St. Johannisrain, Filialkirche St. Johannes Baptist und Evangelist
ST. JOHANNISRAIN
Filialkirche, Gemeinde Penzberg, Pfarrei St. Georg in Sindelsdorf, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung (bis 1806) Pfarrei St. Maria in Sindelsdorf, die dem Kloster Schlehdorf inkorporiert war, Diözese Freising, als Klosterhofmark unter dem Gericht Benediktbeuern
Patrozinium: St. Johannes Baptist und Evangelist
Zum Bauwerk: 1715/17 wurde der Chor der spätmittelalterlichen Kirche erweitert und neu dekoriert durch den Benediktbeurer Klosterpalier Josef Hainz, 1733/35 folgte der Gemeinderaum. – Einfacher Saal mit leicht eingezogenem Vorchor und Drei-Konchen-Altarraum.
Auftraggeber: Abt Magnus Pachinger von Benediktbeuern (1707-42) ist wahrscheinlich der Auftraggeber, denn bei der Neugestaltung der Kirche waren vorwiegend Benediktbeurer Künstler beschäftigt. Benediktbeuern war als Hofmarksherr für St. Johannisrain zuständig.
Autor und Entstehungszeit: werden durch Kirchenrechnungen überliefert: 1721 Ausmalung des Chores durch Michael Schalck, Maler aus Benediktbeuern; 1733/35 Ausmalung des Gemeinderaumes durch Matthias Allezer, Maler aus Riegsee (Mindera 1939 und 1965).
Befund
Träger der Deckenmalerei: A abgeflachte Tonne, B Flachkuppel
Rahmen: A schlichtes Rahmenprofil, A1-6 Gitterwerkkartuschen, B Blattkranzprofil, B1-4 Kartuschen mit Blattranken
Technik: Fresko: polychrom
Maße: A Höhe 5,75 m; 2,75 × 2,00 m; B Höhe 6,60 m; Ø 2,00 m
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1948-50 (Jahreszahlinschriften im LHs) wurden die 1793 zugedeckten Fresken wieder freigelegt. Die originale Malerei ist als ruinös zu bezeichnen, die Farben sind stumpf und fahl und in ihrem Farbwert stark verändert. Die figürliche Zeichnung ist durch die Restaurierung einigermaßen lesbar gemacht. Neu gemalt ist das apokalyptische Lamm in einer Kartusche vor dem Chor.
Beschreibung und Ikonographie
A GASTMAHL DES HERODES (Mc 6,17–28) Das einansichtige Deckengemälde, in der Mitte des Langhausgewölbes, hat seine Basis im W, d. h. die Blickrichtung verläuft sinnwidrig zur Orgelempore hin. Der Betrachterstandpunkt ist unterhalb der Bildmitte.
Salome präsentiert dem König Herodes das abgeschlagene Haupt des Täufers auf einer Schale. Die Personen des Gastmahls, Herodes und Herodias, Salome, der Henker, Gäste und Musikanten sind als kleine Figürchen um die langgestreckte Tafel gruppiert, in bescheiden-naiven Kunstmitteln der Tafelbildmalerei gestaltet. Der Schauplatz, eine hohe Bogenhalle, die Tafel, ein fliesenbelegter Fußboden, ist in reiner Horizontalperspektive wiedergegeben.
A1-6 IOHANNESSZENEN
A1-2 (keine Abbildungen) Die zwei Kartuschen über der Orgelempore zeigen Johannes als Erwachsenen. A2: Johannes tauft. Die beiden Täuflinge sind als Kinder (!) wiedergegeben. A1: Johannes im Kerker. Der kastenförmige Kerker ist völlig unvermittelt in eine Wüstenlandschaft gesetzt.
Eine Kartusche über der Orgelempore zeigt nur einige Schilfhalme (keine Abbildung).
Vier der Kartuschbilder, A3-6, zeigen Szenen apokryph-legendärer Herkunft aus der Kindheit des Johannes in der Wüste. Je zwei zusammengehörige Bilder sind paarweise einander gegenübergestellt.
A3-4 Der Johannesknabe im Fellgewand sitzt in der Einöde beim Schriftstudium (A3) und bei der Betrachtung eines Totenschädels und eines Stundenglases (A4). Die Motive stammen aus der Einsiedlerikonographie. Bei Lukas (1,80) findet sich der Hinweis, daß Johannes zurückgezogen in der Wüste aufwuchs.
A5-6 Der Johannesknabe – mit dem kennzeichnenden ECCE AGNUS DEI-Band – predigt dem Jesusknaben (A5). Der Johannesknabe führt das Lamm, auf welchem der Jesusknabe reitet. Jesus hält ein Beil, hinter ihm ragt ein Kreuz auf (A6). – Johannes, der Wegbereiter des Erlösers, hat Jesus als das Lamm Gottes erkannt (Jo 1,29–36). Lamm, Schlachtbeil und Kreuz weisen auf die Passion Jesu hin. – In der naiv-rührenden Darstellungsweise erinnern diese Kartuschen an volkstümliche Andachtsbildchen, die ebenfalls bedeutende Inhalte in eine spielerisch-kindliche Sphäre versetzen.


B MARIA MIT JESUS UND JOHANNES
Bei einem dunkel aufragenden Felsen sitzt Maria, den Jesusknaben auf dem Schoß. Der junge Johannes davor deutet auf beide hin. Neben dem Felsen ist eine weite öde Landschaft mit einem Fluß in hellem Licht wiedergegeben.
Die sehr schlecht erhaltenen Bildmotive erinnern an italienische Kunst. – Thematisch gehört das Bild zu den Kartuschbildern im später ausgemalten Gemeinderaum (A2-5) und leitet sich von den apokryphen Berichten über die Kindheit Jesu in Ägypten ab.
B1–4 Die Kartuschen zeigen zwei männliche und zwei weibliche alttestamentarische Gestalten vor neutralem hellem Grund. Nur die männlichen Figuren sind deutlicher durch Attribute gekennzeichnet:
B1 Der auf sein aufgeschlagenes Buch weisende Hohepriester ist wohl als Zacharias, der Vater des Johannes, zu deuten.
B4 Der Bärtige mit Hirtenschippe und Schaf ist wohl Joachim, der Vater Mariens.
B2 und B3 Die beiden weiblichen Gestalten – jeweils mit aufgeschlagenem Buch – sind wahrscheinlich sinngemäß als Elisabeth, die Mutter des Johannes, und als Anna, die Mutter Mariens, anzusehen.
Quellen und Literatur
Deutinger, Martin von, Die älteren Matrikeln des Bisthums Freysing, Bd 2, München 1849, S. 599.
Gernhardt, Ludwig, Sindelsdorf, in: Weilheimer Sonntagsblatt 8, 1931, S. 15 f.
Mindera, Karl, Das Handwerk im Dienst der Kunst auf dem Boden der Grundherrschaft Benediktbeuern, München 1939, S. 55.
Mauthe, Willi, Der Pfaffenwinkel, Weilheim 1964, S. 42. Mindera, Karl, Benediktbeuern – Kulturland und Kirchen (= GKF Nr. 23), München 31970, S. 44.
