrieben von Bauer-Wild, Anna und Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

HORGERTSHAUSEN

Pfarrkirche, Gemeinde Hörgertshausen, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung hatte der Fürstbischof das freie Besetzungsrecht auf die Pfarrei. An der Kirche bestanden die Allerseelen-Bruderschaft (bestätigt 1688) und die St.-Barbara-Bruderschaft um eine glückliche Sterbestunde (bestätigt 1690). Hörgertshausen war Hofmark im Besitz der Freiherren von Seiboltstorff. Gericht Moosburg

Patrozinium: St. Jakobus der Ältere

Zum Bauwerk: Wiederaufbau der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Kirche um 1650, unter Verwendung des alten, sehr dicken Mauerwerks. Ab 1678 bemühte sich der Hofmarksherr Hans Georg Freiherr (ab 1690 Graf) von Seyboltstorff um den bischöflichen Konsens zum Anbau einer Seitenkapelle auf der rechten (Süd-)Seite. Konsens am 10. 4. 1681. Es ist anzunehmen, daß der Rohbau noch 1681 entstand. Der entsprechende nördliche Kapellenanbau, in dem sich die Grablege der Seyboltstorffs befindet und dessen Baudatum unbekannt ist, existierte damals wohl schon (1710 genannt). Ab 1710 ersuchte Pfarrer Johann Georg Pach (1704-33) in Freising um den Konsens zum Bau eines Turms im W. zur Verlängerung der Kirche um 16 Schuh (= ca. 4,80 m) und zur Erweiterung des LHs durch Abschlagen der sehr dicken Mauern im Innern. Beginn dieser Arbeiten 1712; der Rohbau wurde im Oktober noch fertig, doch blieb die Kirche wegen finanzieller Schwierigkeiten mit der Hofmarksherrschaft

zunächst unvollendet. Noch 1715 bemühte man sich um Geld »zu solch unausgemachten Kürchen- und Thurnpau« (AEM, Pfarrkirchenbauten). Reparatur und Fassung des Hochaltars 1729. Die beiden Seitenaltäre (darunter den St.-Barbara-Bruderschaftsaltar) ließ Pfarrer Pach 1729/30 auf eigene Kosten – unter Verwendung alter Teile – erneuern (Fassung Franz Sebastian Hag, Maler in Moosburg). Nach Schmidt war die Kirche 1739 »novae fabricae et inter eccle sias rurales melioris notae«. Im Jahr 1786 wurde der sehr enge AR (wohl ursprünglich Chorturmanlage) durch Abräumen des Mauerwerks im Innern erweitert, die Kirche mit einem Gewölbe versehen und ausgeweißt (AEM, Brenninger nach der Chronik im Pfarrarchiv); Freskierung 1790/91. Baureparaturen 1853, Einbau des Oratoriums 1906.

LHs Saalbau zu 3 Achsen, der östliche Raumteil ist zwei Stufen erhöht und durch die beiden in der Querachse liegenden niedrigen Seitenkapellen vierungsartig ausgestaltet. Belichtung in den beiden westlichen Achsen von N und S; Orgelampore im W; Eingang an der S-Seite.

Der um eine weitere Stufe erhöhte, leicht eingezogene einjochige AR mit geradem Schluß besitzt an der N-Seite über der Sakristei ein Oratorium. Belichtung durch ein Fenster von S.

Innenansicht

Die beiden Seitenkapellen im N und S der östlichen LHs-Querachse sind mit dem LHs durch niedrige Rundbogenöffnungen verbunden. Sie haben einen halbrunden Schluß, Pilastergliederung und Gesims. Die Allerseelenkapelle mit dem Bruderschaftsaltar im Süden (K2) hat 2 Fenster nach O und W, die Annakapelle mit der Grablege der Hofmarksherrschaft im Norden (K1) hat ein Fenster nach W.

Auftraggeber: Philipp Fischer, Kurfürstlicher Leibarzt (* 1744 Hörgertshausen † 1800), und Simon Blasi, Pfarrer von Hörgertshausen (1776–1820, resigniert, † 1822). Nach der Festschrift 1792 verabredeten sie sich am 1. 9. 1788 zur Neugestaltung der Kirche. Fischer war bereit, »den ganzen Plafond des PfarrGotteshaus prächtig ausmalen zu lassen; und der Herr Pfarrer war bereitet, alles andere Nothwendige herzuschaffen«. Blasi schrieb 1817 (AEM, Pfarrbeschreibung), die Kirche »wurde sehr künstlich von Herrn Christian Winkh Hofmahler in München 1790 und 1791 ausgemahlen. ... Die Unkösten bezahlte dem Mahler titl. H. Philipp Fischer gewester Leibmedicus in München und Professor in

Ingolstatt ein gebohrener Hörgertshauser, und ich bediente den Hofmahler und seinen künstlichen Herrn Vätter mit Kost und Trunckh die 2 Sommer hindurch gratis. Mein Pfarr Gotteshaus ist die schönste Kirche im ganzen Landgericht Moosburg. « Simon Blasi »hat einen sehr kostbaren Aufwand zum Beßten seines Pfarrgotteshauses gemacht, und ganz sicher den Ertrag seiner pfarrlichen Einkünften von mehrern Jahren mit größtem Vergnügen aufgeopfert« (Festschrift 1792). Rührender Stolz auf sein schönes Gotteshaus spricht auch aus Pfarrer Blasis Briefen im Freisinger Personalakt (AEM), aus dem hervorgeht, daß er, der 44 Jahre in Hörgertshausen wirkte, das Muster eines Pfarrers gewesen sein muß. Gedenkinschrift in gemalter Rahmung an der O-Seite der südlichen Seitenkapelle: SANCTI JACOBI APOSTOLI PRIUS PISCATORIS, ECCLESIAM / AERE PROPRIO ARTIFICIOSE / PINGI ET EXORNAVI VOLUIT / GRATIOSUS / PHILIPPUS PISCATOR NOMINE, / RE DOC- TOR / IN PAROCHIA NATUS / PATRONUSQUE EJUS INSIGNIS / QUIBUS SUA QUOQUE ADJECIT / SIMON BLASI / PAROCHUS HUIUS.

