Zum Inhalt springen

Strasskirchen, Filialkirche St. Georg

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 2: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 492–493, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

STRASSKIRCHEN

Filialkirche, Pfarrei und Gemeinde Vogtareuth, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg, Archidiakonat und Bistum Chiemsee. Straßkirchen war Filiale der Pfarrei Prutting, die dem Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee inkorporiert war. Gericht Kling

Patrozinium: St. Georg

Zum Bauwerk: Neubau in der zweiten Hälfte des 15. Jh. Allmähliche Neueinrichtung zwischen 1655 und 1715. Barockisierung des Innenraums 1732: Abschlagen der Gewölberippen, Änderung der Wandgliederung und Stuckierung mit einfachen Akanthusranken und Modelstuck durch Wolf Ganterer, Gerichtsmaurermeister von Kling (Bomhard, S. 375 und Anm. 615). Hochaltar zweite Hälfte 17. Jh., 1825 verändert. Kanzel 1759.

Kleiner Saalbau, der mit seinem provinziellen Stuck, dem geschweiften Chorbogen ansprechend wirkt. Breiter und lichter, wenig eingezogener Chor zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Pilastergliederung; Belichtung durch zwei Fenster im N, eines im S und zwei in den Schlußschrägen. Die Deckenbilder befinden sich im Chor.

Auftraggeber: Pfarrvikar von Prutting war in der fraglichen Zeit P. Sigmund Hofmann. Straßkirchen bildete zusammen mit Schwabering einen Kooperatur-Bezirk.

Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Franz Krenzner (* 1677 Füssen † 1752 Prutting) um 1732

Die bescheidenen Deckenbilder sind sicher in zeitlichem Zusammenhang mit dem Umbau und der Stuckierung 1732 entstanden. Als Autor ist Franz Krenzner anzunehmen, der Mesner und Maler in Prutting war und mit dem die Freskoarbeiten in der Pfarrei Prutting in der ersten Hälfte des 18. Jh. in Verbindung gebracht werden.

Befund

Träger der Deckenmalerei: AR (1–4) verschliffenes Kreuzrippengewölbe

Rahmen: Aus Bandwerk gebildete Stuckkartuschen

Technik: Fresko; monochrome Malerei in karmin auf ockerfarbenem Grund

Maße: 1–4 Höhe 6,40; 0,80×0,50

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1817 Innenrenovierung mit Neufassung der Einrichtung durch Johann Baptist Böham, Maler in Aibling. Weitere Restaurierung 1849. 1881 wurde die Kirche durch Joseph Hitzinger von Teisendorf ausgemalt. 1947/48 Entfernung dieser Ausmalung und Wiederherstellung der Raumtönung des 18. Jh. durch Hugo Williroider; Aufdecken der kleinen Freskenfelder. 1965 Freilegen der alten Fassung am Hochaltar. 1978 Außenrestaurierung.

Beschreibung und Ikonographie

Die vier kleinen Kartuschenbilder im Chor sitzen jeweils über der Spitze einer Stichkappe. Sie beschäftigen sich mit den beiden Wetterheiligen Johannes und Paulus, die in Straßkirchen besonders verehrt wurden; ihr Fest wurde feierlich begangen. Der nördliche Seitenaltar war früher ihnen geweiht. Die Mitte der Decke nimmt ein gerahmtes Stuckmotiv ein, ein von Rosen und Strahlen umgebenes Herz.

3 ZWEI LEUCHTER Analog zu 2 dürfte sich auch diese Bild auf Johannes und Paulus beziehen, wobei eine Kerze in der Sprache der Emblematik – neben vielen anderen möglichen Bedeutungen – auch den der Wohltätigkeit haben kann.

4 JOHANNES UND PAULUS ALS WOHLTÄTER DER ARMEN Zweimal treten Johannes und Paulus in ihrer Legende als Wohltäter der Armen auf: zuerst verteilten sie das Vermögen der Jungfrau Constantia, das diese ihnen zu diesem Zwecke anvertraut hatte; als aber der Kaiser ihnen den Tod androhte, verteilten sie ihr eigenes Vermögen innerhalb von zehn Tagen (LA Benz, Sp. 548–53).

Die Bilder an der Emporenbrüstung aus der zweiten Hälfte des 17. Jh. zeigen das Martyrium des Kirchenpatrons Georg. Das Bild »Jesus als Guter Hirte« an der Kanzelrückwand ist von Balthasar Furtner, dem Maler in Frauenchiemsee (dort tätig Ende der 40er Jahre bis 1764). Anläßlich der Restaurierung 1817 malte der Aiblinger Maler Johann Baptist Böham die Leinwandbilder an der Kanzel, »Augustinus und das Kind am Meer« und »Schlüsselübergabe an Petrus«. Das Auszugbild am Hochaltar ist 1725 von Sebastian Rechenauer d. I.

Quellen und Literatur

AEM, Pfarrakten Prutting, Pfarrbeschreibung. BLfD, Akt Straßkirchen, Filialkirche St. Georg.

Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 170f. KDB I OB (2), S. 1668. Bomhard Bd 1, S. 374–79. Dehio 1990, S. 1141.

A. E

🛊 Johannes und Paulus als Wohltäter der Arme