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Altenhohenau, Dominikanerinnenkloster, Nonnenchor

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 1: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 39–50, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Nonnenchor in der Klosterkirche

Zum Bauwerk: Gleichzeitig mit der Erneuerung der Altäre in der Klosterkirche wurden zwischen 1660 und 1670 die Fenster im Nonnenchor vergrößert (Berichte der Beichtväter, Mitterwieser 1926, S. 37f.). An weiteren festen Daten sind überliefert: Das Bild des hl. Thomas von Aquin an der N-Wand des Chors trägt die Jahreszahl 1672; 1674 wurden die beiden Chorgitter geliefert; die Tür unter dem Chor ist 1676 datiert. Daraus ist zu schließen, daß die Erneuerung des Nonnenchors schon vor 1670 (noch vor der Kirchenwölbung 1670/83) begann, dessen Ausstattung sich aber über Jahre hinzog. Tiefe Empore, im O an das LHs der Klosterkirche anschließend, durch einen eingezogenen Boden und ein Gitter von diesem getrennt; Zugang von W, von der Klausur her. Einfacher Saalraum, drei Fenster nach N, vier nach S.

Auftraggeber: Beginn der Bildausstattung noch unter der Priorin Cäcilia Haimbl (1654–82); Deckenbildausstattung unter Priorin Maria Theresia Sasser (1683–97), die schon seit 1677 Subpriorin war.

Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Joseph Eder (* um 1650 Innsbruck † 1712 Neubeuern) und Jacob Carnutsch (* um 1650 † 1716 Prien) 1684/85

Mitterwieser 1926 zitiert eine Quelle, nach der unter der Priorin Maria Theresia Sasser »das Gemäll im Cor, wie auch die Orgl« beigeschafft worden seien. Danach wäre die Ausmalung nach 1683 entstanden. In der Kirchenrechnung von St. Emmeram in Vogtareuth heißt es bei der Abrechnung der Bemalung und Fassung einer neuen Orgelempore 1686: »Denen Prienerischen zwayen Mallern, welche sonders in denen Clösstern Rott, Ädl (Attel) und Altenhochenau in der Mallerkhunst sehr beriembt, und an verstandtne Ohrt vill schöne Mallerey verförttigt ...«. Bomhard 1954 (Bd II/1, S. 440, Anm. 623) sieht in den »Prienerischen zwayen Mallern« Jacob Carnutsch und den Faßmaler Hanns Schmidt von Trautersdorf und schreibt die Deckenbilder im Chor von Altenhohenau Jacob Carnutsch zu, während er im Kirchenführer Altenhohenau – überzeugender – Carnutsch zusammen mit Joseph Eder als Maler nennt, denn wahrscheinlich war mit dem zweiten der »Prienerischen Maller« nicht Hanns Schmidt, sondern der in Frauenchiemsee ansässige Joseph Eder gemeint (Hanns Schmidt ist mit seiner Faßmalerei über die Gerichte Hohenaschau und Wildenwart nicht hinausgekommen)

In den Deckenbildern ist die Hand Eders neben der von Carnutsch deutlich zu erkennen. Schricker (S. 57) weist die

ALTENHOHENAU

Hauptbilder A und B Jacob Carnutsch, die Engelsbilder (I – V, a-d und 1-4) Joseph Eder zu. Diese Zuweisung ist überzeugend: die Engelsbilder zeigen Eders im Vergleich zu Carnutsch großzügigere, großflächigere Malweise mit jähen Schlagschatten und breiten Auflichtungen, mit dramatischen Wolkenformationen und dem bewußten Einsatz einzelner kräftiger Farben. Eder ist in der Darstellung einzelner großer Figuren in Bewegung, Licht und Schatten weitaus geübter als Carnutsch. Die kleinteiligen Hauptbilder dagegen dürften wohl von Carnutsch stammen. Für ihn ist die Bildung kleiner, in Gewändern und Attributen detailliert gestalteter Figürchen typisch, wobei er sich auch bemüht, in den Physiognomien zu differenzieren. Bei Carnutsch ist »die Gestaltungsweise narrativ und die Malweise feiner und konturenbezogener ... Eder dagegen legt Wert vor allem auf die Bildstimmung, die er mit Hilfe der Farbe und eines im allgemeinen großflächigeren Duktus erreicht. Im Kolorit lassen sich bei Carnutsch Prioritäten für Ockertöne in Verbindung mit Rot und Blau erkennen, während Eder zu Grün hin tendierende Blautöne in Kombination mit Rot und Rosa sowie hellem Ocker verwendet« (Schricker S. 130).

