Altenhohenau, Dominikanerinnenkloster, Klosterkirche
ALTENHOHENAU
Dominikanerinnenkloster Gemeinde Griesstätt
Pfarrei Griesstätt (Pfarrverband Rott am Inn), Erzdiözese München und Freising. Ehem. Erzdiözese Salzburg, Archidiakonat Baumburg, Hofmark Laiming/Altenhohenau Gericht Kling
Klosterkirche S. 32 Nonnenchor S. 39 Anna- oder Kolumbakapelle S. 51
Zur Geschichte: Graf Konrad von Wasserburg, der ursprünglich gelobt hatte, an einem Kreuzzug teilzunehmen, stiftete stattdessen 1235 gemeinsam mit seiner Gemahlin Kunigunde in seinem Herrschaftsbereich ein Frauenkloster, das er weiblichen Angehörigen des 1215 bestätigten, langsam aufblühenden Dominikanerordens übergab. Altenhohenau, am rechten Innufer gelegen, war das erste nichtstädtische Dominikanerinnenkloster in Bayern. Zu Anfang hatte es eher den Charakter eines Chorfrauenklosters auf der Grundlage der Augustinerregel. 1465 dann, unter Herzog Ludwig dem Reichen, wurde Altenhohenau durch fünf Nonnen aus dem Dominikanerinnenkloster St. Katharina in Nürnberg reformiert. Im 16. Jh., in der Zeit der Glaubensspaltung, hatte Altenhohenau nie die Schwierigkeiten manch anderer Klöster.
Das Kloster besaß die Klosterhofmark Laiming/Altenhohenau seit der Gründung, außerdem die Hofmark Griesstätt. Es war nie reich; zu einer barocken Gesamtanlage kam es nicht. Im 18. Jh. erlebte Altenhohenau eine Blütezeit durch die Mystikerinnen Kolumba Weigl aus München und Paula Grasl aus Pfaffenhofen an der Ilm. Säkularisation 1803. Den Frauen wurde es zwar erlaubt, bis zu ihrem Tod in den inzwischen verkauften Konventsgebäuden zu bleiben, als aber 1822 der letzte eigene Beichtvater starb und sie ohne Seelsorger waren, zogen die letzten vier Konventualinnen nach Rott am Inn.
Die Kloster- und Wirtschaftsgebäude einschließlich des Grundbesitzes wechselten nach der Säkularisation mehrfach den Besitzer.



den Eigentümer; von der Familie Riepl gingen sie 1851 an die Freiherren von Crailsheim auf Amerang über, die sie 1881 den Brüdern Josef und Hubert Soyer verkauften. 1922 erwarben den Komplex die Schwestern vom Dritten Orden des hl. Dominikus (Kongregation der Königin des hl. Rosenkranzes, Mutterhaus San José in Kalifornien) und richteten ein Noviziat für den Ordensnachwuchs ein. Neubau der Klostergebäude 1922-24 durch Franz Xaver Huf; die Schwestern bezogen Altenhohenau 1923. Sie unterhielten bis vor wenigen Jahren ein Internat mit Volksschule.
Klosterkirche der Schwestern vom Dritten Orden des hl. Dominikus, ehem. Dominikanerinnenprioratskirche. An der Kirche bestand eine Rosenkranzbruderschaft.
Patrozinium: St. Peter und Paul
Zum Bauwerk: Der erste Kirchenbau entstand bald nach der Gründung, Weihe 1239. Eine Altarweihe 1308 läßt auf eine Vergrößerung der Kirche oder auf eine Reparatur (etwa nach einem Brand) schließen. Umbau, Einwölbung und Kirchturmreparatur sowie Veränderung des Nonnenchors ab 1670 unter der Priorin Cäcilia Haimbl, Neudekoration und Altarausstattung ab ca. 1760 bis 1774; in dieser Zeit auch Umbau mit Vergrößerung (und Vermehrung?) der Fenster (s. Auftraggeber). Die Kanzel und zwei Beichtstühle ließ Johann Caspar Hepp (s.u.) vom Aiblinger Bildhauer Ignaz Stumbeck anfertigen (GL Aibling). Datum in einer Kartusche am Chorbogen MDCCLXXIV.
