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Hirtlbach, Pfarrkirche St. Valentin

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 5: Landkreis Dachau. Hirmer, München 1996, ISBN 978-3-7774-6320-9, S. 83–85, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche, Pfarrverband Erdweg, Gemeinde Markt Indersdorf, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung gehörte Hirtlbach zur Fürstbischöflich Freisingischen Hofmark Eisenhofen, die mit den Hofmarken Kleinberghofen und Asbach das Pflegamt Eisenhofen bildete. Der Fürstbischof hatte als Hofmarksherr das Besetzungsrecht der Pfarrei. Gericht Kranzberg

Patrozinium: St. Valentin

Zum Bauwerk: Neubau anstelle der baufälligen mittelalterlichen Kirche 1716 unter Beibehaltung der spätgotischen Grundmauern im Chor. Am 20.11.1715 schrieb Fürstbischof Eckher, er sei entschlossen, die Kirche »nach denen vorgelegten Visier und Überschläg (806 fl., darunter Maurer 582 fl., Zimmermann 172 fl.) neu erbauen und hiermit nechstkommenden Frieling unfehlbar den Anfang machen zu lassen« (AEM). Die Pläne stammten wohl von dem Freisingischen Hofmaurermeister (seit 23. 2. 1715) Dominikus Glasl. Ausführend war vermutlich der Hirtlbacher Maurermeister Johann Maurer oder dessen Schwiegersohn und Nachfolger Johann Derffler (Brief Eckhers an Halmsperger vom 13.1.1716: »... das ihr den Maurmeister, umb ein so andere Verordnung ihme mündlich zugeben, disen Winter nochmahlen hieher sollet kommen lassen«). Weihe durch den Fürstbischof am 18.10.1716. Die Altarausstattung aus der zweiten Hälfte des 17. Jh. wurde beibehalten. Die Stukkaturen werden Nikolaus Liechtenfurtner zugeschrieben.

1804 bekam Hirtlbach Hochaltar und Kanzel der abgebrochenen Kirche in der Rothschwaige. 1845 gründliche Baureparaturen mit Ausbessern des Verputzes. Neuausstattung mit Altären und Fresken 1863.

LHs zu drei Jochen mit einem östlichen Vorjoch mit eingerundeten Ecken; Pilastergliederung; Belichtung von N und S.

Eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß. Das Fresko befindet sich im westlichen Joch des LHs.

Auftraggeber: Auftraggeber war der Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing, der Besitzer der Hofmark Eisenhofen, dessen Wappen mit Inschrift Cels. ac Seren. Dom. Dom. Joann. Franciscus Episcopus Frisingensis Sacr. Rom. Imper. Princeps 1716 sich früher in einem Fenster des AR befand (Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 145 f.). Im Fresko über der Orgel sind seine beiden Namenspatrone dargestellt. »... ad Hirtlbacensis Ecclesiae pervenustum aedificium multum aeris contulit« (Meichelbeck, S. 460). Pfarrer während der Erbauungs- und Ausstattungszeit war Vitus Halmsperger (1694–1719). Pflegrichter des Pflegamtes Eisenhofen war zur Ausmalungszeit Anton Joseph von Baumgarten.

Autor und Entstehungszeit: Von der Ausmalung, die wie die Stuckierung 1717 zu datieren ist, ist nur ein Fresko erhalten und dieses in so schlechtem Zustand, daß eine Zuschreibung nicht möglich ist. Es käme vor allem ein Maler aus Freising in Frage. Johann Baptist Zimmermann, der seit 1715 in Freising ansässig war, ist wegen der schwachen Qualität auszuschließen. Johann Lederer (* 1676 Altötting † 1733 Freising), seit 1699 Freisingischer Hofmaler, kann in Vorschlag gebracht werden (vgl. Unterföhring, LKr. München, CBD, Bd 3/I, S. 174–79, besonders Fresko D, S. 176).