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flache Holzdecke Rahmen: Holzprofilrahmen und Stege; die Deckenflächen wurden im 18. Jh. mit einfachen Rocailleornamenten bemalt Technik: Öl auf Holz; polychrom

Maße: Raumhöhe 5,10m A und B 3,25 × 2,65 I-V 2,15 × 2,15 I-4 1,40 × 2,20 2-15 × 2-15

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Beim Kauf des Klosters durch die Dominikanerinnen 1922 war der Nonnenchor einsturzgefährdet, weil die Mauern durch den Eis- und Bierkeller, der sich jahrzehntelang darunter befunden hatte, völlig durchnäßt waren. Nachdem das Mauerwerk getrocknet und saniert war, wurde der Raum unter dem Nonnenchor wieder in die Kirche miteinbezogen. »Die so schön bemalte Holzdecke hat infolge der langen Schadhaftigkeit des Kirchendaches durch Fäulnis und Wurmfraß so sehr gelitten, daß sie teilweise heruntergehangen ist, es war eine dringende Notwendigkeit, daß diese Decke mit großer Vorsicht wieder aufgeschraubt und befestigt wurde«. Bei der Kirchenrestaurierung 1923 wurden auch die Bildtafeln des Nonnenchors repariert und vorsichtig restauriert. Das Gutachten des Landesamts vor der Restaurierung 1946 lautete: »Im Nonnenchor wären die Wände unter Belassung der freigelegten Malereien in Kalkweiß zu tünchen. An der Rückwand zeigen sich Spuren von weiteren Malereien, sodaß vor der Neutünchung zuerst Schürfproben vorzunehmen sind. Die an dieser Wand angebrachten Figurenbilder wird man reinigen und auffrischen und das Holzwerk in der Farbgebung der Decke anpassen. Die farbig gestaltete Kassettendecke wird man in ihrer Farbgebung und ornamentalen Dekorierung des 18. Jhs. belassen und nur einer Reinigung und Ausbesserung unterziehen.« Nach den nötigen Schreinerarbeiten an der Decke reinigte Hans Kohle, München, die Bildtafeln und besserte sie aus, ebenso die Bilder seitlich vom Gitter. Den Wandfries legte er frei, reparierte und ergänzte ihn. »Unter der Rokoko Übermalung sind an den vergitterten Emporen der Turmseite hübsche grün getönte gelb abgerahmte Felder und Kartuschenschilden mit Namen der Heiligen. Unter der Übermalung an der Decke einfache Felder gelb gerahmt in grau. Die profilierten Rahmen um die Gemälde und dergl. sind grau marmoriert. An der eigentlichen Turmwand unter dem großen Bild von Ordensheiligen haben zum Teil die Schwestern und ich rechts und links neben jetzigem Eingang, Petrus und Paulus, und über denselben schwere Früchteguirlanden aufgedeckt, alles Renaissance« (Bericht Kohles vom 12.6.1946 an das Landesamt). Bei der letzten Restaurierung des Chors 1984/85 wurde die Decke, die sich gesenkt hatte, neu abgehängt. Die Deckenbilder wurden nicht restauriert. Sie zeigen von Rissen, mechanischen Beschädigungen und dem Alterungsprozeß der Farben abgesehen noch weitgehend den Originalzustand.

Der Nonnenchor nach Osten mit Empore, auf dem Mauervorsprung die hl. Petrus und Paulus, auf der Tür die hl. Florian
a–d, 1–4 Engel und Putten mit Kränzen aus Rosen II-V Putten mit Rosen und den Symbolen des Posenkranzes

Beschreibung und Ikonographie

A DOMINIKANERHIMMEL Ansicht nach O. Im oberen Drittel des hochformatigen Bildfeldes thront Maria mit dem Kind auf dem Arm. Um sie ist der Himmel aufgelichtet, Wolken fügen sich im Rund zu einer Glorie. Zwei Putten schweben über Maria und halten eine Krone über ihr Haupt, andere streuen Blumen. In den unteren Bilddritteln sind auf Wolkenbänken – wie in einzelnen Chören – Heilige des Dominikanerordens versammelt.

