Günzenhausen, Filialkirche St. Laurentius


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 6: Stadt und Landkreis Freising. Hirmer, München 1998, ISBN 978-3-7774-7590-5, S. 229–230, geschrieben von Tezmen-Siegel, Jutta und Volk-Knüttel, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filialkirche, Pfarrei Fürholzen, Gemeinde Eching, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung lag die Pfarrkirche Fürholzen mit drei anderen Filialen in der hochfürstlich Freisingischen Hofmark Massenhausen. Günzenhausen gehörte zur an Massenhausen grenzenden, ebenfalls Freisingischen Hofmark Ottenburg, Gericht Kranzberg

Patrozinium: St. Laurentius

Zum Bauwerk: Erhöht im Dorf liegender, mittelalterlicher Bau. Schon 1717 wurde die Kirche als baufällig und zu klein bezeichnet. Sie konnte jedoch wegen Geldmangels in den folgenden Jahren nur notdürftig repariert werden. 1739 erfolgte eine neuerliche Baureparatur mit Abtragen der Schießmauern über dem Chorbogen, der zwei gefährliche Risse aufwies, sodaß man den Einsturz des steinernen Chorgewölbes befürchtete. Baureparaturen 1754 an LHs und Friedhofsmauer (AFM)

Saalbau zu ursprünglich drei Fensterachsen, 1835 nach W verlängert (Gedenkstein an der S-Wand des Lhs). Eingezogener zweijochiger AR (4,70 × 4,30), der dreiseitig geschlossen ist. Im N Oratorium über zwei Türen, im S Sakristei; Belichtung durch zwei Fenster in den Schlußschrägen. Das Deckenbild befindet sich im AR.

Auftraggeber: Johann Jakob Pämer, Pfarrer in Fürholzen (1719–60). Bereits 1731 ließ Pämer das Hochaltarbild durch ein neues ersetzen: »1731 Item so habe auch das uhralt schon fast zermatterte St. Lorentij Choraltarblatt mit diesen gegenwartigen neuen abgeendert, und durch Herrn Johann Georg Sang Malern in München nunmehro auch schon sel. so meine hiesige Pfarrkirchen und die 2 bildnussen S. Sebastiani und S. Joannis Nepomuceni verferttigt, mahlen lassen (Salbuch, fol. 164 r). Pämer hatte dazu »Herrn von Bormestino Keysl. Hofliferant und Aufseher in Wien dermahlen in seinem negozio zu München sich aufhaltent« als Stifter ge

HAAG AN DER AMPER

wonnen (BHStA, HL 3, Fasz. 156/1, Prod.77: Undatierter Brief Pämers an Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck, Fürstbischof von Freising).

Autor und Entstehungszeit: Franz Schilling (Lebensdaten un bekannt). Bruder von Ignaz Joseph Schilling 1739

Pämer schreibt im Salbuch der Pfarrei Fürholzen: »Anno 1739 habe ich in diesem Gottshaus (fol. 13 r) S. Laurentij den Chor in Etwasen wenigs erweithert und das gewölb durch herabnemung der schuch dickhen Mosaischen Creuz durchzogen notabiliter erhöchet, den eussern ruinosen schwibbogen abweg, den neuen aufmauern und ein neues franzosischer bau kunst arth mit weißen glesern besetzten chorfenstern machen lassen, auch in mitte der heche des chors die bildnus des Heyl. Laurentius hinein malen lassen« (Salbuch, fol. 12 v). Im gleichen Jahr wurde für eine in der Kirche vorhandene hl. Blutpartikel nach Angaben und eigenem Modell von Pfarrer Pämer ein Ölberg und ein hl. Grab errichtet. Der Maler, der diese Arbeiten ausführte, ... » hat im Monath may zu endt dessen mit ausmahlung des chors den anfang gemacht ... Der Maler hiesse Franz Schilling, Hof= und Jesuitenmalers in München leiblicher Bruder« (Salbuch, fol.14 r). Maler und Zimmerleute erhielten im Pfarrhof Kost und Trunk und einen Wochenlohn, der bei Franz Schilling 2 fl 30 × betrug (ebd.). An anderer Stelle des Salbuchs heißt es: » So hat Herr Franzen Schilling Maller gsöll, so mir auch aus sonderen gefallen seines Herrn Bruders Ignati Schilling, Jesuiter und Hofmaler in München ist erlaubt worden, an diesem Werk (= Ölberg, hl. Grab) gearbeitet. NB. Under diesem Tag [Datum fehlt] aber hat er auch den Chor mit der St. Laurentij und armen Seelen Bildnussen neben Chorbogen ausgemahlen. Habe auch vorhinein das Chorfenster ganz neu mauern, glasen und mit neuen eisernen gattern versehen lassen« (ebd. fol. 165 v). Pfarrer Pämer hatte Beziehungen zu Joseph Ignaz Schilling (* 1702 Villingen † 1773 München). Dieser malte für ihn 1732 das Hochaltarbild für Großeisenbach (s. S. 225) mit den hll. Leonhard und Quirin (nicht erhalten). 1736 bezahlte Pämer für den jungen Joseph Mayr, Hausmeisterssohn von Schönbrunn, 100 fl. Lehrgeld für dessen Ausbildung bei Schilling (Volker Liedke, Lehrjungen der Münchner Maler und Bildhauer im 17. und 1. H. 18. Jh., in: Ars Bavarica 19/20, 1980, S. 137).