Als weiterer Förderer der Neuausstattung wird in der Festschrift 1792 der Pfleggerichtsprokurator von Moosburg und

Zwei Studienblätter zu B, Münch
Entwurfszeichnung zu K, Jüngstes Gericht, Augsburg

Verwalter der Hofmark Hörgertshausen, Franz Xaver Steinberger, genannt. Ihn machte »eine ganz besondere Sorge für die Zierde der Gotteshäuser verehrungswürdig«. Fischer und Steinberger, »die großen Gönner und Gutthäter«, waren bei der dreitägigen Hundertjahrfeier der Barbarabruderschaft im Juli 1991 anwesend, bei der die erst vier Wochen vorher vollendete neudekorierte Kirche mit großem Stolz den Honoratioren und dem Volk der Nachbarschaft vorgeführt wurde. Eine Festpredigt argumentierte, der Kirchenpatron Jakobus sei nun »mit einer ganz neuen, prachtvollesten Verherrlichung und majestätischen Zierde des Gotteshauses« gekrönt Worden

Philipp Fischer studierte Philosophie und Medizin; Kurfürst Max III. Joseph schickte ihn 1771 zur Vervollkommnung seiner Wissenschaft ins Ausland. Nach fünfjährigem Aufenthalt in Straßburg, Paris und England promovierte er 1777 zum Doktor der Medizin und wurde Kurfürstlicher Leibarzt, 1778 Mitglied der Akademie der Wissenschaften in München und 1782 Professor in Ingolstadt. Er errichtete testamentarisch in Hörgertshausen eine Armenstiftung mit einem Kapital von 1800 fl., von dessen Zinsen die Armen vor allem ärztlich versorgt werden sollten.

Autor und Entstehungszeit: Christian Thomas Wink (* 1738 Eichstätt † 1797 München) 1790/91. Signatur in A, von der Orgel verdeckt Christianus Wink pictor Aulicus Monachij pinxit anno 1790. Chronogramm am Chorbogen SANCTO IACOBO MAIORI / APOSTOLO ECCLESIA HAEC EX VOTO / EXORNATA PICTAQVE FVLGET (= 1790).

Wink arbeitete, unterstützt von seinem Neffen Amandus Wink, vom 3. Mai bis 8. Oktober 1790 mit dreiwöchiger Unterbrechung und vom 3. Mai bis 30. Juni 1791 (Festschrift 1792). Von Christian Thomas Wink ist auch das Hochaltarblatt mit der Darstellung der Predigt des hl. Jakobus (signiert und datiert 1791), und der Auszug, der den hl. Joseph mit dem Jesusknaben zeigt.

Die Ausmalung von Hörgertshausen gehört zum Spätwerk Winks. Sie liegt vor der von Albaching (Lkr. Rosenheim, 1791/92) und der von Siegertsbrunn (Lkr. München, 1793; s. CBD, Bd 3/I, S. 163-67).

Zeichnungen und Ölskizzen

Die graphischen Blätter sind sämtlich Vorstudien. Das Ölbild der BSGS könnte auch eine Wiederholung von Fresko W, in Hörgertshausen sein.

zu B3 Maria Salome empfiehlt ihre Söhne Jesus Entwurfszeichnung, Stift, Feder in Dunkelbraun, Kreide, 20,9 x 16,2 cm, SGS Mü, Inv. Nr. 6413 (Clementschitsch B III c). zu B4 Das ungastliche Samariterdorf 1. Entwurfszeichnung, Stift, Feder in Dunkelbraun, 32,6 × 21,4 cm, SGS Mü, Inv. Nr. 6411 (Clementschitsch B III c). 2. und 3. Entwurfszeichnungen, Bleigriffel und Feder, 21,3 × 16,5 cm, SGS Mü, Inv.Nr. 6414r und 6414v (Clementschitsch B III c).

zu W1 Christus am Ölberg Öl auf Leinwand, 85 × 66 cm BSGS, Inv.Nr. 7331 (Clementschitsch B III b).

zu S1 Himmelfahrt Mariens Bleistiftvorzeichnung, 28 x 23,5 cm, Städt. Kunstsammlungen Augsburg, Inv.Nr. C 21197r (Clementschitsch B III c).

zu S2 Jüngstes Gericht Bleistiftvorzeichnung, 28 x 23,5 cm, Städt. Kunstsammlungen Augsburg, Inv.Nr. G 21197v (Clementschitsch B III c).

