Jesenwang, Pestkapelle Maria Trost
IESENWANG
Pestkapelle, Feldkapelle der Pfarrei Jesenwang, seit 1991 Pfarrverband Mammendorf, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung gehörte die Pfarrei Jesenwang der Zisterzienserabtei Fürstenfeld (seit 1704 pleno jure inkorporiert) und wurde ab 1704 von Fürstenfelder Konventualen versehen. Gericht Landsberg
Patrozinium: Maria Trost, die Pestheiligen Rochus und Sebastian sowie St. Leonhard
Zum Bauwerk: 1651 Stiftung der Votivkapelle »wegen grassierender Pest« (Führer, S. 231) durch die Pfarrgemeinde Jesenwang unter Pfarrvikar Melchior Roming (1634-59). 1751 wurde die Kapelle umgebaut und neu ausgestattet. Abt Gerard Führer überliefert den Text der Inschrift, die sich heute in etwas veränderter Form – auf einer Blechtafel über dem Eingang findet: Got, und seiner Jungfreulichen Mutter Maria dan ßeiner lieben H. ßebastian, Rochus, und Leonhardt zu höchsten Dank, und Er (Ehre) hadt Ein löbliche Gemeindt Jesenwang vor 100 Jahr Eingreissenen (eingerissenen) Pöst, vor welche unß got noch fernerß böhite wole diese Verlöbniß erricht. Ao 1651 ist auf diesem Platz Ein Cabel Erricht worden, aber 1713 widerum erneuert, Und Ao 1751 von Grundt aufgebaut worden. 1794 Renoviert.
Kleine, gewestete Rotunde mit Flachkuppel und einem Vorhaus an der östlichen Eingangsseite. Belichtung durch zwei quadratische Fenster im Erdgeschoß. Einheitliche architektonische Ausmalung des ganzen Innenraums, mit vorgeblendeten hölzernen Pilastern im Erdgeschoß.
Auftraggeber: Abt Alexander Pelhammer von Fürstenfeld (1745-61). Die Ausmalung fand unter dem Fürstenfelder Konventualen P. Liebhard Saurle statt, der aus einer Brucker Familie stammte und 1749-57 Pfarrvikar von Jesenwang war.
Autor und Entstehungszeit: P. Balduin Mancini von Fürstenfeld (* 1708/09 München, 1728 Profeß in Fürstenfeld, zuletzt in der Konventsliste von 1761 verzeichnet; Altmann, S. 238) 1751
P. Balduin Mancini war unter zwei Jesenwanger Pfarrvikaren Cooperator, unter Abundus Asum (Asam? 1743–49) und Liebhard Saurle. In der Fürstenfelder Chronik berichtet Abt Gerard Führer zum Jahr 1751: »Während dieses neuen Baue war eben P. Balduin Mancini Cooperator in Jesenwang, ein gelehrter und zu allen Handarbeiten aufgelegter hiesiger Religios, welcher diese Feldkapelle zierlich – für's Landvolkausgemallen hatte« (s. auch Woerl, S. 100 f.). Daß hier ein Laienkünstler am Werk war, bestätigt das für 1751 sehr rückständige Formenrepertoire. Hinzu kommt eine naive, reir flächige Bewältigung höhenperspektivischer Probleme bei der architektonischen Ausmalung der Kuppel.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flachkuppel mit Pendentifs. Rahmen: Das gesamte Rahmenwerk ist gemalt; 1–4 Rollwerkkartuschen, von Putten flankiert; a–d längsovale Kartuschen
Technik: Fresko; polychrom
Maße: Höhe der Kuppel 5,20 m; Stich 1,80; Ø 5,00. Erhaltungszustand und Restaurierungen: Renovierungen der Kapelle 1864, 1873 und 1911; leichte Formveränderungen durch den späten Jugendstil, z. B. bei den Fruchtkörben zu seiten der Scheinfenster im Erdgeschoß. Letzte Instandsetzung 1983/84: Wiederherstellung der Malerei, die zahlreiche Fehlstellen und Übertünchungen aufwies, durch die Fa. Hans Hausch, Fürstenfeldbruck. Hierbei wurde nach den vorhandenen originalen Resten fast die Hälfte des Dekors neu gemalt.
