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Odelzhausen, Pfarrkirche St. Benedikt

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 5: Landkreis Dachau. Hirmer, München 1996, ISBN 978-3-7774-6320-9, S. 178–188, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

ODELZHAUSEN

Pfarrkirche, Gemeinde Odelzhausen, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Filialkirche der Pfarrei Sulzemoos und Sitz eines Benefiziaten. Odelzhausen war Hofmark, zunächst im Besitz der Freiherren von Simeoni, dann der Grafen von Minucci, die auch das Präsentationsrecht auf das Benefizium innehatten und zusammen mit dem Pfarrer von Sulzemoos die Verwaltung des Odelzhausener Kirchenvermögens. Gericht Dachau

Patrozinium: St. Benedik

Zum Bauwerk: Umgestaltung der mittelalterlichen Kirche mit Neuwölbung (?) des AR um 1735, wobei es sich um umfangreiche Arbeiten gehandelt haben muß, denn es heißt 1758 »... die Filialkirchen aber selbst ist ohnlängst neu erpauet worden« (AEM). Das Aussehen des LHs vor den Umbau von 1891/92 beschreibt Pfarrer Kammerloher 1817 »... alda ist eine wohl und gut gebaute Kirche, in etwas lang nicht breit und ohne Gewölbe. An der Nordseite ein Turm Sonst an sich zierlich« (AEM). Es handelte sich also um den im Landgericht Dachau häufigen Landkirchentyp mit gewölbtem Chor und flachgedecktem LHs (Maße des alten LHs ca. 15,00 × 6,70 m).

1803 wurden aus der abgebrochenen Wallfahrtskirche Maria Stern in Taxa das Gnadenbild und vier hochovale Tafelbilder mit Wunderszenen in die Kirche von Odelzhausen verbracht. Das Gnadenbild befindet sich heute auf dem Hochaltar, die Tafelbilder sind an den Wänden des AR.

1891/92 wurde die Kirche vergrößert: »Nach den Plänen sol der Plafond des bisherigen Mittelschiffes - welcher reich mi Stuckornamenten verziert und mit zwei Gemälden verseher ist - erhalten bleiben. Daher soll er nur um 3 m gehoben und statt der Außenmauern auf Säulen mit korinthisierender Kapitälen und reich profilierten Kämpfergesimsen gestütz werden. Durch Anfügung von 3 m breiten Seitenschiffen wird so die Kirche aus einer 1 zur 3schiffigen. Die Säuler werden durch waagrechte Architrave verbunden, über wel chen Blendbögen und darüber niedrige Fenster...« (AEM) Dieses Projekt wurde durch J. A. Müller ausgeführt. Der Stuck mußte im Stil von 1730 ergänzt werden. Bei den Fresken handelt es sich noch um die Originale von Franz Mayr (s. u.). Auch der Stuck im AR wurde zu dieser Zeit zumindest ergänzt bzw. verändert. Die Sakristei wurde von der N-Seite auf die S-Seite verlegt.

LHs dreischiffig, basilikal; die Hochwände sind von Säulen mit geradem Architrav getragen (Umbau von 1891/92). AR zu drei Jochen mit dreiseitigem Schluß; das Gewölbe ruht auf Konsolen; Belichtung durch Fenster im N und S im östlichen Joch sowie durch zwei Fenster in den Seiten des Chorschlußes.

Auftraggeber: Am heutigen Chorbogen befindet sich in einer Stuckkartusche ein Allianzwappen mit Krone darüber: Links das Wappen der Grafen von Minucci, rechts das der Freiherren von Simeoni. Diese Wappenkartusche wurde bei der Anhebung der LHs-Decke 1891/92 vom alten Chorbogen an den neuen versetzt. Es weist auf die Hofmarksherrschaft zur Ausmalungszeit hin, auf Maria Anna Gräfin von Minucci geb. von Simeoni, die Erbin des Besitzes (die Freiherren von Simeoni sind seit 1673 als Besitzer von Odelzhausen bezeugt, und auf Osalco Graf von Minucci, ihren Ehemann (* 1673 † 1758). Sie sind als Stifter der Dekoration anzunehmen. Odelzhausen gehörte zur Pfarrei Sulzemoos. 1732 starb Tobias Heigl, nachdem er 47 Jahre lang Pfarrer von Sulzemoos gewesen war. Er hat wohl kaum als Greis noch den Bau geführt. Sein Nachfolger war Thomas Strobl, der 1735 residierte und daher als Bauherr unwahrscheinlicher ist als Joseph Gruber (1735–42), der seit 1731 schon Kooperator in Sulzemoos war.

