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Tattenhausen, Pfarrkuratiekirche Inventio Crucis

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 2: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 494–496, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

TATTENHAUSEN

Pfarrkuratiekirche, von Großkarolinenfeld aus betreut, Gemeinde Großkarolinenfeld, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung als Kuratiekirche (seit 1628 mit einem eigenen Geistlichen) zur Pfarrei Hochstätt gehörig, die Monatspfarrei war. Gericht Rosenheim

Patrozinium: Kreuzauffindung (Inventio Crucis)

Zum Bauwerk: Das Mauerwerk von Turm und Chor der heutigen Kirche stammt von einer Kirche des 12. Jh., geweiht 9. Mai 1196 durch Bischof Otto von Freising. Umbau und Erweiterung der Kirche wohl im 15. Jh., Veränderungen an Bau (sog. Krumperfenster) und Innendekoration um 1700. 1811 wurde ein Kreuzweg des Aiblinger Malers Johann Baptist Böham angebracht. 1885 Abbruch des Chorbogens, Abbrechen der alten Seitenaltäre, Ausbrechen einiger Fenster; das Portal wurde von Süd nach West verlegt. Inschrift von 1931 über dem Eingang: Circa 800 erbaut / anno 1196 eingeweiht / anno 1628 mit einem stän-/digen Seels. bes. / anno 1871 zur selbständig. / Vicariatskirche erhob./ anno 1931 neu renoviert. Saal zu vier Jochen, Pilastergliederung, tiefe Empore im W; Belichtung durch zwei Fenster von N und vier von S. Kaum sichtbar eingezogener AR zu einem tiefen Joch und dreiseitigem Schluß, Pilastergliederung; Belichtung durch ein Fenster im S und zwei in den Schlußschrägen.

Auftraggeber: Pfarrer von Hochstätt zur Ausmalungszeit war Johannes Arnold (1694–1707). Private Spender sind anzunehmen.

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, um 1700 Peter von Bomhard datiert die beiden Bildfolgen in verschiedenen Zeiten, die Deckenbilder ins späte 17. Jh. und die Apostelreihe in das frühe 17. Jh. Er vermutet wegen der Zugehörigkeit zum Gericht Rosenheim als Autoren Rosenheimer Maler (mündliche Mitteilung vor 1979).

Der Kirchenraum

dene Zeiten, die Deckenbilder ins späte 17. Jh. und die Apostelreihe in das frühe 17. Jh. Er vermutet wegen der Zugehörigkeit zum Gericht Rosenheim als Autoren Rosenheimer Maler (mündliche Mitteilung vor 1979).

Langhausgewölbe mit A Johannes der Täufer, B Der Kreuzpartikel von Tattenhausen, C Maria Immaculata, 1–3, 12–14 Apostel (Ausmalung um 1700)

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B, C, 1–3, 12–14) und AR (4–10) Stichkappentonne (ehem. gotisches Netzgewölbe, die Rippen sind abgeschlagen)

Rahmen: A, B und C gemalte Rahmung: breite Blattkränze mit Akanthusornamenten in den Achsen. Die Apostel 1–14 sind nicht gerahmt.

Technik: Fresko; die Darstellungen sind fast monochrom, unter ausschließlicher Verwendung von Ocker, Braun und Grau, mit reichen Weißhöhungen. Die rahmenden Kränze sind grau

Maße: A Höhe 6,05 m; 2,80 × 1,60

B Höhe 6,05 m; 2,80 × 1,60

C Höhe 6,05 m; 2,80 × 1,60

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei einer Innenrestaurierung 1884/85 wollte man eigentlich den Raum regotisieren, wozu aber das Geld fehlte. So verputzte man ihn neu; es sollten »an dem Plafond durch den Kunstmaler Matthias Schröder einige Medaillons, handelnd vom Kreuze Christi, angebracht werden. Zu anderen Bilderarten fehlen die Räume, weil der Plafond wegen des Hereinragens der Radienschnitte von je zwei nebeneinander stehenden Pfeilern sehr beschränkt ist«. Dazu kam es jedoch nicht (AEM), der Raum wurde von dem Aiblinger Maler Josef Deckinger nur »in einfacher, aber geschmackvoller Weise« farbig gefaßt, »im Renaissancestil – im Choro auf dem Plafond der Sternenhimmel, auf den Seiten hellrotes Teppichmuster - im Schiffe gelber matter Ton mit Borduren, entsprechend den architektonischen Formen –, die Pfeiler wurden sämtlich marmoriert...«. Der Chorbogen wurde abgebrochen (dabei wurden die Bilder von Jakobus dem Jüngeren und Andreas zerstört) und wurde durch einen gemalten ersetzt.

Bei der 1930 beschlossenen und 1931 durchgeführten Innenrestaurierung wurden von Hugo Williroider aus Hochstätt »16 alte Gemälde, Bilder und Zeichnungen aufgedeckt und wiederhergestellt« sowie »zwecks räumlicher Ergänzung von H. Williroider neu hinzugefügt« (StAM, LRA). Der damalige Pfarrkurat Josef Riedl berichtet: »An dem kunstvollen Deckengewölbe wurden unter mehreren farbigen Schichten Barockmalereien entdeckt. Die freigelegten Gemälde bedurften mehr oder minder der Ergänzung. Die drei Medaillen mit den Namen Jesus, Maria und Joseph konnten nicht mehr ergänzt werden« (sie liegen an der AR-Decke und im LHs vor dem Chorbogen und wurden neu gemalt). A und B hatten breite Risse, konnten aber wiederhergestellt werden. Im Chor wurden die Apostelbilder von Andreas (5) und Jakobus dem Jüngeren (11) neu gemalt, die der Restaurierung von 1884/85 zum Opfer gefallen waren. Zusätzlich wurden »von Williroider aus räumlicher Ergänzung« im AR noch die Bilder von Barnabas (10) und Paulus (4) angebracht. Bei allen Apostelfiguren wurden die Wolkenkissen, auf denen sie stehen, reduziert. Nach den Berichten war in Bild C eine »Ventilationsöffnung« angebracht und dadurch der untere Teil der Marienfigur zerstört worden. Die Weltkugel mit der Schlange könnte also ursprünglich zu einer Immaculata Conceptio gehört haben. Taube und Inschrift sind von 1931

