Schwabbruck, Pfarrkirche St. Salvator
Pfarrkirche, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung hatte die Benediktinerabtei Füssen das Präsentationsrecht auf die Pfarrei, Niedergericht Kloster Füssen
Patrozinium: St. Salvator
Zum Bauwerk: Spätgotischer Bau; Inschrift an der O-Wand des ARs mit der Jahreszahl 1493. 1686/87 Barockisierung; 1795 Verlängerung nach W und klassizistische Ausstattung. – Dreiachsiger pilastergegliederter Saalbau, eingezogener zweiachsiger AR mit Dreiachtelschluß; im W Doppelempore
Auftraggeber: Nach dem Chronogramm in A (s. Autor) Pfarrer Franziskus Wanckmiller unter Abt Ämilian Hafner (1778–1803; Wappen am Chorbogen)
Autor und Entstehungszeit: Signatur in B über dem O-Rahmen JAH (ligiert) über P. 1795. Chronogramm in A praebosIto hVIatIs ECCLesIae / FrancIsCo VVanCk MILLer / haec pInXI Ioannes IosephVs нVber. (= 1795). Der Augsburger Akademiedirektor Johann Joseph Anton Hueber hatte an der Straße zwischen Landsberg und Schongau zuvor schon die Pfarrkirchen in Unterdießen und Denklingen (s. LKr. Landsberg am Lech) freskiert. Von Hueber stammen auch die Bilder an den Emporenbrüstungen.
Befund
Träger der Deckenmalerei: A Flachtonne mit Stichkappen, B Tonne mit Stichkappen, im O abgemuldet Rahmen: A gemalter rechteckiger Profilrahmen mit imitiertem Laubkranz, B imitierter ovaler Stuckrahmen in Form eines goldenen Laubkranzes. Technik: Fresko; A, B, a, A1-4, B1-2 polychrom, Aa-d, Ba-d Grisaillemalerei auf hellgrünem Grund Maße: A Höhe 9,85 m; 9,30 × 5,00 B Höhe 9,50 m; 3,70 × 2,80 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen fanden 1908 durch M. und A. Vogt, 1947 durch H. Pfohmann und 1953 durch Firma Hartmann statt, wobei jeweils ein sich besonders in Fresko B ausbreitender Schimmelpilz beseitigt werden mußte. Bis auf einige offene und geflickte Risse und Schimmelstellen im Mittelteil von A ist der Zustand der Bilder gut.
Beschreibung und Ikonographie
Die gemalte Rahmung teilt das Gewölbe in großzügige Felder auf, die ziemlich streng der architektonischen Gliederung folgen. Durch das Aufgeben der für den Barock typischen, zwischen Hauptfresko und Stichkappenzone vermittelnden Kartuschenform ist Raum gewonnen, der um die figürlichen Szenen viel Freiraum schafft, die einzelnen Bilder aber auch desto stärker voneinander isoliert.
A HIMMELFAHRT CHRISTI (Act 1, 9–11) Die geradlinige, von keinem Ornament durchbrochene Umrahmung bestimmt die Bildanlage ganz im Sinne der Tafelmalerei. Die Szene baut sich einansichtig über dem östlichen Rahmen auf, ohne eine panoramahafte Wirkung anzustreben. Der Standort des Betrachters liegt unterhalb der Mitte des Bildfeldes. Auf einem ansteigenden, in Erdschollen zerklüfteten Terrain sind sitzend, stehend und kniend die Apostel versammelt und richten Gesten und Blick auf den emporschwebenden Christus. Zu Seiten des Auferstehenden schweben zwei Engelgruppen, und zu seinen Häupten erscheint der segnende Gottvater, der sich über die von einem Engel getragene Weltkugel herabbeugt. - In der terrestrischen Zone mit den Aposteln sind noch illusionistische Mittel angewandt wie Untersicht, Verkürzung und Konvergenz der Körperachsen und Bäume auf einen Höhenfluchtpunkt, der ungefähr in der Gestalt Christi liegt. Die über den Aposteln schwebenden Engelgruppen, der auffahrende Christus sowie Gottvater weisen jedoch keine dieser Merkmale auf. Ein Kriterium des Klassizismus ist auch die streng symmetrische Aufteilung der Apostel- und Engelgruppen beiderseits der Mittelachse. Diese markieren ein stehender Apostel, Christus, der Engel mit Weltkugel und der Putto mit dem Gewandsaum Gottvaters. Auffallenderweise beschränkt sich die Anwendung der Luftperspektive auf eine farbliche Zurücksetzung der Mittelachse, d. h. der Figuren von Petrus und Jesus, die dadurch in den Hintergrund gerückt sind. Die in der Größenproportion gegenüber den anderen Figuren zurücktretende Gestalt Christi – der inhaltlichen Bedeutung nach die zentrale Gestalt der Darstellung – kennzeichnet eine auch die ikonographische Dimension erfassende Wandlung der Gestaltung. Ebenso charakterisieren die klare Zeichnung, die detaillierte Durcharbeitung und Isolierung der einzelnen Gestalten, die gesteigerten plastischen Werte die späte Stilphase der Deckenmalerei.





