München, Fünf, nicht lokalisierbare Deckenbilder aus dem Hofbereich
Zur Herkunft: Die Erstverwendung der fünf Bilder ist nicht bekannt. Vermutlich stammen sie aus der Münchner Residenz.
Auftraggeber: Herzog Maximilian I. von Bayern (1598–1651; Kurfürst ab 1623)
Autor und Entstehungszeit: Werkstatt Peter Candidi, um 1615. Stilistische Nähe besteht vor allem zwischen den Putti in der Apollo-Darstellung (1) und denen des 1616 vollendeten Kaisersaals (S. 177). Als ausführender Maler kommt Hans Käppler in Frage, bei dessen Figuren eine ähnliche Physiognomie oder auch die eigentümlich abstehenden Haare begegnen, besonders bei der Wandteppichserie für den Kaisersaal, deren Kartons er 1614/15 ausführte (Volk-Knüttel 1976, Abb. 176, 178, 179). Bei Rée (S. 196) und im »Neubau des Bayerischen Nationalmuseums« (S. 69) werden die Bilder Candid zugewiesen.
Befund
Technik: Ol auf Leinwand; polychrom
Maße: 1 1,68 × 3,52 an den Schmalseiten abgerundet; 2–3 1,95 × 2,50 abgeschrägte Ecken; 4–5 eirechteckig, Maße unbekannt
Verbleib: Die Bilder wurden seit 1822 in den Inventaren der BSGS geführt mit den Inv. Nrn. 7878/5237 (1), 7876/5238 (2) und 7877/5239 (3). Sie befanden sich im 19. Jh. im Depot der Gemäldegalerie in Schleißheim. Dort erwähnte sie noch 1885 Rée, der auch an diesem Ort »zwei auf Leinwand gemalte, von Engeln gehaltene Wappen mit dem Monogramme des Maximilian und der Elisabeth« nennt, die wohl mit 4 und 5 identisch sind, die bisher nicht weiter zurückverfolgt werden können. Die Bilder 1–3 wurden 1888 von A. Hauser restauriert. Alle fünf Gemälde wurden in die Decke von Saal 57 (Musikinstrumentensammlung) des ab 1894 von Gabriel von Seidl erbauten BNM eingelassen. 1 bildete die Mitte der Decke, 2 und 3 sowie zwei im Stil angepaßte gleichformatige Bilder mit weiblichen Genien von Rudolf Seitz saßen in den Ecken. 5 und 6 sowie ähnliche, ebenfalls von Seitz ausgeführte Bilder besetzten den schrägen Fries. Die Decke mit den Gemälden fiel den Kriegszerstörungen im Museum zum Opfer.
Beschreibung und Ikonographie
1 APOLL In der Mitte sitzt Apoll auf Wolken. Er ist nackt, über Schulter und Unterkörper liegt ein großer, voluminöser Umhang, der hinten zur Seite weht. Seine Haare stehen vom Kopf ab, vielleicht eine Anspielung darauf, daß seine Haarlocken den Sonnenstrahlen gleichen. Er hält mit der Linken ein Violoncello eines kleinen Formats, stellvertretend für die Lira da Braccio, die Apoll zugeordnet ist (vgl. Emanuel Winternitz, Musical Instruments and their Symbolism in Western Art. Studies in Musical Iconology. New Haven-London 1979, S. 86ff, 89f, 185ff., 197f.), mit der rechten Hand faßt er den Bogen zum Streichen des Instruments. Ihn umgeben zwei Putti, die seine Waffen halten, der rechte einen Köcher mit Pfeilen, der linke schleppt den dazugehörigen Bogen. Die Putti mit ihren Attributen erinnern an die entsprechenden Darstellungen des Kaisersaals, auch die Bildgröße und das Format reichen an die beiden großen Tafeln mit den antiken Architekturen heran, doch läßt sich das Bild innerhalb der Residenz mit keiner aus Beschreibungen bekannten Darstellung identifizieren.