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B, B1-4) Korbbogentonne mit Stichkappen, AR (C) Tonne mit Stichkappen, CB tiefe Chorbogenleibung, Kapellen (K1-2) gegen N bzw. S abgemuldete Tonnen mit Stichkappen, EU1-3 Flachdecke an der Emporenunterseite, W1-2 Wand über den Bogenöffnungen zu den Seitenkapellen, W. LHs-Südwand

Rahmen: Die gesamte Dekoration der Raumschale ist einschließlich der Rahmungen gemalt. Nur EU1-2 haben einfache weiße Stuckprofilrahmen. A - C, CB, W1-2 imitierte glatte goldene Stuckprofilrahmen, B1-2 in Grisaille gemalte Rocaillekartuschen, B3-4 in Grisaille gemalte Medaillons. zusätzlich zur Hälfte von einer Laubschnur mit Band gerahmt, oben und unten von je einer Inschriftkartusche überschnitten; K1-2 imitiertes goldenes, von Bändern umflochtenes Stuckprofil, W3 in Grisaille gemalte Bogenarchitektur Technik: Fresko mit Seccoübermalungen; sämtliche Fresken polychrom mit Ausnahme von B1-4, die monochrom olivgrau/ocker sind

Maße: A Höhe 8,30 m; 3,60 × 4,90
B Höhe 8,30 m; 10,10 × 4,90
C Höhe 7,50 m; 3,10 x 3,20
CB Höhe 6,50 m; 1,10 x 2,40
K1-2 Höhe 4,70 m; 3,90 × 3,10
EU Höhe 3,10 m; 2,80 x 1,60
EU1-2 Höhe 3,10 m; 2,80 × 1,35
W1-2 3,30 × 2,60
W3 2,70 × 1,60

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Baureparaturen mit Innenrenovierung 1853/54, wobei die Malerarbeiten an der Raumschale von Maler Joseph Baumann aus Freising gemacht wurden. 1906 sollten die Deckengemälde restauriert werden. Eines war schwer beschädigt: »Es war am 28. Januar 1906 der Verputz des Gewölbes in einer Fläche von ca 1 qm und zwar ein Haupttheil aus dem Frescogemälde des Hofmalers Christian Wink abgestürzt. Das Gewölbe ist ein sogen. Holzlattengewölbe. Der übrige Theil des Gemäldes soll durch Befestigung des Verputzes, mittelst Angypsen oder Anschrauben von Zinnstiften gerettet werden« (AEM, Bauten II). Die Fresken restaurierte Anton Ranzinger, die Dekorationsmalerei Georg Hilz, Bad Aibling. Die Dekorationsmalerei an den Wänden war offenbar bei der großen Restaurierung 1853/54 übermalt worden; sie wie auch die Chorbogenbemalung und fünf Inschriften wurden nun wieder hergestellt. »Die Ausstattung der Kirche ist seit wenigen Jahren wieder unter der Tünche hervorgeholt und geschickt renoviert worden« (Feulner 1924). Weitere Restaurierung 1935 durch Sepp Hilz, Bad Aibling. Innenrestaurierung 1968/71 mit Restaurierung der Fresken 1969 durch Hans Heinrich Müller-Werther, Ebersberg. Die Fresken wurden von Übermalungen der Restaurierung 1905/06 befreit, gereinigt und ausgebessert. Sie sind im ganzen gut erhalten, doch zeigen sich wieder Risse und Verschmutzungen.

Beschreibung und Ikonographie

Die dekorative Malerei in dem völlig ungegliederten LHs und im AR ist bis auf die Sockel- bzw. Gestühlshöhe herabgezogen. Sie ahmt in der Art des stucco finto eine flache architektonische Wandgliederung mit aufgesetzten Stuckornamenten und vergoldeten Applikationen sowie eingetieften Wandfeldern nach. Das architektonische Rahmenwerk ist steingrau gemalt, es besteht aus Bändern, Leisten und Lisenen vor grünen Wandfeldern. Am Übergang zur Wölbung und unter den Fenstern im LHs sind diesem Hintergrund gelblichgrau imitierter Stuck in Form von Puttengruppen, Bildrahmen, Kartuschen und anderen Ornamentmotiven vorgelegt. Er rahmt die Nebenbilder B1-4 und übergreift die ebenfalls gemalten Goldrahmen der Hauptfresken A und B. In der gleichen Goldfarbe wie die Rahmen sind Festons um Stichkappen, unter den Fenstern und um die Apostelleuchter. Die Chorbogenleibung ist durch je drei seitliche Felder gegliedert, vor den mittleren jeweils gemalte Stuckappliken. Im AR glich Wink das äußerst unregelmäßig abgearbeitete Mauerwerk durch eine strenge Gliederung mit jonischen Pilastern und schwerem Gebälk aus. In den beiden Stichkappen malte er goldene Ziervasen mit grauen Laubranken, in den vier Gewölbezwickeln sind, ähnlich der Dekoration im LHs, Putten auf gebälküberspielenden Wolken in gelbgrauer Stuckfarbe

A Maria del Pilar

A, B, C, B1-4, W1-2 JAKOBUS-ZYKLUS

Die Deckenbilder und Wandbilder im LHs beschäftigen sich mit dem Kirchenpatron, dem hl. Jakobus. Die in barocken Zyklen überwiegenden Szenen aus der legendären Vita des Heiligen sind bis auf die Erscheinung Marias auf der Säule (Fresko A) nicht dargestellt. Die Bedeutung des schon aufklärerisch geprägten Zyklus liegt in einer Auswahl von neutestamentlichen Szenen, in denen die Anwesenheit des hl. Jakobus historisch bezeugt ist (vgl. etwa den Jakobus-Zyklus in Jakobsberg, LKr. Rosenheim, von Johann Baptist Böham, entstanden nach 1800).