Befund

Träger der Deckenmalerei: Tonne mit Stichkappen (westliches LHs-Joch)

Rahmen: Stuckprofilrahmen Technik: Fresko; polychrom

HIRTLBACH

Die hll. Johannes der Täufer und Franziskus, Fresko von der Ausmalung 1715/16
Barocke Fresken an der Kanzel – an der Brüstung Vier Evangelister

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei einer Restaurierung des völlig verkommenen Innern 1865 wurden in der offenbar vorher schon übertünchten Bildfeldern durch Johann Nepomuk Müller aus München neue Deckenbilder angebracht, obwohl die Regierung von Oberbayern meinte, daß »die Ausschmückung der Plafonds mit Frescos füglich unterbleiben könne, da der bessere Geschmack sie verwirft« (AEM). Die Darstellungen zeigen (von W nach O): Der hl. Korbinian als Diözesanpatron, Engel um die Hl.-Geist-Öffnung, Verkündigung, Hl. Benno als Landespatron, Marienkrönung. Das westliche Bildfeld wurde bei dieser Neuausmalung nur übertüncht; 1896 wurde es durch einen Orgeleinbau zu einem Drittel überdeckt. 1934 Restaurierung durch Christian Seibold, Freising, bei der unter der nazarenischen Ausmalung barocke Fresken festgestellt wurden. Letzte Restaurierung 1984. Die östliche Bildhälfte des Freskos über der Orgel ist heute wieder aufgedeckt, die westliche Bildhälfte, die durch den Orgeleinbau unzugänglich ist, zeigt noch die alte graue Übertünchung. Das Deckenbild hat durch Übertünchung und Freilegung sehr gelitten. Oberste Malschicht abgerieben, einige Risse, Übermalungen

Beschreibung und Ikonographie

DIE HLL. JOHANNES DER TÄUFER UND FRANZISKUS Einansichtige Darstellung. Die beiden Heiligen erscheinen auf Wolken, Johannes der Täufer in rotem Mantel hält den Kreuzstab mit dem Inschriftfähnchen ECCE AGNUS DEI. Ein Putto neben ihm spielt mit einem Lamm, seinem Attribut. Bei Franz von Assisi sind die Stigmata an den Händen zu sehen. Er hält Totenkopf und Kreuz. Ein Engel über den beiden Heiligen weist ein geöffnetes Buch vor mit der Inschrift ABSIT / GLORIARI / NISI IN / CRUCE / Galat. (Mihi autem absit gloriari, nisi in cruce Domini nostri Jesu Christi. Galat 6,14). Die Bibelstelle bezieht sich auf Franz von Assisi. Die beiden Heiligen treten hier als die Namenspatrone des Auftraggebers auf, des Freisinger Fürstbischofs Johann Franz Eckher von Kapfing.

An der Unterseite des Schalldeckels über der Kanzel befindet sich eine Darstellung der Hl.-Geist-Taube vor einer Lichtglorie, von Wolken und Puttenköpfchen umgeben. Von der Glorie gehen Strahlen aus, in denen Flammenzungen zu sehen sind sowie die Inschriften SAPIENTIA / INTELLECTVS / CONSILIVM / FORTITVDO / SCIENTIA / PIETAS / TIMOR DOM(ini) – die Sieben Gaben des Hl. Geistes. (Eine stilistisch sehr ähnlich gemalte Darstellung der Geisttaube mit Putten befindet sich am Schalldeckel der Klosterkirche in Indersdorf.)

An der Kanzelbrüstung sind in Stuckornamentrahmen Bildfelder mit den Darstellungen der vier Evangelisten zu sehen. Obwohl bei diesen Bildern an der Kanzel von der Originalsubstanz kaum mehr etwas vorhanden ist (von Christian Seibold 1934 weitgehend erneuert), ist der Bildgegenstand wohl barock. Die Kanzel soll 1804 zusammen mit dem Altar aus der Rothschwaige nach Hirtlbach gekommen sein (BHStA I, GL 602).

Geisttaube mit den Sieben Gaben des Geistes

Quellen und Literatur

BHStA I, GL 602

BHStA I, HL 3, Rep. 1, Verz. 2, Fasz. 15 A und 15 B. StAM, LRA 34563

AEM, Pfarrakten Hirtlbach: Pfarrbeschreibung; Bauten II; Pastoral- und Kultusgegenstände 1659–1868.

Meichelbeck, Historia Frisingensis, Tom. 2, Pars 1, Freising 1729, S. 460.

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 359–61. Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 145 f.

Historischer Atlas I, Bd 11/12 (Pankraz Fried), München 1958, S. 207.

Kunst- und Kulturdenkmäler 1977, S. 274

Dehio 1990, S. 433 f.