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Raitenhaslach, ehem. Zisterzienserabtei

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 9: Landkreis Altötting. Hirmer, München 2003, ISBN 978-3-7774-9690-0, S. 148–150, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

RAITENHASLACH

Ehem. Zisterzienserabtei Stadt Burghausen, Diözese Passau. Z. Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg Gericht Neuötting, Rentamt Burghausen

Ehemalige Klosterkirche, jetzt Pfarrkirche S. 151

Ehemalige Klostergebäude

Prälatenstock mit Gästetrakten 1. Obergeschoß: Wohnung des Abtes Abtskapelle S. 178 Raum in der Abtswohnung S. 180 2. Obergeschoß: Gästewohnung Treppenhaus S. 182 Kleines Tafelzimmer – »Stuba aulica minor« S. 185

Festsaalbau Festsaal – »Aula maior« S. 191

Konventbau Treppenhaus in der SW-Ecke des Kreuzgangs S. 206

Loggia im Gartenstöckl S. 207

Nicht erhaltene Ausmalungen Prälatentrakt Großes Tafelzimmer – »Stuba aulica maior« S. 210

Alter Konventbau, Südflügel Altes Refektorium und alte Bibliothek S. 210

Neuer Konventbau, Nordflügel Dreikönigskapelle am Kreuzgang S. 211

Refektoriumsstock 1. Obergeschoß, Refektorium S. 212 2. Obergeschoß, Bibliothek, nach 1785 Museum S. 213

Neuer Bibliotheksstock mit Bibliothek S. 213

Lusthäuschen im Abtsgarten - »Aula minor« S. 219

Quellen und Literatur S. 215

Zur Geschichte: Dem Zisterzienserkloster sollen im 9. Jh. eine benediktinische Gründung und im frühen 12. Jh. ein Augustiner-Chorherrenstift vorangegangen sein, doch ist das urkundlich nicht belegt. 1143 Schenkung eines Gutes zu Schützing an der Alz an ein Zisterzienserkloster durch Wolfer von Wasentegernbach und seine Gemahlin Hemma. Diese erste Gründung der Zisterzienser in Bayern wurde von Salem aus besiedelt; der erste Abt Gero wurde 1143 eingesetzt. Das Kloster wurde 1146 wegen der von Hochwasser ständig bedrohten Lage bei Schützing durch Bischof Konrad I. von Salzburg nach Raitenhaslach verlegt. 1147 bestätigte Papst Eugen III. das Kloster »Raitenhaselac«. Schon im folgenden Jahr erfolgten die ersten Begräbnisse von Adeligen im Klosterbereich. Raitenhaslach wurde im Laufe der Jahrhunderte die berühmteste altbayerische Adelsgrablege. Seit dem 13. Jh. geriet das Kloster unter den Einfluß der Wittelsbacher, die Burghausen zur zweiten Residenz ausbauten und Raitenhaslach zu ihrer Grablege machten. 1258 erhielt Raitenhaslach die Hofmarksrechte, 1317 die Niedergerichtsbarkeit in der Grafschaft Zeidlarn (LKr. Altötting). 1397 bekam Abt Johann II. die Pontifikalien.

Der erste Kirchenbau von Raitenhaslach wurde am 8./9.9. 1186 geweiht. Es war eine romanische Basilika, dreischiffig ohne Querhaus, mit zwei Reihen von je acht Pfeilern (Länge 60 m, Breite 17,60 m, Höhe 14,30 m), einer halbrunden Hauptapsis und rechteckigen Seitenapsiden.

