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Orthofen, Filialkirche Hl. Kreuzauffindung

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 5: Landkreis Dachau. Hirmer, München 1996, ISBN 978-3-7774-6320-9, S. 189–191, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filialkirche, Pfarrei Sittenbach, Pfarrverband Odelzhausen, Gemeinde Sulzemoos, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung war die Pfarrei Sittenbach Monatspfarrei. Gericht Dachau, Amt Schwabhausen

Patrozinium: Hl. Kreuzauffindung

Zum Bauwerk: Die im Kern noch spätgotische Kirche wurde im frühen 18. Jh. renoviert: Schmidt nennt sie 1739 »repa rata«. 1733/34 sind Arbeiten an einem neuen Marmorpflaster bezeugt, auch wurde »die Kirchen inwendtig aus gebessert« (Conrad Mayr, Maurermeister von Lauterbach) Das Datum der Veränderung der Fensterformen und der Verlängerung des LHs um ein Joch nach W ist nicht bekannt. Vielleicht steht es in zeitlichem Zusammenhang mit der Ausmalung 1747. – 1845 gründliche Reparatur des feuchten Innenraums mit Abschlagen des Verputzes in Mannshöhe, Reparatur und Ausweißen.

Einfacher Saal zu drei Jochen, Belichtung durch je zwei Fenster im N und S, Empore im W; eingezogener AR mit dreiseitigem Schluß. Die Deckenbilder befinden sich im LHs.

Auftraggeber: Pfarrer von Sittenbach z. Z. der Ausmalung von Orthofen war Anton Rottmanner (1744-67). Eine private Stiftung ist anzunehmen.

Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Franz Mayr (* 1707 Lauterbach † 1752 Dachau) 1747. Signatur in A 1747 / F: M:

Das unmittelbare Vorbild für das Deckenbild A in Orthofen ist das Hochaltarblatt von Kreuzholzhausen, 1740 von Franz Mayr gemalt.

Die Initialen weisen auf den Dachauer Maler Franz Mayr hin. Die Ausmalung von Rumeltshausen (s. S. 224–30) ist für Mayr gesichert; davon ausgehend kann ihm die Ausmalung der Kirche von Odelzhausen (s. S. 178-88) zugewiesen werden. Alle diese Bilder zeigen in den Figurentypen, der Art der Gewandbildung, der Farbigkeit und in vielen Details enge Verwandtschaft mit den Fresken von Orthofen.

Maße: A Höhe 5,30 m; 4,00 × 4,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei der Restauration 1946 wurde das AR-Gewölbe, das blau und mit Sternen bemalt war, ausgeweißt. 1960 Restaurierung durch Josef Finkenzeller, München, mit Reinigung der Deckenbilder. Letzte Restaurierung des Kircheninnern 1986 durch Fa. Hans Hausch, und der Fresken durch Gerhard Jehl, München. Die Fresken wurden gereinigt, Übermalungen entfernt und Schäden ausgebessert. A1 war durch einen Wasserschaden weitgehend verdorben: die Fehlstelle wurde rekonstruiert. Über A1-4 wurden die originalen Inschriften wieder aufgedeckt, ebenso gemalte Ornamentkartuschen im O und W von A. Die Fresken sind jetzt in gutem Zustand.

Beschreibung und Ikonographie A KREUZESPROBE Einansichtige Szene, Aufnahme standpunkt unter der Bildmitte. Hochliegender Horizont, keine Untersichten oder Verkürzungen. – Der Bildschauplatz wird rechts von einem säulengeschmückten Portal, links von einem Baum gerahmt. In die Tiefe erstreckt sich ein weiter Platz, der von Palastarchitekturen abgeschlossen ist. Die eigentliche Kreuzesprobe spielt im vordersten Bildgrund: Vor den drei Kreuzen, die durch Kaiserin Helena aufgefunden worden waren, wurde das Kreuz Christi dadurch identifiziert, daß man einen Toten darauf legte, der alsogleich wieder zum Leben erweckt wurde. Im Fresko ist der Moment der Wiedererweckung dargestellt: Der Tote richtet sich auf, von einem jungen Mann gestützt. Das richtige Kreuz, auf dem er liegt, ist durch das Inschriftband INRI im Vordergrund gekennzeichnet. Kaiserin Helena mit ihrem Gefolge steht links und blickt mit einer Geste der ehrfurchtsvollen Scheu auf das Wunder, ebenso wie Bischof Makarios rechts. Die Erzählung der Kreuzeslegende folgt der Legenda Aurea (LA-Benz, S. 356). In dem jungen Mann, der den zum Leben Erweckten hält, kann man den in dieser Legende erwähnten Judas, Bruder des Stephanus, sehen (ebd.).

Im Bildhintergrund spielt eine zweite Szene aus der Kreuzeslegende: Kaiser Heraklius trägt das vom Perserkönig Chosroas entführte Kreuz im Jahr 627 im Triumph zurück nach Jerusalem. Als sich Heraklius in kaiserlicher Pracht mit dem Kreuz Jerusalem näherte, ließ sich das Tor nicht öffnen, und erst auf den Rat des hl. Modestus (in der Gruppe im Hintergrund rechts zu erkennen), Heraklius solle das Kreuz in Büßerkleidung tragen, öffneten sich die Tore (Ribadeneira-

A Kreuzesprobe, A1-4 Kreuzeswunder

Hornig, Bd 1, S. 383 f.; Modestus wurde 630 Patriarch von Jerusalem).