(Photographische Aufnahme Kunstreferat des Erzbistums München und Freising)

Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Franz Mayr (* 1707 Lauterbach † 1752 Dachau) um 1735/36

Die Zuweisung an Franz Mayr, Maler in Lauterbach, ab 1737 in Dachau, stützt sich auf die für ihn gesicherten Deckenbilder in Rumeltshausen (1748/50, s. S. 224–30). Die Ähnlichkeit in den Figuren- und Gesichtstypen, in der Darstellung der Stoffe und Wolken ist so groß, daß man Mayr mit Sicherheit als Autor der Deckenbilder in Odelzhausen annehmen kann. Die Deckenbilder in Orthofen können ebenfalls an Mayr zugewiesen werden (1747, s. S. 189–91).

Terminus ante für Umbau und Dekoration ist die Notiz in Schmidts Matrikel (1739), die Kirche sei »inter rurales nobilioris notae«. Die Dekoration dürfte demnach frühestens

A. Vermählung Mariens

(s. Auftraggeber) 1733, spätestens 1738 entstanden sein wahrscheinlich um 1735/36. Mayr war zu dieser Zeit noch nicht in Dachau ansässig, ist aber mit Arbeiten seit 1734 faßbar.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke mit Hohlkehle; AR Tonne mit Stichkappen, im O abgemuldet Rahmen: A, B, C Stuckprofilleiste; A1-2, B1-2 Hochovalmedaillons in Ornamentkartuschen; C1-10 Rundmedaillons, von Bandwerkornament umgeben; Ca-b Ornamentkartuschen Technik: Fresko; sämtliche Deckenbilder sind polychrom

Maße: A Höhe 10,00 m; 3,00 × 2,20

B Höhe 10,00 m; 3,00 × 2,20

C Höhe 6,40 m; 3,70 × 2,70

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Anläßlich einer Baureparatur 1847 war eine Auffrischung der Fresken durch den Dachauer Maler Anton Huber im Gespräch; ob sie ausgeführt wurde, ist nicht bekannt. A und B, die Fresken im LHs, wurden wie ihre Nebenbilder 1891/92 mit der LHs-Decke um 3 m angehoben. Danach wurden sie von Joseph Natzi aus Nymphenburg restauriert. Die Fresken im Chor wurden 1892 ebenfalls von Joseph Natzi restauriert. Die Gemälde am Chorbogen und in den Lünetten der Hochschiffwände im LHs wurden anläßlich der Kirchenvergrößerung 1891/92 von Joseph Natzi gemalt.

Bei der Innenrestaurierung 1938 wurde der Raum »in Anlehnung an die ursprünglich vorhandene barocke Fassung (des AR) aus den 30er Jahren des 18. Jhs. gestaltet« (BLfD). Vor der letzten Restaurierung waren die Deckenbilder stark verschmutzt und hatten Risse. In C waren zusätzlich Schimmelflecken und ein Loch (ehem. Lampen-Auslaß). C1-10 waren in schlechtem Zustand und zeigten Abblätterungen. Letzte Restaurierung 1990 durch Otto Wimmer, München. Bei der Tönung des Raums beseitigte man die barocke Fassung von 1938 und stellte auf der Grundlage der Befunde die Fassung nach dem gründerzeitlichen Farbkonzept von 1892 wieder her. Die Deckenbilder wurden gereinigt, Risse geschlossen und Fehlstellen retuschiert. Sie sind jetzt in guten Zustand.

