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Nassenfels, Pfarrkirche St. Nikolaus

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 360–371, geschrieben von Bauer-Wild, Anna und Grimminger, Christina. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche, Diözese Eichstätt. Nassenfels gehörte bis 1803 zu den ältesten Besitzungen des Eichstätter Bischofs und war z.Z. der Ausmalung Sitz eines Pfleg- und Kastenamts des Hochstifts Eichstätt, das sich in der als mittelalterliche Wasserburg errichteten Anlage südlich der Dorfsiedlung befand. Bis 1972 Reg.Bez. Mittelfranken.

In der Kirche wurde 1712 die Bruderschaft vom Namen Jesu errichtet, auf die sich das Deckengemälde im Chor bezieht.

Patrozinium: St. Nikolau

Zum Bauwerk: Für das ehem. Hochstiftsgebiet kleine, typische Dorfkirche mit künstlerisch überdurchschnittlicher Ausstattungsdetails, zurückzuführen auf die fürstbischöfliche Baulast und Stiftungen am Ort ansässiger Adelsmitglieder 1737/38 Neubau der Kirche durch Giovanni Domenico Barbieri, die Bauführung vor Ort hatte Johann Bernhardt Deller, Bürger und Maurermeister in Eichstätt. Bis zur Weihe der Kirche am 29. 5. 1741 war die Innenausstattung aus Stuck und Deckengemälden fertig gestellt. Über den Stuckator fehlen sichere Angaben, der Stuck könnte von dem Eichstätter Franz Xaver Horneis stammen. Nach 1741 wurde die mobile Ausstattung in Angriff genommen. Nach Ausweis des Wappens am Hochaltar wurde dieser aus Mitteln des baupflichtigen Eichstätter Fürstbischofs Johann Anton II. Freiherr von Freyberg finanziert. Das Altarblatt signierte und datierte 1743 der Wiener Maler Josef Adam Mölk, der ein Jahr zuvor für das Benediktinerinnenkloster St. Walburg in Eichstätt tätig war. Der nördliche Seitenaltar ist nach Ausweis der Wappen in den geschnitzten Kartuschen eine Stiftung von Marquard Willibald Anton Schenk Graf von Castell (* 1700 † 1757), dem damaligen Pfleger von Nassenfels, und seiner Gattin Maria Aloysia Freiin von Welden (* 1709). Auch das Sebastiansgemälde des südlichen Seitenaltars weist das Wappen Castells auf; hier auf die am Boden liegende Rüstung gemalt. Auskünfte über die Stiftungen vermittelt ein in den Pfarrakten überkommenes Schreiben vom 29.7.1743, nach dem Castell »ex propriis einen Neben Althar vollkommen verferttigen und sezen« und »das zu dem zweyten Neben Allthar das Allthar Blatt solcher gestallten machen lassen«, das Geld für den Hochaltar und den zweiten Nebenaltar vom Fürstbischof und anderen Wohltätern erhalten hat. Schenk Graf von Castell unterstützte auch die Ausstattung der Maria-Hilf-Kapelle in Eichstätt (S. 172f.). Das Wappen über dem Gemälde im Norden, das die Madonna mit den Bistumsheiligen Willibald und Walburga zeigt und dem Eichstätter Maler Joseph Dietrich zuzuschreiben ist, konnte nicht identifiziert werden.

Eine das äußere Erscheinungsbild verändernde Baumaßnahme wurde 1763-65 durch Mauritio Pedetti, dem letzten Hofbaudirektor des Hochstifts Eichstätt, vorgenommen. Da der bestehende Turm auf der Südseite des Chores – diese Lage überliefert die Darstellung der Kirche auf der Ortsansicht vor Nassenfels in Fresko A – nicht ausreichend fundamentiert war und den Kirchenbau an der Stelle gefährdete, wurde der Turm abgetragen und ein neuer vor der Westfassade der Kirche errichtet.

LHs (18,40x11,90m) als Saalbau zu vier Jochen; es verfügt im Westen über einen doppelten Emporeneinbau mit gerader Brüstung und einem mittigen Balkon auf der oberen Empore. Eingezogener und ausgeschiedener, zweijochiger AR (7,40x6,80m) mit geradem Schluss, im Nordosten und Südosten abgeschrägt. Belichtung im LHs auf der Nord- und Südseite durch je vier große, mit flachem, segmentbogenförmigem Abschluss, im AR zwei Fenster auf der Nordseite. Wandgliederung aus Doppelpilastern, die ein durchlaufendes Gesims tragen. Die Stuckdekoration aus Laub- und Bandlwerkformationen mit Vasen repräsentiert die Stilstufe der Régencezeit, sie ist im AR verhältnismäßig reich, im LHs reduzierter. Die Stuckkanzel findet sich auf der Südseite und ist mit dem Sakristeianbau auf der Südseite des Chores mittels einer geraden Brüstung verbunden.

