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Altenhohenau, Dominikanerinnenkloster, Anna- oder Kolumbakapelle

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 1: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 51–55, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach
Annakapelle auch Kolumba- oder Kreuzgangkapelle

Patrozinium: Ehem. Felix und Adauctus, seit dem 18. Jh. Anna

Zum Bauwerk: Bau vom Beginn des 14. Jh. (die Südwand des romanischen AR der Kirche bildet die N-Wand der Kapelle), vielleicht noch vor der Kirchweihe 1308. Barockisierung 1769. Einfacher einjochiger Raum mit nicht eingezogenem AR in 5/8 Form, im S an den AR der Klosterkirche anschließend; direkter Zugang vom AR der Kirche von N; ein Fenster im S. In dieser Kapelle ruhen die beiden großen Mystikerinnen Kolumba Weigl (1713–83) und Paula Grasl (1718–93).

Uber diesem Kapellenraum liegt ein niedriger Oratorienraum, der eine holzgetäfelte Decke mit Rokoko-Dekorationsmalerei und Wandbilder hat (s. auch KKF, S. 15).

Auftraggeber: Priorin z. Z. der Ausmalung war Maria Josepha Gerl (1756–60; 1768–70). Mitterwieser (1926, S. 45) hält es für möglich, daß Anna Maria Hepp, Ehefrau des Johann Caspar Hepp, die auch sonst eine Wohltäterin des Klosters war, die Ausmalung veranlaßt hat und daß der Patroziniumswechsel mit ihr zu tun hat.

Autor und Entstehungszeit: Joseph Anton Schütz (* 1746 Neresheim † 1790 München;) 1769. Signatur in Bild 3 rechts an der kleinen oberen Abschlußmauer (durch Feuchtigkeit weitgehend zerstört) Joseph Antoni Schüz / 1769. In den KDI (S. 1912) steht die damals noch erhaltene Signatur Joseph Antoni Schüz / München pinxit / 1769 alt 23 Jahre.

Joseph Anton Schütz war Sohn des Johann Michael Schütz, Stuckators in Neresheim und seiner Frau Benedicta. Er heiratete am 24. 11. 1767 in München St. Peter Maria Anna, Tochter des Malers Johann Michael Weber. 1768 erwarb er die Malergerechtigkeit in München. Im Zunftbuch steht der Vermerk: »Anno 1768 ist Joseph Schütz, Maler von Neresheimb auß Schwaben gebürtig und zu Wienn gelehrnt, hat die Wündtüngerische Gerechtigkeit übernommen und bey unß das halbe Zunftgeld erleget« (Liedtke, S. 48). Er starb am 12. 7. 1770 in München. Seine Witwe heiratete am 8. 5. 1774 den Maler Matthias Ott. Nach dessen Tod am 20. 3. 1791 brachte die Tochter Maria Anna Schütz (* 25. 7. 1769) durch Heirat die Malergerechtigkeit dem Maler Carl Felix Häuserer zu.

Joseph Anton Schütz zeigt sich in Altenhohenau am Ende des Rokoko als ein begabter Rokokomaler voll Anmut und Sinn für zarte Farbigkeit; man sollte aber nicht übersehen, daß der Malstil dieses sehr jungen Mannes 1769 eigentlich schon überholt war

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs und AR Kreuzrippengewölbe; die Deckenbilder 1–3 im LHs und 5–6 im AR erstrecken sich bis über die nach unten anschließende Schildwand

Rahmen: Die Bildfelder nehmen jeweils den ganzen Gewölbezwickel ein. Die Rippen sind ornamental bemalt.

Technik: Fresko; polychrom

Maße: Höhe der Kapelle 4,15 m; Die Bildfelder 1–3, 5 und 9 setzen an der Wand in einer Höhe von 1,85 m an und gehen bis zur Scheitelhöhe der Kapelle.