Beschreibung und Ikonographie

A ANBETUNG DER HIRTEN (Lc 2, 16 f.) A ist ebenso wie die übrigen Fresken tafelbildmäßig angelegt und zeigt weder Untersichten noch Verkürzungen. - Der Stall von Bethlehem ist mit Mauern, verfallenden Holzdächern und einer Bogenöffnung rechts wie eine seichte Bühne aufgebaut. Links sitzt Maria und weist auf einem weißen Tuch das nackte Jesuskind vor; hinter ihr steht Joseph. Von rechts sind drei Hirten herangekommen; einer von ihnen kniet vor dem Kind. Aus dem Himmel fallen Strahlen auf die Szene. In Wolken erscheint ein Engel, von Putten und Puttenköpfchen umgeben, und hält ein Schriftband mit der Inschrift GLORIA/ IN/EXCELSIS DEO (Lc 2,14). Die Komposition des Bildes folgt sichtlich einer graphischen Vorlage.

Mayr setzt vor dem ockerfarbenen bis weißgrauen Hintergrund Rot, Blau, Grün und Gelb in Gewändern als Buntfarben ein, doch fehlt den Farben jede Leuchtkraft.

B VERKÜNDIGUNG (Lc 1,26-38) Als Schauplatz ist ein weiter Säulenraum angedeutet. Maria kniet rechts an einem Betpult, über ihr ist eine Draperie zurückgerafft. Der Verkündigungsengel, eine Lilie in Händen, dringt auf Wolken links in den Raum ein. Am oberen Bildrand öffnen sich die Wolken zu einer Glorie, dort erscheint die Taube des Hl. Geistes, von Putten und Puttenköpfchen umgeben, und sendet ihre Strahlen auf Maria. Ein Putto auf den Stufen im Bildvordergrund hält ein aufgeschlagenes Buch mit der Inschrift ECCE / VIRGO / CONCIPIET: / ET / PARIET FILIVM: / Isai: 7 C. (Is 7,14). - Auch für dieses Bild hat Mayr wohl eine graphische Vorlage benützt.

Die in den Gewändern verwendeten Buntfarben Blau und Rot, Gelb und Grün sind stumpf und erscheinen vor dem sehr hellen Hintergrund in Weiß, Grau und Gelb wenig lebendig.

Anbetung der Hirten
B, Heimsuchung

A1 DER ZWÖLFJÄHRIGE JESUS IM TEMPEL (Lc 2,46-50) Auf einem kleinen Podest vor einer Bogenarchitektur sitzt Jesus, ein Buch in der Linken, die Rechte dozierend erhoben. Zwei Schriftgelehrte disputieren mit ihm. Von links kommen Maria und Joseph.

A2 VERMÄHLUNG MARIENS (Protoevangelium des Jakobus, 8-9, s. Hennecke-Schneemelcher, Bd 1, S. 283 f.) Maria, einen Kranz von Rosen auf dem Haupt, eine Rose in der Linken, und Joseph mit dem Lilienstab knien auf einem halbrunden Podest. Joseph steckt Maria einen Ring an. An einer Säule steht ein Hoherpriester mit geöffnetem Buch und hält seine Hand über dem Bund. Der Hl. Geist in Gestalt einer Taube ist, von Strahlen umgeben, über Joseph zu sehen.

B1 DARSTELLUNG IM TEMPEL (Lc 2,22-24) Die Szene spielt in einem Säulenraum. Der Hohepriester hält den Jesusknaben auf den Armen, vor ihm kniet Maria. Links ist Joseph mit dem gesetzlichen Opfer, den zwei Tauben, zu sehen.

B2 HEIMSÜCHUNG (Lc 1,39-45) Elisabeth kniet vor Maria nieder, auf deren Leib das strahlenumgebene HS sichtbar ist; rechts ist Zacharias dargestellt. Links aus dem Hintergrund kommt Joseph heran.

Chorbogen und Lünetten (Joseph Natzi, 1891/92, keine Abb.)

Durch die Anhebung der LHs-Decke ergaben sich neue Bildfelder am Chorbogen und über dem neuen Architrav. Dargestellt sind am Chorbogen Christus inmitten von Heiligen, in den Lünetten Szenen aus dem Leben Jesu (im O beginnend, chronologisch): Geburt (N), Josephs Traum (S), Flucht nach Ägypten (N), Jesus in der Zimmermannswerkstatt (S), Tod Josephs (N) und Tod Mariens (S).