Einer langen Bildtradition folgend, wird Apoll häufig in einer doppelten Funktion dargestellt, in der einen Hand den Bogen, in der andern Hand das Instrument, meistens die Lyra, in Anspielung auf seine Überwindung des Python und auf seine Eigenschaft als Musagetes (Ernst H. Kantorowicz, On Transformation of Apolline Ethics, in: Charites. Studien zur Altertumswissenschaft, Bonn 1957, S. 265ff.).
Er hält mit der Linken ein Violoncello eines kleinen Formats, stellvertretend für die Lira da Braccio, die Apoll zugeordnet ist (vgl. Emanuel Winternitz, Musical Instruments and their Symbolism in Western Art. Studies in Musical Iconology. New Haven-London 1979, S. 86ff, 89f, 185ff., 197f.), mit der rechten Hand faßt er den Bogen zum Streichen des Instruments. Ihn umgeben zwei Putti, die seine Waffen halten, der rechte einen Köcher mit Pfeilen, der linke schleppt den dazugehörigen Bogen. Die Putti mit ihren Attributen erinnern an die entsprechenden Darstellungen des Kaisersaals, auch die Bildgröße und das Format reichen an die beiden großen Tafeln mit den antiken Architekturen heran, doch läßt sich das Bild innerhalb der Residenz mit keiner aus Beschreibungen bekannten Darstellung identifizieren
Einer langen Bildtradition folgend, wird Apoll häufig in einer doppelten Funktion dargestellt, in der einen Hand den Bogen, in der andern Hand das Instrument, meistens die Lyra, in Anspielung auf seine Überwindung des Python und auf seine Eigenschaft als Musagetes (Ernst H. Kantorowicz, On Transformation of Apolline Ethics, in: Charites. Studien zur Altertumswissenschaft, Bonn 1957, S. 265ff.).
2 GENIUS MIT BLUMEN
3 GENIUS MIT BLUMEN UND FRÜCHTEN
Die Genien sind nackte Jünglingsgestalten mit großen Flügeln. Sie thronen auf Wolken, tragen üppige Blumenkränze im Haar und streuen Blumen (2) bzw. Blumen und Früchte (3), die auch über ihrem Schoß und auf den Wolken ausgebreitet sind. Zu ihren Füßen ist jeweils der Kopf eines Windgottes zu sehen, der aus seinem Mund ebenfalls Blumen und Früchte hervorbläst. Es fällt auf, daß die Blumen naturgetreu und sehr sorgfältig unter Vermeidung von Überschneidungen stillebenhaft auf den Bildern verteilt sind. Nach Bassermann-Jordan (S. 150) beziehen sich die Darstellungen auf Frühling und Herbst.
4–5 FRIESBILDER MIT INITIALEN ME In den querrechteckigen Bildern sind in der Mitte in ovalem Feld die Initialen ME (Maximilian-Elisabeth) zu sehen, umgeben von Palm- und Lorbeerzweigen, die oben durch eine Herzogskrone geschlungen sind und seitlich von Putten gehalten werden, die mit ihren Oberkörpern aus groteskenartigem Akanthusaornament hervorwachsen. Das eine Puttopaar trägt Kornähren im Haar (4) und bezieht sich auf den Sommer, das andere ist mit Weinlaub und Trauben bekränzt (5) in Anspielung auf den Herbst. Die aus den Ranken hervorwachsenden Puttenkinder sind von praller Körperlichkeit. Im Vergleich zu dem gleichzeitig am Münchner Hof entstandenen, zierlichen
Groteskenornament (Steininger-Treppe, Kaisertreppe, Altes Schloß Schleißheim) wirken sie sehr ungewöhnlich. Die Anordnung von Monogramm und Kronen ist dagegen geläufig.
Quellen und Literatur
Rée, Paul Johannes, Peter Candid, sein Leben und seine Werke, Leipzig 1885, S. 196.
Bassermann-Jordan, Ernst, Die dekorative Malerei der Renaissance an bayerischen Hofe, München 1900, S. 150.
Der Neubau des Bayerischen Nationalmuseums in München, Vorrede: Gabriel von Seidl, Red.: Ivo Striedinger, München 1902, S. 57, Abb. S. 7 und Taf. I-VI
B. V.-K