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Schwabhausen, Pfarrkirche Heilig Kreuz

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 224–228, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

SCHWABHAUSEN

Pfarrkirche Kapelle S. 229

Pfarrkirche, Gemeinde Weil, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung hatte Kloster Benediktbeuern das Präsentationsrecht auf die Pfarrei, Gericht Landsberg

Patrozinium: Heilig Kreuz

Zum Bauwerk: An Stelle der schlecht erhaltenen Kirche außerhalb des Ortes wurde 1701/03 (Rohbau) im Ort eine neue Kirche durch den Landsberger Maurermeister Michael Beer II. errichtet; vollendet (mit Turm) 1720, geweiht 1723. Unter Pfarrer Johann Michael Luzenberger (1772- 1801) erfolgte 1779 eine Erneuerung der Innenausstattung (Landsberger Geschichtsblätter 1915). - Einfacher Saalraum, Chor eingezogen und bogenförmig geschlossen

Autor und Entstehungszeit: Signatur in B: Felix Rigl / pinxit / Augustae. / 1779. (Vitus Felix Rigl, Augsburger Maler; die Schwabhausener Fresken sind seine letzte bisher bekannte Arbeit.) Die Chronosticha am Chorbogen und in den Kartuschen b und e ergeben ebenfalls das Jahr 1779 (siehe unten).

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs gedrückte Tonne mit Stichkappen, AR flaches Stichkappengewölbe Rahmen: A, B, C, D imitiertes Rahmenprofil, überspielt von Rocaillen, a—f imitierte Rocaillekartuschen

Technik: Fresko; A-D polychrom, a, c, d, f monochrom rotbraun, b, e monochrom gelbocker

Maße: A Höhe 9,60 m; 3,40 × 3,40 B Höhe 9,60 m; 6,00 × 4,60 C Höhe 9,60 m; 3,40 × 3,40 D Höhe 9,60 m; 4,90 × 3,80

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die 1953 restaurierten Fresken zeigen große ausgebesserte Risse als helle Streifen im Bild (A, B, C, a). Die Risse in der nördlichen Bildhälfte von A sind z. T. wieder aufgesprungen und gehen in Bildfeld B über. Die Mittelpartie von B mit der Figur der Fides-Ecclesia ist erneuert. Von den auch farblich überarbeiteten Fresken ist das Altarraumfresko D am besten erhalten; es weist nur Haarrisse im Scheitel auf. Nach unserer fotografischen Aufnahme erfolgte 1973 noch eine Restaurierung.

Beschreibung

A 51. MICHAEL Der geharnischte Erzengel, bewaffnet mit Flammenschwert und Schild, setzt seinen Fuß auf die Brust des Anführers der bösen Geister, Luzifer. Von dem Zeichen des Kreuzes auf dem Schild Michaels geht ein Blitz aus und trifft den Feind Gottes, der mit seinem Anhang in die Flammen der Hölle stürzt. Zu Seiten Michaels tragen Putti die Attribute des Erzengels, Siegespalme und Gerichtswaage.

A St Michael

B KREUZESPROBE Der Betrachterstandpunkt des längsformatigen Hauptfreskos im LHs ist unterhalb der westlichen Rahmenkartusche. Die Bildanlage ist demgemäß exzentrisch: Die irdische Szenerie am östlichen Ende des Freskofeldes entschwindet an den Seiten allmählich dem Blick. Die westliche Bildpartie – direkt über dem Betrachter – zeigt dunkle Wolkenballen. In der Mitte des Bildes thront auf lichten Wolken die Gestalt der Fides-Ecclesia, das Kreuz Christi umfassend, den Hostienkelch zur Seite. Zu ihren Füßen – auf Erden – spielt sich die Szene der Kreuzerprobung ab:

Kaiserin Helena und Makarios, Bischof von Jerusalem, nehmen feierlich die Erprobung der drei unter römischen Ruinen gefundenen Kreuze vor. Gerade erfaßt die Tote, zum Leben erwachend, die Kreuzesarme und richtet sich, gestützt von zwei Frauen, auf. Diener zur Seite halten die beiden anderen Kreuze. Den Bildrand nehmen Fragmente römischer Architektur – Gebälkstück, Säulentrommel, Steinplatte – sowie Werkzeug der Ausgrabung – Spitzhacke und Schaufel – als Requisiten der Szene ein.