Der Kirchenraum

Auftraggeber: Am Chorbogen findet sich das Wappen des Eichstätter Fürstbischofs Johann Anton II. Freiherr von Freyberg-Hopferau (1736–57), der auch den Hochaltar gestiftet hat (s. unter Bauwerk); zur Biographie Freybergs s. S. 214, vgl. auch das Porträt im Fresko der Eichstätter Maria-Hilf-Kapelle S. 177 und unter Auftraggeber S. 172 f.

Amtierender Pfarrer war z.Z. der Ausmalung Johann Georg Eben (1753–44).

Autor und Entstehungszeit: Gabriel Seel (nachweisbar in Nassenfels 1731-42, 1744-48 in Neuburg a.D.) 1738/41. Signatur in B G: SELL (1949 soll laut Gutachten des BLfD eine zweite Signatur sichtbar gewesen sein).

Die Kirche war 1737/38 im Rohbau fertiggestellt und könnte bis zur Kirchweihe 1741, jedoch spätestens bis 1743 stuckiert und freskiert gewesen sein. Diese Annahme wird dadurch gestützt, dass bereits 1738 die Stuckkanzel in Auftrag gegeben worden war (DAEI, R2, fol. 34 v) und 1743 die Altäre angeschafft wurden. Es ist unwahrscheinlich, dass nach 1743 größere Baumaßnahmen stattgefunden haben, zumal Gabriel Seel spätestens 1744 nach Neuburg verzogen ist. Bereits 1740 war »Gabriel Seel Mahler zu Nassenfels« von der Nassenfelser Heilingverwaltung mit 1 Gulden 45 Kreuzer bedacht worden (DAEI, R29, fol. 15r). Der Annahme Felix Maders in den KDB, S. 230, dass »Die Beigabe des erzbischöflichen Vortragskreuzes [im Wappen am Chorbogen] erweist, dass die Stuckie-

[[File:Band13_chunk008_p007_img001.jpg|thumb|B Verehrung Mariens durch die Erdteile, 1-3, 6 Heilige (Gabriel Seel 1738/41)]

Die Aussage, dass die Erwähnung des Vortragekreuzes in Nassenfels „frühestens 1745 erfolgte«, muss differenziert werden. Tatsächlich erhielt Fürstbischof Freyberg im Rahmen des Bistumsjubiläums 1745 vom Papst das Recht, das erzbischöfliche Kreuz Vortragen zu lassen (vgl. das Vortragekreuz 3.7. 1745, DAEI, U1007). In Nassenfels sieht es aber so aus, als sei das Vortragekreuz im Wappen am Chorbogen nachträglich angebracht worden, vielleicht tatsächlich erst 1745, nachdem die Stuckierung fertig war.

Das Vortragekreuz als Bestandteil eines Eichstättisch fürstbischöflichen Wappens findet sich später noch in den Kirchenausstattungen in Kottingwörth (s. S. 317) und in Kinding (s.S. 293).

Die Fresken in Nassenfels stellen neben der kleineren Ausmalung in Dinkelshausen (siehe CBD Bd 10, S. 93–97) die bislang einzige gesicherte Arbeit des Nassenfelser Malers Gabriel Seel in dieser Gattung dar. Künstlerisch ist er als handwerklich orientierter Meister anzusehen, dessen Metier eher die Tafelmalerei war.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B, 1–6) Korbbogentonne; AR (C, C1–4) Flachtonne, im Osten abgemuldet Rahmen: A, B und C Stuckprofil, 1–6 und C1–4 Ornamentkartuschen

Technik: Fresko; sämtliche Fresken polychrom außer den Grisaillen EBa-d

Maße: A Höhe 9,40 m; 4,80 x 5,00 B Höhe 9,40 m; 4,80 x 5,00 C Höhe 9,40 m; 3,50 x 2,80

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Eine das Erscheinungsbild im Inneren stark beeinträchtigende Kirchenrenovierung ist für 1892 bezeugt. In einem Schreiben des Nassenfelser Pfarrers vom 8. 5. 1892 mit dem Betreff »Austünchung der Pfarrkirche zu Nassenfels und Fassung der 3 Altäre in derselben« wird betont, dass an den Altar- und Deckenbildern nichts vorgenommen werden solle als eine Reinigung durch den Augsburger Maler Zacherl (DAEI, Pfarrakten Nassenfels I,1).