A1-4 KREUZESWUNDER Vier Medaillons umgeben das Hauptbild; jedes hat eine Überschrift. Alle Bilder zeigen Szenen, in denen Heilige mit Hilfe des Kreuzes Wunder wirkten.

A. ST. ULRICH Gantz wunderbarlich / erwöchet der H: Udalricus, / mit dem Hl. Creutz / einen Toden zum Leben. Der hl. Ulrich von Augsburg hält das Kreuz über Kopf und Brust eines Toten, die vor der Brust einer Frau hängend zu sehen sind. - Diese Totenerweckung kommt in den frühen Ulrichsviten nicht vor. Sie tritt zum erstenmal auf in einem Lied des Augsburger Meistersingers Jörg Breyning (Preining) um 1490. Danach traf der Heilige eine Gräfin, deren Mann sie grundlos der Untreue verdächtigt hatte; er hatte ihr zur Strafe den Kopf ihres vermeintlichen Liebhabers, den er getötet hatte, um den Hals gehängt. Auf Ulrichs Beten hin begann das Haupt des Ritters zu sprechen und bestätigte die Unschuld der Frau. Der Bischof ließ den Leichnam ausgraben und erweckte durch das Kreuzeszeichen den schuldlos Enthaupteten zu neuem Leben (Hans Pörnbacher, St. Ulrich in der Literatur, in: Bischof Ulrich von Augsburg und seine Verehrung, Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 7, 1973, S. 300–11, S. 303).

A. ST. KORBINIAN Der H: Corbinian erhalt=/einen Treytag gehangenen/mit dem H: Creutz/das Leben. Links kniet ein Mann unter einem Galgen. Vor ihn tritt der hl. Korbinian in Bischofstracht und hält ihm ein Kreuz vor. Die Szene spielt in einer weiten Landschaft mit antiker Ruine rechts.

Das Geschehen wird in der Korbiniansvita des Bischofs Arbeo von Freising beschrieben (Cap. 7): Wegen wiederholten Raubmords war ein gewisser Adalpert zum Tod verurteilt worden. Der hl. Korbinian, der des Weges kam, bemühte sich vergeblich, die Urteilsvollstreckung am Galgen zu verhindern; er nahm dem reuigen Verbrecher aber die Beichte ab und bezeichnete ihn mit dem Zeichen des Kreuzes. Vom merowingischen Hausmeier Pippin erbat er die Leiche des Gehenkten, den er am dritten Tag bei der Rückreise am Galgen noch lebend fand. Die Szene wurde von Cosmas Damian Asam an der Hochwand des Freisinger Doms dargestellt (s. Hubert Glaser, Franz Brunhölzl, Sigmund Benker, Vita Corbiniani, München 1983, S. 194 f.).

A. ST. VALENTIN Der H: Valentinus, macht mit dem H: Creutz, / ein Blintes mäglein sehent. Der hl. Valentin, mit Chorhemd und Stola angetan, steht vor einem Edelmann, der einen Turban trägt und auf ein junges Mädchen weist, das mit geschlossenen Augen vor ihm kniet. Der Heilige hält ein Kreuz hoch.

Valentin von Rom, später Märtyrer (14. 2.) betrat einst das Haus des römischen Patriziers Asterius, indem er Christus als das wahre Licht anrief. Als der Edelmann ihm entgegnete, wenn Christus das wahre Licht sei, dann könne er wohl seine blinde Tochter heilen, betete Valentin für das Mädchen und es erlangte sein Augenlicht wieder (LA-Benz, S. 205; Ribadeneira-Hornig, Bd 1, S. 392).

A4 ST. IVO Ein Feuersbrunst, löscht der H: Ivo Pfarrer, mit dem H: Creutz Der hl. Ivo, in Weltpriestertracht, kniet auf der Wiese vor einem in Flammen stehenden Anwesen und hält ein Kreuz hoch.

Der hl. Yves (Ivo) Helory (19. 5.) war unter anderem ein Patron gegen Feuersbrünste, was auf eine Szene seiner Vita zurückgeht: »Löschete auch andersmahl mit seinem Gebett eine gefährliche Brunst. Er kame ohngefehr an eine Bruck, die von dem angeschwollenen Wasser überschwemmt stunde; er bezeichnete das Wasser mit dem H. Creutz, und theilte selbiges solchergestalt« (Ribadeneira-Hornig, Bd 1, S. 751; s. auch Überflüßig heiliges Petriner = Jahr, Salzburg 1726, S. 184).

Quellen und Literatur

StAM, Geistlicher Rat, Kirchen- und Stiftungsrechnungen Kirchenrechnungen Gericht Dachau, 1740, unter Großberghofen.

StAM, Pfleggericht Dachau A 192.

StAM, LRA 34582.

AEM, Pfarrakten Sittenbach: Pfarrbeschreibung; Bauten II Filiale Orthofen 1741–1904.

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 401. Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 174. Kunst- und Kulturdenkmäler 1977, S. 320. Böck, Robert, Wallfahrt im Dachauer Land (= Kulturgeschichte des Dachauer Landes Bd 7, hg. im Auftrag des Museumsvereins Dachau e. V.), Dachau 1991, S. 170 f. A. B.