Langgestrecktes einschiffiges LHs, dessen westlicher Teil durch die eingebaute tiefe Empore (Nonnenchor) in zwei Geschosse unterteilt und zum eigentlichen Kirchenraum hin durch Gitter abgeschlossen ist. Dieser Kirchenraum zählt drei Joche, Pilastergliederung auf flachen Wandpfeilern; Belichtung durch drei Fenster von N und zwei von S. Stark eingezogener, querrechteckiger AR mit breiter halbrunder Altarnische; Belichtung durch je ein Fenster von N und S.
Auftraggeber: Priorin z.Z. der Ausmalungen im AR (B) und Langhaus (A) war Maria Xaveria von Kreitmayr, Tochter des kurbayrischen Staatskanzlers Franz Xaver von Kreitmayr (1750-55; 1763-67; 1771-74), alternierend mit Maria Josepha Gerl (1756-62 und 1768-71), einer Bauerstochter aus Bruckdorf, Pfarrei Riekofen in Niederbayern, Schwester des Abtes von Attel, Dominikus I. Gerl.
Für das LHs-Deckenbild A (vielleicht auch für das AR-Fresko B) und viele Einrichtungsgegenstände war Stifter und Auftraggeber der Münchner Großkaufmann Johann Caspar Hepp, der in Fresko A dargestellt ist mit den Initialen J. C. H. W. C. C. (= Johann Caspar Hepp, Wirklicher Churfürstlicher Cammerdiener; letzteres ein Ehrentitel, den Hepp als Hoflieferant erhalten hatte). Inschrift auf einer Tafel über dem Kanzelzugang: Der Kirchen schöne Mahlerey / Fenster, Kantzl, Stiegen, Gätterey / hab ich gröster Sünder geben / bett für mich ums ewig Leben / i. Ave Maria / I. C. H. W. C. C. 1774. Auch das große Paket in B weist auf I C Henn 1774.
Johann Caspar Hepp war Sohn des Johann Philipp Hepp, Bürgermeister von Arnstein in Franken. Er heiratete am 29. 1. 1731 in München St. Peter Maria Theresia Clara Weiß, die Tochter des reichen Posthalters Weiß von Fürstenfeldbruck. In München gehörte ihm das Haus Kaufingergasse 27. Er war der Priorin Josepha Gerl besonders verbunden: so machte er ihr einst ein kleines Gedicht mit der Bitte, für ihn zu beten. Im Nachlaß Peter von Bomhard wird mitgeteilt, Altenhohenau habe bei Hepp 2000 fl. Schulden gehabt (AEM, Nr. 200). Johann Caspar Hepp starb am 7. 10. 1775 in München (Matrikeln St. Peter und III F).
Autor und Entstehungszeit: A Johann Michael Hartwagner (* Deggendorf † 1775 München) 1774. Signatur in A Johann Michael Hartwagner Bictor Monachii pinx: 1774. B Matthäus Günther (* 1705 Unterpeißenberg † 1788 Haid bei Wessobrunn) um 1760/65.