Hier in Altenhohenau handelt es sich um einen besonders ausführlichen Dominikanerhimmel, bei dem die Identifizierung der Heiligen nicht ganz einfach ist. Die Ikonographie der Dominikanerheiligen ist vor allem bei den entlegeneren Ordensangehörigen nicht festgelegt. Gerade bei diesen wird durch die Jahrhunderte viel mit Inschriften oder nur mit generellen Attributen gearbeitet, weil sich feste, allgemein geläufige individuelle Attribute nicht herausgebildet haben (s. Angelus Walz O. P.). Die Deutung der einzelnen Heiligen – soweit sie überhaupt durch Attribute bezeichnet sind – ist hier deshalb in einigen Fällen nicht ganz sicher.

Maria reicht dem links unter ihr knienden Dominikus eine Lilie. Dominikus, der Gründer des Dominikanerordens (* um 1172 zu Calaruega in Kastilien, Prediger gegen die Albigenser, 1216 Bestätigung des Ordens, †1221, Kanonisation 1234) führt hier die Reihen der Dominikanerheiligen an.

Hinter Dominikus kniet sein Schüler Petrus Martyr (* um 1205 in Verona, seit 1251 päpstlicher Inquisitor, † 1252 durch Mord wegen seines Einschreitens gegen die Katharer, Kanonisation 1253), gekennzeichnet durch das Hackmesser in der Kopfwunde. Er hält drei Kronen in der Hand, Hinweise auf sein Martyrium, seine Jungfräulichkeit und seine Tätigkeit als Lehrer (drei Kronen erstmals im sog. Guzman-Stammbaum, s. Walz) und richtet mit der linken Hand ein Messer auf seine Brust.

Über einem Dominikaner im Hintergrund schwebt eine Taube. Sie ist das Zeichen göttlicher Inspiration und persönliches Attribut des sel. Ambrosius Sansedoni von Siena (* 1220 in Siena, 1237 Eintritt in den Orden, † 1286 in Siena, Kultbestätigung 1443), eines berühmten Predigers. Doch könnte die Taube der Inspiration auch auf Albertus Magnus deuten (* 1207, Eintritt in den Orden 1223, † 1280 Köln, Seligsprechung 1622, Kanonisation erst 1933), den bedeutenden Gelehrten aus dem Dominikanerorden, in dessen Ikonographie sie allerdings selten vorkommt, der andererseits aber in einem Dominikanerhimmel notwendig auftreten muß.

Zwischen dieser Figur und Petrus Martyr ist ein Dominikaner mit einem zepterähnlichen Stab – einem Magisterstab – dargestellt; hier muß es sich um den sel. Jordanus von Sachsen handeln (* im 12. Jh. in Borgberge bei Paderborn, Student in Paris, Eintritt in den Orden 1220, † 1237 vor Akkon, innerhalb des OP verehrt, Kultbestätigung erst 1827), der als Ordensmeister 1222-37 Nachfolger von Dominikus war und der Albertus Magnus selbst eingekleidet hat.

Es folgt am linken Bildrand ein Dominikaner mit einem goldenen Kelch, über dem sich eine Schlange ringelt: es ist Ludwig Bertrán (bzw. Bertrand; * in Valencia 1526, Eintritt in den Orden 1544, sieben Jahre Missionar in der Karibik, bis zu seinem Tod 1581 Prior in Valencia, Kanonisation 1671). Das Attribut weist auf einen Mordanschlag von Eingeborenen hin, dem er auf wunderbare Weise entkam.