Die Inschrift in einer Kartusche an der Emporenbrüstung bezieht sich auf Jakobus BEATVS VIR / QVI SVFFERT / TENTATIONEM / Ex. Epist. S. Jac. (Iac 1/12).

A MARIA DEL PILAR Das Fresko ist zum großen Teil von der modernen Orgel verdeckt. Einansichtige Darstellung mit Blickrichtung nach W. Auf einer schmalen Bodenzone ist Jakobus der Ältere mit Jüngern und Begleitern betend dargestellt. Von oben senkt sich eine gewaltige, von Engeln und Putten besetzte Wolke nieder, in deren Mitte sich ein glorienförmiger Lichtbereich öffnet. Hier erscheint die Jungfrau Maria, das Haupt von einem Sternenkranz umgeben, auf einer Säule stehend, und wendet sich mit liebevoller und gewährender Gebärde dem Apostel zu.

Die Erscheinung der Jungfrau auf der Säule ist eine häufig dargestellte Szene aus der Jakobus-Legende: Am Ufer des Flusses Ebro bei Saragossa verbrachte der Apostel die Nacht mit seinen Jüngern im Gebet, als ihnen Maria, auf einer Säule stehend und von Engeln umgeben, erschien und zur Mission und zum Bau einer Kirche (Santiago da Compostela) aufrief (Ribadeneira-Hornig, Bd 2, S. 94 f.).

Himmlischer und irdischer Bereich sind in diesem Bild zwar kompositorisch eng miteinander verbunden, in den Realitäten aber deutlich geschieden: Dem Einbruch der überirdischen Erscheinung im himmlischen Licht in der barocken Tradition ist der wirkliche, 'historische' Nachthimmel mit Mond, Wolken und Sternen entgegengesetzt. Den Kontrast unterstützt die Farbgebung. In der linken Bildhälfte herrschen Nachttöne von Blau und Braun bei Himmel, Wolken und Gewändern. Dagegen erscheinen an den Gewändern Marias und der Engel leuchtendere Gewandfarben (Rot, Orange, Rosa, Grün).

B MARTYRIUM DES HL. JAKOBUS (Act 12,2) Das Fresko erstreckt sich über zwei Joche, ist einansichtig mit der Basis im O und wegen der verhältnismäßig geringen Höhe bei großer Länge kaum mit einem Blick zu erfassen. Gegenstände der irdischen Zone – Obelisk und Baum – ragen teilweise bis fast zu Mitte des Bildes auf, aber der größere Teil der Bildfläche ist den himmlischen Erscheinungen gewidmet. Ins Bild führt eine seichte und relativ helle Repoussoirzone ein, ein Grasstreifen mit Baumstrünken und halb von der Erde bedecktem antiken Gebälk, die die Vordergrundsbühne distanziert. Hier ragt links ein Obelisk auf (Buchstaben auf dem Bildnismedaillon CAIV-LRBIN), auf dessen Sockel dürftig bekleidete Männer geklettert sind, hier geben Soldaten fragenden Frauen Auskunft; ein Berittener, Soldaten, Frauen und Männer in den verschiedensten antikischen und orientalischen Trachten, alle schauen staunend und gestikulierend nach oben ins Bild, auf die eigentliche Handlungs-bühne, ein nach vorn gerundetes Podest aus Quadermauerwerk, zu dem rechts eine Treppe emporführt. Zwischen Obelisk und Podest ist ein tiefer Einblick in eine antike Straße gegeben. Oben auf der Treppe ist ein Sockel zu sehen, ein heidnischer Opferaltar.

Auf dem Podest spielt die Szene der Enthauptung des hl Jakobus. Der Apostel kniet in der Mitte, in Ketten gebunden mit erhobenen Händen und zum Himmel gerichteten Blick. Sein blaues Gewand ist über die Schultern gezogen, der Hals ist entblößt. Hinter ihm steht der Henker und zieht das Richtschwert. Soldaten umstehen die Szene; ein Henkersknecht hält die Kette des Apostels.

Auf den heidnischen Opferaltar gestützt steht der Hohepriester Abiathar, in rotem Gewand, grünem Mantel und um die Stirn eine weiße Binde. In der Rechten hat er einen Krückstock. Mit ihm spricht ein bärtiger Mann in blauem Gewand mit Turban. Unter dem Baum, der die Szenerie rechts am Opferaltar abschließt, sieht man zwei Soldaten.

Ein gewaltiger Wolkenzug, auf dem Engel und Putten dargestellt sind, verbindet die irdische Szene mit der großen Himmelsglorie. Ein Putto zuunterst bringt dem Heiligen die Martyrerpalme. Die Richtung des Wolkenzuges ist im Inhaltlichen und im Formalen ambivalent. Einesteils wirkt er wie Rauch, der von einem Opferaltar zum Himmel aufsteigt, andererseits senken sich himmlische Erscheinungen auf ihm zur Erde nieder.

