St. Nikolaus, Kapelle St. Nikolaus
Kapelle: Gemeinde Ammerhöfe, Pfarrei Huglfing, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Pfarrei Berg, die dem Kloster Polling inkorporiert war, Gericht Murnau
Patrozinium: St. Nikolaus
Zum Bauwerk: Älterer Baukern, Umgestaltung und Bauerneuerung um die Mitte des 18. Jh. Einfacher Saal mit eingezogenem AR und dreiseitigem Schluß. Im W Empore
Autor und Entstehungszeit: Signatur am W-Rand von A: Johannes Joseph Zwinckh Anno 1753. Der Auftrag an Zwinck erging wohl durch das Kloster-Ettalische Gericht Murnau
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs ovale Flachkuppel, AR Flachtonne mit Stichkappen
Rahmen: A–D, 1–6 imitierte Goldrahmen mit Akanthusband; die Fresken sind durch Rocailleornamente miteinander verbunden; a–d ovale Stuckrahmen
Technik: Fresko mit Seccoübermalungen; A–D, 1–6 polychrom, a–d monochrom karmin
Maße: A Höhe 6,50 m; 3,00 × 2,15
B Höhe 6,50 m; 3,00 × 2,15
C Höhe 6,50 m; 3,00 × 2,15
D Höhe 5,30 m; 2,80 × 2,25
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1864 und 1911 fanden Restaurierungen statt. Die Deckenbilder zeigen Wasserschäden, hauptsächlich A und C, 1 und 6. a–d weitgehend zerstört (keine Abbildungen). Übermalungen sind in allen Fresken sichtbar. Die Farben wirken stark nachgedunkelt, dies ist wahrscheinlich auf Seccoübermalungen der Restaurierungen zurückzuführen.

Beschreibung
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - A DIE BEFREIUNG DES KNABEN Das Deckengemälde hat seine Basis im W über der Orgel. Der Bildraum ist in sich ohne räumlich logischen Zusammenhang. Die Vordergrundarchitektur liegt wie eine Kulisse vor der Landschaftstiefe und hat einen eigenen Fluchtpunkt der Tiefenlinien. Der Fluchtpunkt der in Vogelperspektive wiedergegebenen Landschaft liegt im oberen Bildviertel. Die Baumreihe, die hinter der Architektur in die Tiefe führt, zeigt wieder eine andere Perspektive.

Über einem Pflasterboden und geschwungenen Steinstufen erhebt sich am rechten Bildrand eine Säulenhalle. An einem gedeckten Tisch sind Edelleute beim Mahl. Den Vordergrundsschauplatz schließt nach hinten eine niedrige Balustrade ab. Dahinter öffnet sich eine weite Landschaft mit Bergen, einem Fluß und einer Stadt. Durch eine Öffnung der Säulenhalle fliegt der hl. Nikolaus mit einem Knaben in höfischer Tracht, der noch eine Kanne in Händen hält. Die beiden großen schwebenden Figuren bilden den Mittelpunkt der Szene.
Die Farben der Landschaft und der Architektur sind düster und unbunt. Kalte Braun- und Grautöne herrschen vor. Die Landschaft mit dem Himmel kann man fast als Grisaille bezeichnen. Als kräftige Buntfarben erscheinen nur Rot in den Kleidern des Knaben und eines Edelmanns und Gelb im Ornat des Heiligen.
B RETTUNG DER EDELLEUTE Der Betrachterstandpunkt für B, C und D liegt direkt unter dem jeweiligen Bild. Für A ist wegen der Orgelempore der Standpunkt unter B zu suchen.
Den Bildvordergrund und Hauptschauplatz bildet ein steiniger Platz, von niedrigen Büschen umgeben. Im hellen konzentriert einfallenden Licht agieren hier die drei Hauptfiguren: ein Edelmann, der am Boden kniet und flehend seine Hände erhebt; ein Henker, der eben das Schwert zum Todesstoß aus der Scheide zieht, und der hl. Nikolaus, der mit erhobener Hand dem Henker Einhalt gebietet. Gegenüber dieser Hauptszene liegt der Hintergrund – eine hügelige Landschaft mit dem Tor und den Türmen einer Stadt in der Ferne – im Dunkeln.
Außer dem Gelb im Ornat des Heiligen gibt es in diesem Bild keine helle Buntfarbe. Die Landschaft ist fast monochrom graugrün, am Himmel sind schwere violette und graue Wolken.
C GRAB DES HL. NIKOLAUS C gibt Einblick in einen Kirchenraum. Man sieht im oberen Bilddrittel einen Sarkophag mit der Liegefigur des Bischofs Nikolaus. Dieser Sarkophag mit den Stufen nimmt – bildparallel – fast die ganze Breite des Bildes ein. Am Fußende des Sarkophags ergießt sich aus einem kleinen Rohr Öl in ein großes steinernes Becken im Bildvordergrund. Um dieses Brunnenbecken haben sich Bittflehende versammelt, Krüppel und Kranke, die Heilung suchen.
Der gesamte Schauplatz hat eine nur wenig nuancierte, düstere braun-violette Farbigkeit, von der sich einzelne Buntfarben an den Figuren kaum abheben.