Von Johann Michael Hartwagner, der 1772 in München Meister wurde, ist kein weiteres Deckenbild bekannt. Er arbeitete in München vor allem an Porträts, von denen einige im BNM aufbewahrt werden (Thieme-Becker, Bd 16, S. 89 f., s.v. Hartwagner, Michael). »Ein Oel= und Frescomaler, zu Deckendorf in Niederbaiern geboren. Er war eines aufgeweckten Kopfes, zeichnete fleißig, las gerne, und fühlte das Wesen seiner Kunst. Er malte in Oel und Fresco; allein da er meist nach Brod arbeiten mußte, indem er ohne Unterstützung war, so konnte er sich selten Zeit lassen, ein Werk so zu vollenden, wie er im Geist es sich vorstellte. Ich sah ihn an einem Tag alle zwölf Apostelköpfe fast in natürlicher Größe verfertigen, und in einer großen Geschwindigkeit Portraite malen, denen er außer der Ähnlichkeit, immer etwas mitgab, woraus man einen denkenden Mann erkannte ... Er starb zu München um 1775« (Lorenz Westenrieder, Beschreibung der Haupt- und Residenzstadt München, München 1783, Teil III, Abschnitt 15: Verstorbene Künstler, welche in oder für München gearbeitet haben S 222-07 Hartwagner S 256)
Das Chorfresko B ist nicht signiert und datiert. Es wurde durch Feulner 1914 überzeugend Günther zugeschrieben und um 1763/64, folgend auf die Ausmalung des nahegelegenen Rott am Inn (s. S. 433-461), datiert. Gundersheimer datiert das Fresko in Anlehnung an A 1774. Diese Datierung behält der Katalog Matthäus Günther 1988 bei, schlägt aber im Falle des Altarblatts am südlichen Seitenaltar, das ebenfalls Günther zugeschrieben werden kann, eine Datierung in die frühen sechziger Jahre vor.
Archivalien zu Einrichtung und Neudekoration von Altenhohenau im 18. Jh. sind nicht erhalten. Peter Volk 1991 datiert die Altäre um 1761, wobei er Mitterwieser heranzieht (S. 40): »Diese Jahreszahl steht mit Bleifeder nach Angabe der Schreiner, welche jüngst die notwendigen Erneuerungen vornahmen, neben dem Namen (Ignaz) Günthers innen auf einem Brette des rechten Seitenaltares«. Bomhard 1958 datiert die Altäre um 1767 (das Relief mit der Darstellung von Abrahams Opfer am Tabernakel ist laut Bomhard 1767 datiert) und vermutet, daß die von Mitterwieser mitgeteilte Jahreszahl 1761 falsch gelesen worden sei und in Wirklichkeit 1767 laute. Woeckel 1975 schlägt in einer ausführlichen Argumentation als Entstehungszeit für die Altäre die Zeit 1757/61 vor, wobei er sich auf eine Ewig-Licht-Stiftung auf den Hochaltar von 1757 stützt. Im Regelfall ging die Freskierung der Ausstattung mit neuen Altären voraus.
Unseres Erachtens ist das AR-Fresko B sicher nicht 1774 gleichzeitig mit dem LHs-Fresko entstanden. Die Dekorationsmalerei im AR, in späten Rocailleformen, unterscheidet sich sowohl im Ornamentsystem als auch in den einzelner Motiven deutlich von der des LHs, das Rocaillen nur mehr in Rudimenten bringt und frühklassizistische Erstarrung der Rahmenformen zeigt. Auch das Fresko selbst legt eine frühere Datierung nahe. Die einzelnen Figuren bzw. Figurengrupper sind nicht so statuarisch vereinzelt wie in den späten Werker Matthäus Günthers. Die Figuren agieren noch aufeinander zu, ein Austausch von Aktion und Reaktion findet statt, in Gegensatz zu der stillen und kühlen Distanz der späteren Jahre. Im Kolorit gibt es Tiefe und stimmungshafte Reize; die Lichtführung ist nicht trocken, durch Schatten in den Tiefer wird Atmosphäre entwickelt.
Fresko und Dekorationsmalerei des AR dürften in die 60er Jahre zu datieren sein. Die Wahrscheinlichkeit spricht für einen zeitlichen Zusammenhang mit der Freskierung der nahegelegenen Klosterkirche in Rott am Inn 1761/63. Das LHs gleichzeitig mit dem AR auszumalen, war nicht zwingend notwendig, denn es befand sich im LHs noch die ornamentale Malerei von 1670/80 (s. Erhaltungszustand und Restaurierungen).