Aus der Gruppe in der Bildmitte unter Maria sind drei Heilige gekennzeichnet: links sieht man den sel. Antonius von Rivoli (Antonius Neyrot; Eintritt in den Orden 1436, † 1460 in Tunis, Reliquien seit 1469 in Rivoli, Kultbestätigung 1767). Er hält Steine in der Rechten, die daran erinnern, daß er, gefangen durch Seeräuber, in der Gefangenschaft in Tunis zunächst von seinem Glauben abfiel, sich aber wieder zu ihm bekannte und das Martyrium durch Steinigung erlitt. Ihm gegenüber, am rechten Rand der Gruppe, kniet der sel. Heinrich Seuse (* um 1295 in Konstanz, Mönch im Dominikanerkloster St. Nikolaus in Konstanz, bedeutender Mystiker, † 1366 in Ulm, 1831 Kultbestätigung). Er weist mit beiden Händen auf eine blutende Wunde auf seiner Brust: er stach sich nach seiner Autobiographie selbst mit einem Griffel das Monogramm des Namens Jesu auf die Brust. Außer diesem Attribut trägt Seuse oft einen Kranz von Rosen auf dem Haupt, hier hält ihn ein Putto über ihn.

Ein dritter Mönch, der ein sehr schwer zu identifizierendes Attribut hält – es kann am ehesten als Bußgürtel angesprochen werden – ist durch das schwarze Skapulier als einziger auf dem Bild als Dominikaner-Laienbruder gekennzeichnet. Das weist auf Martin von Porres hin (* 1569 in Lima, Mulatte, Bastard des Ritters Juan de Porres, Eintritt in den Orden 1603 als Krankenpfleger, † 1639 in Lima, Verehrung innerhalb des OP, Kanonisation erst 1962); sein Attribut ist ein Bußgürtel oder Bußketten als Zeichen seiner Selbstkasteiung, außerdem ein Brotkorb voller Mäuse.

Rechts gegenüber der von Dominikus angeführten Gruppe kniet eine Schar von Dominikanerinnen, an ihrer Spitze Katharina von Siena (* 1347 in Siena, 1362 Eintritt in den Orden, bedeutende Mystikerin, †1378 in Rom, Kanonisation 1461) mit dem brennenden Herzen in der Hand. Hinter ihr kniet Rosa von Lima (* 1586 in Lima, seit 1606 Dominikaner-Tertiarin, bedeutende Mystikerin, † 1617 in Lima, Kanonisation 1672) mit einem Rosenkranz auf dem Haupt und dem von Rosen umkränzten Bild des Jesuskindes in der Hand. Am rechten Bildrand sieht man Agnes von Montepulciano (* 1277 in Gracciano Vecchio, Stifterin des Klosters in Montepulciano, dort seit 1306 Priorin, † 1317 in Montepulciano, Kanonisation 1726), zu ihren Füßen ihr Attribut, das Lamm. Die übrigen

A Dominikanerhimmel (Jacob Carnutsch 1684/85)

Ordensfrauen aus dieser Gruppe sind nicht gekennzeichnet. Unter dieser Schar ist eine weitere Gruppe von Heiligen und Seligen des Ordens zu sehen, darunter zwei nicht näher bezeichnete Kardinäle. Zwei Heilige im Vordergrund sind bezeichnet: es sind Antoninus Pierozzi (* 1389 in Florenz, Eintritt in den Orden 1405 in Cortona, 1446 Erzbischof von Florenz, † 1459 bei Florenz, Kanonisation 1523) mit Mitra, erzbischöflichem Pallium um die Schultern, zu seinen Füßen sein Attribut, die Waage. Ein zweiter Heiliger in einfacher Mönchskleidung hält einen Kelch mit einer strahlenden goldenen Hostie darüber.

Dieser Gruppe gegenüber, unter der Gruppe mit Dominikus thronen auf Wolken sieben Dominikaner, darunter zwei Bischöfe und ein Kardinal. Ein Heiliger in Bischofskleidung hält eine weiße Marienfigur: es muß sich um Hyazinth Odrowaz handeln, der bei einem Tatarenüberfall auf Kiew ein Gnadenbild der Gottesmutter über den Dnjepr rettete und der hier irrtümlich als Bischof dargestellt ist. (Hyazinth von Krakau, * vor 1200 in Stein bei Oppeln, Eintritt in den Orden in Rom 1220, Gründer der Konvente in Prag, Olmütz und Krakau, großer Prediger, † 1257 in Krakau, Kanonisation 1594) Ein weiterer Dominikaner hält ein großes Schiff in der ausgestreckten Hand; es ist der sel. Petrus Gonzales, dessen Attribut ein Schiff ist (* vor 1190 zu Astorga in Kastilien, als Domher Eintritt in das Dominikanerkloster von Palencia, Beichtvater Ferdinands III. des Heiligen von Kastilien, Kreuzzugsprediger gegen die Mauren, bei der Eroberung Cordobas 1230 anwesend, † um 1246 zu Tuy in Galizien, Seligsprechung 1252 für Spanien, 1741 allgemein).

