Gars am Inn, ehem. Augustiner-Chorherrenstift, Verlorene Deckenmalereien
Verlorene Deckenmalereien Ehemaliges Refektorium
Das ehemalige Refektorium lag im nördlichen Klosterflügel, also parallel zum Kirchenbau. Bei der Säkularisierung 1803 ersteigerte der Neumarkter Gerichtsmaurermeister Matthias Hechel den Refektoriumsstock mit dem Vorhaben, ihn zu einem Schulhaus umzubauen (Pläne im AEM, Nachlaß Augustin Hacklinger, Bd 9). Ins Erdgeschoß sollten Speis Behältnis und Holzgewölb kommen, in den ersten Stock die Lehrerwohnung und in den zweiten neben zwei Schulzimmern ein Instrumenten- ein Bücherraum und eine Holzlege. Der Umbau kam nicht zustande; der Trakt wurde abgerissen und später durch die Redemptoristen wieder neu erbaut. Nach dem Klosterplan unter Abt Athanasius in der Eingangshalle hatte der Raum 5 Achsen; im Westen des Traktes befand sich das Treppenhaus, im Osten Nebenräume. Nach Hechels Plan hatte der Trakt 9 Achsen, von denen zwei für das Treppenhaus abgingen, und einen südlichen Gang. Nur das Erdgeschoß war - wie Bibliothek und Kapitelsaal kreuzgewölbt, folglich muß sich hier das Refektorium befunden haben An Bildfeldern ergaben sich sechs ganze und zwei halbe – letztere an der westlichen und östlichen Schmalseite. Ohne Treppenhaus wären acht Bildfelder möglich. Hechel spricht in seinem Kostenvoranschlag aber nur vom Einbau von Durchzugmauern, die Stiege war demnach vorhanden sie ist auch auf der Klosteransicht und dem Grundriß von 1690 (heute in der Eingangshalle des Klosters) zu sehen.
Nach den Maßen kann man sich das Refektorium ähnlich wie die Bibliothek und wie diese kreuzgewölbt vorstellen.
Auftraggeber: Propst Joseph Schmid (1751–71)
Autor und Entstehungszeit: 1730 Ausmalung durch Johann Franz Huber im Zusammenhang mit einer Stuckierung durch Johann Baptist Zimmermann (s. unten)
1764 Ausmalung durch Franz Kirzinger aus München
In den Notata Domestica, einer Schriftensammlung des Propstes Augustin Hacklinger (AEM, KB 38-40, 1379-81), ist in Bd 2, fol. 57-148 eingebunden ein alphabetisches Verzeichnis mit Bau- und Ausstattungsnotizen in verschiedenen Handschriften, aus verschiedenen Quellen zusammengetragen, die auch genannt sind. Fol. 63 heißt es unter B: »Die 8 Bilder im Refectorium haben gekostet 1 ad 7 fl. = 56 fl. Das Abendmah daselbst 30 fl. Das Altarblatt St. Thomas ebenfalls 30 fl. Diese 10 Bilder sind von Kürzinger in München gemahlt worden im J. 1764 (Jahresrechniing)«.
Bei den acht Bildern kann es sich um Darstellungen in den Gewölben gehandelt haben; das Abendmahl war möglicherweise ein Wandgemälde an der Schmalwand. Von den Gemälden fehlt jede Spur. Das Altarblatt



St. Thomas befindet sich heute am nördlichen mittleren Seitenaltar in der Kirche
Nach dem Tagebuch des Dekans (AEM, KB 37, Bd 3) wurden 1730 Refektorium, Gästezimmer und Musaeum (Studierzimmer, Lesezimmer) mit Stuckausstattungen durch Johann Baptist Zimmermann versehen. Dieser kam selbst mit Schülern nach Gars, ließ diese die Stuckierungen ausführen und besichtigte das fertige Werk.
Die Tagebucheintragungen von 1730 im Wortlaut:
4.4. nobiscum coenaverunt dictus R.P. Innocentius, D. Zimmermann Stockadorer cum suo famulo
17.4. D. Zimmermann Stockadorer incepit in Stuba hospitum tabulatum (=Holzdecke) destruere, ut novum ex cemento & gipso introducatur Culturationic quie debuit refectorium
26.5. hodie fabri murarii seu Stockadorer absolverunt Stubam hospitum.
27.5. hodie Stockadorer incepere reformare tabulatum refectorii.
29.5. sero advenit D. Zimmermann lustraturus laborem a suis famulis absolutum in Stuba hospitum.
