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Sindelsdorf, Pfarrkirche St. Georg

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 530–531, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

SINDELSDORF

Pfarrkirche, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung dem Kollegiatstift Habach inkorporiert, Klostergericht Benediktbeuern

Patrozinium: St. Georg

Zum Bauwerk: Neubau 1699, Weihe 1708. Ab 1780 Erneuerung der Innendekoration (Mindera). - Einfacher Saal mit eingezogenem AR; dreiseitiger Schluß. Im W Empore.

Autor und Entstehungszeit: Signatur in der SO-Ecke von A: Jak: Seb: Troger. / inv: et Pinx: / 1790. Die Inschrift wurde bei einer Restaurierung verdorben; statt Jak: muß Joh: stehen, denn um diese Zeit gibt es keinen Maler Jakob Troger. Trotz des schlechten Erhaltungszustands ist anzunehmen, daß Johann Sebastian Troger (* um 1735 †1792, vgl. Weilheim, St. Pölten) Autor der beiden Fresken ist.

Befund

Träger der Deckenmalerei: A und B Flachtonne mit Stichkappen

Rahmen: gemalte Rahmung Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 8,10 m; 8,00 × 5,10 B Höhe 7,70 m; 4,75 × 2,90

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1914 und laut Inschrift in A renov./1952 restauriert. Der Zustand beider Deckenbilder ist schlecht: Feuchtigkeitsschäden, schlecht gekittete Risse; die Farbsubstanz ist weitgehend ruiniert.

Beschreibung und Ikonographie

A DIE HLL. GEORG UND SEBASTIAN ALS FÜRBITTER Der Betrachterstandpunkt der einansichtigen Darstellung liegt in der Mitte des Langhauses. Mäßige Untersicht, geringe Verkürzungen. Im Zentrum eines lichten Wolkenhimmels thronen Christus und Gottvater über einer großen, von Engeln getragenen Weltkugel. Zwischen ihnen ragt das Kreuz auf; Engelsköpfchen in den Wolken umgeben die göttlichen Personen. Rechts und links unter dieser Gruppe knien auf geballten Wolkenkissen die beiden Heiligen, Georg und Sebastian. Georg, in römischer Soldatentracht, hält in der Rechten die Lanze; hinter ihm krümmt sich der überwundene Drache. Zu seinen Füßen leert ein Engel aus einem Füllhorn Früchte und Ähren über die Landschaft und die Menschen. Rechts kniet Sebastian, ebenfalls in römischer Soldatentracht, eine Fahne in Händen. Bei ihm ist ein Putto mit einem Pfeilbündel, Hinweis auf sein Martyrium; der Palmzweig ist wie bei Georg Symbol seines Martertodes. Schild und Schwert sind Standesabzeichen.

A Die Fürbitter Georg und Sebastian

Die terrestrische Szenerie — annähernd in Vogelperspektive wiedergegeben — nimmt kaum ein Viertel der gesamten Bildfläche ein. In einer bergigen Landschaft sind fünf Kirchen wiedergegeben, in denen man mit einiger Sicherheit vorne links St. Georg von Sindelsdorf, in den Bergen St. Johannisrain, Bichl und das mauernumschlossene Benediktbeuern und schließlich vorne rechts die Stiftskirche Habach erkennen kann. Zwei bäuerliche Bittprozessionen ziehen aus der Tiefe in den Vordergrund, jede von einem Geistlichen angeführt.

Die ursprüngliche Farbigkeit ist weitgehend zerstört. Von der typisch Trogerschen Farbgebung in Ocker, Karminrosa und kräftigem Blau sind nur mehr Spuren vorhanden. Verschiedene Grüntöne sind sicher Zutaten der Restaurierung.

B Das apokalyptisch-eucharistische Lamm

B DAS APOKALYPTISCH-EUCHARISTISCHE LAMM In dem langgestreckten Freskofeld über dem Hochaltar ist das geschlachtete Lamm auf dem Buch mit den sieben Siegeln (Apoc 5,6 und 5,1) wiedergegeben. Ein Blutstrahl entströmt der Wunde des Lammes. Es ist als Opferlamm auf die Eucharistie bezogen. Sechs männliche Gestalten sind in den Wolken um das Lamm gruppiert. Gewandung und Attribute geben nur ungenaue Hinweise zur Bezeichnung derselben: drei Kronen - niedergelegt oder dem Lamm dargeboten -, zwei Räuchergefäße und eine Harfe weisen auf die apokalyptischen 24 Ältesten (Apoc 4,10 u. 5,8-10). Die geringe Zahl wie auch die farbigen Gewänder entsprechen jedoch nicht dem biblischen Text und den üblichen bildlichen Darstellungen dieses Themas. Eine große rot-blau gekleidete, jugendliche (!) Figur vorne links fängt in einer Schale etwas von dem Blut des Lammes auf. Diese hat wie zwei weitere jugendliche, unbärtige Figuren - oben links - einen Palmzweig, der wohl auf die Darstellung von Heiligen hinweist. Allem Anschein nach ist die Darstellung ikonographisch durch Restaurierung verändert worden.

Quellen und Literatur

Gailler, Franciscus, Vindeliciae Sacrae Tomi 3... Capitulum Weilheimense, Augsburg 1756, Cap. 38.

Braun-Augsburg, Bd 1, S. 353

KDB I OB (1), S. 726.

Gernhardt, Ludwig, Sindelsdorf, in: Weilheimer Sonntagsblatt 8, 1931, S. 15 f.

Damrich, Johann, Johann Sebastian Troger und seine Sippe, in: Weilheimer Sonntagsblatt 12, 1935, S. 35.

Mindera, Karl, Benediktbeuern – Kulturland und Kirchen (= GKF Nr. 23), 31970, S. 44.

Mauthe, Willi, Der Pfaffenwinkel, Weilheim 1964, S. 45.