C DER HL. BENEDIKT ALS PATRON VON ODELZHAUSEN Tafelbildmäßige Anlage ohne illusionistische Effekte. Ansicht nach O. - In einer hügeligen Landschaft am unteren Bildrand ist die Odelzhausener Kirche St. Benedikt zu sehen, in ihrer ursprünglichen Form vor dem Umbau von 1891/92; etwas entfernt davon das Schloß Odelzhausen als großes, vierstöckiges Gebäude mit Doppelgiebel, wie es Wening um 1701 zeigt. Darüber schwebt, auf einem dicken Wolkenkissen kniend, der hl. Benedikt mit ausgebreiteten Armen und zum Himmel gerichtetem Blick. Ein großer Engel weist auf ihn, ein Putto zu seinen Füßen hält Benedikts persönliches Attribut, den zerbrochenen Giftbecher mit der Schlange. Links vom Heiligen fliegen zwei Putten mit Mitra und Stab, den Zeichen der Abtswürde. Oben in den Wolken sind die kleinen Gestalten von Gottvater und Christus zu sehen, begleitet von Putten und Engelsköpfchen.

Das Bild zeigt keinen lebhafteren Farbakzent; vor der Hintergrundfarbigkeit von Grau und Ocker erscheint Grün am Gewand eines Engels und an Bäumen und Wiesen der irdischen Zone. Die wenigen Gelb- und Rotwerte sind stumpf und treten kaum hervor, so daß das Schwarz im Habit des Heiligen den einzigen Kontrast zur Hintergrundsfarbigkeit ergibt.

C1-10 BENEDIKT-SZENEN Die Medaillons an den Stichkappen und Gewölbezwickeln des AR zeigen Szenen aus dem Leben des hl. Benedikt, chronologisch beginnend im NW und im Uhrzeigersinn fortlaufend nach SW. C1,3,5,6,8,10 befinden sich in den Stichkappen, C2,4,7,9 in den dazwischen liegenden Gewölbezwickeln.

C1 DAS ZERBROCHENE SIEB DER AMME (Ribadeneira-Hornig, Bd 1, S. 503; LA-Benz, S. 237) Der junge Benedikt, entschlossen, in der Einsamkeit asketisch zu leben, wurde von seiner Amme begleitet; eines Tages ließ sie ein

8 Verkündigung
Ca-b Embleme seitli

Gefäß (Sieb) fallen; es zerbrach und sie beklagte den Verlust heftig. Auf ein Gebet des jungen Benedikt wurde das Sieb wieder ganz.

Das Bild zeigt Benedikt betend inmitten der Scherben, hinter ihm die jammernde Amme und ein junger Mann. Säule und Bogen deuten eine Palastarchitektur vor einer weiten Landschaft an.

C2 ROMANUS NIMMT SICH DES JUNGEN BENE- DIKT AN (Ribadeneira-Hornig, Bd 1, S. 503) Auf dem Weg in die Einsamkeit traf der junge Benedikt den frommen Romanus, »... welcher dises junge und adeliche Blut gantz allein sahe in dem Wald hin und her stürtzen; diser fragte, wer er seye, was sein Absehen in diser Einöde? wohin seine Reiß gerichtet? Da ihm nun der Jüngling sein gantzes Vorhaben getreulich, aber im Geheim, entdecket, kleidet er ihn geistlich, und weiset ihm eine wilde Clausen zur Wohnung an.«. Links ein Baum auf einem Felsen bezeichnet die Einöde, im Hintergrund eine Burg die verlassene Welt. Romanus, in schwarzer Kutte, führt den jungen Benedikt, der in römische Soldatentracht gekleidet ist. Ein Putto rechts mit Amors Bogen weist auf die irdischen Freuden hin, auf die zu verzichten sich Benedikt anschickt, ein Basilisk (?) mit Schlangenzunge auf die Laster, denen er abschwört.

