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Günzlhofen, Pfarrkirche St. Margareta

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 4: Landkreis Fürstenfeldbruck. Hirmer, München 1995, ISBN 978-3-7774-6310-0, S. 162–165, geschrieben von Sauerländer, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

GUNZLHOFEN

Pfarrkirche, Gemeinde Oberschweinbach, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung hatte das Präsentationsrecht auf die Pfarrei der Fürstbischof von Freising inne. Die Hofmark Günzlhofen gehörte von 1595–1825 – mit einer kurzen Unterbrechung um 1750 - einem Familienzweig der Freiherren von Imhof Gericht Dachau

Patrozinium: St. Margareta

Zum Bauwerk: Ursprünglich spätgotischer Bau, nach Brand Anfang 18. Jh. Neudekoration und Ausstattung. Das LHs wurde 1908/21 von Richard Berndl, München, anstelle des kleineren barocken neu erbaut und neubarock ausgestattet (BLfD, Akten Günzlhofen).

An den Saalbau schließt ein leicht eingezogener, dreiachsiger AR mit flachem, dreiseitigem Chorschluß; im AR umlaufende Pilastergliederung mit Palmettenkapitellen, Belichtung nur von S durch hohe Fenster mit geschweiftem Abschluß. Im AR anmutiger Deckenstuck mit Akanthusranken, Muscheln und Blütenranken, der den Stuckdekorationen in Dünzelbach (S. 29-32) und Hattenhofen, LKr. Fürstenfeldbruck, verwandt und um 1725 zu datieren ist. Die Deckenbilder befinden sich im AR

Auftraggeber: Carl Octavian von Imhof auf Günzlhofen † 1725 (Grabinschriften der Imhofs im AR). Amtierende Pfarrer im fraglichen Zeitraum: Philipp Franz Lindmair (1702-16) und Martin Hueber (1716-39; Epitaph am gotischen Vorhaus). Die lobreiche Grabinschrift Martin Huebers und die Nutzung der sehr kleinen AR-Bildfläche für ein kompliziertes Programm lassen Pfarrer Hueber als den aktiver Mitgestalter bei der Ausmalung erscheinen: HIC IACET, PER QUEM MAGNA TEMPLI HUIUS STAT PARS./ TA- CET, QUEM LAPIDES, ET ARAE LOQUUNTUR./ IA- CET, ET TACET PLRM. RDUS. NOB. AC CLARISS: DO- MINUS/MARTINVS HVEBER PLEBANVS, VNA AT/OVE DECANVS GINZELHOVII/SS. THLGIAE LICENTIAT./ CONSILIARI[VS] ECCLESIAST[ICVS] FRISINGENSIS ACTUALIS./...

Autor und Entstehungszeit: Von den Deckenbildern des 18. Jh. ist nur die Ausstattung des AR erhalten; der Autor ist unbekannt. Als Vorbilder für die kleinfigurigen biblischen Szenen 1-4, die vor eine recht duftig gemalte Landschaftskulisse gesetzt sind, scheinen nicht so sehr Stichwerke in Frage zu kommen als vielmehr ähnlich aufgebaute Tafelbilder verwandten Inhalts aus dem letzten Viertel des 17. Jh. (z. B. Michael Willmann, Landschaft mit Moses vor dem brennenden Dornbusch, um 1685-92, Abb. in RDK, Bd 3, Sp. 249 f.). Die Darstellungen im AR sind um 1725 zu datieren. In der Schmidtschen Matrikel von 1739 (S. 256) wird die Kirche als »pulchre reparata« bezeichnet. Unter Vorbehalt des Erhaltungszustandes ist eine Zuschreibung an Joseph Krenauer möglich, an dessen ausladenden Figurenstil der hl. Jakob erinnert (vgl. Maisach, S. 190).