Einen Eindruck der extrem farbigen Austünchung der Raumschale und der naturalistischen Fassung der Altarplastik vermittelt die in den KDB 1928 veröffentlichte Innenraumaufnahme, auf der die Deckengemälde nur unscharf abgebildet sind. Da in einer Aktennotiz des BLfD von 1949 die Rede davon ist, dass die Deckenfresken von Übermalungen befreit wurden, muss wohl von einer Überarbeitung im Rahmen der Renovierung 1892 ausgegangen werden. Die Freskenrestaurierung 1949 nahm der Eichstätter Kunstmaler H. Krempel vor, die Renovierung der Raumschale und der Altäre der Eichstätter Kirchenmaler Konrad Schmer und die Stuckfirma Wagner in Ansbach.

Die letzte Innenrestaurierung von 1999 durch Rudolf Pfaller, Ingolstadt, betraf die Deckenbilder nicht.

Die Fresken sind durch Übermalungen und Restaurierungen geschädigt, entsprechen lediglich kompositorisch dem Original. Ein Beispiel für völlige Übermalung ist das Nebenbild 1, der hl. Willibald. Die Figuren der Hauptbilder A, B und C sind teilweise nachkonturiert, vor allem einige Gesichter und Lockenköpfe. Überarbeitet sind auch die Emporenbrüstungsbilder.

Beschreibung und Ikonographie

Der feine Stuck an der Langhausdecke konzentriert sich auf den Deckenrand und drei gurtähnliche Formationen, die nicht architektonisch vorgegeben sind. Der Mittelgurt teilt die Decke in zwei Hälften, in denen die zwei Hauptbilder A und B liegen. Die Kartuschenbilder 1–6 liegen in den Ecken der Decke und an den Ansatzstellen des Mittelgurts. Diese strenge Ordnung lässt die Deckendekoration schematisch wirken.

Das Freskenprogramm ist für eine Dorfkirche sehr komplex. Bemerkenswert erscheint, dass der Kirchenpatron, der hl. Nikolaus, an hierarchisch niedere Orte verbannt wurde. Im Chor bezieht sich das Deckengemälde auf die 1712 in Nassenfels eingeführte Namen-Jesu-Bruderschaft. Hauptbild B ist der Muttergottes gewidmet und zeigt diese als Patronin. Doch ist keine bestimmte Nassenfelser Marienverehrung gemeint. Die Darstellung kopiert einige Details des 1734/35 von Cosmas Damian Asam im Oratorium der akademischen Marianischen Kongregation »Mariä Verkündigung« in Ingolstadt geschaffenen Freskos (künftig: CBD Bd 14), so den Gnadenbrunnen wie auch die Personifikationen der Europa und Asia nebst Begleitpersonen und inklusive der Fahnen.

B Verehrung Mariens durch die Erdteile

A NIKOLAUS ALS PATRON VON NASSENFELS Auf Wolken, die im Vordergrund kräftig geballt sind, thront vor gelblichem Himmelslicht Nikolaus von Myra im goldenen Rauchmantel, die Mitra auf dem Haupt. Ein Engel hält ihm den Bischofstab, ein zweiter sein persönliches Attribut, das Buch mit den drei goldenen Apfeln. Vom Dreifaltigkeitssymbol fallen Gnadenstrahlen auf den Heiligen. Nikolaus hat die Linke in einer Geste der Empfehlung ausgestreckt, die Rechte hat er segnend erhoben. Am unteren Bildrand erscheint den gesamten unteren Bildstreifen einnehmend der Ort Nassenfels, der durch seinen Kirchenpatron der Dreifaltigkeit empfohlen wird. In der Mitte erhebt sich die neuerbaute Kirche, rechts davon ist Schloss Nassenfels zu sehen, das z.Z. der Ausmalung Sitz des Pfleg- und Kastenamts Nassenfels war.

Den oberen Teil des Bildes nimmt eine rundlich geballte, gelbliche Wolkenlandschaft ein. In ihrer Mitte thront Maria als Himmelskönigin mit Zepter und Krone. Mit dem Arm umfängt sie den Jesusknaben, der auf einer Weltkugel steht und die rechte Hand im Segensgestus erhoben hat. Über Mutter und Kind schwebt die Taube des Heiligen Geistes vor dem Dreieck als Trinitätssymbol. Engel und Putten sind in den Wolken zu sehen. Sie halten Lilien als Zeichen der Reinheit, eine Rose und einen Blütenkranz.