Hinter Kaiserin Helena erhebt sich ein hoher Torbogen, an dessen Seite ein großes Statuenpodest steht. Das plastische Bild eines heidnischen Gottes ist durch einen Blitz, geschleudert von einem Putto zu Seiten des Kreuzes im Himmel, vom Sockel gestürzt und zertrümmert worden. Vor diesem Blitz fliehen Tod und Teufel.

An der linken Seite ist die Szene der Kreuzesprobe durch einen hochragenden Obelisken begrenzt, hinter ihm sind die Personifikationen der vier Erdteile um die Weltkugel geschart. Gnadenstrahlen fallen vom himmlischen Kreuz auf die Gruppe, ein Putto hält einen Lorbeerkranz über sie.

Die etwas plump wirkenden Figuren werden in gemäßigter, manchmal recht ungeschickt ausgeführter Untersicht gegeben – dies trifft vor allem für die Putti unter den Wolken in der westlichen Bildpartie zu. Wie die beiden kleineren LHs-Fresken zeigt B eine matte, von Ockertöner beherrschte Farbigkeit, die sich in der Gesamtwirkung nicht wesentlich von den monochromen Bildfeldern unterscheidet. Dieser Farbcharakter ist durch den mäßigen Erhaltungszustand der Fresken mitverursacht, wie ein Vergleich mit den klareren, frischeren Farben des Chorfreskos zeigt.

C SCHLACHT AN DER MILVISCHEN BRÜCKE Das Bildfeld mit dem gleichen quadratischen Format wie A zeigt wie letzteres eine einansichtige Szene. Bei Sonnenaufgang sprengt Kaiser Konstantin zu Pferde mit seinem Heer zur Schlacht am Tiber heran. Vor seinen Augen stürzt sein Gegner, Maxentius, samt seinen Soldaten mit der zusammengebrochenen Brückenkonstruktion in die Fluten des Flusses. An der steil abfallenden Uferböschung zu Füßen des Kaisers kämpfen seine Ritter gegen die Feinde. Der siegreiche Kampf Konstantins wird im Zeichen des Kreuzes Christi geführt; dieses erscheint als lichtes Himmelsbild über dem Schlachtfeld. Das gleiche Kreuzzeichen führt das Heer Konstantins als Feldzeichen mit sich.

Die Gestalt des reitenden Feldherrn, begleitet von weiteren berittenen Soldaten, ist groß in den Vordergrund gesetzt – seitlich hinterfangen von einer Baumgruppe – und beherrscht die linke Bildhälfte. Die rechte Seite, ebenfalls eingefaßt von Baumstämmen, gibt den Blick in die Tiefe, in das weite Flußtal, das erfüllt ist von ertrinkenden Soldaten, wieder; perspektivisch stellt sich die Landschaft wie hochgeklappt dar.

a-f Die Kartuschfresken zeigen Szenen aus der Mosesgeschichte.

D ABENDMAHL Die klassische Komposition der Abendmahlstafel ist in diesem Bild vor die Kulisse eines aufwendigen, säulen- und pilastergeschmückten Raumes, überwölbt von einer durchlichteten Kalotte, gesetzt. Ein hochgeraffter schwerer Vorhang gibt den Blick auf die Szene frei.

Treppenläufe steigen zu der langgestreckten Mahltafel an, auf ihnen hat ein kniender Diener, der die Getränke mischt, seinen Platz.

Die Gestalt Christi in der Mittelachse des Bildes wird durch die streng symmetrisch geordneten Architekturformen als zentrale Figur hervorgehoben. An der rechten Seite ist als einzige Rückenfigur der sich von Christus abwendende Judas im charakteristischen gelben Mantel, den Geldbeutel hinter seinem Rücken versteckt haltend, wiedergegeben.

Das Bild wird farblich von dem in Ocker- und Goldtöne gebetteten Hellgrün-Violettrot-Farbklang bestimmt. Hellgrün ist die Reihe der Pilaster und Säulen, violettrot sind der Vorhang und einzelne Gewänder.