Beschreibung und Ikonographie
Die im wesentlichen architektonische Ausmalung der Rotunde zeigt im Erdgeschoß vier Arkadenstellungen mit hölzernen, vorgelegten Pilastern und schmalen Wandfeldern dazwischen. Die Arkaden rahmen im O den Eingang mit darüber liegender Scheinempore, im W den Marienaltar, im N und S die flachen Fensternischen. Eine eigene Pilasterrahmung umschließt die Fenster, die von einem Scheinfenster bekrönt sind. In Fortsetzung der Erdgeschoßgliederung zeigt die Flachkuppel ein simuliertes Obergeschoß: Vier Säulenarkaden rahmen hohe Fenster und münden in ein Gewölbe, das in einen Tambour übergeht, in dem die Taube des Hl. Geistes schwebt.
1–4 SYMBOLE DES GÖTTLICHEN STRAFGERICHTES. Die gemalten Bildkartuschen an den Pendentifs sind schwere Rollwerkrahmen, von flankierenden Putten gehalten. Die vier Bildmotive veranschaulichen in emblemähnlicher Form die im AT festgelegte Auffassung, Pest (Geißeln), Krieg (Schwerter), ein jäher Tod (Totenkopf) oder Ungewitter (Blitz) seien Strafgerichte Gottes. In diesen Zusammenhang gehört das gemalte Zifferblatt im Gebälk der gemalten Tür der Scheinempore; seine Zeiger stehen auf fünf Minuten vor zwölf: eine Mahnung, sich noch rechtzeitig auf den Übergang ins Jenseits vorzubereiten.
a–d MARIENSYMBOLE. In der Scheinkuppel, in den Feldern zwischen den Säulen, über den Pendentifs, erscheinen Ovalmedaillons mit Mariensymbolen.

Den Kuppelansatz umzieht ein edelsteinverzierter Kronreif aus vierundzwanzig geschweiften, mit strahlenden Gemmen besetzten Zacken, welche mit Sternen bekrönt sind. Diese Sternenkrone bezieht sich auf Maria. Zum Gesamtprogramm der Kapelle, das inhaltlich auf spätmittelalterliche Pestthematik zurückgeht, gehören auch die Statuette des Schmerzensmannes auf dem Altar, das Marienbild darüber (1864 erneuert) sowie die Statuetten der Pestheiligen Sebastian und Rochus und des bäuerlichen Viehpatrons Leonhard.
Die heutige, lichte Farbigkeit, an den originalen Spuren orientiert, ist im wesentlichen bestimmt durch Türkis, zartes Rot und zartes Blau sowie Ocker mit Goldhöhungen.
Quellen und Literatur
AEM, PfB Jesenwang, Pfarrer Daxenberger, Verzeichniß der Pfarrer, Pfarrvikaren und Kooperatoren an der Pfarrei Jesenwang ab ano 1685–1845.
BSB, Cgm 3920 und Cod. bavar. 380: Gerard Führer (letzter Abt von Fürstenfeld), Chronik des Klosters Fürstenfeld, von dessen Entstehung bis zur Aufhebung 1803 (beendet 1817), S. 231.
Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 287–89 (ohne Nennung der Kapelle).
Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 302, 304
Woerl, Joseph, Jesenwanger Heimatbuch, Jesenwang 1920–24, S. 55, 81 f., 100 f.
Heimatbuch Fürstenfeldbruck (o.V.), Fürstenfeldbruck 1952, S. 269.
Landkreis Fürstenfeldbruck (o.V.), Heimatbuch, Pörsdorf 1963, S. 166.
Kunst- und Kulturdenkmäler, S. 287
Kraft, Klaus und Florian Hufnagel, Landkreis Fürstenfeldbruck (= Baudenkmäler in Bayern, Bd 12), München 1978, S. 60 f.
Führer, Thomas, Die Pestkapelle »Maria Trost« in Jesenwang, vervielfältigtes Ms, Mammendorf 1983.
Altmann, Lothar, Die Ausstattungskünstler der bestehenden Barockanlage von Fürstenfeld (1690–1803), in: Kat. Fürstenfeld 1988, Bd 2, S. 238.
Dehio 1990, S. 511.