Unten auf der Erde knien die Erdteile. Die dargestellten Figuren und Gegenstände sind Kopien aus dem Fresko von Cosmas Damian Asam im Oratorium der akademischen Marianischen Kongregation in Ingolstadt. Links sieht man die dunkelhäutige Gestalt der Africa auf einem Elefanten reitend. Sie trägt einen grünen Federhut und hat Perlen in der Hand. Ein Page hält einen Sonnenschirm über sie, ein zweiter hält ein Weihrauchgefäß, aus dem weißer Rauch nach oben steigt. Europa wird durch eine Gruppe von drei Personen dargestellt, die Personifikation Europas selbst trägt einen goldenen Helm mit Federn, ein weißes Kleid, darüber einen goldenen Harnisch und einen roten Mantel. Mit der Rechten weist sie die Kaiserkrone vor. Zu ihren Füßen liegen als weitere Würdezeichen wieder die Kaiserkrone, eine Zackenkrone und ein Fürstenhut, sowie ein schwarzes Birett. Bei den beiden männlichen Assistenzfiguren, einem Fürst in Rüstung, mit rotem Mantel und weißen Strümpfen, vor dessen Brust Europa die Kaiserkrone hält, und dem Geistlichen mit Hermelinumhang, handelt es sich um Personifikationen der weltlichen und geistlichen Stände. Von vier Fahnen im Hintergrund sind zwei gekennzeichnet: Eine mit stehender Madonna und eine gelbschwarz gestreift. Zwischen Europa und der rechts folgender Asia ist ein Springbrunnen zu sehen, der als Quelle in den Vordergrund abfließt. Asia kniet in reichem königlichen Gewand, einen Turban auf dem Haupt, der von einem Halbmond gecrön ist. Sie hält ein Zepter in der Hand. Zwei Pagen mit weißen Turbanen sind bei ihr, einer hält ihr ein rotes Kissen für das Zepter. Im Vordergrund liegen Muscheln und fremdartige Früchte. Das Tier neben Asia ist ein Kamel; von dem schönen Reitsitz ist nur der vordere Teil zu erkennen. Ein hochaufgerichteter asiatischer Fürst in rotem Gewand und goldenem Mantel, mit hoher, federgeschmückter Kopfbedeckung (assyrisch?) steht hinter ihr; die Rechte hat er an die Stirn gelegt, mit der Linken weist er wie abwehrend in den Hintergrund, wo zwei hohe Berge zu sehen sind. America ist eine dunkelhäutige, schöne Frau in weißem Gewand, mit Perlen geschmückt, die Hände betend gefaltet. Neben ihr kniet ein Indiomann mit Krone und Kragen aus weißen Federn. Er hat die Hände über der Brust gekreuzt und hält ein kleines Kreuz als Zeichen der Missionierung. Vor den beiden Figuren liegen auf einer roten Draperie ein hölzernes Kreuz, eine goldene Dose und Goldschmuck – wie als ein Zeichen dafür, dass die beiden Indios Schmuck und Reichtum für das Kreuz eingetauscht haben.

1-6 HEILIGE Kartuschen umgeben die Langhausdarstellungen, vier in den Ecken und zwei in den Seitenmitten.

Chorfresken mit C Beschneidung Jesu, C, Darstellung im Tempel, C, Flucht nach Ägypten, C, Embleme

C1 SEBASTIAN Der Patron des rechten Seitenaltars ist auf Wolken thronend als römischer Krieger dargestellt, mit Helm und Soldatensandalen, den Helm neben sich, das lockige Haupt von Strahlen umgeben. Er hält in der Hand die Palme als Martyrerzeichen; zu seinen Füßen liegen Pfeile als Hinweis auf sein Martyrium.

Das Bildthema bezieht sich auf die in Nassenfels seit 1712 bestehende Namen-Jesu-Bruderschaft. Im Himmel sitzt Gottvater mit der Weltkugel, vor der die Taube des Heiligen Geistes erscheint. Über der Beschneidungsszene ist in hellstem Glorienlicht das IHS, der Name Jesu zu sehen, von Engeln und Putten verehrt. Das Fest der Beschneidung des Herrn wird am 1. Januar gefeiert (in Rom seit dem 9. Jh.), das Fest des Namens Jesu wird am Sonntag darauf bzw. am 2. Januar gefeiert. Dieses Fest wurde auf Bitten Kaiser Karls VI. erst 1721 von Innozenz XIII. für die ganze Kirche vorgeschrieben.

