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Schwabhausen, Kapelle St. Leonhard

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 229, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Kapelle, Gemeinde Weil, Pfarrei Schwabhausen, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung hatte Kloster Benediktbeuern das Präsentationsrecht auf die Pfarrei, Gericht Landsberg

Patrozinium: St. Leonhard

Zum Bauwerk: Die kleine Kapelle wurde 1478 errichtet, im 16. Jh. im W um ein Joch verlängert, 1865 nach Blitzschlag restauriert. Der dreiseitig geschlossene, spätgotische Raum mißt 5,60 m × 4,50 m

Autor und Entstehungszeit: Die einfachen Bauernmalereien sind wohl gegen 1770/80 entstanden.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Spätgotisches Sternrippengewölbe

Rahmen: gemalte Rocaillekartuschen

Technik: Fresko; monochrom, alternierend rot oder ocker Maße: Höhe (bis zum Gewölbescheitel): 5,50 m; mittleres Gewölbe Feld A (Achslängen): 3,40 × 3,10

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1954 erfolgte die Freilegung der Gewölbemalereien (Müller-Hahl); diese sind farblich sehr blaß und ungleichmäßig erhalten. Keine Abbildungen

Bildabfolge und Inschriften

Um das mittlere Gewölbefeld A, das den Namen Jesu, IHS, zeigt, gruppieren sich zehn Szenen, welche das hilfreiche Wirken des Bauernpatrones St. Leonhard wiedergeben:

    • e STABWUNDER DES MOSES (Ex 7,10–12)** Der durch Gottes Allmacht in eine Schlange verwandelte Stab des Moses verschlingt vor Pharao die durch ägyptische Zauberer in Schlangen verwandelten Stäbe. – SaCrVM plgnVs/reVeLatVr, / ChrlstI fIDes / roboratVr (=1779). Die in Moses’ Stab wirksame Kraft Gottes ist stärker als die Kraft der Zauberer, d. h. der Götzendiener. Diese Szene befindet sich – in inhaltlich direktem Bezug – unter der Darstellung des gestürzten Götzenbildes.
    • f DAS WASSER VON MARA (Ex 15,25)** Moses macht das bittere Wasser von Mara genießbar, indem er ein von Gott gezeigtes Holz hineinwirft, auch hier ein typologischer Bezug: auf das lignum crucis.
    • D ABENDMAHL** Das Chorfresko zeigt die Einsetzung der Eucharistie, eine auf den Altar im Chor als der Stätte des Meßopfers bezogene Szene. Diese besondere Darstel-lungsart – als Deckenfresko über dem Altar – ist erst im späten 18. Jh. häufiger anzutreffen. Die Abendmahlsszene ist nur durch den allgemeinen theologischen Sinnbezug – Kreuzesopfer, Meßopfer, Eucharistie – auf die übrigen Darstellungen bezogen.

1. **Ab hostibus liberat** – Drei Bauern vor einem Tor erheben hilfesuchend ihre Arme. 2. **Pecora servat** – Der hl. Leonhard wird als Beschützer des Viehs von einem Bauernpaar angerufen. 3. **Dissipat Grandinem** – Zwei Bauern bei einem Feld mit geknickten Kornähren (Hagelschaden). 4. **Cohibet Fulmina** – Zwei von Blitzen bedrohte Bauern auf freiem Feld. 5. **Mortuos vocat** – Ein Sterbender wird in einem Zelt versehen; im Hintergrund der Tod als Sensenmann. 6. **Obsessos liberat** – Einer besessenen Bäuerin entweicht der Dämon aus dem Munde, hinter ihr der Bauer. 7. **Debiles sanat** – Drei Brusthafte flehen um Hilfe. 8. **Vinctos solvit** – St. Leonhard erscheint einem Gefangenen, der vom Gefängnisturm herabgelassen wird.

Die Kartuschen 5 und 6 – über dem Altar – zeigen das Herz Jesu mit Kreuz und Dornenkrone und das Herz Mariens mit dem Schwert der Schmerzen und einem Kranz von Rosen – diese Bilder sind auf den Namen Jesu im Mittelfeld bezogen.

Quellen und Literatur

Müller-Hahl, Bernhard (Hg.), Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966, S. 613