In der Bildmitte unten sieht man das Dominikanerwappen gekrönt von Kardinalshut, Mitra und Tiara als Hinweis auf die höchsten geistlichen Würden, zu denen Dominikaner emporgestiegen sind. Hinter dem Wappen stehen vier Ordensangehörige: links der hl. Thomas von Aquin mit der Sonnenscheibe an einer Kette um die Schultern, mit Sternen auf den Mantel, eine Monstranz in der Hand (* um 1225 zu Roccasecca bei Montecassino, Eintritt in den Orden als Student in Neapel, Studien in Paris und als Schüler von Albertus Magnus in Köln, bedeutendster Scholastiker, Lehrer der Theologie in Paris und Neapel, †1274 in Fossanova bei Terracina, Kanonisation 1323). Neben ihm steht Vinzenz Ferrer (* um 1350 in Valencia, Eintritt in den Orden als Siebzehnjähriger, bedeutender Bußprediger, Beichtvater der Päpste Benedikt XIII. und Martin V., † 1419 in Vannes, Kanonisation 1458). Er hält in einer Schüssel ein kleines nacktes Kind mit Löffel. Dieses sein persönliches Attribut weist auf die wunderbare Totenerweckung eines Kindes hin, das von seiner wahnsinnigen Mutter als Speise zubereitet worden war. Neben Vinzenz Ferrer steht ein Papst ohne Attribute. Aus dem Dominikanerorden gingen bis 1680 drei Päpste hervor: Innozenz V. (1276), Benedikt XI (1303-04) und Pius V. Bei dem dargestellten Papst handelt es sich wohl um Pius V. (* 1504 Bosco bei Alessandria, Eintritt in den Orden 1520 als Vierzehnjähriger, 1566 Papst, † 1572 in Rom, Seligsprechung 1672, Kanonisation 1712), den großen Reformator, in dessen Regierungszeit die Seeschlacht von Lepanto stattfand. Am rechten Rand steht Raymund von Peñafort (* 1176/80 in Villafranca bei Barcelona, 1222 Eintritt in den Orden, 1238-40 dritter Ordensgeneral, Beichtvater König Jakobs I. von Aragon und Gregors IX., Großpönitentiar in Rom, † 1275 Barcelona, Kanonisation 1601). Er hat als Attribut drei Schlüssel, von denen einer, den er hochhält, golden ist: Hinweis auf sein Amt als Großpönitentiar, der unter anderem oberste Instanz für alle Schuld- und Gewissensfragen war, und auf seine Eigenschaft als Verfasser eines Werks über die Beichte (»Summa de casibus« oder »Summa de paenitentia et de matrimonio«). Mit diesen vier Ordensheiligen sind die vier wichtigsten Gebiete vertreten, in denen der Dominikanerorden für die Kirche wirkte: Thomas steht für die Kirchenlehrer, Vinzenz für die Prediger, Pius V. für die obersten Würdenträger und Raymund für die Seelsorger.

B Heiligenhimmel

B HEILIGENHIMMEL Ansicht nach O. Zuoberst thronen auf Wolken Gottvater und Christus, von musizierenden Engeln umgeben. Über ihnen öffnet sich der Wolkenhimmel zu einer Glorie, in der von Strahlen umgeben die Taube des Heiligen Geistes erscheint. Unter den göttlichen Personen sind auf Wolken in Gruppen zahlreiche Heilige dargestellt. Links sieht man als oberste Heiligengruppe auf kleinen Wolken unter Christus Maria und Elisabeth, neben ihnen, am rechten Bildrand, Johannes den Evangelisten, den Sohn Elisabeths, mit dem Kelch. Gegenüber kniet Joseph, die Lilie zu seinen Füßen und neben Joseph Zacharias mit dem Engel. Hinter ihm ist Johannes der Täufer mit dem Kreuzstab zu sehen. Damit ist die Familie Christi ihm am nächsten im Himmel gezeigt.