Für die spätere Datierung von Fresko B könnte allerdings die Turmform der unten im Bild dargestellten Kirche von Altenhohenau sprechen: dieser Turm wurde erst 1773 in der endgültigen Form erbaut. Doch sind die stilistischen Argumente für die Frühdatierung so stark, daß man eher annehmen muß, daß die Turmform in B später abgeändert wurde.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs Korbbogentonne mit Stichkappen; AR Flachkuppel
Rahmen: Rahmen und gesamte Gewölbedekoration gemalt Technik: Fresko; A und B polychrom, a-b, 1-6 monochrom grau vor ockerfarbenem Brokatgrund
Maße: A Höhe 8,00 m; 7,30 × 4,25 B Höhe 7,90 m: 3,50 × 5,05
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Im späteren 19. Jh. war die Kirche in so schlechtem Zustand, daß Mayer-Westermayer sie als einsturzbedroht schilderte. Beim Kauf des Klosters durch die Dominikanerinnen 1922 waren die Dächer ruiniert, der Dachstuhl der Kirche sowie die Holzeinbauten im Turm völlig wurmzerfressen. Durch eine Restaurierung des 19. Jh. war die Deckendekoration besonders in den Details stark beeinträchtigt: »Der ornamentale Teil der Malerei wurde durch verständnisloses Nachmalen bzw. Nachschärfen verdorben« (StAM, LRA, Gutachten vom 20.8.1923). Restaurierung des Innenraums 1923/24 durch die Fa. Vitzthum und Schlee, Altötting. Die Fresken wurden gereinigt und die Übermalungen an den Ornamenten beseitigt. Der Kirchenraum wurde weiß gefaßt.
1942 wurde eine erneute Innenrestaurierung geplant und am 22.5.1944 genehmigt. Der Raum war verschmutzt, das Chorfresko hatte einen größeren Riß. »Was die Stuck vortäuschende ornamentale Bemalung, einschließlich der gemalten Bildrahmen der Fresken und der in gelb gehaltenen Brokatmuster in den Stichkappen und die Vorstellungen in den Gewölbezwickeln betrifft, so werden wir vom Gerüst aus bestimmen, wie weit eine Verbesserung zu erfolgen hat, sofern die ursprüngliche Bemalung, die in der Hauptsache in zeichnerischer Hinsicht übergangen würde, sich nicht freilegen oder feststellen lassen sollte. Die Deckenbilder im Chor und im Langhaus bedürfen in der Hauptsache nur der sachgemäßen Reinigung. Soweit sich Übermalungen zeigen, wären diese abzunehmen«. Die Wand- und Gewölbeflächen sollten wieder kalkweiß getüncht werden.
Diese Restaurierung konnte erst 1946/47 durchgeführt werden: Kirchenmalerarbeiten durch Alois Schlee, Altötting, Restaurierung der Fresken durch Hans Kohle, München. 1972 zeigte das Gewölbe neben anderen Rissen einen starken Riß im Scheitel des Chorbogens; ein Stuck Putz fiel in den Kirchenraum. 1974 wurde das Gewölbe gesichert und die Fehlstelle ausgebessert. Anschließend Restaurierung der Fresken durch die Fa. Gebrüder Lauber, Endorf. Letzte Reinigung der Raumschale 1993. Dabei wurden durch den Grafinger Restaurator Helmut Knorr die Fresken nur entstaubt. Sie waren in gutem Zustand, die dekorative Malerei zeigte Übermalungen der Restaurierungen 1946/47 und 1974.
