Arnried, Filialkirche St. Hilaria und Afra


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 376–377, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filialkirche, Gemeinde und Pfarrei Eberfing, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Pfarrei Deutenhausen, die dem Augustinerchorherrenstift Polling inkorporiert war, Gericht Weilheim

Patrozinium: St. Hilaria und Afra

Zum Bauwerk: Die 1673 bis auf den AR wegen Baufälligkeit abgebrochene Kirche wurde laut Chronogramm am Chorbogen 1759 neu erbaut. — Einfacher Saal mit eingezogenem Altrarraum

Auftraggeber: Propst Franz Töpsl von Polling (1744–96) Sein Wappen und das von Polling über dem Chorbogen Darüber die Inschrift: ARNRIED ME PIETAS TVA FECIT LARGA RENASCI (= 1759 / Dum abbas franciscus nomini PRIMUS ERAT. / THASSILO SEEHOLZER FVIT ILLO TEMPORE PASTOR / AC FREGIT DOMINI PAPVLA SANCTA GREGI <math>(=1759).</math>

Autor und Entstehungszeit: Die Chronogramme in der Inschrift am Chorbogen ergeben zweimal 1759; die zweite Jahreszahl dürfte sich auf das Fresko beziehen, da sich unmittelbar darunter die Signatur des Malers befindet: Johann Wenceslaus Albert Pinxit.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Tonnengewölbe, in den vier Ecken abgemuldet

Rahmen: Stuckprofil

Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 6,50 m; 4,00 × 2,80

Erhaltungszustand: Die Bilder sind in so schlechtem Zustand, durch Pilz, Wasser, Schmutz und mechanische Einwirkungen weitgehend zerstört, daß man von Ruinen sprechen muß. Überall Risse; großes Loch im westlichen Teil von

 
A Die Fürbitterinnen Afra und Hilar

Beschreibung

A DIE HLL. AFRA UND HILARIA ALS FÜRBITTERINNEN Reine Himmels- und Wolkenszenerie, einansichtig, mit schwachen Untersichten und Verkürzungen; Betrachterstandort unterhalb des westlichen Bildrandes. Auf quergelagerten Wolkenbänken sitzen und knien die heiligen Frauen, im unteren Bilddrittel die drei Dienerinnen Eunomia, Digna und Euprepia mit Martyrerpalmen, darüber rechts Afra und links Hilaria (durch das Kopftuch als Frau und Mutter ausgezeichnet). Beide tragen Martyrerkronen auf dem Haupt, Afra eine Palme in Händen. Am obersten Bildrand ist, von Wolken umgeben, eine kleine helle Himmelsöffnung, in der das Dreieck, das Symbol der Dreifaltigkeit, erscheint. In den Wolken viele kleine Putti mit Rosen und Palmzweigen, die wegen der Zerstörungen zum Teil kaum mehr zu sehen sind.

Auffallend ist die kompakte, schmutzigbraune Farbigkeit der Wolkenpartien vor dem graublauen Himmelsgrund. Die fünf Frauen tragen Gewänder in lichten, aber kühlen Farben: Rosa, Blau, Weiß und Gelb. Das Rot der Kleider ist stumpf, durch das Licht kaum aufgehellt und wenig transparent. Im ganzen ist der farbliche Eindruck durch das tote Wolkenbraun bestimmt. – Die ursprüngliche Qualität des Bildes war aber doch wohl besser, als der jetzige Zustand sichtbar macht.

 
 
A1-4 Ovalmedaillons in den vier Gewölbeabrundungen mit Szenen aus dem Leben der beiden Heiligen. Die Bilder sind verhältnismäßig figurenreich, die Bildschauplätze haben räumliche Wirkung. Wie in A herrschen auch in A1-4 stumpfe, düstere Farben vor, Braun, Grau, Dunkelblau, und nur einzelne Farben an den Gewändern, wie
 
 
 

A1 TAUFE DER HLL. AFRA UND HILARIA Die hl. Hilaria, begleitet von ihrer Tochter Afra und den Mägden, empfängt durch den Bischof Narzissus die Taufe. Der Diakon hält das Taufbecken. Von der Erscheinung des Hl. Geistes über der Szene fällt ein Gnadenstrahl auf Hilaria

A2 AFRA VOR DEM RICHTER Der Richter Gaius, in einer offenen Halle auf einem Thron sitzend, befiehlt der vor ihm stehenden Afra, einem Götzenbild zu opfern. Ein Priester hinter Afra hält das Weihrauchfaß. Im Vordergrund lodert ein Reisigfeuer.

A3 MARTERTOD DER HL. AFRA Die Heilige ist an einen Baum gebunden, zwei Kriegsknechte schüren das Feuer zu ihren Füßen. Ein Putto kommt von oben mit dem Martyrerkranz. Links im Hintergrund sind die Türme der Stadt Augsburg zu sehen, rechts wird der unverbrannte Leichnam der Heiligen von ihrer Mutter und den Dienerinnen in den Sarg gelegt.

A4 MARTERTOD DER HL. HILARIA Am Sarg ihrer Tochter, hinter dem die drei Dienerinnen beten, erleidet die hl. Hilaria den Feuertod. Ein kleiner Engel erscheint in einem Lichtstrahl über der Szene. Rechts im Bildvordergrund Henkersknechte.

Ergänzungen zur Ikonographie

Die hl. Afra, eine Dirne im römischen Augsburg, wird durch das andächtige Gebet des Bischofs Narzissus und seines Diakons Felix so erschüttert, daß sie sich, zusammen mit ihrer Mutter Hilaria und deren drei Dienerinnen Digna, Eunomia (Eumenia) und Euprepia (Eutropia) von ihm taufen läßt. Vor dem römischen Richter Gaius zum Opfer aufgefordert, bekennt sie ihr Christentum und wird zum Feuertod verurteilt. Ihre Mutter und ihre drei Mägde setzten ihren unverbrannten Leichnam bei und erlitten daraufhin ebenfalls den Martyrertod durch Verbrennung (AASS Augustii, Tomus 2, 5. 8., S. 39–59).

Quellen und Literatur

Gailler, Franciscus Salesius, Vindeliciae Sacrae Tomi 3... Capitulum Weilheimense, Augsburg 1765, Cap. 11. D 4 1 D11 C 220

KDB I OB (1), S. 698.

Thieme-Becker, Bd 1, S. 188, s.v. Albert, Wenzeslaus. Gernhardt, Ludwig, Arnried, in: Weilheimer Sonntagsblatt 8, 1931, 47.

Rückert, Georg, Kirchliche Kunst im alten Landgericht Weilheim, in: Lechisarland 11, 1935, S. 112.

Mauthe, Willi, Der Pfaffenwinkel, Weilheim 1962, S. 34.