22.7. haben die Stockadorer das Refectorium verfertiget scilicet post 8 hebdomades
5.8. absolutum est a fabris murariis Refectorium
7.8. incepere fabri lignarii reformationem nostri Musaei.
9.8. hodie ingressi sumus denuo Refectorium reformandum
19. absolvit pictor noster reformationem imaginum in Refectorium ... pro quibus illi soluti 16 fl.
6.9. hodie perfectum est Musaeum a fabris murarii
Vom ehemaligen Prälatenstock im Westflügel des Klosters haben sich noch Stuckfelder in den – heute unterteilten – Räumen erhalten; im ersten Geschoß waren Festsaal und Kapelle. Es ist denkbar, daß die Räume auch mit Fresken ausgestattet waren.
Quellen und Literatur
Verzeichnis des Garser Archivbestandes (AEM, BSB, BHStA StAM) bei Hauser 1938 (s.u.). Für den vorliegenden Text wurden folgende Archivalien benutzt:
AEM, KB 37/1-6 (1372-1377), Diaria Garsense: Tagebücher der Dekane von Gars über das kirchliche und alltägliche Leben in Gars. Bd 1 (1372): 1683–1705; Bd 2 (1373): 1707–20, Tagebuch von P. Lucas Faber; Bd 3 (1374): 1721–38; Bd 4 (1375): 1739 bis März 1747 und 1762-64, im Februar 1764 von P. Augustinus fortgesetzt bis 1770, 1777/78, 1806/07.
AEM, KB 38-40 (1379-81), Garsensia Bd 2-5: Schriftensammlung des Propstes Augustin Hacklinger. KB 38: Geschichte des Klosters bis 1669; KB 39: Fortsetzung, fol. 57-148 Notata Domestica, alphabetisches Verzeichnis mit Bau- und Ausstattungsnotizen: KB 40: Säkularisationsakten.
AEM, KB 52, Diarium Garsense: Tagebuch P. Joseph Kellmavr 1700–26.
AEM, KB 53/1-6, Tagebücher der Pröpste. KB 53/1: Diaria 1746–56; KB 53/2: Diaria 1757–66; KB 53/3: Diaria 1767–71. KB 53/4: Diaria 1775-82; KB 53/5: Diaria 1783-94; KB 53/6 Diaria 1744, 1763, 1766-70, 1771.
Meidinger 1787, S. 341 f., 1790, S. 344. Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 111–16. Maier, P. Alois, Kurze Geschichte des Klosters Gars am Inn Kalender für kath. Christen 1901, S. 43-71 und 1902, S. 39-50 KDB I OB (2), S. 1947–56. Hartig, Bd 1, S. 177–81.
Hauser, Josef, Geschichte des Augustiner-Chorherrenstifts Gars am Inn (= Südostbayerische Heimatstudien Bd 15), Hirschenshausen 1938 (mit Bearbeitung der Quellen).
Backmund, Norbert, Die Chorherren und ihre Stifte in Bayern, Passau 1966. Gars: S. 82-84 (mit ausführlichem Quellenverzeichnis).
Ebermann, P. Bernhard, 300 Jahre St. Felix in Gars, in: Das Mühlrad 1975, S. 69–81.
(Klaus Kratzsch), Gars am Inn. Instandsetzung der ehem. Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt, in: Mitteilungen des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, Ausgabe B, Nr. 70, 12. 3. 1984, S. 10–12.
Hamacher, Bärbel, Entwurf und Ausführung in der süddeutschen Freskomalerei des 18. Jahrhunderts, München 1987, S. 21, Kat. Nr. 27 (Entwurf Seltenhorns als Kendlbacher 1712). Kaiser, Alfred, Zur Ikonologie der ehem. Augustinerchorherrenkirche Gars am Inn, in: Das Mühlrad 30, 1988, S. 7–26. Seidl, Bärbel, Studien zu Johann Eustachius Kendlbacher und Benedikt Albrecht, (= Schriften aus dem Institut für Kunstgeschichte der Universität München Bd 41), München 1990. Colditz, Silke, Die barocke Deckenmalerei in der Klosterkirche Gars am Inn, ungedr. Magisterarbeit Passau 1990.
Paula, Georg, Entwurf für ein Deckenfresko bei Ruef, München, in: Antiquitäten-Zeitung Nr. 22, 1995, S. 730.
Ebermann, P. Bernhard und P. Josef Stemmer, Gars am Inn (KKF Nr. 940), München und Zürich 42000. C.B.