Beschreibung und Ikonographie
A MARIA ALS ROSENKRANZKÖNIGIN MIT DOMINIKANERHEILIGEN Auf einer flachen Landschaftsbühne, in deren Vordergrund ein Quell zwischen kleinen Felsen fließt und die nach hinten durch Berge in der Ferne, nach rechts durch Bäume abgeschlossen ist, knien die Allegorien der Vier Erdteile mit ihren Attributen. Links Europa, auf dem Haupt die Kaiserkrone, eine andere Krone und einen Fürstenhut samt Zepter zu ihren Füßen, mit der Rundkirche, dem Symbol der Kirche, im Hintergrund; weiter links America mit Federkrone, über die ein Putto einen Sonnenschirm hält. Gegenüber von Europa kniet Asia, eine breite Männergestalt von mongolischem Typus mit einem Turban zu ihren Füßen. Es folgt nach rechts Africa, in reicher, perlenverzierter Kleidung und spitzem Hut, von schwarzer Hautfarbe, mit einem Kamel als Attribut. Im Mittelgrund dieser Szene ist ein grünes Schild mit dem Marienmonogramm zu sehen; der Name Mariens ist von einem Rosenkranz aus fünf weißen, fünf roten und fünf goldenen Rosen umgeben - Symbole des freudenreichen des schmerzhaften und des glorreichen Rosenkranzes. Ganz links am Bildrand ist der Auftraggeber des Bildes dargestellt, der Münchner Kaufmann Hepp, in zeitgenössischer Kleidung und weißer Perücke, der auf die Kirche Altenhohenau zeigt. Ein Schriftband, das sich hier um den Rahmen schlingt, zeigt seine Initialen I. C. H. W. C. C.
Über dieser irdischen Gruppe entfaltet sich über die ganz Bildbreite eine Wolkenbühne, in deren Mitte Maria mit dem Kind erhöht thront, das gekrönte Haupt von Sternen umgeben und von einer hellen Strahlenglorie hinterfangen. Klein dunklere, mit Putten besetzte, halbkreisförmig geführte Wolken um den westlichen Rand der Glorie deuten innerhalb des sonst einansichtigen Bildes eine illusionistische Himmelsöffnung an.
Vor Maria haben sich auf Wolkenbänken rechts Dominikaner und links Dominikanerinnen versammelt. Die Schar der Dominikaner wird angeführt vom hl. Dominikus, der kniend den Rosenkranz aus den Händen der Rosenkranzkönigin entgegennimmt. Eine Lilie liegt als Attribut zu seinen Füßen. Dahinter kniet ein junger Mönch, der einen Palmzweig mit drei Kronen in der Rechten hält und die Linke in verehrender Geste gehoben hat. Es handelt sich zweifellos um Petrus Martyr (s. S. 42), wenn auch dessen Hauptkennzeichen, die Kopfwunde mit dem Hackmesser, fehlt. Das ergibt der Vergleich mit der Figur des Petrus Martyr unter den Dominikanerheiligen in Deckenbild B im Nonnenchor, wo er – das Beil im Kopf – ebenfalls drei Kronen in Händen hält. Diese Kronen bedeuten Martertod, Jungfräulichkeit und Glaubenseifer (LCI, Bd 8, Sp. 186, s.v. Petrus Martyr).
Schräg vor ihm sitzt auf Wolken Thomas von Aquin (s. S. 44) auf der Brust an einer Kette eine strahlende goldene Sonne, auf den Knien ein geöffnetes Buch, die Rechte mit der Feder erhoben. Dahinter ist ein greiser Papst dargestellt, der verehrungsvoll auf ein Kruzifix in seiner Linken blickt: Papst Pius V. aus dem Dominikanerorden (* 1504 in Bosco, 1518 Eintritt in den Orden, 1566 zum Papst gewählt, † 1572). Er spielte in der Geschichte der Rosenkranzverehrung eine wichtige Rolle: während der Seeschlacht von Lepanto 1571 betete er den Rosenkranz und diesem seinem Gebet wurde der Sieg der Christen zugeschrieben. Es folgt ein junger Dominikaner, der durch eine Monstranz in beiden Händen und eine goldfarbene Stola um die Schultern gekennzeichnet ist. Es handelt sich um Hyazinth von Krakau, bzw. von Polen. Er rettete bei einem Tartareneinfall in Kiew, wo er zeitweilig Prior war, die Monstranz auf der Flucht über den Dnjepr (s.S. 44). Am Bildrand sieht man einen Mönch, der das Christusmonogramm IHS auf der Brust trägt und mit einem kleinen Messer dieses Monogramm berührt. Es ist Heinrich Seuse (s.S. 42), der sich mit einem Griffel oder Messer selbst das Monogramm des Namens Jesu auf die Brust schrieb.