C3 ROMANUS ERNÄHRT BENEDIKT IN DER EINÖDE (Ribadeneira-Hornig, Bd 1, S. 503; LA-Benz, S. 237) Die Klause, die Romanus dem jungen Benedikt zugewiesen hatte, war so abgeschieden, daß man kaum zu ihr gelangen konnte. Romanus ernährte deshalb seinen Schützling vermittels eines Korbes, in dem er Brot zu ihm hinabließ. Benedikt sitzt in einer Felsennische vor einem Kreuz und hält ein Buch in der Hand. Oben auf dem Felsen kauert Romanus und läßt an einem Strick einen Korb hinab.

C4 DAS OSTERMAHL IN DER EINÖDE (Ribadeneira-Hornig, Bd 1, S. 503 f.; LA-Benz, S. 237) Ein Priester, der unweit der Klause Benedikts lebte, hatte sich ein reiches österliches Festmahl zubereitet. Da erschien ihm Gott im Schlaf und wies ihn an, dieses Mahl mit Benedikt zu teilen. Der Priester traf durch himmlische Fügung Benedikt in der Einöde, »... allwo der gottseelige Jüngling stacke, und dazumahl sich nichts minder als von einem bissen Brods, geschweige, einem so feisten Ostermahl traumen liesse: ja nit einmal wuste, daß Ostern seye«. Nach einem geistlichen Gespräch aßen der Priester und Benedikt das mitgebrachte Festmahl.

Links ist der Priester zu sehen, im Hintergrund seine kleine Kirche. Benedikt sitzt mit aufgeschlagenem Buch vor einem Kreuz an einem Felsen. Im Vordergrund steht der Korb des Priesters mit Speisen und Wein. In Wolken erscheint Christus

C5 DIE VERSUCHUNG DES HL. BENEDIKT (Ribadeneira-Hornig, Bd 1, S. 504; LA-Benz, S. 237 f.) Eines Tages bedrängte der Teufel den Heiligen in Gestalt einer Amsel; Benedikt vertrieb ihn zwar mit dem Kreuzeszeichen. »... verspuhret aber von Stund an einen dermassen hefftigen Brand zur Unlauterkeit in seinem Leib«, daß er schon erwog, die Einöde zu verlassen. Mit Hilfe Gottes widerstand er der Versuchung, indem er sich nackt in Dornen wälzte.

Das Bild zeigt den Vorgang in zwei Phasen: hinten kniet Benedikt vor einem Kreuz, während ein schwarzer Vogel über seinem Haupt fliegt. Im Vordergrund ist der entkleidete Heilige zu sehen, während er sich in Dornen wälzt.

C6 BENEDIKT UND DAS VERGIFTETE BROT (Ribadeneira-Hornig, Bd 1, S. 506; LA-Benz, S. 239 f.) Benedikt hatte schon zahlreiche Klöster gegründet, und der Ruhm seiner Heiligkeit war weit verbreitet. Ein Priester namens Florentius wurde daraufhin so sehr von Neid erfüllt, daß er endlich dem Heiligen ein vergiftetes Brot schickte. Durch himmlische Erleuchtung erkannte Benedikt die Gefahr und rief einen Raben, damit er das vergiftete Brot an einem entfernten Ort niederlege, wo es niemandem gefährlich werden konnte.

Der hl. Benedikt, Patron von Odelzhausen
C6 Benedikt und das vergiftete Brot

Benedikt, in Benediktinertracht, steht vor einem Tor. Er ist von einem Mitbruder und einem Knaben begleitet. Vor ihm sieht man den Raben und das Brot. Der Hintergrund zeigt

C7 Der Teufel stört beim Klosterbau

C1-10 Benedikt-Zyklus in den Stichkappen und Zwickeln des Chors

einen Klosterkomplex mit Kirche und einem Rundbau mit romanischem Bogenfries.

C7 DER TEUFEL STÖRT BEIM KLOSTERBAU (Ribadeneira-Hornig, Bd 1, S. 507) Beim Bau eines Klosters war der Teufel so voller Zorn, daß er durch einen Unfall einen Mönch zu Tode kommen ließ. Auf Benedikts Gebet hin erweckte Gott den Mönch wieder zum Leben.

