Zell (Schäftlarn), Filialkirche St. Michael


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 3, Teil 1: Stadt und Landkreis München. Sakralbauten. Hirmer, München 1987, ISBN 978-3-7991-6111-4, S. 180–181, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filialkirche, Gemeinde Schäftlarn, Pfarrei Schäftlarn-St. Benedikt Ebenhausen, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Klosterhofmark Schäftlarn

Patrozinium: St. Michael

Zum Bauwerk: Ein Weihedatum vom 1. 12. 1206 ist überliefert. Spätgotischer Bau, vor 1734 neu ausgestattet. Weihe am 20. 9. 1734, einen Tag nach der Weihe der Hohenschäftlarner Kirche.

Saalbau (10,20 × 6,00 m) mit eingezogenem, gerade geschlossenem AR (5,10 × 3,80 m), im W Empore

Auftraggeber: Abt Hermann Josef Frey von Schäftlarn (1719-51)

Autor und Entstehungszeit: Die Kirchen in Zell und Hohenschäftlarn wurden gleichzeitig um 1734 ausgestattet. Die Deckenbilder beider Kirchen weisen auf einen Maler, der auch die Kirche in Wangen (1736, CBD, Bd 1, S. 360 f.) ausmalte. Stilistische Verwandtschaft besteht zu den Deckenbildern des Frater Lucas Zais (* 1674 Lambach/OÖ †1739 Benediktbeuern), Klostermaler von Benediktbeuern (Lebensdaten und Werke s. CBD, Bd 2, S. 261).

Die Figur der Maria in Zell ist in Gesichtstypus, Haltung und Gebärde den Marienfiguren in Benediktbeuern, ehem. Schlafzimmer, und in Klösterl (CBD, Bd 2, S. 94f. und 195-97) auffallend ähnlich.

Zu diesem Fresko existiert eine Vorzeichnung (Feder in Grau, grau laviert, mit Bleistift quadriert, 33,1 × 21,6 cm Innsbruck, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Grafische Sammlung, Inv.Nr. T 28), die Johann Degler zugeschrieben und 1718 datiert ist. Sie deckt sich bis ins kleinste Detail mit dem ausgeführten Fresko und deutet auch die Rahmenform an. Bei der Ausmalung von Straßbach (OB, Lkr. Dachau, s. CBD, Bd 4) konnte nachgewiesen werden, daß unbedeutendere Maler nach Entwürfen Deglers freskierten. Das kann hier in Zell auch der Fall gewesen sein. Ein weiteres Fresko, das die Entwurfszeichnung für Zell wiederholt – wenn auch mit kleinen Abweichungen – existiert in Itzling (OB, Lkr. Erding, s. CBD Bd 5).

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke, AR verschliffenes Kreuzgratgewölbe

Rahmen: Stuckprofil

Technik: Fresko mit Seccoübermalungen; polychrom

Maße: Höhe 4,70 m; 4,90 × 3,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Innenrestaurierung 1916. 1952 Restaurierung des Deckenbildes im LHs. Der Freilegung gotischer Fresken im AR fiel ein barockes Deckenbild, eine Darstellung Gottvaters mit Weltkugel und Zepter und der Geistestaube vor seiner Brust, zum Opfer (BLfD, Akten Zell, Aktennotiz 1952 von Blatner). 1978 Restaurierung durch Josef Keilhacker, Taufkirchen/Vils: Die in der photographischen Aufnahme (von 1970) sichtbaren Schäden, Durchscheinen der Holzlattendecke und Sprünge, sind jetzt behoben.

 
Himmelfahrt Mariens, Deckenbild im Gemeinderaum

Beschreibung und Ikonographie

HIMMELFAHRT MARIENS Das Deckenbild liegt in der Mitte der Flachdecke im LHs; Betrachterstandpunkt unter der Bildmitte. In der Entwurfszeichnung Deglers sind sowohl in dem schräg in den unteren Bildrand gerückten Sarkophag als auch in der Figurengruppe Untersichten und Verkürzungen schlüssig angewandt. Im Fresko dagegen sind die Proportionen zum Teil verschoben, und der einheitliche Blickwinkel ist nicht eingehalten.

Über dem leeren Sarkophag, auf dem das Leichentuch liegt, schwebt Maria in einer figurenreichen, bewegten Gruppe nach oben. Ein großer Engel mit weitgespannten Flügeln trägt sie, Engel und Putten begleiten sie. Die Spitze der Komposition bildet die Figur Christi, der sich über eine große Weltkugel der aufschwebenden Maria zuneigt und eine Krone hält, um sie zu krönen.

Die Komposition mit ihren großen und bewegten Figuren, mit der Körperhaftigkeit ihrer Darstellungen, die sich bis auf die Wolken erstreckt, geht auf die Münchner Malerei vor 1700 zurück, deren Hauptvertreter Johann Anton Gumpp und Andreas Wolff waren. Der Freskant konnte den vorgegebenen Entwurf nicht adäquat ins Bild setzen: die Komposition ist nicht nur in den illusionistischen Effekten, sondern auch in den Größenverhältnissen (Figur Christi) nicht stimmig.

Der Wolkenschauplatz, unten tief verschattet und in dunklen Grautönen gegeben, lichtet sich nach oben bis zu einer fast farblosen Wolkenöffnung über dem Haupt Christi auf:

 

Davor erscheinen als Buntfarben in Gewändern Blau, Rosa und Gelb.

 
Johann Degler, Himmelfahrt Mariens, Entwurf für ein Deckenbild, Innsbruck, Ferdinandeum. Gotische Ausmalung (1952 abgetragen)

Quellen und Literatur

Hinterloner, Joannes, Der gerechte und vollkommene Noe in seinem Opffer, München 1745, S. 7.

Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 650 f., 656.

Abstreiter, Leo, Geschichte der Abtei Schäftlarn, Schäftlarn 1916, S. 108f.

Kirche in Zell wird restauriert (o. V.), in: Isar-Loisach-Bote 84, 23. Juli 1952, Nr. 176, S. 1.

ANHANG VERLORENE DECKENMALEREIEN

1. Durch Photos dokumentierte, meist im Zweiten Weltkrieg zerstörte Deckenbilder

INNENSTADT

ST ANNA DAMENSTIFT