Die Drei Könige bringen ihre Gaben: Vor dem Kind kniet der greise Balthasar, der Mohrenkönig Kaspar, in weißem Turban, neigt sich von hinten über die Szene.

C4 DARSTELLUNG IM TEMPEL Szene im Tempel. Der greise Simeon hält den Jesusknaben auf einem Tisch mit roter Draperie liebend fest. Im Vordergrund kniet Maria, hinter ihr steht Joseph. »Und als sich die Tage ihrer (Mariens) Reinigung erfüllt hatten, wie das Gesetz Moses sie festlegt, brachten sie ihn Jesus nach Jerusalem hinauf, um ihn dem Herrn darzustellen, wie es im Gesetz des Herrn geschrieben steht... Und siehe, in Jerusalem war ein Mann mit Namen Simeon. Dieser Mann war gerecht und fromm und wartete auf den Trost Israels; und heiliger Geist war auf ihm. Der hatte vom Heiligen Geist eine Weissagung empfangen, er werde den Tod nicht sehen, bis er den Messias des Herrn gesehen habe. So kam er, vom Geist getrieben, in den Tempel. Wie nun die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten... da nahm er es auf« seine Arme, pries Gott und sagte: Herr, nun magst du deinen Knecht in Frieden entlassen, wie du es gesagt hast: Denn meine Augen haben dein Heil gesehen... (Lc 2,22–30).

C, Anbetung der Könige
EB, Nikolaus verweigert die Mutterbrust

C, FLUCHT NACH ÄGYPTEN Landschaftsszenerie mit Bäumen, einer Stadt und Bergen im Hintergrund. Joseph führt den Esel, auf dem Maria sitzt, in weitem dunkelblauer Mantel, und das Kind auf ihren Armen hält.

Ca-b EMBLEME Zwei Medaillons sind zur Hälfte vom Chorbogen überschnitten und zeigen nur landschaftliche Szenen, die emblematisch gedeutet werden können

Ca (N) Aufgehende Sonne über Bergen. Baum im Vordergrund. Die aufgehende Sonne wird häufig als Bild der Geburt Jesu gesehen.

Cb (S) Bestirnter Himmel, in einem Wolkenkranz der Vollmond.

EB1-5 SZENEN AUS DEM LEBEN JESU An der oberen Empore befinden sich fünf Bildfelder mit Szenen aus dem Leben Jesu (EB1-5) sowie am mittleren Vorsprung vier Sinnbilde (Eba-d); an der unteren Empore sind fünf Bildfelder mit Szenen aus dem Leben des hl. Nikolaus von Myra (EB6-10). Zählung jeweils von links nach rechts.

EB1 HEILUNG DES BLINDEN Szene am Rande einer Stadt, die rechts liebevoll geschildert ist, zusammen mit dem Fluss, der sie durchfließt. Jesus ist begleitet von Petrus und einem weiteren Jünger. Er neigt sich einem knienden jungen Mann zu, der auf sein Gesicht zeigt, und berührt eines seiner Augen. »Als er sich Jericho näherte, saß da ein Blinder bettelnd am Wege.... man sagte ihm: Jesus von Nazareth geht hier vorüber. Da schrie er: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!... Da blieb Jesus stehen und gab Befehl, ihn zu sich zu führen. Als er herzutrat, fragte Jesus ihn: Was willst du, soll ich dir tun? Er antwortete: Herr, dass ich sehen kann!. Und Jesus sagte zu ihm: Du sollst sehen können. Dein Glaube hat dich gerettet. Und im selben Augenblick konnte er sehen und folgte ihm nach und pries Gott. Als die Leute das sahen, stimmten sie alle das Gotteslob an (Lc 18,35–43; s. auch Mc 10,46–52; bei Mt 20,29–34 sind es zwei Blinde).

