Bad Tölz, Stiegenkirche auf dem Kalvarienberg


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 2: Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach. Hirmer, München 1981, ISBN 978-3-7991-5834-3, S. 33–35, geschrieben von Bachter, Falk, Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Sinkel, Kristin. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Stiegenkirche auf dem Kalvarienberg, Wallfahrt und Eremitorium, Stadtpfarrei Bad Tölz, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Benefizium, Landgericht Tölz

Zum Bauwerk: Neubau einer Hl. Stiege mit Kapelle (sog. Unterkirche) durch Friedrich Nockher ab 1718; Weihe 1722; ab 1723 Erweiterung durch die Kreuzkirche (sog. Oberkirche) zu einer Doppelkirche (siehe S.28).

Saal (16,00 × 8,00 m) zu vier Achsen, leicht eingezogener AR (3,70 × 6,80 m), dreiseitig geschlossen, durch Triumphbogen und Gitter räumlich abgetrennt. Belichtung im Emporenbereich durch je 4 Fenster im W und O und durch 3 Fenster in den Chorschrägen. Nach N gerichtet.

In der Mitte des Raumes führt die Hl. Stiege, eine dreiläufige Treppe (5,30 m breit) nach dem Vorbild von Rom mit 28 Stufen, zum Obergeschoß mit umlaufender Empore (seitlich je 1,30, rückwärts 5,00 m tief). Im O Anbau des Eremitoriums

Unter der Stiege ist die Grabkapelle zur »Urlaubnahme« (benannt nach dem Altarbild mit dem Abschied Jesu von Maria; auch Friedrichkapelle genannt) mit dem Grabstein des Stifters Friedrich Nockher an einer vollständig ausgemalten Wand (W–K)

Autor und Entstehungszeit: Signatur in A Anton Fröhlich und / Matthias Schmaunz fecit/1813, in B A. Frölich (Schriftzug nicht original).

Im Heimatmuseum von Bad Tölz befindet sich ein Deckenbildentwurf, Ol auf Leinwand, 84 × 32 cm, bezeichnet Jos. Hauber fecit 1812 (Joseph Hauber *1766 Geratsried/Allgäu †1834 München; Thieme-Becker, Bd 16 [1923], S. 121), der als Entwurf zum Deckenbild A der Stiegenkirche identifiziert wurde (frdl. Mitt. Dr. Eckhard von Knorre †). Das Deckenbild wurde von dem Tölzer Maler Anton

Fröhlich (*1771 †1841 Tölz, er malte auch die Fresken in den Kreuzwegkapellen) und dem Garmischer Maler Matthias Schmauz (Schmaunz; die Skizze ist auf der Rückseite bezeichnet Schmaus) 1813 ausgeführt. Es stimmt im wesentlichen mit der Entwurfsskizze überein, der architektonische und landschaftliche Details sowie die drei Männer im SC hinzugefügt sind. Die Darstellung steht noch in der Tradition barocker Deckenmalerei.

Das Deckenbild B zeigt trotz der Signatur A. Frölich keine stilistische Verwandtschaft zu Fresko A. Es fügt sich stilistisch eher zu der um 1720 entstandenen Stuckdekoration des AR, zeigt jedoch starke Ubermalungen aus spätere Zeit.

W–K Epitaph Friedrich Nockhe
A Auferstehung Christi

Das Wandfresko W-K unter der Hl. Stiege ist nach Anbringung des Grabsteins 1773 entstanden und wurde mit 4 fl. 30 x. bezahlt (Forner, S. 128). Als Maler kann Wilhelm Anton Fett (*1739 † 1800 Tölz) angenommen werden, der am Kalvarienberg mehrfach beschäftigt war (Forner, S. 202). Der figurale Stil des Wandbilds stimmt mit den Deckenbildern der Allgaukapelle (1772, S. 451–53) überein.

Befund

Träger der Deckenmalerei: A Flachdecke mit Schrägung an allen vier Seiten, B Gratgewölbe, im Bildbereich überschliffen

Rahmen: A innere Rahmung Stuckprofil mit Ornamenten bemalt, äußere Rahmung gemalt, B Stuckprofil

Maße: A Höhe 9,40 m (von der Empore 4,60) 12,00 × 4,00

B Höhe 4,20 m; Ø 1,40

Erhaltungszustand: A Risse, teilweise gekittet, Feuchtigkeitsschäden, Durchschlagen des Holzlattengewölbes, 1–4 durch Feuchtigkeitseinwirkungen stark beeinträchtigt, B Übermalungen

Beschreibung und Ikonographie

A AUFERSTEHUNG CHRISTI (Mt 28, 1–10) Extrem langes und schmales Deckenbild mit Ansichten nach N und S (photographischer Aufnahmestandpunkt unter der Bildmitte). Nach N eine bergige Landschaft mit der Grabeshöhle, davor der Engel auf dem leeren Sarkophag, den drei von links zwischen Bäumen und Hügeln herannahenden Marien zugewendet, darüber der auferstandene Christus in der Strahlengloriole. Die Ansicht nach S zeigt eine panoramaartig verlaufende Landschaftsdarstellung, in der Mitte Golgotha mit den drei leeren Kreuzen, darüber die rotverdunkelte Sonne. Westlich anschließend die Stadt Jerusalem, östlich ein orientalischer Landsitz, auf den drei Männer zugehen.