Die große Himmelsglorie und ihre umgebenden Wolken nehmen die westliche Hälfte des Bildes ein. Auf einer Wolke vor der hellen Glorie, in der, von kreisförmig angeordneten Puttenköpfchen umgeben, die Taube des Hl. Geistes erscheint, thront Christus. Er weist mit der Rechten auf sein Kreuz, das neben ihm hoch aufragt, von Engeln gehalten und verehrt. In der Linken hält Christus den Lorberkranz als Martyrerkrone für den ersten seiner Apostel, der in seiner Nachfolge das Martyrium erlitten hat. Von der Heiliggeisttaube fällt – genau in der Achse des Bildes – ein Gnadenstrahl, von dem auch Kranz und Palme berührt werden, auf Jakobus.

Obwohl Wink in Details und auch im Gesamtzusammenhang des Zyklus auf 'historische Wahrheit' achtet, bewältigt er doch noch mühelos den barocken Illusionsapparat. Die imponierende Höhenwirkung ergibt sich nicht nur aus der enormen Längenausdehnung der Bildfläche; mit gegenläufigen Wolkenzügen, Abschattungen, Aufhellungen und den bewegten Engelsfiguren bringt er Tiefe und Dynamik in die Szenerie. Die überwiegend dunkle und unbunte Farbskala unterscheidet kaum zwischen himmlischem und irdischem Schauplatz. In die einheitlich ockertonige Grundfarbigkeit werden Buntfarben eingesetzt: Blau, Rot, Gelb, Grün in den Gewändern des Volkes und der Engel. Vom weiß- und rosa farbenen Gewand Christi leitet sein orangefarbener Mantel über in die Geist-Glorie aus lichtem Ocker.

B Martyrium des hl. Jakobus
B. Jakobus-Szenen

Das dreizehn Jahre früher entstandene, thematisch gut vergleichbare Fresko der Enthauptung der hl. Katharina in Thankirchen (Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen, CBD, Bd 2 S. 257) zeigt insgesamt eine geschlossenere Komposition, im Detail aber figurenreiche Gruppen, die in lebhafter Gestil miteinander korrespondieren. Die Figuren in Hörgertshausen erscheinen eher isoliert; sie agieren in erstarrten Posen. Gegenüber der fast unbekümmert anmutenden Buntfarbigkeit in Thankirchen hat sich nun eine überwiegend erdgebundene Farbigkeit entwickelt.

B1-4 JAKOBUS-SZENEN In Grisaillemalerei ausgeführte Kartuschen (B1-2) bzw. Medaillons (B3-4) an den Gewölbezwickeln um Fresko B. Mehrfigurige Szenen, die Begebenheiten aus dem Neuen Testament schildern, in denen Jakobus der Altere ausdrücklich genannt ist. Inschriftkartuschen am oberen (B1-2) bzw. oberen und unteren (B3-4) Bildrand mit Angabe der betreffenden Textstelle.

B1 BERUFUNG DER APOSTEL JAKOBUS DES ÄLTEREN UND JOHANNES VOCAVIT / EOS. (Mt 4,21) Schauplatz ist das Ufer am See Genezareth, links von einem Baum begrenzt. Jesus steht mit Andreas und Petrus, den bereits berufenen Jüngern, vor dem Boot des Zebedäus, in dem dieser mit seinen Söhnen die Netze ausbessert, und fordert Johannes und Jakobus auf, ihm zu folgen.

B2 JAKOBUS UND JOHANNES FOLGEN JESUS SECUTI / SUNT EUM (Mt 4,22). Gleicher Schauplatz wie B1; die Brüder lassen ihren Vater im Schiff zurück und folgen Jesus.

B3 DIE BITTE DER MUTTER DER ZEBEDÄUSSÖHNE DIC; UT / SEDEANT. (Mt 20,21; oben) NESCITIS; QUID / PETATIS. (Mt 20,22; unten). Landschaftsausschnitt mit einer Säule am linken und einem Baum am rechten Bildrand: links steht Jesus in Begleitung von drei Jüngern. Ihm hat sich Maria Salome, Frau des Zebedäus und Mutter von Jakobus dem Älteren und Johannes, zu Füßen geworfen. Ihre Söhne sind hinter ihr dargestellt und verfolgen das Geschehen. Maria Salome erbat für ihre Söhne von Jesus einen ausgezeichneten Platz im Himmel: »Dic ut sedeant hi duo filii mei unus ad dexteram tuam, et unus ad sinistram in regno tuo« Jesus antwortete: »Nescitis, quid petatis ... «, er fragte sie, ob sie seinen Kelch trinken könnten, und als sie bejahten, sagte er, das Sitzen zur Rechten und zur Linken habe nicht er zu vergeben, sondern sein Vater.

B4 DAS UNGASTLICHE SAMARITERDORF IGNIS DESCENDAT. (Lc 9,54; oben) - NESCITIS / CUIUS SPIRITUS / ESTIS. (Lc 9,55; unten). Das Bild zeigt einen baumbe-standenen Platz, im Hintergrund die Türme und Kuppeln der Stadt Jerusalem. Jesus steht links, begleitet von vier Jüngern, und macht eine beschwichtigende Geste zu Jakobus dem Älteren und Johannes, die rechts lebhaft gestikulierend gezeigt sind. – Auf dem Weg nach Jerusalem wurden seine Jünger in einem Dorf in Samaria nicht beherbergt. Jakobus und Johannes sprachen voll Zorn »Domine, vis dicimus ut ignis descendat de caelo, et consumat illos?«. Jesus antwortete »Nescitis cuius spiritus estis. Filius hominis non venit animas perdere, sed salvare.«

W1-2 JAKOBUS-SZENEN Zum Zyklus der Jakobus-Szenen aus dem Neuen Testament gehören auch die Wandbilder über den Eingängen zu den Seitenkapellen. Beide Fresken imitieren aufgehängte Tafelbilder; auf gemalten Ornamentkartuschen am unteren Bildrand ist die Textstelle angegeben. Die Kompositionen entsprechen sich formal und inhaltlich. Im oberen Teil der Bilder, auf einem Berg (Tabor bzw. Ölberg) sind himmlische Erscheinungen dargestellt, im unteren jeweils die drei Apostel Jakobus der Ältere, Johannes und Petrus in der gleichen Reihenfolge.

