Hohenzell, Filialkirche Mariä Heimsuchung


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 4: Landkreis Fürstenfeldbruck. Hirmer, München 1995, ISBN 978-3-7774-6310-0, S. 168–169, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

HOHENZELL

 
W Die Verspottung Jobs

Filialkirche, Gemeinde und Pfarrei Moorenweis, Diözese Augsburg. z. Z. der Ausmalung war die Pfarrei Moorenweis der Benediktinerabtei Wessobrunn inkorporiert. Gericht Landsberg

Patrozinium: Mariä Heimsuchung

Zum Bauwerk: Vom gotischen Bau ist der Chor erhalten, das LHs wurde um die Mitte des 18. Jh. neugebaut und stuckiert. Zweiachsiger Saal, Flachdecke mit Hohlkehle; eingezogener AR (5,00 × 4,60 m) zu zwei Achsen mit dreiseitigem Schluß, Belichtung durch je zwei Fenster von N und S. Das Deckenbild befindet sich im AR, das Wandbild W an der S-Wand des LHs.

Autor und Entstehungszeit: Vermutlich ein Maler im lokalen Bereich; Entstehungszeit um 1750

Eine Passionstafel an der nördlichen LHs-Wand mit 12 Passionsszenen in Öl auf Holz trägt das Datum 1751. Der einfachen Malerei nach zu schließen paßt sie zur Ausmalung der Kirche. Malereien vergleichbarer Qualität finden sich auch in Hanshofen und Windach und in der Pfarrkirche Moorenweis an den Emporen- und Oratoriumsbrüstungen.

Befund

Träger der Deckenmalerei: AR Stichkappentonne auf Konsolen

Rahmen: A Vierpaßförmiges Stuckprofil; W war ursprünglich ohne Rahmung, hat heute eine einfache gemalte Leiste als Einfassung

Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 5,60 m; 2,20 × 2,20; W 1,80 × 1,20

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1910 Austünchung mit Restaurierung von Decken- und Wandbild. 1973/80 Innenrestaurierung durch Norbert Fischer, Egling. Das Fresko im Chor und das Wandbild wurden gereinigt, der Putz im Bildbereich gefestigt, Übermalungen wurden entfernt und Fehlstellen eingestimmt. Das Fresko im Chor wirkt ziemlich überarbeitet, während das Wandfresko eher einen Eindruck von der originalen Malerei gibt.

Beschreibung und Ikonographie

A KRÖNUNG MARIENS In einem vierpaßförmigen Feld bilden lichte Wolken vor dunklem Himmelsgrund den Schauplatz. Ein Engel trägt auf einer Wolke Maria empor. Seitlich über Maria thronen Gottvater mit Zepter und Weltkugel und Christus mit dem Kreuz, beide von Engeln begleitet. Sie halten eine Krone über das sternenbekränzte Haupt der aufschwebenden Maria. Darüber erscheint die Taube des Hl. Geistes.

W DIE VERSPOTTUNG JOBS (Job 1,9-10) Auf einem Strohhaufen sitzt der Dulder Job, nur mit einem weißen Tuch um die Hüften bekleidet, den Körper mit Wunden bedeckt. Ein kleiner schwarzer Teufel hinter ihm bläst aus einem Horn; von rechts kommt eine Frau in zeitgenössischer ländlicher Tracht auf Job zu und hält den rechten Zeigefinger im Redegestus hoch. Im Hintergrund sieht man das eingestürzte Haus Jobs. Die Szene stellt dar, wie der Teufel Job mit bösartigen Geschwüren schlug. Die Frau, die hinzutretend dargestellt ist, ist Jobs Frau, die daraufhin zu ihm sagte: »Hältst Du noch immer an deiner Makellosigkeit fest? Fluche Gott und stirb. Er aber erwiderte ihr: Wie eine törichte Frau spricht, so redest auch du. Wenn wir das Gute von Gott annehmen, warum nicht auch das Böse?«

 

Quellen und Literatur

KDB I (OB) Bd I, S. 466. Kunst- und Kulturdenkmäler 1977, S. 278. Dehio 1990, S. 456. Der Landkreis Fürstenfeldbruck 1992, S. 640.

C. B