An der Spitze der Dominikanerinnen rechts kniet die hl. Katharina von Siena, eine Dornenkrone auf dem Haupt, mit Buch, Totenkopf und Kruzifix. Ihre stigmatisierte Rechte legt sie auf die Brust. Dahinter ist die hl. Rosa von Lima zu sehen mit Rosen bekränzt, ein mit Rosen geschmücktes Bild des Jesuskindes in Händen haltend. Schräg darunter, mit einem Lamm auf dem Buch als Attribut, sitzt Agnes von Montepulciano auf den Wolken. Diese drei Heiligen sind die bekannten heiligen Dominikanerinnen und treten oft gemeinsam auf (s. S. 42). Im Hintergrund kniet eine Heilige mit einer Dornenkrone auf dem Haupt und Stigmata an den Händen. Von einem Kruzifix, das vor ihr aufragt, neigt sich der Gekreuzigte zu ihr. Es handelt sich um Katharina von Ricci (* 1522 Florenz, 1535 Eintritt in den Orden, 1560–90 Priorin in Prato, † 1590). Der sich von seinem Kreuz neigende Christus erinnert an ihre Visionen. Am rechten Bildrand endlich ist Margareta von Ungarn zu sehen, mit den Attributen Lilie und Krone (* um 1242 als Tochter Belas IV. von Ungarn, seit 1246 im Dominikanerinnenkloster in Veszprém erzogen, 1254 Profeß im Dominikanerinnenkloster auf der Haseninsel bei Budapest, † 1270). Unter dieser Wolkenbank mit den Heiligen schwebt eine Gruppe von Engeln sowie links ein Putto mit Palme zur Erde nieder. Sie alle halten Rosenkränze oder streuen weiße, rote und goldene Rosen.



brennenden Fackel im Maul, dazu eine weitere Fackel und eine
1–6 SYMBOLE DER ROSENKRANZBRUDERSCHAFT Die Bildfelder 2, 4, 5 zeigen Putten, die Körbe mit goldenen, weißen und roten Rosen halten, Bildfeld 3 zeigt einen Putto mit einer Schale brennender Herzen, dem Symbol der Devotion der Bruderschaftsmitglieder.
B DIE DREIFALTIGKEIT MIT DEN PATRONEN VON ALTENHOHENAU Das querformatige Bildfeld, das von zwei gemalten Kartuschen mit Putten in Grisaillemalerei flankiert ist, zeigt eine weitgebreitete Wolkenszenerie, unter der am rechten unteren Bildrand umgeben von Wiesen das Kloster Altenhohenau zu sehen ist (zum Turm s. unter Autor). Ein großes verschnürtes Paket ist wohl als Hinweis auf den Kaufmann und Auftraggeber Hepp am unteren Bildrand dargestellt.
Darüber entfaltet sich, vor dem stellenweise durchschimmernden blauen Himmelsgrund, eine lichte Wolkenlandschaft mit graurosa Farbverdichtungen in den Schatten. Vor einer überhellen, weißlichen Auflichtung erscheint die Gestalt Gottvaters über der Weltkugel, der sich zu Christus beugt, der segnend die Rechte hebt. Diese Gruppe ist nicht nur kompositionell eng verbunden, sondern auch in der seelischen Dimension der Vater-Sohn-Beziehung. Gottvaters Blick und Gestik bleibt innerhalb der Zweiergruppe, ist nur auf Christus bezogen; dieser aber agiert nach außen, auf die Menschen hin. Auch in der Abstufung der Farben wird die größere Ferne Gottvaters in dem stark durchlichteten, ausgezehrten Gelb und Violett seines Gewandes anschaulich gemacht. Das am Oberkörper ebenso helle, sich nach unten hin aber kräftig entwickelnde Karminrot des Mantels Christi wird der Farbintensität der Heiligengruppe angenähert. Schon in dieser realeren Farbigkeit ist Maria etwas schräg unter Christus auf Wolken thronend dargestellt, die Hände im Interzessionsgestus auf die Brust gelegt, das Haupt vom Sternenkranz umgeben. Petrus und Paulus knien unter der Dreifaltigkeit auf Wolken. Sie empfehlen als Patrone von Altenhohenau das Kloster und die in der Kirche versammelten Gläubigen dem göttlichen Schutz. Petrus hat die Arme weit gebreitet: ein Strahl geht von seiner Brust aus und fällt auf das am unteren Bildrand dargestellte Kloster. Er hat ein grobgezimmertes Kreuz aus Birkenholz als Attribut; ein blaugekleideter Engel mit großer grauer Schwinge sowie ein Putto mit Tiara und Schlüsseln sind mit ihm kompositionell zu einer Gruppe verbunden, die ein