Breite der einzelnen Felder: 1 und 3: 3,55 m 2 und 4: 3,05 m 5 und 9: 1,65 m 6, 7, 8: 1,20 m

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei der Kirchenrestaurierung 1923 war auch eine Restaurierung der Kolumbakapelle im Gespräch, ebenso wie 1944/46, doch ist nicht bekannt, ob sie durchgeführt wurden. Die Malerei im Gewölbebereich ist am besten erhalten; an den Wänden sind die Farben durch Wasserschäden und Abwetzen verblaßt.

Beschreibung und Ikonographie

Hauptraum: Von den vier Gewölbefeldern des Kreuzgewölbes erstrecken sich drei (1, 2, 3) auch über die darunterliegende Schildwand. Das östliche Bildfeld vor dem Chorbogen (4) beschränkt sich auf das Gewölbe. Unter den Feldern 2, 3 und 5 befindet sich jeweils ein Inschriftfeld. Das Bildprogramm der Kapelle hat kein übergreifendes Thema; die einzelnen Darstellungen wenden sich jeweils für sich genommen an die private Andacht der Nonnen bzw. der Klostergemeinschaft.

Die frische und zarte Farbigkeit zeigt sich im Gewölbebereich am besten: Vor durchscheinend hellem, graublauen Himmelsgrund liegen lichte, gelblich-rosige Wolken; davor sind die Putten in kräftigem Inkarnat dargestellt, mit kleinen Drape rien in Blau, Gelb, kühlem, sehr hellen Grün und Karminrosa. Bei den doch sehr beeinträchtigten Hauptdarstellungen zeigt Bild 3 mit den Patronen von Altenhohenau noch am ehesten die frische Farbigkeit von Joseph Anton Schütz.

I HEIMSUCHUNG Ansicht nach S. Die untere Hälfte des Bildfeldes an der Schildwand ist durch die Stichkappe der Fensterleibung unten segmentförmig angeschnitten. Im Gewölbebereich des Bildfeldes sind Putten mit Arma Christi dargestellt, im Schildwandbereich die Heimsuchung. Die Form des Bildfeldes ist für die Komposition genutzt: Der Bildschauplatz steigt von links nach rechts über den Fensterbogen an bis zum Vorplatz vor dem Haus der Elisabeth. Den rechten unteren Bildteil nimmt die Substruktion des Hauses ein, eine Quadermauer mit halbrunder dunkler Toröffnung. Maria steigt links eben die letzten Stufen zum Vorplatz hinauf, umarmt und begrüßt von Elisabeth, die ihr entgegengeeilt ist. Hinter der Gruppe steht Zacharias in Hohepriestertracht. Joseph, in Reisekleidung, ein Bündel an einem Stab über der Schulter, steigt den Weg zum Haus hinan, einen Esel hinter sich führend. Links und in der Bildmitte schließt im Hintergrund eine weitläufige städtische Architektur den Schauplatz ab. Gebäude und Mauern mit Zinnen, Tor und Turm.

1 Heimsuchung und Putten mit Arma Christi
West- und Nordwand der Annakapelle mit Tür zum Chor der Kirche
Die Annakapelle südlich des Chors

2 CHRISTUS VERSCHONT DIE WELT WEGEN DOMINIKUS UND FRANZISKUS Ansicht nach W. Das Bildfeld erstreckt sich über das Gewölbefeld und die anschließende Schildwand. Im Gewölbebereich sind Putten mit Arma Christi dargestellt, am Schildwandbereich sieht man eine Interzessionsszene: Christus thront auf Wolken und blickt zur Erde. In der Linken hält er ein drohendes Flammenbündel, Symbol der Sündenstrafe. Vor ihm kniet Maria und hat die Rechte bittend erhoben, während sie mit der Linken zur Erde weist, wo die beiden Heiligen in weiter Landschaft knien. Dominikus rechts ist frontal dargestellt, mit gefalteten Händen; er trägt den Dominikanerhabit, hat einen Stern auf der Stirn und die Lilie zu seinen Füßen. Bei ihm ist der Hund mit der brennenden Fackel im Maul, mit der er die Weltkugel (zwischen den beiden Heiligen) entzündet, Hinweis auf den Traum der Mutter des hl. Dominikus. Franz von Assisi trägt die braune Kutte der Franziskaner; an seinen ausgebreiteten Händen sind die Stigmata zu sehen, sowie an der Kutte der Einstich der Herzwunde. Zu seinen Füßen liegt der Totenkopf. Des Richters Rachepfeill sind gespitzt / Die böse Weldt zu strafen / Die Mutterbitt sie bitt Erbitzt / Sie wuste Rath zu Schafen / Durch dise tzwey / so ihr gedrei.

