Gars am Inn, ehem. Augustiner-Chorherrenstift, Felixkapelle
Felixkapelle
Der Raum grenzt unmittelbar an den Chor der Klosterkirche und war ursprünglich der Kapitelsaal. Die Kapelle war Grab-, Gnaden- und Wallfahrtskapelle
Patrozinium: St. Felix
Zum Bauwerk: 1657/62 Bau des ehemaligen Kapitelsaals im Zuge des Kloster- und Kirchenneubaus durch Gaspare und Domenico Cristoforo Zuccalli unter Propst Athanasius Peitlhauser (1648-98). 1674 Umgestaltung in eine Grab- und Gnadenkapelle, dem hl. Felix geweiht. Dabei wurde der zweischiffige Saal durch eine Längswand in Kapelle und in einen Nebenraum mit dem Zugang zur Klosterkirche unterteilt (heute ist diese Unterteilung wieder entfernt). 1752 Barockisierung, Chronogramm über der Tür zum Choraltar. In diese Zeit ist auch der Felixaltar von Christian Jorhan d. Ä. zu datieren. 1754 faßten die Englischen Fräulein in Altötting die Gebeine des hl. Felix neu.
Die Kapelle liegt im Erdgeschoß in dem quergelagerten Trakt östlich der Kirche und ist nach S gerichtet. Nördlich grenzt sie an die Sakristei. Langgestreckter, vierjochiger Saal (14,00× 5,40 m), gerade geschlossen; vier Fenster nach O.


Auftraggeber: Propst Joseph Schmid (1751-71)
Autor und Entstehungszeit: Anton Liechtenfurtner (* 1721 Freising †1758 Gars) 1752
Inschrift über dem Eingang rechts vom Altar: ITE AD FELI- CEM PRECANTES (= 1752). Als Maler der Fresken und als Fasser des Jorhanschen Altars mit den 14 Medaillonbildern nennt Meidinger (1790) den Laienbruder und Garser Konventualen Anton Liechtenfurtner. Inschrift auf seinem Epitaph am Gang nördlich der Sakristei: R. R. F. Antonio Liechtenfurtner, Freisingensis, Converso, quem umbra mortis obscuravit 9. April An. 1758, vitae 37, S. Profess 13, Religiosus aeque ac Pictor bonus. Multa pinxit Ecclesiis Plura Aeternitati, Requiescat ergo a laboribus in Pace. Anton Liechtenfurtner (Taufnamen Leonhard Martin), geboren am 6. 11. 1720 in Freising, war der jüngste Sohn des Freisinger Stuckators Nikolaus Liechtenfurtner und der Christina Schauer, Tochter des Freisinger Malers Georg Schauer (AEM, Pfarrbuch St. Georg, Freising).
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flaches Kreuzgratgewölbe Rahmen: Gemalte Rahmung Technik: Fresko; polychrom
Maße: A, B, C Höhe 3,65 m; 2,50 × 3,65
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1864/65 wurde anläßlich einer Neufassung der Gebeine des hl. Felix der ganze Raum renoviert und das feuchte Gewölbe trockengelegt. An die Stelle der drei Bretterwände, durch welche die Kapelle seit 1674 von dem ihr nebenlaufenden Gewölberaum abgetrennt war, wurden Ziegelmauern aufgeführt. Um es trocken zu machen, wurde das Gewölbe frisch beschüttet und z.T. mit neuen Ziegeln, zum andern Teil mit aus dem Fußboden der Felixkapelle erübrigten Quadern belegt. Es wurde geweißt und alle schadhaften Stellen ausgebessert. Eine Photographie (BLfD) zeigt den Raum mit einer gemalten Gewölbedekoration: Die drei Felix-Fresken sind eingebunden in eine ähnliche aber jüngere Bandwerkornamentik wie die Klosterkirche; die