Gegengewicht zur Gruppe Gottvater-Christus bildet. Der Blickkontakt zwischen Petrus und Christus sowie das Entstehen der Farbtrias Blau-Gelb-Rot im engen Bezug der beiden Gruppen verbindet diese beiden kompositorischen Hauptgruppen eng. Paulus mit Palme und Schwert als Attribut kniet rechts. Zwischen den Aposteln und Kirchenpatronen ist im Hintergrund der hl. Dominikus, der Ordensgründer, zu sehen, den Blick nach oben gerichtet, in der Linken die Lilie, die Rechte auf die Brust gelegt.
W KATHARINA VON RICCI Über der Tür nach S befindet sich im AR eine gemalte Kartusche mit der Darstellung der Vision der hl. Katharina von Ricci, deren Kanonisation 1746 in Altenhohenau feierlich begangen wurde. Die stigmatisierte Dominikanerin steht mit weitgebreiteten Armen vor einem Kruzifix auf einem Tischchen. Der Gekreuzigte neigt sich ihr zu: ein breiter Gnadenstrahl geht von ihm aus und fällt auf die Brust der Heiligen.
Das Gegenstück dieses Bildes im N ist nach Mitterwieser 1926 »vor 40 Jahren übertüncht worden«.
In den vier Ecken des AR befinden sich an den Wänden gemalte Band- und Blumengehänge mit liturgischem Gerät und anderen symbolischen Gegenständen.
Die Ikonologie der Kirche hat drei Hauptthemen: Maria als Rosenkranzkönigin/die Rosenkranzbruderschaft, der Ruhm des Dominikanerordens durch seine Heiligen und die Patrone Altenhohenaus. Diese Themen werden in der Ausstattung weiter fortgeführt. Der Hochaltar, der Altar der Rosenkranzbruderschaft, zeigt in der Mitte des Aufbaus eine Statue der Madonna mit Kind. Sie trägt Stoffgewänder sowie eine Krone und hält einen beigegebenen Rosenkranz. Dadurch und durch die fünfzehn kleinen Kartuschen an der Rückwand, die vor einer mächtigen Strahlenglorie in Reliefs die Rosenkranzgeheimnisse darstellen, wird die wohl aus dem 17. Jh. stammende Statue als Rosenkranzkönigin ausgewiesen. Den Altar krönt eine Kartusche mit der Inschrift SUB TUUM / PRAESIDIUM. Seitlich unter der Rosenkranzkönigin knien die beiden Ordensheiligen Dominikus und Katharina von Siena. Als Seitenfiguren erscheinen die Kirchenpatrone Petrus und Paulus.
Der linke Seitenaltar zeigt im Hauptblatt von Johann Andreas Wolff den römischen Martyrer Claudius, dessen Reliquien 1700 nach Altenhohenau kamen. Seitenfiguren sind der hl. Sebastian als Pestpatron (noch vorhanden) und der hl. Florian als Patron gegen Feuer (verloren und ersetzt). Das Altarblatt des rechten Seitenaltars (Matthäus Günther) zeigt Maria, begleitet von Katharina von Alexandrien und Maria Magdalena, wie sie in Soriano einem Dominikaner das Bild des hl. Dominikus übergab. Seitenfiguren sind Joseph und Anna. In einem Glasschrein steht auf dem Altar das Altenhohenauer Jesuskind. Die Figuren der Heiligen Petrus, Paulus, Dominikus, Katharina, Sebastian, Joseph und Anna sowie die Rosenkranzmedaillons des Hochaltars sind von Ignaz Günther. Die Kanzel, bekrönt von der Figur des großen Dominikaner-Predigers Vinzenz Ferrer, ist eine Arbeit des Kistlers Christoph Köglsperger und des Bildhauers Ignaz Stumbeck aus Aibling.