1267 verursachte ein Klosterbrand erhebliche Zerstörungen an der Kirche; sie wurde wiederhergestellt und 1275 neu geweiht 1277/78 Neubau der Pfortenkapelle St. Georg und St. Margareta (Weihe 1294), der Kirche für die Angestellten des Klosters. Unter Abt Friedrich (1297–1302) wurde vor der Klosterkirche ein »Paradies« errichtet

1203 schenkte Erzbischof Eberhard I. von Salzburg dem Kloster Raitenhaslach die große und bedeutende Pfarrei Halsbach mit ihren Filialen Burgkirchen, Neukirchen, Thal (1804 abgebrochen) und Wald an der Alz, sowie die Kapelle »Maria in monte« (Marienberg). Marienberg wurde zur Pfarrkirche der dem Kloster zugehörigen Pfarrei Raitenhaslach (Weihe 1244). Zu Halsbach gehörte auch Margarethenberg mit der bedeutenden Wallfahrt zu den Vierzehn Nothelfern. 1246 wurde dem Kloster die Pfarrei Niederbergkirchen inkorporiert, mit Gumattenkirchen, Kirchisen und Oberhofen. Auch St. Radegund im Innviertel gehörte zu Raitenhaslach. 1399 Inkorporierung der Pfarrei Burghausen.

Unter Abt Johann II. Stempfer (1385–1409) wurden die Pfarrkirchen von Halsbach und Marienberg und die Kirche Margarethenberg neu erbaut. Unter Abt Leonhard Schellenstein (1438-44) wurde der Neubau der Pfarrkirche Halsbach vollendet (1433 Grundsteinlegung). Unter Abt Johann V. Holzner (1474-83) wurden die Kirchen von Burgkirchen, Niederbergkirchen, Gumattenkirchen und Moosvogl umgestaltet. Im Jahr 1600 fand eine Neuweihe in Marienberg statt

Im Kloster Raitenhaslach wurde 1406 die Krankenkapelle St. Petrus, St. Paulus und St. Magdalena geweiht. 1408 wurde die Dreikönigskapelle am Kreuzgang zur Begräbnisstätte der Familie Grans geweiht. Unter Abt Johann V. Holzner (1474-83) wurde eine eigene Abtskapelle erbaut, die den Heiligen Jakobus, Johannes und Anna geweiht wurde.

Rückschläge brachten ein Klosterbrand 1486 und Zerstörungen während des Landshuter Erbfolgekriegs 1504/05. Von 1596 sind bauliche Veränderungen an der Kirche und die Neuweihe mehrerer Altäre überliefert. Nach internen Schwierigkeiten (Schulden, Rückgang der Zahl der Konventualen) fand eine Konsolidierung der Verhältnisse unter Abt Philipp Perzel (1602–20) statt. Er erneuerte mehrere Wirtschaftsgebäude des Stiftes und errichtete Kupferhammer, Eisenhammer und eine Papiermühle, die einzige außer der kurfürstlichen in Bayern. Unter Abt Christoph II. Mayrhofer (1621-24) erhielt die Klosterkirche eine frühbarocke Inneneinrichtung. Am Kreuzgang wurde eine neue Kapelle mit drei Altären gebaut.

Mit der Regierungszeit des Abts Candidus Wenzl (1688–1700) setzte eine neue Blüte des Klosters ein. Zum 600jährigen Jubiläum des Zisterzienserordens (1698 Gründung von Cîteaux) ließ er die romanische Klosterkirche umbauen und barockisieren (Neuweihe am 23.12.1696). Er erwarb die Leiber der Heiligen Ausanius, Concordia und Fortunata, ließ sie kostbar fassen und als Höhepunkt der achttägigen Feier des Ordensjubiläums in feierlicher Prozession am 17.8.1698 von Marienberg in die erneuerte Stiftskirche übertragen.

Unter Abt Robert Pendtner (1734–56) erhielt die Stiftskirche ihre Innenausstattung, rechtzeitig zur 600Jahrfeier des Stifts Raitenhaslach, die im Oktober 1743 mit einem dreitägigen Fest begangen wurde. Neue Kirchenfassade 1751.