Stichkappen zeigen Kartuschen mit Schriftbändern. Der Altar ist von einer Rocailledekoration umgeben; an der Altarwand Brokatmuster mit Rocaillebändern am Sockel und am Übergang zum Gewölbe, am Gewölbe eine Rocaillekartusche mit Puttenköpfchen und dem Dreifaltigkeitssymbol. Vor der Restaurierung 1934 war der Raum vom Dritten Orden genutzt, die Dekoration war durch Sprüche an den Gewölben ersetzt. Die ursprüngliche Dekoration war abgekratzt und konnte nicht mehr hergestellt werden.
Bei der letzten Restaurierung 1987 durch die Gebrüder Lauber, Bad Endorf, und Kirchenmaler Stein, Inzell, wurden die Sprüche wieder entfernt. Die Deckenfresken wurden gereinigt. Sie sind in gutem Zustand.
Beschreibung und Ikonographie
Bei den drei Fresken in Form breitformatiger Vierpässe ist bemerkenswert die dreimalige Wiederholung der Bildanlage - Kloster und Markt Gars auf dem Hochgelände des Innufers vor einer langgestreckten Waldkulisse sind aus verschiedenen Blickwinkeln und aus unterschiedlicher Nähe gezeigt - Darstellungen in topographischer Ausführlichkeit von lokalhistorischer Bedeutung. In Wolken erscheint jeweils von Engeln begleitet der hl. Felix auf einer Wolke, als Patron in römischer Soldatenkleidung, mit den Abzeichen eines Martyrers und der Keule als Attribut. Als Farben sind vorwiegend Erdfarben in Grün- und Ockerwerten verwendet, dazu ein kühles Blau und fahles, bräunliches Karmin.
A FELIX ALS PATRON IN WASSERNOT Ansicht vom östlichen Innufer auf den Fluß und das gegenüberliegende Ufer. Ein Kahn ist gekentert, und zwischen Planken und Fässern treiben Schiffbrüchige, die mit erhobenen Armen der hl. Felix um Rettung anrufen. Markt und Kloster Gars liegen zurückgesetzt vor einem Waldrand; topographische Aufmerksamkeit ist den am Ufer liegenden Anwesen und dem links in einer Umfriedung liegenden Schloß gewidmet. Es ist Schloß Hampersberg, das die Magensreiter innehatten, die als Wohltäter der Kirche auftraten.
B FELIX ALS PATRON IN UNWETTER Diese Ansicht zeigt Gars von Nordosten, der Seite von Kloster Au aus inmitten reifer Getreidefelder, links den Inn und das steil abfallende jenseitige Ufer. Über der Landschaft liegt ein düsterer Gewitterhimmel, aus dem Blitze zucken.
C FELIX ALS PATRON IN FEUERSNOT Die Ansicht zeigt Kloster und Markt vom Inn aus, aber in einem anderen Blickwinkel als in A. Der Markt Gars steht in Flammen. Einer der Engel in Begleitung des Heiligen gießt Wasser aus einem Krug auf die lodernden Flammen. Gars wurde mehrfach von schweren Feuersbrünsten verwüstet, zuletzt 1748 im Österreichischen Erbfolgekrieg.
Der Kult des hl. Felix ist auf Gars beschränkt: 1671 erbat sich Propst Athanasius Peitlhauser, um dem neuerbauten Kloster


GARSAMINN
einen besonderen Glanz zu verleihen, von Papst Clemens X. den Leib eines hl. Martyrers Felix aus den Priscilla-Katakomben in Rom. Am 4.7. 1672 kam der Leib nach Mühldorf in die Krankenkapelle des Kapuzinerklosters; erst am 8.7.1674 wurde er nach Kloster Gars überführt. Am 7.7. 1675 wurde der Leib feierlich am Hochaltar der Kirche ausgesetzt, eine Woche lang verehrt, über die Felder getragen und schließlich in der neueingerichteten Felixkapelle beigesetzt. Zwei Monate später, am 3.9.1675, brach im Markt Gars ein Brand aus. Das Allerheiligste und der Martyrer-Leib wurden in den Markt hinausgetragen: das Feuer konnte eingedämmt werden. Der ganze Ort schrieb die Errettung der Fürbitte des neuen Schutzpatrons zu (Ebermann, S. 76). Zum Grab des hl. Felix in
Gars entwickelte sich eine blühende Wallfahrt, zahlreiche Votivbilder - von denen mehrere noch erhalten sind - wurden gestiftet und Wallfahrtsbilder in hoher Auflage gedruckt. Nach Ebermann handelt es sich bei dem hl. Felix in Gars wohl um einen der sieben Söhne der hl. Felicitas, die in der Priscilla- Katakombe bestattet wurden (Fest 10. Juli). Die hl. Felicitas und ihr Sohn Vitalis waren Patrone des benachbarten Klosters A. mit dem Kloster Gars in enger Verbindung stand
Quellen und Literatur
Thieme-Becker Bd 23, 1929, S. 203 (s.v. Liechtenfurter). Ebermann, P. Bernhard, 300 Jahre St. Felix in Gars, in: Das Mühlrad 1975, S. 69–81.