Quellen und Literatur OTTO A CI A 11 1 TO EAST OF NE 107.
BHStA, GL Aibling, Fasz. 98 Nr. 107: Empfehlungsschreiben Hepps für Stumbeck.
StAM, LRA 47568, Die Kirche Altenhohenau 1923-1944: Restaurierungen 1923, 1944.
BSB, Cgm 5126 (Nachlaß Halm), Nr. 3: zu J.M. Hartwagner AEM, Klosterakten Altenhohenau 1/6: Baufälle 1673/74; Klosterakten Altenhohenau 2: Personalia.
AEM, Nachlaß Peter von Bomhard Nr. 200: Vorarbeiten und Ergänzungen zum Kirchenführer Bomhards 1954. Zu Josepha Gerl/Johann Kaspar Hepp.
BLfD, Akt Altenhohenau, Klosterkirche St. Petrus und Paulus.
Mayer-Westermayer, Bd. 1, S. 92–94.
KDB I OB (2), S. 1910
Welzmüller, Klemens, Rott, Attel und Altenhohenau. Drei alte Klöster im Innthale, in: Bayerland 13, 1902, S. 219-21, 222-24, 250-52. Altenhohenau S. 251 f.
Mitterwieser, Alois, Das ehemalige Frauenkloster Altenhohenau am Inn, in: Bayerland 25, 1913/14, S. 393–96. -, Die Klosterkirche von Altenhohenau sowie die übrigen Nebenkirchen der Pfarrei Griesstätt (= Die Kirchen der Complete Description has you Indone Huber Heft II)
Feulner, Adolf, Kalender Bayerischer und Schwäbischer Kunst 1914. Altenhohenau S. 12-15.
Mitterwieser, Alois, Das Dominikanerinnenkloster Altenhohenau am Inn (1235 bis heute) (= Germania Sacra, Serie B: Germania Sacra Regularis, II. Die Mendikantenklöster, D. Die Dominikanerinnenklöster), Augsburg 1926 (mit Bearbeitung aller Archivalien. Mitterwieser war Staatsoberarchivar).
Gundersheimer, Hermann, Matthäus Günther, Die Freskomalerei im süddeutschen Kirchenbau des 18. Jahrhunderts, Augsburg 1930, S. 62
Bomhard, Peter von, Kirche Altenhohenau/Inn. Kolumba Weigl (Kirchenführer), Altenhohenau 1982.
Woeckel, Gerhard P., Ignaz Günther. Die Handzeichnungen des kurfürstlich bayerischen Hofbildhauers Franz Ignaz Günther (1725–1775), Weißenhorn 1975, S. 238–43. Historischer Atlas I, Bd 15/16, Die Gerichte Wasserburg und Kling (Tertulina Burkard), München 1965, S. 294. Matthäus Günther 1705–1788, Katalog der Ausstellung in Augsburg, München 1988, S. 295-97.
Volk, Peter, Ignaz Günther. Vollendung des Rokoko, Regensburg 1991, S. 112–17, 252 f.
Kaiser, Alfred, Sub Tuum Praesidium - Ein Beitrag zur Ikonologie der Dominikanerinnen-Klosterkirche St. Peter und Paul in Altenhohenau, in: Heimat am Inn 14/15 (1994/95), Wasserburg 1996, S. 149–94
Stauffert, Thomas K., Das Kloster Altenhohenau zwischen Säkularisation und Wiederbesiedlung, in: Heimat am Inn 18/19, Wasserburg 2000, S. 175–244.