Befund

Träger der Deckenmalerei: AR stark gedrückte Flachtonne nach O abgemuldet

Rahmen: A runder Stuckprofilrahmen; 1-4 trapezförmiger gekurvter Stuckprofilrahmen, von einer Blumengirlande bekrönt

Technik: A Fresko, polychrom; 1–4 Secco, polychrom Maße: A Höhe 7,40 m; Ø 2,00 m, 1,90 × 1,30 m, 1,30 × 0,90 m

Erhaltungszustand und Restaurierungen: In der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurden der Stuck übertüncht und die Deckenbilder, vor allem wohl die Fresken, mit zu dunklen Farben ausgebessert. Bei einer Restaurierung um 1900 wurden die Fresken als sehr stark übermalt bezeichnet. Eine Freilegung des Stucks und des inzwischen zugestrichenen Freskos A erfolgte 1957 durch Ludwig Keilhacker, Taufkirchen/Vils: Das Fresko wurde ausgebessert, die originale Farbigkeit des Stuckdekors aufgrund vorhandener Reste wiederhergestellt. 1984 erfolgte unter Jakob Heinlein, München, eine Trockenreinigung der Deckenbilder; der Stuckdekor wurde gereinigt und neu eingestimmt, ältere Übermalungsreste wurden entfernt. 1-4 wirken recht gut erhalten, Fresko A ist stark erneuert. Deckenbild und ornamentale Malereien im LHs gingen durch den 1921 entstandenen Neubau verloren; an der Langhausdecke befindet sich heute eine Neuschöpfung von Oswald Völkel von 1931, Die hll. Margareta und Maria als Fürbitterinnen für die Gemeinde.

Beschreibung und Ikonographie

Das stuckierte Deckenfeld ist leicht längsrechteckig. Um ein zentrales Medaillon ordnen sich in den Diagonalen vier annähernd herzförmige, großflächige Eckkartuschen, die mit Akanthusranken locker gefüllt sind. Die in den Hauptachsen übrigbleibenden, relativ kleinen Negativformen des

A Jakobs Traum von der Himmelsleiter (Photo D. Reichler)
4 Moses vor dem brennenden Dornbusch

Schemas - hochformatige Zwickel mit eingebuchteten Seiten - sind mit Miniaturbildern besetzt. Eine ringförmige, in gewissem Abstand zum Mittelmedaillon umlaufende Blumengirlande durchflicht die vier Eckkartuschen und wird an der Zwickeln unterbrochen, um dort als doppelbogiger Feston mit Muschel-Agraffe und zwei Heliotrop-Blüten zur Halterung die Wichtigkeit der Zwickel zu betonen. Die Einzelformen des symmetrischen Schemas sind mit Geschick leicht verzogen, so daß die Decke den Eindruck einer quadratischen Fläche macht

JÄKOBS TRAUM VON DER HIMMELSLEITER (Gen 28, 10-19)

Das geostete, überarbeitete Rundbild ist nur noch ikonographisch auszuwerten. Auf dem Wege nach Charan übernachtet Jakob in der freien Landschaft, den Oberkörper an einen Stein gelehnt. Wanderstab und Kürbisflasche liegen neben ihm. Er sieht im Traum eine Leiter mit auf- und niedersteigenden Engeln, die von der Erde bis zum Himmel reicht; darüber erscheint Gottvater, hier durch das Trinitätssymbol mit dem Auge Gottes versinnbildlicht. Neben der von Putten bevölkerten Leiter befindet sich ein begleitender Engel mit einem Stern, auf den er selbst verweist.

OPFER ABELS (Gen 4,2-5)

Vor einer Landschaft mit einem Felsen sowie Bergen im Hintergrund kniet Abel mit der Hirtentasche neben seinem Opferaltar, dessen Flammen zu Gott aufsteigen. Weiter hinten steht Kain neben seinem Altar, dessen Flammen sich nach unten krümmen.

OPFER ABRAHAMS (Gen 22,9-13)

Auf einem mächtigen Altarstein liegt Isaak gebunden; dahinter steht Abraham in wehendem Mantel, ein langes Messer zum tödlichen Streich erhoben, während vom Himmel her der Engel Einhalt gebietet. Die Szene ist in eine Baumlandschaft gesetzt.