Am 26.9.1752 legte Abt Robert den Grundstein zu einem neuen Abteigebäude mit der Wohnung des Abtes, der Abtskapelle sowie Repräsentations- und Gästewohnungen. Es war der Auftakt zur Erneuerung der ganzen Klosteranlage. Baumeister war Franz Alois Mayr aus Trostberg, der bis zu seinem Tod 1771 die Bauausführung innehatte (s. dazu Stadtarchiv Burghausen, Pläne P 436a-d). Im Jahr 1753 wurden das alte Krankenhaus und die Krankenkapelle abgetragen (Reste sind im heutigen Pfarrgarten erhalten) und die Krankenabteilung in die Verlängerung des westlichen Kreuzgangflügels über den Südflügel hinaus verlegt. Abt Robert griff selbst in die Planung ein: »Das letzte endlich, an welches Robertus die Hand angelegt, ware der neue Closter-Bau: Cogitavi, ut aedificarem Domum, vor welchen er die Ris, und Modell nit allein muehsambist ausgedenckt, und selbst fleißigist aufgezeichnet, sonderen schon würklich daran arbeithen lassen, seinen hochwürdigisten Herren Successoribus, wie auch seinen lieben geistlichen Herren Söhnen... eine bequemere Wohnung zu verschaffen, in der Intention und Meynung, gegenwärtig löbliches Kloster theils zu reparieren, theils mit neuen Gebäuden zu vergrößeren und resp. ein neues Closter herzustellen; hatte auch die von Grund auf neu aufgeführte Abbtey schon allbereits zum End gebracht, willens folgende Jahr hindurch alles in vollkommenen Stand zubringen. Aber leyder! Herr Prälat hat zwar den ClosterBau angefangen, denselben aber nit vollenden können...« Der Abt zeigte sich »demütig in seiner Bau- Art: Indeme er die Modell seiner Gebäuen nit nach dem Maß

stab großer Welt-Fabriquen, sonderen nach dem Schuch der Demuth abzeichnete, und da man in seinen neuen Closter-Bau secundum longum, latum & profundum etwas auszusetzen wuste, sich anderst nit excusierte, als das er ein Closter, nit einen Pallast zu bauen gedencke« (Trauerrede auf Abt Robert Pendtner S. 14, 16).

_______________________________________ Sein Nachfolger Emanuel II. Mayr (1759-80) war der große Bauherr in Raitenhaslach. Er vollendete zunächst den Abteitrakt. 1764/65 folgte der Festsaalbau in Raitenhaslach mit Festsaal und Weinkeller, der zur Salzach hin die Klosteranlage begrenzte. Nachdem ein Erdrutsch am 5.8.1766 die Klausurmauer hinunter zum Schifftreiberweg der Salzach gerissen hatte, wurde noch von Franz Alois Mayr der vierflügelige Konventbau mit dem Kreuzgang neu geplant, etwa zurückgesetzt vom Fluß, doch wurde er erst von Mayrs Nachfolger Joseph Lindtmayr aus Trostberg 1777/79 gebaut. Als erster wurde der Westflügel gebaut, mit Kapitelsaal im Erdgeschoß und Zellen für die Mönche; gleichzeitig der nach Süden anschließende neue Refektoriumstrakt (Grundsteinlegung 13.2.1777) mit Krankenabteilung und Sebastianskapelle im Erdgeschoß, Refektorium im Hauptgeschoß und Bibliothek im Obergeschoß (Einweihung am 21.10.1778). Der gesamte Westflügel wurde nach der Säkularisation abgerissen und durch einen Neubau der Brauerei mit einer Abfüllanlage ersetzt.

Im Februar 1778 wurde der nördliche Konventflügel niedergerissen und im Lauf des Jahres als Kreuzgang mit der Dreikönigskapelle (s. S. 211) neu errichtet (Weihe 21. 10. 1778).

Während der Bauarbeiten am Nordflügel wurde schon der Südflügel mit altem Refektorium, alter Bibliothek und Noviziats abgebrochen. Grundsteinlegung am 21.10.1778, Neubau 1779. Der neue Flügel enthielt im Erdgeschoß neben dem Kreuzgang mit der Annakapelle die Frisierstube und die Schneiderei, in den Obergeschossen Zellen für die Mönche sowie Priorat und Subpriorat.