D GLORIE DES HL. NIKOLAUS In einem Kranz aus schweren braunen Wolken, die die ganze Bildfläche einnehmen, thront der Heilige in hellem, weiß-gelb-hellblauem Gewand, den Blick nach oben gewandt, mit ausgebreiteten Armen. Ein Engel trägt seine Mitra, zwei Putti seine Attribute Stab und goldene Äpfel. Westlich ist zwischen braunen Wolken das Dreieck mit drei Flammenzungen, Symbol der Dreifaltigkeit, wiedergegeben.
1–6 Medaillonbilder, an der Ovalkuppel des Langhauses um A, B und C angeordnet, ihnen in Farbe und Bildanlage ähnliche


Ikonographie
Das Deckenbildprogramm gibt einen verhältnismäßig ausführlichen Nikolauszyklus wieder, in den auch selten dargestellte Nikolausszenen aufgenommen sind. Sie werden nach der Biographie aufgeführt.
1 DAS WANNENWUNDER Ein ovaler Innenraum stellt die Geburtsstube Nikolaus' vor. Die Mutter liegt im Wochenbett, auf einem Podest in der Mitte steht die Wanne, in der sich das Kind mit gefalteten Händen erhoben hat. Zwei Mägde weichen mit Gebärden des Erstaunens zurück. – Jacobus de Voragine (Die Legenda aurea, hg. v. Richard Benz, Heidelberg [o. J.], S. 26) berichtet von diesem Wunder, das er der griechischen Vita des Nikolaus von Sion entnommen hat (Gustav Anrich, Der heilige Nikolaos in der griechischen Kirche, 2 Bde, Leipzig 1914—17, Bd 2, S. 3, 179 f., 391).
2 HEILUNG DER ALTEN FRAU Auf einem von Palast- und Kuppelbau gerahmten Platz tritt dem Knaben Nikolaus eine Frau auf Krücken entgegen. – Die Legende von der Heilung der gelähmten Frau (bzw. einer Frau mit verdorrter Hand, beide Deutungen sind in Zwincks Darstellung möglich) geht ebenfalls auf die Vita des Nikolaus von Sion zurück, die auch in der griechischen Kirche vielfach mit der Vita des Nikolaus von Myra identifiziert wurde (Anrich a. a. O., Bd 2, S. 391), und ist bei Petrus de Natalibus (Catalogus Sanctorum et gestorum eorum ex diversis voluminibus collectus, Lyon 1508, Liber Primus, fol. 6—7) aufgezeichnet, ohne in den abendländischen Nikolausviten weitere Verbreitung gefunden zu haben.
Die Szenen 3–6, B und C zählen zu den häufig dargestellten und folgen den verbreiteten Nikolausviten (Legenda aurea, a. a. O., S. 26–34; Surius, Bd 6, 6.12., S. 182–88; Ribadeneira-Hornig, Bd 2, 6.12., S. 937—47).





Quellen und Literatur
Gailler, Franciscus Salesius, Vindeliciae Sacrae Tomi 3.. Capitulum Weilheimense, Augsburg 1756, Cap. 9, 5 Braun-Augsburg, Bd 1, S. 345. VDD LOD (1) C 722
KDB I OB (1), S. 722.
Mauthe, Willi, Der Pfaffenwinkel, Weilheim 1962 S 48
SCHONGAU
Stadtpfarrkirche Kreuzkapelle S. 521