Das Bildthema ist im Bereich des Dominikanerordens häufig: Christus, erzürnt gegen die Menschen, will drei Pfeile auf die Welt schleudern, um drei Laster zu strafen, den Hochmut, den Geiz und die Unzucht. Maria wirft sich ihrem Sohn zu Füßen und weist auf die beiden Heiligen Dominikus und Franz von Assisi, die die entgegengesetzten Tugenden so vollkommen übten, den Gehorsam, die Armut und die Keuschheit. Um dieser beiden Heiligen und ihrer Tugend willen verschont Christus die Welt.

3 SCHUTZHEILIGE VON ALTENHOHENAU Ansicht nach N. Das Fresko ist von der nach N in die Kirche führenden Türleibung geringfügig angeschnitten. Die dichte Wolkenszenerie öffnet sich am unteren Bildrand zu einem kleinen Ausblick in die Landschaftstiefe, wo in der Ferne das Kloster Altenhohenau dargestellt ist. Die Heiligen nehmen etwa die Fläche der Schildwand ein; im eigentlichen Gewölbebereich sind Putten mit den Leidenswerkzeugen Christi zu sehen. Die zartfarbigen Figuren mit ihren verschiedenen Attributen vor den hellen Wolken sind von großem Reiz.

3 Schutzheilige von Altenhohenau (Joseph Anton Schütz 1769)

4 PUTTEN MIT ARMA CHRISTI Ansicht nach O. Das Bildfeld nimmt nur die östliche Gewölbefläche ein. Hier erscheinen in Wolken Putten mit einer Zange und einem Hammer. Im Himmelsbereich der angrenzenden Bildfelder 1-3 führen ebenfalls Putten das Thema weiter: dort sind zu sehen das Schweißtuch der Veronika, Schwamm, Lanze und eine kleine Öllampe (1); Geißelsäule und Kreuz (2); Rute, Geißel und Nägel (3).

6 Antonius von Padua
2 Christus verschont die Welt wegen der Heiligen Dominikus und Franziskus, im Gewölbebereich Putten mit Arma Christi

ANNA LEHRT MARIA Ansicht nach N. Im Gewölbebereich sind nur Putten dargestellt, das eigentliche Bildthema nimmt die Schildwand ein. In einem weiten Raum, von dem aus eine Türe links Ausblick in die Landschaft gibt, sitzt Anna, einen Schleier auf dem Haupt, an einer kleinen Mauer. Sie hält ein aufgeschlagenes Buch auf dem Schoß. Vor ihr kniet das Mädchen Maria auf einem kleinen Bänkchen und liest im Buch. Hinter Anna ist Joachim mit der Hirtenschippe zu sehen. Über der Gruppe schwebt der Hl. Geist und sendet seine Strahlen auf sie. Inschrift auf einem Feld unter dem Bild an der Wand: Bleibt Disen zwey von Hertzen Trey. / Ihr bild gilt viel Glaub ohne Schey. Dieses Thema geht möglicherweise auf Anna Maria Hepp zurück.

5 ANTONIUS VON PADUA Ansicht nach S. Der Heilige, mit der Lilie als Attribut, steht an einem Tischchen mit aufgeschlagenem Buch und roter Draperie und liebkost das Jesuskind, das auf einer kleinen Wolke zu seinem Tisch herabgeschwebt ist. Diese Gruppe nimmt die Schildwand ein, Puttenköpfchen in Wolken das Gewölbe.

6–9 PUTTEN Die Gewölbefelder im Schluß des kleinen AR zeigen nur Puttenköpfchen in Wolken.

Quellen und Literatur s.S. 39