W1 OLBERG VIGILATE / ET / ORATE (Mt 26,37) Vor dem Gatter des Gartens Gethsemane liegen schlafend die Jünger. Jesus kniet betend unter einem Baum. Ihm erscheint der Engel mit Kelch und Leidenswerkzeugen, die bevorstehende Passion anzukündigen. Ein zweiter Engel kniet bei ihm, die Hände voller Schmerz vor das Gesicht geschlagen. Links im Hintergrund ist – in sehr verkleinertem Figurenmaßstab – die Rotte der Häscher zu sehen, die soeben den Garten betritt.

W2 VERKLÄRUNG BONUM EST NOS / HIC ESSE (Mt 17,4) Auf dem Berg Tabor erscheint Christus als weiße Lichtgestalt, begleitet von Moses (mit Gesetzestafeln) und dem Propheten Elias. Jakobus und Petrus weichen geblendet zurück, Johannes beugt sich in Ehrfurcht bis zum Boden. - Als Christus am Berg Tabor verklärt wurde, war er nur von Petrus, Jakobus und Johannes begleitet. Bei der Erscheinung von Moses und Elias sagte Petrus »Domine bonum est nach hic esse; si vis, faciamus hic tria tabernacula, tibi unum, Moysi unum, et Eliae unum.«

C Hl. Jakobus, Patron von Hörgertshausen

W3 KREUZIGUNG An der S-Wand des LHs, rechts vom Kapelleneingang, hängt der Kanzel gegenüber ein Kruzifixus von Roman Anton Boos. Das Fresko bildet den malerischen Hintergrund dazu. Die Rahmung imitiert einen Arkadenbogen. Am Sockel eine Kartuscheninschrift PROPTER NOS HOMINES / ET PROPTER NOSTRAM / SALUTEM (Text aus dem Credo). Den Hintergrund bildet ein bewölkter düsterer Himmel mit verdunkelter Sonne. Neben dem Kreuz stehen Maria und Johannes, auf der anderen Seite kniet Magdalena. Die Gewandfarben Rot, Blau, Grün, Gelb und Weiß heben sich nur schwach gegen den dunklen Himmel ab. - Diese Komposition ist von Wink in Altargemälden in Altötting und in Albaching (beide 1795) wiederholt worden.

C DER HL. JAKOBUS ALS PATRON VON HÖRGERTSHAUSEN Querovales Fresko, Wolkenszenerie in Ansicht nach O. - In hellen Wolken thront, den Dreiecknimbus um das Haupt, das Zepter in der Rechten, Gottvater neben der Weltkugel und hebt in segnender Gebärde die linke Hand. Er ist von anbetenden Engeln und Putten umgeben. Unter ihm, am östlichen Bildrand, ist eine schwere, den Rahmen übergreifende graue Wolke gemalt. Auf ihr kniet – wie in einem Zwischenbereich von irdischer und himmlischer Realität, zwischen realem Gotteshaus und der Erscheinung Gottes – der Kirchenpatron Jakobus mit der Muschel auf dem Pilgerkragen, von Engeln und Putten begleitet, die Pilgerstab, Palme und Schwert halten. Er empfiehlt Gottvater die Gemeinde, die sich ihm anvertraut hat, indem er auf das Bild mit der Ortsansicht von Hörgertshausen weist, das Engel neben ihm ausgerollt haben. Die Wolke, Traditionsform barocker Illusionistik, wird in dieser Spätzeit der barocken Deckenmalerei Instrument einer neuen Logik: das Himmlische dringt nicht mehr in den Raum ein, sondern Jakobus, Heiliger einerseits und dem Himmel zugehörig, Patron andererseits und damit virtuell auch in engem Bezug zur Lokalität, ist in dieser Zwischenstellung als reale Gestalt auf realistischer Wolke vor dem Himmelsbild dargestellt.

Die ockergraue Gesamtfarbigkeit der Wolken wird durch sparsam verteilte farbige Akzente belebt, Blau und Gelb in der Kleidung des Heiligen, Rot und Gelb bei einem Engel und bei Gottvater.

An den Wänden des AR befindet sich in zwei Inschriften eine auf Jakobus abgewandelte Anrufung Mariens aus der Lauretanischen Litanei: An der N-Seite über dem Oratorium

Fresken in den Kapellen

Himmelfahrt Mariens

W, Verklärung Christi

ORA PRO NOBIS/SANCTE JACOBE, an der S-Seite UT DIGNI / EFFICIAMUR / PROMISSIS / CHRISTI.