EBb Himmelstor
EB, Vertreibung der Händler

EB2 VERTREIBUNG DER HÄNDLER AUS DEM TEMPEL Handlungsbühne ist der Vorraum des Tempels von Jerusalem. Man blickt durch Arkaden auf eine offene überwölbte Rotunde, wo die Bundeslade steht. Im Vordergrund steht Jesus und dringt mit einem Seil auf drei Männer ein, die voller Furcht fliehen. Links ist ein umgestürzter Tisch zu sehen und ein Händler mit Tragtier, der den Tempel verlässt. »Und Jesus kam in den Tempel und trieb alle hinaus. die im Tempel verkauften und kauften; er stieß die Tische der Geldwechsler und die Sitze der Taubenhändler um und sagte zu ihnen: In der Schrift steht: Mein Haus soll ein Haus des Gebets sein, doch ihr macht es zu einer Räuberhöhle« (Mt 21,12f.; s. auch Mc 11,15–17; Lc 19,45f.; Jo 2,14–16: dort die Peitsche aus Binsenstricken).

EB3 TAUFE JESU (Abbildung siehe S. 362) Weite Flusslandschaft mit Bäumen und Bergen und einer Stadt im Hintergrund. Johannes, den Kreuzstab in der Linken, steht am Ufer und tauft Jesus, der im Jordan kniet, die Arme über der Brust gekreuzt. Über der Szene erscheint die Taube des Heiligen Geistes, zu der Johannes aufschaut, als lausche er der Stimme Gottes, die gleichzeitig sprach: Dies ist mein geliebter Sohn, den ich erwählt habe (Mt 3,13–17; s. auch Mc 1,9–11; Lc 3,22f.).

EB10 Nikolaus stillt den Seesturm
EB8 Nikolaus als Bischof

EB4 LASSET DIE KINDER ZU MIR KOMMEN In einer weiten Landschaft mit einem Flusslauf links und einer großen, turmbewehrten Stadt rechts ist in der Bildmitte ein Hügel aus Felsgestein. Hier sitzt Jesus, das Haupt von Strahlen umgeben, und breitet die Arme nach zwei Kindern aus. Das rechte dieser Kinder wird gerade von seiner Mutter zu Jesus hingeschoben. Sie hat ein zweites Kind auf dem Arm. Ein bärtiger Jünger versucht, sie wegzudrängen. Das zweite Kind bei Jesus ist offenbar von der jungen Frau zu Jesus gebracht worden, die links hinter dem Felsen hervorblickt. »Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Händeauflege und für sie bete. Doch die Jünger fiuhren die Leute an. Jesus aber sagte: Lasst die Kinder doch und verwehrt es ihnen nicht, zu mir zu kommen! Denn ihnen gehört das Himmelreich. Und nachdem er ihnen die Hände aufgelegt hatte, zog er von dort weiter« (Mt 19,13–15; s. auch Mc 10,13–16: Lc 18,15–17)

EB5 HEILUNG DES BESESSENEN Seeufer mit heftig bewegtem Wasser, rechts eine Stadt. Vor der Stadt, zur Bild-

Im Vordergrund wälzt sich ein halbnackter Besessener am Boden, die Glieder verzerrt, um den Arm eine eiserne Fessel. Jesus, begleitet von Johannes, tritt zu ihm. Sein Haupt ist von Strahlen umgeben, er streckt die Linke zu dem Besessenen hin aus und weist mit der Rechten zum Himmel. Dem Mund des Besessenen entweicht eine weiße Rauchwolke. »Und sie ka men an das andere Seeufer in das Gebiet der Gerasener. Un gleich, als er aus dem Boot stieg, kam ihm aus den Gräber heraus ein Mann entgegen, der von einem unreinen Geis besessen war. Der hauste in den Grabhöhlen; und nicht einma mit Ketten hatte man ihn bisher zu binden vermocht... Stän dig, nachts und tags, trieb er sich schreiend in den Grabhöhle und Bergen herum... Als er nun Jesus von weitem sah, rannt er herzu, warf sich ihm zu Füßen und brüllte: Was habe ich mi dir zu schaffen, Jesus, du Sohn Gottes, des Höchsten? Ich be schwöre dich bei Gott: Quäle mich nicht! - er hatte ihm näm lich gesagt: Fahre aus diesem Menschen heraus, du unreine Geist« (Mc 5,1–8). Es folgt die Szene, wo Jesus die bösen Geister in Schweine verbannte und der Besessene geheilt wurde (Mc 5,9–16; s. auch Lc 8, 26–36).

EBa-d MARIENSYMBOLE Es handelt sich um Anrufungen aus der Lauretanischen Litanei.

EBa Spiegel – Speculum iustitiae

EBb Rundturm aus Quadern mit Fahnen oben – Turris Davidica (Abbildung EBb-c siehe S. 362)

EBc Ornamental ausgestaltetes Türmchen – Turris eburnea

EBd Himmelstor – Janua caeli.