Das Bild zeigt vor einer Säulen- und Pfeilerarchitektur einen Mönch, den der Teufel von dem Bauwerk stürzt. Benedikt steht links und breitet die Arme betend aus. Rechts sieht man einen Steinmetz und andere Bauhandwerker. Die Szene weicht etwas von den Benediktusviten ab: dort wird ein Mönch von einer Mauer erschlagen, die der Teufel zum Einsturz bringt.

C8 DER TEUFEL BESCHWERT EINEN STEIN (Ribadeneira-Hornig, Bd 1, S. 506; LA-Benz, S. 240 f.) Auf mancherlei Weise versuchte der Teufel, den Klosterbau zu verhindern. Einmal »... beschwehrte er einen grossen Stein solcher Gestalt, daß ihn vil Männer nit von der Stell zu bringen vermöchten... und endlich dem H. Benedicto ihre Unvermögenheit klagten; diser aber vermerckte bald, wo es fehle, bettet, und seegnet den Stein, womit alles Gewicht verschwunden..«

Arbeiter umringen einen großen Quader, auf dem der Teufel liegt. Im Hintergrund steht der hl. Benedikt in Begleitung eines Mönchs und hebt segnend die Rechte.

C9 TOTILA VOR BENEDIKT (Ribadeneira-Hornig, Bd 1, S. 509; LA-Benz, S. 241 f.) Der Ruhm des hl. Benedikt kam auch dem König Totila zu Ohren. Um den Heiligen zu versuchen, schickte er seinen Vertrauten Ricco (Riccius) in Königskleidern zu ihm; Benedikt aber erkannte die Täuschung. Daraufhin suchte Totila ihn selbst auf und fiel vor ihm auf die Knie, bis Benedikt ihn aufhob.

Auf den Stufen vor dem Klosterportal kniet Totila, von Soldaten begleitet. Aus dem Tor kommt Benedikt in Begleitung eines Mönchs und breitet die Arme aus, um den König zu empfangen.

C10 Totila vor Benedikt
C10 Die Seele des hl. Benedikt fliegt in den Himmel

C10 DIE SEELE DES HL. BENEDIKT FLIEGT IN DEN HIMMEL (Ribadeneira-Hornig, Bd 1, S. 511) Im Augenblick des Todes Benedikts sah einer der Mitbrüder die Seele des Entschlafenen in den Himmel fliegen.

Engel tragen eine helle Jünglingsgestalt zum Himmel. Unten rechts – kaum mehr sichtbar – stehen Mönche.

Ca-b EMBLEME In den Ornamentkartuschen der Gewölbezwickel zu Seiten des Hochaltars beziehen sich Embleme (ohne Lemmata) auf die Gottesliebe des hl. Benedikt.

Ca Ein brennendes Herz in den Wolken entzündet mit Strahlen ein Herz, das auf der Erde liegt. Das Bild bedeute die Liebe Gottes zum Menschen, die des Menschen Liebe zu Gott entzündet (s. Picinelli, Lib. 3, Nr. 559: AMOR HOS ACCENDIT AMORES).

Cb Eine Sonnenblume wendet sich der Sonne zu. Auch diese – äußerst häufig gebrauchte – Ikon weist auf die Liebe des Heiligen zu Gott hin (s. Picinelli, Lib. 11, Nr. 54 u. Par.).

Quellen und Literatur

AEM, Pfarrakten Sulzemoos: Pfarrbeschreibung; Bauten II (Baureparaturen Filialkirche Odelzhausen); Filiale Odelzhausen.

StAM, LRA 34423. StAM, Hofmarken, Odelzhausen K 1

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 306 f.

Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 328-31.

KDB I OB (1), S. 311 f.

Historischer Atlas I, Bd 11/12 (Pankraz Fried), München 1958, S. 87–89.

Dorner, Peter, Das Barockschloß der Grafen von Minucci in Odelzhausen, in: Amperland 19, 1983, S. 464-69.

Kunst- und Kulturdenkmäler 1977, S. 318.

Dehio 1990, S. 931.

ORTHOFE