Im Hintergrund sind zwischen diesen beiden Gruppen die Apostel dargestellt; Gnadenstrahlen fallen auf sie. Links beginnt die Reihe mit Petrus, es folgt Bartholomäus mit dem Messer, Matthäus mit der Hellebarde, Philippus mit dem Kreuzstab, Jakobus Minor mit der Walkerstange, in der Mitte

Thomas, dann Simon mit der Säge, Judas Thaddäus mit der Keule, Andreas mit dem Schrägkreuz, Matthias mit der Lanze, Jakobus Maior mit dem Pilgerstab und Paulus mit dem Schwert (Johannes Evangelist tritt in der Familie Christi auf). Unter den Aposteln, mehr nach vorne in den Mittelgrund des Bildes gerückt, sieht man die Gruppe der Vier Kirchenväter. Sie beginnt links mit Augustinus, bezeichnet durch das brennende Herz, der in ein Buch schreibt; es folgt Gregor der Große in päpstlichem Gewand, die Tiara auf dem Haupt, dann Ambrosius, wie Augustinus in Bischofstracht, und zuletzt die nur mit einem roten Tuch bekleidete Gestalt des Hieronymus.

Eine große Schar von Heiligen ist unten im Bild dargestellt. Es erscheinen zunächst am linken Bildrand heilige Jungfrauen. Unter ihnen sind zu erkennen: Ursula mit Krone und Pfeil, Apollonia mit Zange und Zahn, Agnes mit dem Lamm, Cäcilia an der Orgel und Margareta mit dem Kreuz. Aufrecht stehend ist Theresia von Avila dargestellt, der ein Engel mit einem Pfeil auf die Brust zielt.

Ganz am linken Bildrand sieht man darunter einen Kopf mit Mitra, dem eine Kerze zugeordnet ist: es ist der hl. Blasius von Sebaste. Neben ihm ist Vitus durch den Fürstenhut und Olkessel kenntlich gemacht. Direkt unter Theresia von Avila sieht man einen Franziskaner ohne Atrribut, der nicht zu identifizieren ist. Als dominierende große Gestalt folgt nun, sein Haupt im Arm tragend, in Bischofskleidung, Dionysius von Paris und hinter ihm ein nur teilweise sichtbarer, nicht näher gekennzeichneter Kopf. Rechts davon ist Barbara am Kelch und Katharina von Alexandrien am Rad zu erkennen. Schräg vor diesen ist Christophorus dargestellt, das Jesuskind mit der Weltkugel auf seinem Rücken. Es folgt Georg in römischer Soldatentracht mit der Lanze, zu seinen Füßen der Drache. Dahinter erscheint Erasmus, eine Mitra auf dem Haupt, seine Gedärme um einen Stock gewickelt. Hinter Georg sieht man Pantaleon mit den auf das Haupt genagelten Händen. Rechts am Bildrand ist an dem Hirsch mit dem Kreuz im Geweih Ägidius zu erkennen. Darüber sitzt der Diakon Laurentius mit dem Rost neben dem Bischof Wolfgang von Regensburg mit dem Beil. Dahinter ist der Diakon Stephanus mit dem Stein zu sehen, über diesem, in Soldatentracht, eine Fahne in Händen, wohl Florian.

Unter den Heiligen dieser Gruppe sind zwölf der Vierzehn Nothelfer zu identifizieren: Barbara, Katharina, Margareta, Blasius, Vitus, Dionysius, Christophorus, Georg, Erasmus, Pantaleon, Wolfgang und Ägidius.

Auf der rechten Bildseite sieht man noch Antonius von Padua mit dem Jesuskind auf dem Arm und Ignatius von Loyola mit dem strahlenumgebenen goldenen IHS-Schild.

