Haimhausen, Schloß, Klausenkapelle Maria von Loreto
Klausenkapelle, sog. »Butzküah« (= Tannenzapfen)-Kapelle, an die ehem. Einsiedlerklause (heute Schloßwirtschaft) angebaut, in der NO-Ecke des Schloßparks rechts von der Einfahrt gelegen
Patrozinium: Maria von Loreto
Zum Bauwerk: Wening (1701) gibt in einem Stich die Anlage wieder (Abb. M 79). Sie befand sich in der Mitte eines von Mauern umgebenen Gartens und ist in der Bilderläuterung beschrieben als »die schöne und wolgezierte Capellen und Clausen so mit Zimmern, Kuchel, Keller und Garttl versehen IST«.
An die längsrechteckige Klause zu vier Achsen ist im N über acht-eckigem Grundriß mit schmaleren Diagonalseiten eine kleine Kapelle angebaut, mit Zeltdach und achteckiger Laterne, deren Öffnung innen durch das runde Deckenbild (s. u.) verdeckt ist. Über dem Eingang zeigt eine Kartusche die Jahreszahl 1701. Verkleidung der Wände durch eine reiche Dekoration, deren Hauptmaterial Baumrinde ist; außerdem wurden verwendet Tannenzapfen, Blumen aus großen Muscheln mit Zweigen und Blättern aus bunt bemaltem Blech, dazwischen grobgeschnitzte hölzerne Puttenköpfe. Entsprechend dekorierter Altar gegenüber dem Eingang mit Loreto-Madonna in Rokokorahmung. Hinter dem Altar vermauerte Tür zur ehem. Klause.
Auftraggeber: Vermutlich Franz Ferdinand, Reichsgraf von und zu Haimhausen (* 1644 † 1724)
Autor und Entstehungszeit: Der Autor ist unbekannt; das Bild entstand wohl mit dem Kapellenbau 1701.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flachdecke Rahmen: Brauner, profilierter Holzrahmen Technik: Öl auf Holz (?); polychrom Maße: Höhe 5,50 m; ∅ 1,30 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Übermalungen, vor allem in den Gesichtern der Engel
Bildthema
Taube des Hl. Geistes und Engel; Himmel hellblau, gelbliche Wolken, rosa-hellblau changierende Engelsflügel (keine Abb.
Farbakzente durch das Rot im Umhang der stehenden Frau und das Blau-Grün bei der in der Bildmitte Knienden
B und C PUTTEN
B Fünf Putten mit Trauben und Birnen in einer Landschaft C Vier Putten mit Quitten, Pfirsichen, Kirschen und Pflaumen in einer Landschaft.
Literatur s. unten
Quellen und Literatur
Wening 1701, S. 44
Westenrieder, Lorenz von, Beschreibung der Haupt- und Residenzstadt München, München 1782, S. 393.
-, Beschreibung des Landgerichts Dachau, in: Beyträge zur vaterländischen Historie, Geographie, Statistik und Landwirtschaft, Bd 4, München 1792, S. 301.
Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 182
Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 145.
Prechtel, J. B., Beyträge zur Chronik der Pfarrei Fürholzen bei Freising, in: OAVG 44, 1887, S. 111-246.
KDB I OB (1), S. 29
Frankenburger, Max, Zur Geschichte des Schlosses Haimhausen, in: OAVG 68, 1931, S. 25–54.
Feldbusch, Hans, s.v. Dreifaltigkeit, in: RDK, Bd 4, 1958, Sp. 432 und Abb. 10 (Schloßkapelle, Detail).
Diedrich, Hans Heinrich, Die Fresken des Johann Georg Bergmüller. Ein Beitrag zur Augsburger Malerei des 18. Jahrhunderts, ungedr. Diss. Mainz 1958/59. S. 134–39.
Hager, Luisa, Eremitage, in: RDK, Bd 5, Sp. 1217 und Abb. 6a, 6b (Klausenkapelle).
Alkens, August, Schloß Haimhausen, in: Amperland 5, 1969, S. 28 ff.
Haller, Klaus, Das Schloß Haimhausen, in: Amperland 10, 1974, S. 510–14, mit Abb. (Festsaal).
Wagner, Helga, Barocke Festsäle in bayerischen Schlössern und Klöstern, München 1974, S. 154 f., mit Abb. (Festsaal). Raeber-Züst, Edith, Die Fresken in Fischbach-Göslikon und ihre Vorbilder. Eine ikonographisch-ikonologische Studie, in: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, 33, 1976, S. 119–57, bes. 152–57, Abb. 41 (Schloßkapelle).
Kunst- und Kulturdenkmäler S. 266–68, mit Abb. (Schloßkapelle).
Hartig, Michael, und Martin Probst, Die Kirchen der Pfarrei Haimhausen (Manuskript), Haimhausen 21983, S. 8–15. Kretzschmar, Ulrike, Das alte und das neue Schloß Haimhausen (= Schriften aus dem Institut für Kunstgeschichte der Universität München, Bd 10), München 1986.
Dehio 1990, S. 397–99.
Böck, Robert, Wallfahrt im Dachauer Land (= Kulturgeschichte des Dachauer Landes, hg. im Auftrag des Museumsvereins Dachau e.V. von Horst Heres, Bd 7), Dachau 1991, S. 134 ff. (Klausenkapelle).
B. V.-K.