Ikonographie

Dem Patrozinium der Kirche gemäß ist das Kreuzesthema bestimmend für die bildlichen Darstellungen. Der Hochaltar, zu Ehren der Kreuzauffindung benediziert, zeigt eine plastische Kreuzigungsgruppe. Das Chronostichon am Chorbogen gibt das Motto der Darstellungen an: DVLGe LIgnVM / saLVs orbIs / VnIVersI. (= 1779) Die Hauptdarstellung B im Langhaus zeigt in diesem Sinne das Kreuz Christi; als Heil der Welt wird es durch die auf die vier Erdteile fallenden Gnadenstrahlen und – in typisch barocker Antithese – durch die Götzendienst, Tod und Teufel zunichtemachenden Blitze deutlich gemacht. Das Kreuz ist in Händen der Fides-Ecclesia wiedergegeben, es nimmt in Glaube und Lehre die zentrale Stelle ein. Diese symbolisch-allegorische Darstellung rahmt die Legendenszene der Erprobung der drei aufgefundenen Kreuze und deutet damit das Kreuz der Fides-Ecclesia im realen Sinn als das lignum crucis, in dessen Besitz sich die Kirche glaubt. (vgl. Ribadeneira-Hornig, Bd 1, S. 677 ff., 3. 5. zum Fest Inventio Crucis.)

C Schlacht an der Milvischen Brücke

Die Szene der Kreuzerprobung, ein in der zweiten Hälfte des 18. Jh. beliebtes Motiv aus der Kreuzlegende, folgt der aus dem 4. Jh. stammenden Legendentradition. Helena hält in der Rechten die drei Nägel des Kreuzes Christi, die sie bei einer späteren Nachsuche ebenfalls fand.

C Das Fresko vor dem Chorbogen C stellt die Heilsbedeutung des Kreuzes in einer weiteren historischen – legendarisch nur ausgeschmückten - Szene dar. Kaiser Konstantin siegt im Zeichen des Kreuzes Christi, das ihm in einer Vision zuteil wurde, über Maxentius an der Milvischen Brücke im Jahre 312, und zwar wie die Legende berichtet, ohne Blutvergießen: Maxentius stürzt mit seinem Heer beim unbedachten Überqueren der auf seinen eigenen Befehl vorgetäuschten Brückenkonstruktion in den Fluß (vgl. Eusebius, Vita Constantini, 1, 28, 29 und weiter LCI, Bd 2, Sp. 546—51, s. v. Konstantin).

A Das Michaelsbild über der Orgel gibt einen weiteren christologischen Aspekt: im Zeichen des Kreuzes Christi wird der Sieg über die abgefallenen Geister errungen.

a-f Die sechs Darstellungen des Moses sind typologisch auf das Kreuz Christi bezogen; der Stab des Moses spielt bei der typologischen Gegenüberstellung eine entscheidende Rolle.

a DURCHZUG DURCH DAS ROTE MEER (Ex 14,21 bis 28) Moses streckt die Hand über das Meer aus, und dieses teilt sich, um die fliehenden Israeliten hindurchzulassen. Auf ein zweites Zeichen des Moses hin ertränkt es das nachsetzende Ägypterheer. Die Szene zeigt wohl die bevorstehende Vernichtung des Ägypterheeres. Moses hält in dieser Darstellung den Stab in der Hand (virga Moisi), mit welchem er viele Wunder auf Gottes Geheiß wirkte. - Die Szene spielt nicht nur typologisch auf das Kreuz Christi (Stab – Kreuz) an, sondern zugleich auf die Schlacht an der Milvischen Brücke: die Feinde des Gottesvolkes wie die Feinde der Christen werden im Zeichen des Stabes (Kreuzes) von den Fluten vernichtet.

b QUELLWUNDER DES MOSES (Ex 17,6) Moses schlägt mit dem Stab Wasser aus dem Fels, um den Durst der Israeliten zu stillen. - In InVentae / CrVCIs gLorIa / VIrgae MolsI / sVnt proDIgIa. (= 1779). Das Chronostichon gibt den typologischen Sinnbezug des Stabes Moses’ zum Kreuz Christi an, und zwar speziell für die Szene des Quellwunders und der Kreuzauffindung.

c DIE EHERNE SCHLANGE (Num 21,9) Die von Moses an einer Stange – in Form des T-Kreuzes! – erhöhte Eherne Schlange heilt die Israeliten von der Gottesstrafe der Schlangenplage. Es ist eines der am meisten verbreiteten typologischen Bilder für die Kreuzigung Christi.

Eherne Schlange
f Wasser von Mara

Quellen und Literatur

Braun-Augsburg Bd 1, S. 390 f. KDB I OB (1), S. 547.

D Abendmahl

Die Pfarreien und ihre Vorstände – Schwabhausen (o. V.), in: Landsberger Geschichtsblätter 14, 1915, Nr. 4, S. 26; Nr. 5, S. 30–32; Nr. 6, S. 40. Dehio-Gall OB (1964), S. 281. Müller-Hahl, Bernhard (Hg.), Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966, S. 612 f.