Mit dem Ostflügel wurde das Geviert geschlossen. Abbruch im September 1779, mit dem alten Dormitorium und dem Museum sowie der darübergelegenen Krankenabteilung, Neubau in Abt Emanuels Todesjahr 1780. – Heute befinden sich im Ostflügel der Pfarrhof und im Südflügel die Schule.

Emanuel II. Mayr hatte auch mit großem Aufwand die Wirtschaftsgebäude erneuert. In seiner Amtszeit verging kein Jahr, in dem er nicht eine Verschönerung im Kloster durchführte (BSB, Clm 12536, fol. 16). Um seine Verdienste zu ermessen, mußte man »sich des alten sowohl ungesunden als gefährlichen Gebäudes erinneren, und hinwieder das gegenwärtige nach allem Baugeschmacke vom Grunde aufgeführte, und fast zu Ende gebrachte Kloster in Augenschein ziehen; denn wer immer von Auswärtigen das vormals alte Stift betreten, mußte zwar im selben das Alterthum bewundern, aber auch zugleich bekennen, daß er nicht entscheiden möge, ob er mehr Mitleiden mit den daselbst wohnenden Ordensmännern, oder aber für sich selbst mehr besorgt sein sollte, der Gefahr zu entweichen, welche die auseinander gespalteten, und nur mit Holz unterstützten Mauern beyden ganz nahe androheten.« Nachdem der Abt die Wirtschaftsgebäude erneuert hatte, die Mühle, die Bäckerei, das Bräuhaus, die Werkstätten, die Stallungen der Pferde, wankte er »nicht bei Ansehung eines aus-

geleerten Säckels. Er reißt demnach in vollem Vertrauen das alte Kloster ein, und fängt das neue mit solchem Eifer an, daß man in Zeit von vier Jahren schier das ganze neue Kloster vom Grunde aufgebauet sehen und bewundern könnte« (Trauerrede auf Abt Emanuel II. Mayr S. 10).

Das 18. Jh. war auch eine Zeit der großen Anstrengungen für die dem Kloster inkorporierten Kirchen. 1742 wurde Halsbach, 1749 St. Radegund/OÖ ausgestattet, 1751 Niederbergkirchen stuckiert und freskiert, ebenso Gumattenkirchen und Kirchisen. 1752-54 wurde Margarethenberg barockisiert, am 27.9.1760 legte Abt Emanuel den Grundstein zu dem prachtvollen Neubau von Marienberg (Weihe am 29.9.1764). Burgkirchen wurde 1762 umgebaut und freskiert.

Durch die Abtretung des Innviertels an Österreich im Frieden von Teschen 1779 gingen dem Kloster erhebliche Güter und Einkünfte verloren. Es erhielt dafür 1791 die Pfarrei Ostermiething (OO).

Nach dem Verbot des Jesuitenordens übernahmen die Zisterzienser von Raitenhaslach 1781 das Gymnasium in Burghausen. Abt Theobald Weißenbach (1780–92) baute 1780/85 einen neuen Bibliotheksbau auf der nördlichen Seite der Kirche; es war die letzte Baumaßnahme des Stifts Raitenhaslach. Aufhebung des Stifts am 18.3.1803. Damit begann der Abbruch der Klostergebäude, von dem wegen des neuen Baumaterials die zuletzt erbauten Trakte zuerst betroffen waren: der westliche Konvent- und der Refektoriumstrakt und der neue Bibliotheksbau. Erhalten sind Prälaten-, Festsaal- und Gartenstock; hier befinden sich noch Deckenbilder. Weil die zerstörten Bauten nach den Quellen mehr oder weniger zu rekonstruieren sind, werden sie hier mit behandelt.

Die Kloster- und Wirtschaftsgebäude, die von 1804 bis 2003 in Besitz der Familie Baumgartner waren, werden derzeit ein zweites Mal versteigert. Uns war es leider nicht möglich, alle Räumlichkeiten zu sehen; daher bleibt manche Frage offen.