Chorbogenleibung

Das mittlere Fresko CB wird flankiert durch je drei seitliche grüne Wandfelder in grauer Rahmung. In den mittleren sind geistliche Trophäen in stucco finto dargestellt, im N bischöfliche, im S päpstliche Insignien. Das untere Feld an der S-Seite wird durch das Epitaph des Pfarrers Bach in einem gemalten Rahmen eingenommen.

CB DREI GÖTTLICHE TUGENDEN In einem querformatigen Feld mit abgerundeten Seiten sind fünf Putti in Wolken dargestellt. Drei von ihnen halten die Symbole der drei Göttlichen Tugenden Fides, Spes und Caritas (Hostienkelch, Anker und flammendes Herz). Der Wolkengrund ist in lichtem Gelbgrau gefaßt, in den Drapierungen der Putten sind einzelne Farbakzente in Rot, Blau, Grün und Gelb gesetzt.

Fresken in den Kapellen

Die Seitenkapellen sind in der gleichen Art ausgemalt wie die übrige Kirche, doch sind hier die realen Pilaster und Gesimse in die fingierte Gliederung miteinbezogen.

K1-2 Gewölbefüllende, einansichtige Bildfelder, die durch die Stichkappen seitlich stark eingezogen sind. Die geringe Gewölbehöhe beeinträchtigt die Wirkung der Kompositionen. Die Szenen sind wie die Wandfresken W1–2 als Pendants komponiert mit ähnlicher Verteilung von terrestrischem Schauplatz und himmlischer Szenerie, in der Maria bzw. Jesus erscheinen.

Der Altar der nördlichen Kapelle war der Gnadenmutter von Altötting geweiht. In dieser Kapelle ist die Grablege der Hofmarksherrn von Hörgertshausen, der Grafen Seyboltstorff. Der Altar der südlichen Kapelle war ebenfalls der Jungfrau Maria geweiht. Er war zugleich der Bruderschaftsaltar der Allerseelen-Bruderschaft (die Barbara-Bruderschaft war am Seitenaltar im LHs, der der hl. Barbara geweiht war).

K1 HIMMELFAHRT MARIENS Ansicht nach N. – Auf einer schmalen Vordergrundsbühne mit seitlich flankierenden antikischen Architekturteilen steht in der Mitte der leere Sarkophag Mariens, von den Aposteln und Maria Magdalena umringt, die teils trauernd in den Sarkophag blicken, teils mit staunenden Gesten zum Himmel sehen. Über ihnen schwebt Maria mit ausgebreiteten Armen und nach oben gerichtetem Blick, auf Wolken und von Engeln getragen, empor zu einer lichten Wolkenglorie. Ein Putto neben ihr wirft Rosen auf den leeren Sarkophag. Mit der Komposition hat Wink sein Hochaltarbild in Scheyern wiederholt (Clementschitsch, S. 147).

In der Leibung des Eingangsbogens ein gemaltes stuckimitierendes Medaillon mit der Inschrift INVENIES / IN NOVISIMIS / REQUIEM IN / EA / Eccl. C.6. V.29. (= Eccli 6,28: Am Jüngsten Tag wirst du bei ihr Ruhe finden). Sie bezieht sich auf die Verwendung der Kapelle als Grablege.

An der O-Wand der Kapelle hat Wink das Marmorepitaph des Grafen Hans Georg von Seyboltstorff († 1699) durch einen gemalten Rahmen hervorgehoben, bekrönt von einer Nische, vor der auf einem Sockel ein weinender Putto sitzt, umgeben von abgebrochener Kerze, Totenkopf und Stundenglas. Inschrift MEMENTO MORI.

K2 JÜNGSTES GERICHT Ansicht nach S. – Die Darstellung des Jüngsten Gerichts ist durch die Verwendung der Kapelle als Bruderschaftskapelle der Allerseelenbruderschaft bestimmt.

Als irdischer Bildschauplatz ist ein Gräberfeld dargestellt, mit antikischen Sockeln, Obelisk, Sarkophagen, Grabplatten und Grabkreuzen. Aus den Gräbern stehen die Toten auf. In der Mitte des Vordergrunds erscheint die beherrschende Figur des Erzengels Michael mit weitgebreiteten Armen, die Toten in die Seligen zu seiner Rechten und die Verdammten zu seiner Linken scheidend. Auf einem Grabstein befinden sich die Buchstaben M.A.L./D.I.K.A./XXXVI.

Darüber sind in einer Wolke die Engel mit den Posaunen des Jüngsten Gerichts dargestellt. Die mächtige Wolke ist weiß auf der Seite der Gerechten und dunkel auf der Seite der Verdammten. Über dieser Wolke erscheint auf dem Regenbogen die Gestalt Christi vor einer hellen Wolkenglorie als Weltenrichter am Ende der Tage. Er hält in der Rechten das Richtschwert und in der Linken den Ölzweig. Die Glorie ist mit Puttenköpfchen besetzt, ein anbetender Engel ist rechts davon dargestellt.

Die Farbgebung ist reduziert auf Blau, Gelb und Weiß in den Gewändern von Christus und dem hl. Michael vor einem Gesamtton aus Braun-Grau-Ocker.

EU Vertreibung der Händler aus dem Tempel

Über dem Kapelleneingang ein stuckimitierendes gemaltes Medaillon mit der Inschrift VIDEBITIS / FILIUM HOMINIS / VENIENTEM. / Math: C.26 V.24. (nach Mt 24,30: Videbunt filium hominis venientem).