EB6-10 NIKOLAUS-SZENEN Querrechteckige Bildfelder mit ausführlichen Landschafts- bzw. Schauplatzschilderungen.

EB6 NIKOLAUS STEHT ALS KIND IM BADE Schauplatz ist ein vornehmer Innenraum mit Ausblick rechts auf eine offene Halle und links über eine Balustrade auf einen Gang und ins Freie. Die Mutter liegt, von einer grünen Draperie überwölbt, im Wochenbett. Neben dem Bett steht die Wiege des neugeborenen Kindes Nikolaus. Dieses wurde eben von zwei Mägden in einen Badezuber gebracht und steht nun im Bade, den Blick nach oben gerichtet, die Händchen gefaltet, um das Köpfchen einen Heiligenschein. Eine Magd betrachtet andächtig das Wunder, die zweite gießt Wasser zu. Über der Szene erscheint in übernatürlichem Licht eine bischöfliche Mitra.

Francesco Buti beschreibt die Szene nach Antonio Beatillo »Als man dieses Kind nach der Geburt wie gebräuchlich rei nigte, hat es sich selbst auf seine Füßlein gestellt, und als hett e schon einige Erkantnus Gottes und Gottes schuldiger Verehrungdie Händlein, als wollte es betten, zusammengeschlager und eine geraume Zeit die Äuglein gegen den Himmel erhebt welches dann als ein Verbedeutung seiner künftigen Wunder großen Heiligkeit meniglich mit Verwunderung und Freud angefüllet« (Leben und Wunderwerck Buch I, Kap. I; s. Lenting, Fresko A, S. 330, 332, 336f.).

EB7 NIKOLAUS VERWEIGERT AM FREITAG DIE MUTTERBRUST Weiter offener Raum mit roten Drapieren und Ausblicken in eine Gartenlandschaft. Die Mutter sitzt in der Bildmitte und hat das Kind Nikolaus auf dem Arm. Neben ihr steht die Wiege. Die Mutter bietet dem Kind die Brust an, aber das Kind wendet das Köpfchen weg und wehrt mit den Händchen die Nahrung ab. Daneben steht an einem Tisch eine Magd und versucht, dem Kind mit einem Löffel Brei aus einem Schüsselchen zu geben. Die Legende, dass der Säugling Nikolaus bereits die Fastengebote einhielt, wurde als Vorbereitung auf die künftige heiligmäßige Askese angesehen. Über der Szene schwebt wie in EB6 ein Hinweis auf die Bestimmung des Kindes.

EB8 NIKOLAUS ALS BISCHOF Links sieht man in einer offenen Kirche auf den Hochaltar, dessen Altarblatt die Kreuzigung zeigt. Nikolaus steht vor der Kirche im Bischofsornat, mit Mitra und Stab. Zu seinen Füßen liegt das Buch mit den drei goldenen Äpfeln, sein Attribut. Nikolaus segnet vor ihm kniende Männer und Frauen. Hinter der Szene weitet sich eine bergige Landschaft mit dichten Bäumen am Bildrand. In dieser Szene wird durch die leere, offene Kirche an die Legende erinnert, die erzählt, dass nach dem Tod des Bischofs von Myra der erste, der am folgenden Morgen die Kirche betreten werde, dessen Nachfolger auf dem Bischofstuhl werde – und das war Nikolaus. Es ist aber nicht eigentlich diese Szene dargestellt, denn Nikolaus ist bereits als Bischof gekleidet und hat zu seinen Füßen die goldenen Äpfel als Attribut, die er sich ja auch erst später durch das Geschenk an die drei Mädchen erwerben sollte. Das Bild zeigt ganz allgemein Nikolaus als Bischof und seine Sorge für die Menschen – mit einem kleinen Hinweis auf die Umstände seiner Wahl.

EB9 AUSSTEUER DER DREI MÄDCHEN Öffene Halle mit Ausblick auf eine bergige Flusslandschaft mit Stadt im Hintergrund. Von rechts kommt Nikolaus von Myra in bischöflichem Ornat, mit Mitra und Stab. Vor ihm kniet eines der drei armen Mädchen, denen zum Heiraten die Aussteuer fehlte, und hat die Hand ausgestreckt. Die beiden anderen drängen sich hinter ihr, mit Gesten der Dankbarkeit. Am Boden liegen einige Münzen.