Die Farbwirkung ist sehr klar und kühl. Gegen das Blau des Himmels und das gelbliche Weiß der Wolken sind Kobaltblau, Ziegelrot, Weinrot, Lila, Zitronengelb und Hellgrün effektvoll nebeneinander gesetzt.
A1 GANG NACH EMMAUS (Lc 24,13 ff.) In einer Landschaft, die sich im Hintergrund zu einem hügeligen Gelände mit einer ummauerten Stadt öffnet, steht Jesus zwischen den zwei Wanderern. Links begrenzen eine Palme und Büsche die Szene.
A2 JESUS ERSCHEINT MARIA MAGDALENA (Jo 20,14 ff.) In einer ähnlich gebildeten Landschaft mit Hintergrundszenerie kniet Maria Magdalena neben ihrem Salbgefäß. Christus als Gärtner, mit einem Hut bekleidet und einen Spaten in der Hand, steht vor ihr und hält die ausgestreckte Linke über ihr Haupt.
A3 JESUS ERSCHEINT DEN MARIEN (Mt 28,9 f.) In reizvoller baumbestandener Landschaft steht Jesus vor den erregten Frauen, deren ältere vor ihm auf die Knie gesunken ist.


A4 JESUS AM SEE GENEZARETH (Jo 21,4 ff. Am Ufer des Sees, im Schatten eines Laubbaums, steht Jesus mit ausgebreiteten Armen und weist die im Schiff versammelten Apostel an, die Netze auszuwerfen
Aa-d KIRCHENVÄTER Ganzfiguren auf Wolken mit ihren Attributen, Aa Gregor, Ab Ambrosius, Ac Hieronymus, Ad Augustinus.

a Putti
B AUFERSTEHUNG CHRISTI (vgl. Mt 28,2–4) Der Betrachterstandort liegt unterhalb des westlichen Bildviertels des ovalen Freskofeldes. Wie in allen vorhergehenden Bildern führt auch hier eine dunkle Repoussoirzone in die einansichtige Szene ein. Vor dem Sarkophag stürzen drei von panischem Schrecken ergriffene Soldaten zu Boden, die Gesichter vor der Lichterscheinung verdeckend. Dem Sarkophag, dessen Steindeckel ein Engel geöffnet hat, entschwebt Christus mit der Siegespalme. Von den rot-grün-blauen Gewändern der braunen Soldatenkörper ist die Figur Christi vor weißen Wolken in transparenten Weißbrechungen abgehoben.
B1 PETRUS UND JOHANNES AM GRAB (Jo 20,6 ff.) Die beiden Jünger blicken in das geöffnete Grab, ihre Gebärden drücken Bestürzung aus.
B2 MAGDALENA AM GRAB (Jo 20,11) Trauernd, ein Tuch an die Augen führend, steht Maria Magdalena am leeren Grab; neben ihr das Salbgefäß




Ba-d VIER EVANGELISTEN in Ganzfigur auf Wolken, mit ihren Attributen: Ba Matthäus, Bb Markus, Bc Johannes, Bd Lukas
EB1 PFINGSTEN (Act 2,1-3) Das schmale, breitformatige Bildfeld an der oberen Emporenbrüstung zeigt die Darstellung der Ausgießung des Hl. Geistes in Form von Feuerzungen über den Häuptern Mariens und der Apostel.
EB2 DER UNGLÄUBIGE THOMAS (Jo 20, 26–29) Das Fresko an der unteren Emporenbrüstung zeigt den Auferstandenen im Kreis der Apostel. Thomas berührt die Seitenwunde des Herrn.
Das Programm der Deckenbilder, in das die Emporenbrüstungsbilder miteinbezogen sind, behandelt in einer Folge von O nach W die Erscheinungen und Wunder des Salvators, die thematisch zum Festkreis von Ostern (B) bis Pfingsten (EB2) gehören.
Quellen und Literatur
Braun-Augsburg, Bd 1, 5, 102. KDB I OB (1), S. 604. Thieme-Becker, Bd 18 (1925), S. 14 f. Dehio-Gall OB (1952), S. 267. Hofmann, Sigfrid, Der Landkreis Schongau, München 1959, S. 105. Fried, Pankraz und Sebastian Hiereth, Die Landgerichte Landsberg und Schongau (= Historischer Atlas von Bayern Bd 22–23), München 1971, S. 240, 258, 272.