Befund

Träger der Deckenmalerei: Spitztonne mit verschliffenen Gurten

Rahmen: goldgefaßter Stuckrahmen

Maße: Höhe 5,30 m; 2,30 x 2,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Renovierungen der Kirche sind für 1857, 1927, 1956 und 1960 bezeugt (s. Kranz, S. 18). 1991/92 wurden Raumschale und Innenausstattung umfassend restauriert, auch das Fundament mußte saniert werden. Das Deckenbild, das in sehr schlechtem Zustand war und Risse, Putzerneuerungen und Übermalungen aufwies, wurde durch Bernd Holderried, Pfaffenhofen, gesichert und konserviert.

Beschreibung und Ikonographie

DER HL. LAURENTIUS ALS PATRON DER ARMEN SEELEN Das vierpaßförmige Fresko hat seine Basis im O, es ist tafelbildmäßig angelegt. – Der Kirchenpatron und Erzmartyrer, der Diakon Laurentius, schwebt auf einer Wolkenbank, neben sich den Rost, auf dem er auf Befehl Kaiser Valerian zu Tode gemartert wurde. Der Heilige trägt die Dalmatik, da Gewand der Diakone, seine Linke ist in einer Geste der Fürbitte zum Himmel erhoben. Unterhalb der Wolkenbank vier Arme Seelen im Fegfeuer, die ihre Blicke und Arme flehend emporheben. An der linken Seite ist eine Landschaft als Hintergrund angedeutet (kaum noch erkennbar).

Die Farbigkeit des Freskos ist auf Karmin (Tunika, Flammen, Wolken) und Grauwerte (Himmel) begrenzt.

Die Verbindung des hl. Laurentius zu den Armen Seelen erklärt sich über sein Martyrium durch das Feuer. Auf dem Volksglauben beruht die Vorstellung, Laurentius steige jeder Freitag ins Fegfeuer, um eine Seele zu befreien (LCI, Bd 7, Sp 379, s. v. Laurentius).

Quellen und Literatur

AEM, PfAkten Fürholzen, Salbuch der Pfarrei Fürholzen von Pfarrer Johann Jakob Pämer, zusammengestell 1745-1749.

AEM, PfAkten Fürholzen 196 8232 05

AEM, Kunsttopographie, Dekanat Weihenstephan, Pfarrei Fürholzen, Filialkirche Günzenhausen (Sylvia Hahn).

BHStA, HL 3, 156/1 bzw. 368/34 (zur Bautätigkeit Pämers in Günzenhausen, vgl. Hubensteiner, S. 249, Anm. 81.).

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 310 f

Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 446.

Prechtl, Johann Baptist, Beiträge zur Chronik der Pfarrei Fürholzen bei Freising, in: OAVG 44, 1887, S. 231-37.

KDB I OB (1), S. 402.

Seitz, Konrad und Georg, Land und Leute im Hausenbauerngebiet der Pfarreien Fürholzen und Massenhausen, in: Volk und Heimat, Beilage zum Freisinger Tagblatt 1936, Nr. 5, S. 2.

Dehio-Gall OB, S. 93

Kranz, Josef, Zwölfhundert-Jahr-Feier der Pfarrei Fürholzen, o.O., 1973, S.18.

Kollmannsberger, Georg, Heimat auf den Hügeln. Geschichte der Orte Ottenburg, Günzenhausen und Deutenhausen, Eching 1983, S.85.

Dehio 1990, S.386. J.T./J