Doppelempore mit den Fresken EB1-5 Leben Jesu, EBa-d Mariensymbole, EU Bauunglück (oben), EB6-10 Nikolaus-Szenen (unten)

Die wohl bekannteste Szene aus dem Leben des Heiligen ist nicht in der üblichen Form dargestellt, nämlich wie Nikolaus die drei goldenen Äpfel bzw. Goldstücke nachts heimlich durch das Fenster der Mädchen wirft, sondern zeigt neben der Güte des Heiligen auch die Dankbarkeit der Mädchen.

EB10 NIKOLAUS STILLT DEN SEESTURM Links sieht man unter düsterem Wolkenhimmel in den aufgewühlten Wogen ein Segelschiff, dessen Insassen in ihrer Todesangst verzweifelt die Arme ausstrecken. Rechts sieht man das Ufer mit einer Stadt im Hintergrund. Auf dichtgeballten gelblichen Wolken erscheint Nikolaus als Bischof, die rechte Hand segnend erhoben und den Seesturm stillend. Als sich einst ein Schiff in Seenot befand, flehten die Schiffer den Himmel an, sie zu verschonen. Da erschien ihnen ein Bischof und beruhigte den Sturm. Als die Seeleute in Myra ankamen, erkannten sie in der Kathedrale den Bischof Nikolaus als ihren Retter.

EU BAUUNGLÜCK An der Unterseite der oberen Empore findet sich ein Fresko, das sich offensichtlich auf ein aktuelles Ereignis an exakt dieser Stelle während des Kirchenbaus bezieht. Der noch offene, sich im Bau befindliche Kirchenraum zeigt die Westseite mit der Doppelempore auf zwei Holzstützen. Selbst die fünf Bildfelder der unteren Empore sind schon angelegt, die obere zeigt in der Mitte den fünfseitigen Vorsprung. Von hier stürzt ein junger Mann kopfüber herab, der Hut fliegt ihm voraus, die weiße Maurerschürze flattert, er klammert sich an einen roten, wulstartigen Gegenstand (Schal?). Der Ausgang des Unglücks ist nicht zu erkennen. Kaum lesbarer Name am unteren Bildrand: Bernhard Deller?

Kanzelbrüstung

K1-4 VIER EVANGELISTEN Die Evangelisten sind in Halbfigur dargestellt, bis auf Lukas schreibend bzw. mit Buch. Zählung von links nach rechts.

K1 Matthäus mit dem Engel

K2 Markus mit dem Löwen

K3 Lukas mit dem Stier. Er hält ein Marienbild in der Hand und hat neben sich die Staffelei.

K4 Johannes mit dem Adler. Aus dem Himmel bricht strahlendes Licht.

K5 GUTER HIRTE Am Verbindungsgang von der Sakristei zur Kanzel ist an der Brüstung ein extrem querformatiges Bild mit weiter Landschaft und einem Gehöft rechts. In der Mitte steht Jesus und hält ein Lamm auf seinen Schultern. Die Darstellung Jesu als Hirt basiert auf seinen Worten »Ich bin der gute Hirt und kenne meine Schafe, und meine Schafe kennen mich, wie mich der Vater kennt, und ich kenne ihn« (Io 10,14f.; s. das Gleichnis vom verlorenen Schaf bei Lc 15.3-7)

Quellen und Literatur

DAEI, Pfarrakten Nassenfels I,1: Baulichkeit an der Pfarrkirche; R29: Nassenfelser Heyling Rechnung; R2: Generalheilingrechnungen; Buchner Eichstätter Bistumsgeistliche. BLfD, Akt Nassenfels, Pfarrkirche St. Nikolaus

KDB VMF (2), S. 228-34 mit Abb. Buchner Bistum Eichstätt 1938, S. 213-19.

Neuhofer, Theodor, Beiträge zur Kunstgeschichte des Hochstifts Eichstätt, in: SHVE 61, 1965/66, S. 9–92, hier: S. 25. Margadant, Silvio und Emanuel Braun (Hg.), Giovanni Domenico Barbieri (1704–1764). Ein Graubündner als Hofmaurermeister des Fürstbischofs von Eichstätt. Autobiographie und Ausgabenjournal, Regensburg 2004, S. 97. Dehio OB 1990, S. 847; 2006, S. 928

Literatur zur Nikolaus-Vita

Beatillo da Baris, Vita des hl. Nikolaus von 1620; Kurzfassung davon von Francesco Buti; deutsch Übersetzung von Buti durch einen Jesuiten 1699: Das Leben und Wunderwerck des Heiligen Nicolai Ertz-Bischoffen zu Myren.

A. B./C. G.