EU, EU1-2 Emporenunterseite

EU VERTREIBUNG DER HÄNDLER AUS DEM TEMPEL (Lc 19,45) Ansicht nach W. – Vor einer bildbeherrschenden, an Renaissancevorbilder erinnernden Architektur aus Treppen, dorischen Säulenpaaren auf hohen Sockeln, mächtigem Gebälk über Bögen und kassettierten Wölbungen sind die Figuren überproportional groß dargestellt. Von rechts kommt Jesus aus dem Tempel, in drängender Vorwärtsbewegung, mit weit ausholender Gebärde die Peitsche schwingend, und treibt die Händler und Händlerinnen die Treppenstufen hinab. Vor den Stufen im Vordergrund sieht man ein als Repoussoir eingesetztes Stilleben aus umgestürztem Eierkorb und Taubenkäfig, Hocker und Paket. Die Apostelfigur, die Jesus folgt und zum größten Teil überschnitten ist, ist durch den Haar- und Barttyp als Jakobus der Älteste gekennzeichnet.

Zum gleichen Thema gab es einen von Wink signierten und 1793 datierten Entwurf für eine Wandfüllung in St. Johann Nepomuk in München (ehem. BSGS, Öl auf Papier, 56,5 x 44 cm, Inv.Nr. 2874, 1945 verbrannt, Photo erhalten). Im Vergleich mit Hörgertshausen ist von Wink zwei Jahre später die Architektur reduziert worden zugunsten von größeren und bewegteren Figurengruppen.

Auf die Darstellung der Vertreibung aus dem Tempel bezieht sich an der LHs-Westwand über dem Eingang zum Turm ein gemaltes Medaillon mit einer Inschrift nach Lc 19,46: Mein Haus / ist ein / Bethhaus. / Luc. C. 19. V.41 (Lc 19.41).

EU1-2 PUTTEN Je zwei Putten mit roter und grüner bzw. gelber und grauer Draperie vor einem Himmel in Blau und ockerfarbenen Wolken.

Die hl. Barbara, Patronin der Bruderschaft, an deren Hundertjahrfeier die neu ausgemalte Kirche festlich der weiteren Öffentlichkeit vorgestellt wurde, kommt in der Ausmalung überhaupt nicht vor. Das Jubiläum am 24.–26. Juli 1793 (Fest des hl. Jakobus 25. Juli) fand außerdem nur in losen zeitlichen Zusammenhang mit den historischen Daten statt (die Bruderschaft wurde bischöflich bestätigt am 12. 1. 1688, päpstlich confirmiert und mit Ablässen versehen am 21. 12 1690). Die Bruderschaft war ebenso vermögenslos und verhältnismäßig wenig bedeutend (1803 ca. 800 Mitglieder) wie die Allerseelen-Bruderschaft (1803 ca. 700 Mitglieder), auf die das Fresko in der südlichen Seitenkapelle hindeutet. Beide Bruderschaften hatten mit der Finanzierung der Ausstattung nichts zu tun, da ihre jährlichen Einkommen nicht der Rede wert waren (unter 10 fl.). Die Hundertjahrfeier der Barbara-Bruderschaft war also nur ein Vorwand zu einem größeren Fest, bei dem in erster Linie die neuausgestattete Kirche gefeiert wurde

Quellen und Literatur

BHStA I, GL 2504, Nr. 84: Zum Testament Fischers; 2505. Nr. ad 84: Beschreibung der Bruderschaften in den Hofmarken des Gerichts Moosburg 1803/05.

AEM, Pfarrakten Hörgertshausen: Pfarrbeschreibung; Pfarrkirchenbauten 1675-1715; Bauten II; Pastoral- und Kultusgegenstände 1721-1857; Resignations- und Verlassenschaftsakten.

AEM, Kunsttopographie, Dekanat Moosburg, Pfarrei Hörgertshausen (Georg Brenninger, unter Verwendung des Pfarrarchivs Hörgertshausen).

AEM, Personalakt Simon Blasi

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 240–42.

Festschrift 1792: Kurze Beschreibung der dreytägigen Säculumsfeyerlichkeit, welche in dem löblichen Pfarrgotteshause des Hl. Jakobs zu Hörgertshausen den 24. 25. und 26. Juli im Jahr 1791 gehalten worden, München den 9. Feb. 1792.

Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 497–502.

KDB I OB (1), S. 405.

Feulner, Adolf, Christus am Kreuz von Roman Boos und Christian Wink, in: Kalender Bayerischer und Schwäbischer Kunst 1921, S. 18 f. Nachdruck in: Frigisinga I, 1924, S. 177-79.

Gschwind, Joseph, Das tausendjährige Hörgertshausen, in: Unsere Heimat. Blätter für Freising 1935, Nr. 13, S. 6–8; Nr. 14, S. 6 f.

Historischer Atlas I, Bd 1 (Sebastian Hiereth), 1950, S. 40 f. Dehio-Gall OB, S. 91.

Clementschitsch, Heide, Thomas Christian Wink, ungedr. Diss. Wien 1968, S. 147-51, Anhang A 1791/92 Hörgertsnausen.

Wörner, Alfons, Heimatbuch Hörgertshausen. Bilder aus der Geschichte der Gemeinde Hörgertshausen, der ehemaligen Gemeinde Margarethenried und den Orten der beiden Pfarreien, Mainburg 1982.

Dehio 1990, S. 440 f.

A.B./C.B

HOHENKAMMER