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Raitenhaslach, ehem. Zisterzienserabtei, Konventbau, Altes Refektorium und alte Bibliothek

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 9: Landkreis Altötting. Hirmer, München 2003, ISBN 978-3-7774-9690-0, S. 210, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Alter Konventbau, Südflügel

Altes Refektorium und alte Bibliothek im Konventbau

Zum Bauwerk: Die genaue Lage dieser beiden Räume ist nicht bekannt. Nach den Annalen Abt Pendtners lagen sie übereinander, und nach den Berichten über den Abbruch des Konventbaus unter Abt Emanuel II. Mayr lagen sie im Südflügel. Abt Robert Pendtner ließ 1735 das Refektorium ausstatten. Dann ließ er den darüber gelegenen Heizraum abbrechen und dort noch im gleichen Jahr eine Bibliothek mit Vorhalle errichten und diese Räume ebenfalls ausstatten.

Die Bibliothek in Raitenhaslach hat mehrmals ihren Platz gewechselt; keiner der sechs ehemaligen Bibliotheksräume ist erhalten. Ursprünglich lag die Bibliothek über der Sakristei neben der Stiege; 1594 wurde sie erstmals verlegt, um 1700 unter Abt Candidus ein weiteres Mal, diesmal in den Raum über dem Klostermuseum. Die Bibliothek mit Vorhalle vor 1735 existierte bis zum Abbruch des alten Konventbaus und zum Neubau des neuen Refektoriumsstocks 1778 (mit Bibliothek im Obergeschoß (s. S. 213).

Auftraggeber: Abt Robert Pendtner von Raitenhaslach (1734–56). In der Trauerrede auf ihn ist unter den von ihm ausgestatteten Räumen das »feine Refectorium« erwähnt, außer dem »die mit vilen 100 raren Bücheren, und pretiosisten Au thoribus regular eingerichtete Bibliothec, in welcher zugleich eine künstliche Architectur, und eingelegte Schrein-Arbeit zu bewunderen ist« (S. 11).

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, 1735

Nachrichten in den Quellen

Über das Refektorium berichten die Annalen, Abt Robert Pendtner habe 1735 das Refektorium stuccieren und mit vier großen Bildern aus dem Leben des hl. Bernhard schmücken lassen, außerdem mit einem Bild des hl. Bernhard und den Arma Christi: »Interea Sapientissimus Abbas in ipsam Scientiarum armamentarium /Bibliothecam loquor/ oculos convertit, postquam enim ao 1735 pro maiore conventus commoditate Refectorium gypsato opere, majoribusque quatuor tabulis depictis, quarum conceptus ex vita SS.P. N. Bernardi deprompti sunt, unacum ejusdem Patris Melliflui prototypo, atque insigniis Dominicae passionis exornavit« (BSB, Clm 1429, fol. 177 v).

Von der Bibliothek berichten die Annalen, Abt Robert Pendtner habe den Heizraum über dem Refektorium in eine Bibliothek verwandelt und sie mit Gemälden geschmückt, die die Lehrer der verschiedenen Wissenschaften aus dem Orden der Zisterzienser zeigten. Er ließ Stuckmarmorportale errichten sowie geschnitzte Bibliotheksschränke, kaufte viele Bücher und fing an, sie mit gleichen Einbänden versehen zu lassen. »... in Bibliothecam ... convertit, quam non modo picturis, diversarum ex S. ordine nostro scientiarum Doctores repraesentantibus, artificioque gypsato, atque in introitu marmore ex gypso polito condecoravit, sed et scrinia ejusdem, opere sculptorio artificiose vestita diversorum Authorum voluminibus non exiguo pretio comparatis replevit, facto insuper initio, ut singulorum codicum uniformiter sibi corresponderet involucrum« (BSB, Clm 1429, fol. 178).

Zur Vorhalle sagen die Annalen, daß sie in der Schönheit mit der Bibliothek übereinstimme und mit Bildern geziert war, die die Pfarreien zeigten, die Raitenhaslach inkorporiert waren: »utque omnia dicam; atrium quoque prope Bibliothecam conspiciendum, et concordi venustate, positis hinc inde ope pennicilli Parochiis monasterio nostro incorporatis, exornatum« (BSB, Clm 1429, fol. 178).

Im Refektorium waren also Tafelbilder in den Stuck eingelassen, vier Szenen aus dem Leben des hl. Bernhard, außerdem ein Bild des Heiligen und die Arma Christi. Es ist allerdings nicht ausdrücklich gesagt, daß es Deckenbilder waren, wenngleich eine Wandstuckierung, in die man Bilder hätte einlassen können, eher nicht anzunehmen ist. Das Bild des hl. Bernhard dürfte das Mittelbild gewesen sein, um dieses angeordnet die vier Szenen aus seinem Leben, die Arma Christi, vielleicht von Putten gehalten, in kleineren Feldern.

Zwei Gemälde im Institut der Englischen Fräulein in Burghausen (3,20×2,40 bzw. 3,20×2,60), Innozenz Warathi um 1735 zugeschrieben, mit Darstellungen des sel. Abtes Alberich, des zweiten Abtes von Cîteaux, wie er am 5.8.1101 während der Matutin die weiße Kukulle erhielt, und Bernhards wie er unter göttlicher Inspiration das Werk »Charta charita tis« verfaßt, könnten thematisch und zeitlich in diesen Zusammenhang passen.

Ob die Bilder in der Bibliothek Deckenbilder waren oder Wandbilder, geht ebenfalls nicht aus dem Text hervor. Bei den Bildern der Vorhalle, die die inkorporierten Pfarreien zeigten, handelt es sich vielleicht um die Supraporten im Pfarrhof von Raitenhaslach (Hofgartner 1990, Abb. S. 212–50).

Der sel. Abt Alberich erhält von Maria die weiße Kukulle. Beide Gemälde Burghausen, Institut der Englischen Fräulein, ehemals im alten Refektorium