I – V – In der Mitte (I) und in den Ecken der Decke (II – V) sind vierpaßförmige Bildfelder angebracht, sämtlich in Ansicht nach O, die in Wolken schwebende kleinere Engel zeigen, die Rosenkränze und lange Rosengirlanden halten. Es sind Symbole des Rosenkranzes, einer Gebetsform, deren Verbreitung auf die Dominikaner zurückgeht und die in Dominikanerklöstern besonders geübt und gefördert wurde. Die Farben der Rosen – weiß, rosarot und gold – weisen auf den Freudenreichen, Schmerzhaften und Glorreichen Rosenkranz hin. Der Himmel auf den Bildern ist teils gelblich, teils fahl graublau, mit gewittrigen, grell beleuchteten oder tief abgeschatteten Wolken. Außer den blumentragenden Putten sind überall Puttenköpfchen zu sehen.

I Mittelbild Ein großer Engel in grünem und rotem Gewand und dunklen Flügeln hält zusammen mit einem kleineren eine üppige Girlande aus rosaroten Rosen. Ein Putto am oberen Bildrand bringt zwei Palmzweige herbei.

II NO-Ecke Zwei schwebende Putten halten eine Girlande aus weißen Rosen und einen Strauß aus Tulpen, ein Putto rechts oben bringt einen Kranz herbei, in dem ebenfalls Tulpen zu sehen sind.

III SO-Ecke Zwei fliegende Putten halten eine Girlande aus goldgelben Rosen, die mit roten Schleifen geschmückt ist. Von oben bringen Putten Lorbeerkränze.

IV SW-Ecke Vor düsteren Wolken tragen zwei Putten eine Girlande aus goldenen Rosen, außerdem zwei Blumensträuße, in denen Tulpen zu sehen sind. Weitere Putten am oberen

a-d Putten mit Kränzen aus Rosen
1,2,4 Engel mit Kränzen aus Rosen

Bildrand halten einen Kranz aus verschiedenen Blumen

V NW-Ecke Drei Putten tragen eine Girlande aus weißen Rosen; einer von ihnen hält eine Tulpe. Ein Putto am oberen Bildrand bringt einen Kranz aus weißen Rosen und einen zweiten aus verschiedenen Blumen.

Außer auf den Freudenreichen, den Schmerzhaften und den Glorreichen Rosenkranz im engeren Sinn weisen die Rosen auch auf die Jungfräulichkeit (weiß), die Gottesliebe (rot) und auf die himmlische Herrlichkeit (gold) als Lohn der Tugend hin. So erscheinen auch Kranz und Palmzweig als himmlische Auszeichnung (Bild I, III, a, c, d).

Neben den Rosen kommen auch andere Blumen vor, auffallend häufig die Tulpe (einzelne Blüten weit geöffnet), die als besonders lichtbedürftige Blume in der Emblematik als Symbol für die Gottesliebe steht, für die Seele, die ohne die Gegenwart Gottes nicht existieren kann (Camerarius, Nr. 88; sein Kommentar vergleicht die Tulpe mit dem Menschen, dessen ganze Weisheit dahin ist ohne Gott, das wahre Licht).

Außerdem ist möglicherweise der Jasmin zu erkennen (IV), der erst abends duftet (Picinelli, Lib. XI, Nr. 107f., s.v. jasminus) und der deshalb die Klugheit bedeuten kann, die auch im Dunkel das Richtige erkennt; er weist auch auf nächtliche Studien hin. Ist er tatsächlich dargestellt, so darf man ihn wohl an dieser Stelle auf das nächtliche Chorgebet beziehen. – Die anderen Blumen sind nicht mit Sicherheit zu identifizieren.

Die W-Wand des Chors zeigt einen Vorsprung in der Mitte, der bemalt ist. Unter Fruchtgehängen sind auf Sockeln stehend südlich Petrus (Inschrift S. PETRVS) und nördlich Paulus (Inschrift S. PAVLVS) dargestellt, die Patrone des Klosters Altenhohenau. Diese Bilder stammen aus einer früheren Ausstattungsperiode als die Deckenbilder. Außerdem ist unten in der Mitte dieser Wand der hl. Florian als Schutzpatron gegen Feuer auf eine schmale Tür gemalt.