Die Farbigkeit ist im wesentlichen von den Buntfarben des Schauplatzes bestimmt; Blau, Rot und Grün in vergleichsweise stumpfen Farbwerten.

1–4 EVANGELISTEN An den Längsseiten der Schrägung befinden sich innerhalb einer Dekorationsmalerei sechs Medaillons, die beiden mittleren zeigen Stuckimitationen, die vier äußeren die Evangelisten in Halbfigur 1 Lukas, 2 Johannes, 3 Matthäus, 4 Markus (keine Abbildungen)

B DREIFALTIGKEIT Gottvater, Christus und Geisttaube in einem Wolkenring vor einer Himmelsöffnung. Das Ocker des Himmelsschauplatzes ist bei den Figuren weiß gehöht, in den Wolken vergraut. Rot und Violett der Gewänder sind nach Gelb gebrochen (keine Abbildung).

W-K Der Grabstein unter der Hl. Stiege nimmt die ganze Höhe der bogenförmigen S-Wand ein. Er ist mit dem Wappen und den Initialen des Stifters FNCST (= Friedrich Nockher Curfürstlicher Salzbeamter in Tölz) versehen und trägt folgende Inschrift: Hier Ruhet / IN GOTT / Der Wohl Edtellere / FRIDERICH NOCKHER / CHURFRST. / SALZ=und Zohl=Beambte / zu Tölz. / So Gebohren / 1679 den 17. Junii / Gestorben / Den 4. Marti 1754. / Erbauer v Stifter / Diß Kalvarienberges / und derer / ERREMITTEN / R.I.P.

Die Zehn-Gebote-Tafeln und das Herz unterhalb des Grabsteins bezeichnen Gehorsam und Liebe zu Gott. Zu beiden Seiten des Steines ist eine trauernde Gestalt mit verschleiertem Gesicht, eine Tugendpersonifikation, gemalt. Links steht Humilitas in weißem Kleid, den Blick gesenkt, die Hände vor der Brust gekreuzt, einen Fuß auf eine Krone gesetzt, zur Seite ein Lamm, so wie sie bei Ripa-Baudoin (Bd 1, Nr. 78, S. 111 f.) beschrieben ist (es fehlt nur eine Kugel in den Händen). Rechts ist eine Tugend – Pietas? – in andächtiger Betrachtung eines Kreuzes und mit einem Rosenkranz in der Hand dargestellt. Die Tugend ist individuell für Nockher als Verehrung des Kreuzes Christi konzipiert.

Über einer Brüstung werden links der Kalvarienberg mit Kreuzkirche, Golgothakreuzen und Kapellen, und rechts die Kircheninnenräume mit der Hl. Stiege gezeigt. Zwei Putti weisen ein großes Blatt vor, das die Abbildung der Golgothakreuze und eine kaum mehr lesbare, offenbar auf die Tölzer Bruderschaft bezügliche Inschrift zeigt ... Todt / Angst Christi am Creutz ... auf dem Calvarienberg ob Tölz.

Unterhalb der bildlichen Darstellungen stehen folgende (z. T. nicht mehr lesbare) Verse: Schlaf wohl, o Friderich, schlaf sanft in diser Erden / Zur Gottes Ehre hast du dise Kirch erbaut / [die Dir] zum Himmel wird die Jacobusleiter werden [Dann wandle auf zu Gott, der auf Dich einst geschaut. Das Leiden Christi war ein Spiegel Deiner Sinnen, / So muß mit Christo dann Dein Grab auch herrlich sein, / So Deine Demuth will hier keine Seiden spinnen; / Du raste nun mit Ruh, die wird Dir Gott verleihn] (Textergänzung nach Westermayer, S. 248).

Quellen und Literatur

Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 453.

Westermayer, Georg, Chronik der Burg und des Marktes Tölz, 21893, S. 247.

KDB I OB (1), S. 677

Forner, Michael, Geschichte des Kalvarienberges zu Tölz und der Eremitenkongregation im Bistum Freising, Tölz 1897.

Hecker, A., Der Kalvarienberg, Tölz [1928].

Schnell, Hugo, Bad Tölz (= KKF, Nr. 103/04), München 1935, S. 12–16.