Reinigung und Neutönen des Raums 1968 wieder durch Williroider

Bei den Voruntersuchungen der Firma Lauber, Bad Endorf vor der letzten Restaurierung 1992 durch Manfred Lauber ergaben, daß Williroider sich 1931 bei den bildlichen Darstellungen möglichst an den Bestand gehalten, bei der ornamentalen Malerei aber recht frei gearbeitet hatte. Es war deshalb »nicht möglich, die Raumschale, damit auch die Deckenbilder und die Ornamentmalerei lediglich auf das Freilegungsund Restaurierungsergebnis der 50er Jahre hin zu reinigen Eine effektive Reinigung hat dazu geführt, daß insbesondere die Ornamentmalereien von Williroider, die seinerzeit das barocke Original nachvollziehen sollten, bis auf geringe Reste beseitigt wurden« (BLfD, 30.9. 1992). Die Ornamente wurden deshalb als Vollretusche erneuert, die stark verschmutzter Deckenbilder wurden gereinigt und besonders an den Kittstellen retuschiert

Beschreibung und Ikonographie

Die Darstellungen sind völlig flächig, die Konturen betont; die Farbigkeit ist mit der ausschließlichen Verwendung von Gelbgrau, Ocker, Weiß und Braun der Monochromie angenähert. Die Dekoration besteht aus Blattkränzen um die Hauptbilder.

Chorgewölbe mit MARIA- und IHS-Monogramm, 4-11 Apostel

aus Eierstableisten, die die Schildbögen und Stichkappengrate betonen und zusätzlich aus fetten Akanthusornamenten an den Rahmen, den Stichkappenspitzen und in den Stichkappen. Ursprünglich folgte auf die Deckenbilder im LHs noch ein kleineres vor dem Chorbogen und im AR zwei ebensolche. Das im LHs zeigte das Josephs-Monogramm, die beiden Bilder im AR die Monogramme Mariens und Jesu.

A JOHANNES DER TÄUFER Johannes der Täufer steht auf Wolken, Reihen von kleinen Wölkchen, am Rahmen umlaufend angeordnet, sollen eine Himmelsöffnung darstellen. Der Täufer trägt ein härenes Gewand, darüber einen weiten Mantel. Er hält den Stab in der Linken und weist mit der Rechten auf das Lamm zu seinen Füßen

B DER KREUZPARTIKEL VON TATTENHAUSEN Ein Kranz von Wölkchen umgibt wie in A die Darstellung. Zwei Engel, auf Wolken kniend, halten den Fuß eines Kreuzreliquiars. Ein kleines weißes Kreuz in der Mitte zeigt an, daß es sich um einen Kreuzpartikel handeln muß. Darunter sind drei Engelsköpfchen zu sehen.

C MARIA IMMACULATA (z.T. zerstört) Auch dieses Bild zeigt eine Himmelsöffnung, von einem Kranz kleiner Wölkchen umgeben. In der oberen Hälfte ist die Halbfigur Mariens zu sehen, die eine Lilie in der Linken hat. Der untere Teil der Darstellung wurde offenbar bei der Restaurierung 1884/85 zerstört. Hier ist eine geschnitzte und vergoldete Geisttaube angebracht, unter ihr im Halbkreis die Inschrift REGINA VIRGINUM. Die Weltkugel am unteren Bildrand, um die sich eine Schlange mit dem Apfel im Maul ringelt, könnte wieder original sein.

1-14 APOSTEL Zyklus von ursprünglich zwölf, heute vierzehn Aposteln. Sie sind alle in den Gewölbezwickeln von LHs und AR dargestellt, auf kleinen Wölkchen stehend, über ihnen je ein Heiligenschein. Die Wölkchen übergreifen die dekorative Bemalung der Stichkappen. Barnabas (10) ist in der Liturgie der Apostelreihe hinzugefügt worden. Er brachte Paulus nach dessen Bekehrung zu den Aposteln und blieb als sein Begleiter auf der ersten Misssionsreise bei ihm.

Quellen und Literatur

StAM, LRA 119152: Restaurierung 1930/31. AEM, Pfarrakten Tattenhausen, Bauten II: Innenrenovierung 1984/85.

BLfD, Akt Tattenhausen, Kirche Heilig Kreuz.

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 56. Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 52 f.

KDB I OB) (2), S. 1669

Bergmaier, Peter, Tattenhausen, in: Der Mangfallgau 11, 1966, S. 139-55.

Historischer Atlas von Bayern I, Bd 38 Rosenheim. Die Landgerichte Rosenheim und Auerburg und die Herrschaften Hohenaschau und Wildenwart (Gertrud Diepolder, Richard van Dülmen, Adolf Sandberger), München 1978, S. 49.

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