Zwischen diesem Vorsprung und der S- bzw. N-Wand sind oben kleine Emporen eingespannt, deren Brüstungen je vier Heiligenbilder zeigen. Die Bilder stammen aus dem 17. Jh., die dekorative Bemalung der Brüstungen mit Rocaillen dürfte gleichzeitig wie die der Decke entstanden sein. Auf Rocaille kartuschen über den Bildern sind die Heiligen (nur an der N-Seite) bezeichnet.

S-Seite, von links nach rechts:

EB1 LEONHARD VON NOBLAC Er trägt Benedikti¬nertracht und hält Buch und Kette.

N-Seite, von links nach rechts:

Im N und im S laufen unter der Decke gemalte Friese mit je sechs Medaillons, in denen Propheten dargestellt sind, die jeweils ein Schriftband mit ihrem Namen vorweisen. Abfolge im S von O nach W: JEREMIAS - OSEE - DAVID - ZACHARIAS – die letzten beiden zerstört. Im N von O nach W: BARUCH – zerstört – (NA)HUM – die übrigen drei zerstört. Diese Friese stammen aus früherer Zeit als die Deckenbilder. Vielleicht gehören sie zeitlich zu zwei gemalten Wappen zwischen den Fenstern an der S-Wand, das linke gespalten, rechts einen Mann mit Hacke, links einen Stern über Stäben zeigend, mit den Buchstaben F.I.F.C; das zweite ebenfalls gespalten, rechts das Klosterwappen von Altenhohenau, links zwei Stäbe auf gelbem Grund zeigend, dazu das Datum 164.

W1-2 VISION Die Empore öffnet sich in einem größeren Bogen nach O zum Kirchenschiff; in dieser Öffnung ist ein großes Gitter angebracht. An den Wandflächen zu Seiten der Bogenöffnung ist die Vision einer Dominikanerin dargestellt: Links sieht man sie in einem Garten vor weiter Landschaft stehen. Ein großer Engel ist bei ihr und weist zum Himmel, wo in hellem Strahlenlicht Putten erscheinen. Die eigentliche Vision aber ist an der rechten, südlichen Bogenseite zu sehen: Hier thront die Dreifaltigkeit im Himmel, rechts und links davon knien Maria und Dominikus. Darunter stürzt der Erzengel Michael die Verdammten, hält aber mit seiner Rechten eine kleine Dominikanerinnengestalt zur Dreifaltigkeit hoch. Diese Wandbilder sind aus stilistischen Gründen wohl Jacob Carnutsch zuzuweisen.

An der N-Wand des Nonnenchors befindet sich ein Holzeinbau in Schrankform und darüber ein großes Bild, das Thomas von Aquin vor dem Gekreuzigten darstellt. Von Christus fällt ein Schriftstrahl auf den Heiligen: Bene scripsisti de me. Vor Thomas liegt ein Buch mit der nur noch halb zu lesenden Inschrift Sacramen... (»De articulis fidei et ecclesiae sacra mentis«?), im Hintergrund sind Bücher in einem Regal zu sehen: opera / Angelici Doct. Ecclesiae. Ein Wappen, das einen Blumenkübel auf rotem Grund zeigt, hat Bezeichnung und Datum V. W. 1672. Die beiden Füllungen des Schranks zeigen links Maria mit dem Kind und den Drei Königen über einer Darstellung der Stadt Wasserburg und rechts die Heiligen Nikolaus und Florian – Patrone gegen Wasser und Feuergefahr – über der Darstellung des Klosters Altenhohenau.

Literatur zur Dominikaner-Ikonographie

Walz, Angelus O. P., Von Dominikanerstammbäumen, in Archivum Fratrum Praedicatorum 34, Rom 1964, S. 231–275. Walz, Angelus O. P., Zur Dominikanischen Ikonographie, in Archivum Fratrum Praedicatorum 35, Rom 1965, S. 255–63.

Quellen und Literatur

Schricker, Elisabeth, Joseph Eder und Jacob Carnutsch. Ein Beitrag zur Barockmalerei im Chiemgau, ungedr. Mag. München 1988, S. 51–59, 163 f.

Westöffnung des Nonnenchors, seitlich W, Vision einer Dominikanerin
Ausschnitt aus dem gemalten Fries an der Südwand mit Jeremias, einem von sechs Propheten