QUELLWUNDER DES MOSES (Ex 17, 1–6)

Ein Hügel mit Felsen darüber markiert den Berg Horeb; Moses, von einem Altesten Israels begleitet, schlägt mit seinem Stab Wasser aus dem Felsen, das sich hier zum Flußlauf erweitert, der in der bergigen Hintergrundslandschaft verschwindet. Im Vordergrund der Szene und im Mittelgrund – wo auch das Zeltlager von Rephidim zu erkennen ist – trinkende und Wasser schöpfende Israeliten.

GOTT ERSCHEINT MOSES IM BRENNENDEN DORNBUSCH (Ex 3, 1–6)

Ein Felsen auf einem Hügel bezeichnet auch hier den Gottesberg Horeb. Moses kniet vor dem flammenden Dornbusch, die Sandalen zur Seite gestellt. Er bedeckt mit der Hand die Augen aus Furcht vor dem Anblick des Herrn.

Die duftig gemalten Landschafts-Szenerien sind nicht ohne Qualität. Zarte bräunlich-rote und grünliche Töne herrschen vor; hinzu kommt ein weißliches Blau für die fernen Berge.

Abels und Abrahams Opfer sind gängige Präfigurationen des Opfertodes Christi und beziehen sich, gemäß der Funktion des AR, auf die Eucharistie. Das Quellwunder des Moses steht hier im gleichen Zusammenhang (RDK, Bd 4, Sp. 179 f., s. v. Eucharistie, Quellwunder des Moses). Die Erscheinung des Herrn im brennenden Dornbusch, Symbol der Praesentia Dei, ist hier zudem in ihrer geläufigsten Auslegung als typologisches Vorbild der unversehrten Jungfräulichkeit Mariens zu verstehen und läßt sich sowohl auf die Verkündigung als

auch auf die Geburt Christi beziehen (RDK, Bd 3, Sp. 243 ff., s. v. Busch, brennender). Am nördlichen Bildrand von A, nahe der Dornbusch-Szene, befindet sich der Engel mit dem Stern, welch letzterer hier wahrscheinlich als Mariensymbol gemeint ist.

Da 1-4, die das Mittelmedaillon umgeben, auf Altaropfer und Inkarnation Christi anspielen, ist anzunehmen, daß aus den mehrfachen Möglichkeiten, Jakobs Traum typologisch einzusetzen, hier an die Praesentia Dei und an die Salbung des Steins gedacht ist, der Jakobs Haupt als Schlafstütze diente. »Jakob erwachte aus seinem Schlafe und sprach: Fürwahr, der Herr ist an diesem Ort ... Hier ist nichts anderes als Gottes Haus; ... Jakob stand am frühen Morgen auf, nahm den Stein zu seinen Häupten und setzte ihn zu einem Denksteine; dann goß er Öl auf seine Spitze. Er nannte jenes Ortes Namen Betel (Haus Gottes) (Gen 28,16-19). Der gesalbte Stein symbolisiert den christlichen Altar (LCI, Bd 2, Sp. 382 f., s. v. Jakob, Typologie) und spielt an auf das Altarsakrament. Augustinus verweist in seinem Kommentar zu Jakobs Traum, De Civ. Dei XVI, 38; auf die Worte Jesu an seine ersten Jünger: »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel

Gottes auf- und niedersteigen über dem Menschensohn- (Io 1,51).

Ein ähnliches Konzept wie im Günzlhofener AR scheint auch im LHs der Georgskirche in Oberau vorzuliegen (LKr. Garmisch-Partenkirchen, s. CBD, Bd 2, S. 394 f.), wo das Hauptbild A von 1788 mit der Jakobsleiter von zwei Medaillons flankiert wird, deren eines das Osterlamm, das andere die Geisttaube zeigt.

Quellen und Literatur

AEM, PfB Günzlhofen, Verantwortung des Pfarrers zu Günzlhofen über die Visitations Puncta ao 1720.

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 255 f. Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 296–300. Heimatbuch Fürstenfeldbruck (o.V.), Fürstenfeldbruck 1952, S. 260 f. Historischer Atlas I, Bd II/I2 C == f

Landkreis Fürstenfeldbruck (o.V.), Heimatbuch, Pörsdorf 1963, S. 157 f.

Kunst- und Kulturdenkmäler, 1977, S. 266 Dehio 1990 S 286 f

B. S.